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Haja Molter, Jürgen Hargens (Hrsg.): [...] Systemisches Arbeiten mit und in Gruppen

Cover Haja Molter, Jürgen Hargens (Hrsg.): Ich - du - wir - und wer sonst noch dazugehört. Systemisches Arbeiten mit und in Gruppen. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2002. 230 Seiten. ISBN 978-3-86145-242-3. 17,90 EUR, CH: 31,50 sFr.
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Das Thema

Herausgeber und AutorInnen formulieren in diesem Band die Grundzüge systemischen Arbeitens mit Gruppen.

Die Herausgeber

Jürgen Hargens, hat als Herausgeber ("Zeitschrift für systemische Therapie" und systemische Veröffentlichungsreihe bei borgmann) zahlreiche Klassiker der systemischen Therapie in Deutschland bekannt gemacht.

Haja Molter ist als Lehrtherapeut am Institut für Familientherapie Weinheim tätig.

Beide Herausgeber gehören zu den bekanntesten deutschen systemischen Therapeuten und vertreten einen lösungs- und ressourcenorientierten systemischen Ansatz.

Der Inhalt

Haja Molter und Jürgen Hargens haben KollegInnen für diesen Band eingeladen, die in ihrer Praxis systemisch mit Gruppen arbeiten. Dabei legen die beiden Herausgeber in ihrem Vorwort Wert auf die Feststellung, dass "systemisches oder lösungs- und ressourcenorientiertes Arbeiten in/mit Gruppen sich weniger dadurch auszeichnet, dass bestimmte Techniken der Profis zum Einsatz kommen, sondern mehr dadurch, dass eine Haltung zum Tragen kommt." Gekennzeichnet ist diese Haltung durch Respekt vor den anderen GruppenteilnehmerInnen, Anschluss an vorhandene Ressourcen und Initiieren kleiner Veränderungen.

Joachim Hesse, psychologischer Psychotherapeut und leitender Psychologe einer Suchtklinik im Rheinland behandelt grundsätzliche Fragen in seinem Beitrag "Aspekte und Fragen zur Systemisch-Lösungsorientierten Gruppentherapie". Grundpfeiler für eine ressourcenorientierte Arbeit in Gruppen sind für Hesse "eine anerkennende Wertschätzung der Eigenstruktur des Klienten", seiner Ressourcen, Störungsbilder, Anliegen und Auftrags. Der Untertitel des Aufsatzes: "Wie können unterschiedliche Aspektwechsel als Ressourcenfeld organisiert werden?" steht für einen "neugierig-spielfreudigen Umgang mit unterschiedlichen Unterscheidungsperspektiven" und eine "respektvolle Respektlosigkeit" gegenüber Alltagstheorien und bestimmten therapeutischen Schulen.

Unter der Bezeichnung "Konstellierende Konstellationen" beleuchtet Hesse das Kräftefeld, in dem sich jede therapeutische Gruppenarbeit abspielt. Mit klugen Leitfragen erhellt er die unterschiedlichen Kontexte und Blickwinkel der Beteiligten in Raum und Zeit und regt auch die Leserin seines Beitrags an, immer wieder neue Blickwinkel einzunehmen.

Konkrete Beispiele aus Hesses Alltagspraxis mit Gruppen runden diesen empfehlenswerten Artikel ab.

Manfred Vogt und Filip Caby sind beide im Bereich der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie tätig - Vogt als Psychotherapeut und Ausbilder, Caby als Leiter einer psychiatrischen und psychotherapeutischen Kinder- und Jugendlichenabteilung eines Krankenhauses. Ausgehend von den allgemeinen Prämissen ihrer Systemtheorie beschreiben sie in ihrem Beitrag "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" Möglichkeiten stationärer und ambulanter systemisch-lösungsorientierter Gruppentherapie für Kinder und Jugendliche.

"Die Stärken der anderen nutzen - die Probleme an ihren Platz verweisen" will Cornelia Tsirigotis. Die Hörgeschädigten-Pädagogin berichtet engagiert und anschaulich von den Vorteilen und Klippen einer Elterngruppe hörgeschädigter Kinder.

Monika Schimpf, Bettine Börsch, Hansjörg Stahl und Peter Ebel, alle LehrtherapeutInnen am Institut für systemische Therapie in Berlin schildern in ihrem Beitrag "Systemische Gruppentherapie" ein innovatives Experiment: Eine Gruppe von 12 TeilnehmerInnen arbeitet mit 4 TherapeutInnen zweimal zwei Tage zusammen - dazwischen ein Abstand von 6 Wochen. Das anschauliche Erfahrungsmaterial kann viele Anregungen geben.

Gerda Mehta und Hedwig Wagner, beide systemische FamilientherapeutInnen aus Österreich, gestalteten im Rahmen einer systemischen Zusatzausbildung für russische TeilnehmerInnen eine Woche lang mit 24 TeilnehmerInnen eine Ausbildungsgruppe mit Dolmetscherin. Ihre Mitautorin Katya Jorniak war eine der TeilnehmerInnen dieser Gruppe. Unter dem Titel "Gruppenbildungen und Gruppen(auf)lösungen" beschreiben die Autorinnen ihre Erfahrungen. Als didaktische Form wählen die beiden Leiterinnen, die mit einer Dolmetscherin arbeiten, eine Plenumsarbeit von einer Woche, in der die TeilnehmerInnen in der überwiegenden Zeit die Einzelarbeit der Therapeutinnen (mit anderen TeilnehmerInnen) verfolgen.

Bettina Wittmund leitet eine psychiatrische Tagesklinik am Universitätsklinikum Leipzig. Unter dem Titel "Wie können systemische Gruppenkonzepte im Rahmen einer psychiatrischen Institution wachsen?" beschreibt sie innovative Formen der multiprofessionellen Gruppentherapie, die bewusst unterschiedliche Perspektiven verschiedener Therapierichtungen mit einbezieht.

Christian Wagner, ein systemischer Familientherapeut und Trainer, schildert, wie in einem Projekt: "Ein Tag für die Eltern - Systemische Gruppenarbeit am Beispiel einer Elterngruppe" systemische Prinzipien für eine Gruppe von Eltern verhaltensauffälliger Kinder genutzt werden können.

Der Herausgeber Haja Molter (s.o.) leistet unter dem Titel "Vom Organisieren förderlicher Selbstorganisation. Eine Metastrategie für systemisches Arbeiten mit und in Gruppen" schließlich den großen Praxis-Theorie-Beitrag des Bandes. Klug und gesammelt benennt er Grundprinzipien und Handwerkszeug systemischer Gruppenarbeit und entwickelt Prinzipien einer systemischen Didaktik. Die Klarheit und Praxisbezogenheit dieses Artikels hat mich besonders angesprochen.

Zielgruppen / Fazit

Zahlreiche Perspektiven systemisch-lösungsorientierter Gruppenarbeit finden sich in diesem Sammelband. Einzelne Beiträge sind sicher speziell für KollegInnen interessant, die ein ähnliches Arbeits- oder Projektfeld haben, aber in seiner Breite kann der Band einen guten Einblick in die aktuelle Praxis systemischer Arbeit mit Gruppen vermitteln.

Ich persönlich habe am meisten profitiert durch die Lektüre der Beiträge von Joachim Hesse und Haja Molter, die ich beide in Studium und Zusatzausbildung zur Lektüre empfehlen möchte.


Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
ILBB – Institut für lösungsorientierte Beratung Brühl
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
ehem. Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.gutberaten.cologne
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 06.05.2003 zu: Haja Molter, Jürgen Hargens (Hrsg.): Ich - du - wir - und wer sonst noch dazugehört. Systemisches Arbeiten mit und in Gruppen. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2002. ISBN 978-3-86145-242-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/782.php, Datum des Zugriffs 29.10.2020.


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