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Dagmar Ruhwandl: Top im Job. Ohne Burnout durchs Arbeitsleben

Cover Dagmar Ruhwandl: Top im Job. Ohne Burnout durchs Arbeitsleben. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2009. 155 Seiten. ISBN 978-3-608-86016-0. 12,90 EUR, CH: 25,30 sFr.

Reihe: Klett-Cotta Leben!.
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Thema

In einer – z.B. durch Globalisierung, Arbeitsverdichtung und/oder Kommunikationsvervielfachung – stetig komplexer und komplizierter werdenden modernen Arbeitswelt gewinnt bedauerlicherweise auch das Phänomen: Burnout zunehmend an Bedeutung.

Immer mehr Menschen zeigen – meist nach einer Phase hoher Motivation, ehrgeiziger Euphorie und begeisterndem Engagement für ihre berufliche Tätigkeit – erste warnende Symptome, wie z.B. häufiger auftretende körperliche und emotionale Erschöpfung, chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und/oder Schlafstörungen; zunehmend führen derartige Warnzeichen zu einer dauerhaft anhaltenden physischen und psychischen Leistungs- und Antriebsschwäche – betroffene Personen sind buchstäblich mit ihren Kräften am Ende.

Nachdem das Krankheitsbild des Burnout-Syndroms in Fachkreisen zunächst vornehmlich bei Menschen in helfenden Berufen vermutet wurde, ist mittlerweile längst bewiesen, dass auch alle anderen Berufsgruppen – hier sind es insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großer Führungsverantwortung – von der gleichen Problematik betroffen sein können.

In diesem Kontext liegt die Ursache für Burnout nicht nur im Verhalten und der Persönlichkeit einer Einzelperson; vielfach– so eine einleitende These von Dagmar Ruhwandl, der Verfasserin der vorliegenden Publikation – sind es strukturelle Verhältnisse; häufig sind es die spezifischen Arbeits- und Lebensbedingungen in einem Unternehmen, die Burnout fördern und auch relativ stressresistente Individuen ausbrennen lassen.

Autorin

Dr. med. Dagmar Ruhwandl studierte in Tübingen, München und Lausanne (Schweiz)Medizin; nach ihrer Weiterbildung zur Fachärztin (u.a. in der Intensiv- und Notfallmedizin), einer psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Ausbildung sowie diversen Weiterbildungen (z.B. im Bereich Organisationsberatung, Teamentwicklung und Coaching) praktiziert sie derzeit in München als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; sie ist langjährig als Lehrbeauftragte der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München tätig und als Geschäftsführerin verantwortlich für das Institut burnout-praevention.de-consulting.

Die Arbeitsschwerpunkte von Dagmar Ruhwandl liegen im Bereich der Burnout-Prävention, Gesundheitsberatung und Burnout-Behandlung für Berufstätige sowie auf dem Gebiet der Beratung von Führungskräften aus Wirtschaft, Industrie und öffentlichem Dienst im Hinblick auf die konzeptionelle Umsetzung von betrieblichem Gesundheitsmanagement.

Neben der vorliegenden Veröffentlichung hat sich die vielbeschäftigte Ärztin, Dozentin, Autorin, Unternehmensberaterin und Mutter dreier Kinder bereits in ihrem Buch „Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen“; 2. Auflage; Klett-Cotta Verlag; Stuttgart 2007 (siehe socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/4433.php) mit dem vielschichtigen Themengebiet „Burnout“ auseinandergesetzt; nach dem, speziell an Frauen gerichteten, Anti-Burnout-Buch, widmet sich Dagmar Ruhwandl mit der vorliegenden Veröffentlichung vornehmlich der Fragestellung, was der Einzelne tun kann, wenn steigende Anforderungen und sich rasch verändernde Rahmenbedingungen des Jobs krank machen.

Aufbau und Inhalt

Das ansprechend editierte, graphisch aufgelockerte, flüssig zu lesende Buch ist in der etwas „blumig“ überschriebenen Schriftenreihe: Klett-Cotta Leben! Bücher die helfen erschienen; es gliedert sich in acht Kapitel nebst einem kurzen Nachwort.

Im einleitenden I. Kapitel erläutert Dagmar Ruhwandl Entstehungshintergrund, Selbstverständnis und Zielsetzung des nachfolgenden Textes. Das Buch verzichtet weitgehend auf differenzierte Quellenangaben und Zitate; es soll bewusst keine wissenschaftliche Abhandlung sondern eher ein praxisorientiertes Lese- und Arbeitsbuch sein, das dabei durchaus nicht zwingend wie ein Roman „von vorne nach hinten“ zu lesen sei. Der Leser soll – immer entsprechend seines individuellen Bedarfs - vielmehr die für ihn relevanten Kapitel ansteuern und dabei versuchen, die aus seiner Sicht brauchbaren Lösungsvorschläge umzusetzen.
Erfreulicherweise verweist die Autorin - sowohl in der Einleitung als auch in den folgenden Kapiteln – immer wieder darauf, dass ein derartiges Buch zwar Anstöße zur Problemlösung liefern kann, es aber keinen Ersatz für eine fundierte ärztliche Diagnostik oder Behandlung darstellt; Dagmar Ruhwandl ermuntert Betroffene vielmehr dazu, professionelle Helfer in Anspruch zu nehmen, sofern dies erforderlich scheint. Diese Grundhaltung unterscheidet das vorliegende Buch auf angenehme Weise von manchem als Fachbuch getarnten „Laien-Ratgeber“ zum Thema: Burnout.

Das II. Kapitel thematisiert Neues zum Thema Burnout. Sehr kurz stellt die Verfasserin – ausgehend von den Erkenntnissen des amerikanischen Psychoanalytikers Herbert J. Freudenberger – einige aktuelle Forschungsergebnisse – z.B. der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (EUROFOUND) oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – zur Diskussion; sie erläutert knapp „Burnout und seine Folgen“, stellt daran anschließend die Frage, „Psychostress – Epidemie des 21. Jahrhunderts?“ und verweist im positiven Sinne auf „Immer mehr Lösungsansätze“ zur Prävention und Behandlung von Burnout (beispielswiese im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements). Konzeptionell bedingt bleibt das zweite Kapitel etwas „oberflächlich“; hier ließe sich eine differenziertere Betrachtung und genauere Bewertung der genannten Quellen vorstellen; der interessierte Leser erhält im Literaturverzeichnis (Kapitel VII) jedoch genügend Hinweise für eine vertiefende Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen des Burnout.

Das III. Kapitel steht unter der programmatischen Überschrift Bin ich ausgebrannt?; hier möchte die Autorin dem Leser wichtige Signale aufzeigen, anhand derer ein potenzielles Burnout-Syndrom eigenständig erkannt werden kann und bei welchen dieser Anhaltspunkte es eventuell nötig sein wird, professionelle Hilfe aufzusuchen. Dagmar Ruhwandl stellt zunächst fest, dass es – bedingt durch ähnlich gelagerte Symptome – nicht einfach sein wird, vorübergehende Unlust von einem ernst zu nehmenden Burnout-Syndrom zu unterscheiden. Die Frage „Burnout, Depression – oder doch nur ein Durchhänger?“ wird sich dabei vor allem durch einen Vergleich der aktuellen Krise mit anderen belastenden Lebensumständen klären lassen; es wird wichtig sein, die Dauer des aktuellen Erschöpfungszustandes zu analysieren, sich andere Phasen starker beruflicher Anspannung in Erinnerung zu rufen und kritisch zu prüfen, welche individuellen Erholungsprogramme in der Vergangenheit zur Regeneration beigetragen haben und warum diese Techniken dieses Mal nicht greifen.
Dagmar Ruhwandl sieht im Burnout-Syndrom – analog zur internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD 10) – nicht als eindeutige Diagnose an; sondern vielmehr als einen Grund, zum Arzt, Physiotherapeuten oder Psychotherapeuten zu gehen. Ausgebranntsein lässt sich weder in Symptomatik noch Verlauf einheitlich beschreiben; die „Phasen und Symptome des Ausbrennens“ lassen sich – so die Autorin – jedoch anhand der Symbolik einer Ampel wie folgt erklären:

  • Phase 1 - Emotionale Erschöpfung: Die Ampel steht noch auf grün, die Betroffen fühlen sich im Job jedoch bereits zeitweise frustriert und ausgelaugt und verlieren häufiger die Fähigkeit, in der Freizeit zu regenerieren; um Burnout vorzubeugen müsste der Mensch hier sinnbildlich wissen, wo die Bremse ist.
  • Phase 2 - Depersonalisation: Die Ampel steht auf gelb; die Menschen zeigen sich gereizt und gleichgültig, gegenüber Mitarbeitern und Kunden (aber auch im Privatleben) stellt sich zunehmend ein Gefühl der Gleichgültigkeit und Resignation ein; um kein weiteres Risiko einzugehen, müsste der Betroffene nun bereits bremsen.
  • Phase 3 - Leistungseinschränkung: Die Ampel steht auf rot; das Leben der Betroffenen ist gekennzeichnet durch einen zunehmenden und immer offensichtlicheren Leistungsabfall, einer negativen Selbsteinschätzung und/oder dem Verlust von Selbstvertrauen; körperliche Symptome wie Herzbeschwerden oder psychosomatische Erkrankungen des Magen-Darm-Bereichs sind die Regel; es ist es zu spät, die Bremse zu suchen, um Schäden zu vermeiden müsste der Mensch hier bereits gebremst haben.

Den nachvollziehbaren Erläuterungen zum möglichen Verlauf und zur Symptomatik folgt ein – an den Maslach Burnout Inventory (MBI) angelehnter – „Fragebogen zum Burnout“; die kurze, schnell zu bearbeitende Checkliste soll Anhaltspunkte zur augenblicklichen Burnout-Gefährdung vermitteln; die nachvollziehbaren Erläuterungen des Selbsttest führen zum Abschnitt „Erste Hilfe, wenn es brennt“.
Nach Dagmar Ruhwandl liegen die individuell zu nutzenden Hilfsmöglichkeiten zum Schutz vor Burnout – neben dem (Wieder-)Entdecken der persönlichen Ressourcen – vor allen Dingen in den folgenden drei Bereichen:

  1. Regenerieren: Um Burnout vorzubeugen, ist es wichtig, Erholung zu lernen; der Mensch soll überlegen, welche Regenerationsmöglichkeiten ihm bisher geholfen haben und versuchen, diese wieder in seinen Alltag zu integrieren; die Pflege von Freundschaften, ein verlässliches familiäres Umfeld und ein zufriedenstellendes Hobby könnte dabei besonders wichtige Faktoren sein.
  2. Delegieren: Schwieriger als das Regenerieren gestaltet sich das Delegieren; der Mensch muss hier lernen, dass er nicht alles selbst tun muss und es für das eigene Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl nicht abträglich ist, die Erledigung bestimmter Aufgaben an andere abzugeben; vor allem ein verbessertes Zeitmanagement und eine optimierte Arbeitsorganisation stellen in diesem Zusammenhang hilfreiche Techniken der Prophylaxe dar.
  3. Grenzen erkennen: Die „Hohe Kunst“ der Burnout-Prävention liegt – so die Autorin – darin, dass der Mensch – ausgehend von einer Rückschau auf das im Leben bisher Erreichte – realistische Zielsetzungen und einen fordernden – aber eben nicht überfordernden – Lebensentwurf für die Zukunft entwickelt; die besondere Schwierigkeit wird hier sein, mit unerreichbaren Dingen und unrealistischen Träumen abzuschließen.

Im folgenden IV. Kapitel steht die Frage Warum brennt mein Job mich aus? im Mittelpunkt des Lese- und Arbeitsbuches; wiederum eingeleitet von einem kurzen Selbsttest widmet sich die Verfasserin nun der potenziellen Burnout-Gefährdung im Arbeitsleben, im Spannungsfeld individueller Überforderung und Unterforderung.

  1. Im 1. Teil – Überforderung oder „zu viel ist zu viel“ – benennt und beschreibt Dagmar Ruhwandl einige – den meisten Leserinnen und Lesern sicher wohl bekannte – Rahmenbedingungen und Stressoren des Arbeitsalltages, wie z.B. Zeitdruck, Aufgabenlast, Fremdbestimmtheit, eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten, ständige Störungen, permanente Erreichbarkeit, unklare Zielsetzungen, usw.; manche Marginalien wie „Ständige Störungen gehen auf die Nerven“; „Kein Urlaub ohne Blackberry“ oder „Manche halten einen ausgefüllten Terminkalender für ein ausgefülltes Leben“ bringen dabei manches Dilemma „auf den Punkt“ und/oder entlarven den Leser in seiner „Mitschuld“ für bereits entstandene Überlastungen.
  2. Im 2. Teil – Unterforderung oder „zu wenig ist zu wenig“ – schildert die Verfasserin, dass – und dies mag einige Leserinnen und Leser zunächst ein wenig überraschen – auch ein Zuwenig an Anforderungen die Motivation des einzelnen ermatten lassen kann; geringe Entfaltungsmöglichkeiten, Routine und Langeweile stellen besonders für hoch qualifizierte, ehrgeizige und interessierte Menschen eine nur schwer zu überwindende Belastung dar, die über Jahre hinweg u.a. zu Motivationsverlust, depressiver Grundstimmung, Antriebslosigkeit und/oder sogar einem reduzierten Selbstwertgefühl führen kann.
  3. Der 3. Teil – Andere Unternehmensfaktoren, die Burnout begünstigen – begnügt sich letztlich mit der Aufzählung von so unterschiedlichen Aspekten wie: nicht reibungslos funktionierende EDV; schlechtes Arbeitsklima oder hierarchischer Top-down-Führungsstil; im Hinblick auf das gewählte Thema der Publikation bleiben hier wesentliche Themenbereiche des Burnout im beruflichen Kontext leider unbearbeitet.

Das V. Kapitel hat mit: Wege aus dem Burnout: Was kann ich in meinem Job verändern, um mich vor Burnout zu schützen? nicht nur die längste Überschrift des gesamten Buches; es bildet mit knapp 90 Seiten auch das thematische Zentrum der Publikation. Dagmar Ruhwandl möchte den Leserinnen und Lesern anhand von Beispielen, Tipps und Übungen näherbringen, welche Möglichkeiten sie haben, sich selbst durch gezielt eingesetzte Interventionen im Arbeitsumfeld / am Arbeitsplatz vor Burnout zu schützen.
Im Kern wirbt die Autorin sehr nachvollziehbar dafür, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt darum bemühen, selbst aktiv zu werden, anstatt darauf zu warten, dass „etwas passiert“ und andere Personen – wie z.B. Vorgesetzte – etwas für sie unternehmen. Die Mobilisierung individueller Ressourcen, die Veränderung und/oder Verbesserung von Rahmenbedingen „aus eigener Kraft“ trägt – so die zentrale These von Dagmar Ruhwandl – entscheidend dazu bei, dass Menschen sich wohlfühlen, dauerhaft zufriedener sind und auch mit unerwarteten Anforderungen und Schicksalsschlägen besser fertig werden können – die Gefahr, das eine Burnout-Problematik auftreten könnte, ist dementsprechend geringer.
Mögliche Wege aus dem Burnout bzw. Strategien zum Schutz vor diesem Phänomen werden – gegliedert in fünf Abschnitte – sehr transparent und praxisrelevant wie stellenweise auch höchst kurzweilig und inspirierend erläutert:

  1. Vorbereitung: Rückschau auf Ihre bisherigen Erfolge und Ressourcen: Nachdem die individuellen Stärken und Leistungspotenziale entscheidend für die Burnout-Prophylaxe sind, ist es für den Einzelnen wichtig, sich zu verdeutlichen, was er alles schon erreicht hat.
  2. Grundsätzliche Prinzipien: Um den Arbeitsalltag konstruktiv und förderlich zu bewältigen müssen Anspannung und Entspannung im gesunden Wechsel erfolgen; das Prinzip der Kurzpausen und die Anpassung von Arbeitsanforderungen ist dabei ebenso zu bedenken, wie Bedeutung der Kommunikation als Hilfsmittel.
  3. Überforderungen reduzieren, Stressoren abbauen: Zentrale Erkenntnisse aus dem Bereich des Zeitmanagements und des Personalmanagements helfen, individuelle Belastungen zu reduzieren; es gilt, Zeitdruck zu mindern, Rollenerwartungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, das Informationsmanagement im Unternehmen zu optimieren, Ziele zu hinterfragen, Kontrollmechanismen und Erfolgskriterien zu definieren; die Technik des Delegieren konsequent zu nutzen sowie im Unternehmen soziale Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen zu fördern.
  4. Unterforderung vermeiden, Motivation stärken: Die negativen Aspekte der Unterforderung werden dadurch vermieden, dass Routine und Langeweile verhindert werden, Fort- und Weiterbildung genutzt, Entscheidungsspielräume erkannt und Entfaltungsmöglichkeiten erweitert werden; im Kontext der persönlichen Ressourcen gilt es, eigene berufliche Visionen zu entwickeln.
  5. Sonstiges: Im Kontext des beruflichen Handlungsvollzuges ist es notwendig, sich mit den ethischen Werten und Normen aber auch materiellen Faktoren wie Geld zu befassen; der einzelne kann Auszeiten vom Job nutzen und muss sich gelegentlich aber auch der Tatsache stellen, dass es angezeigt sein kann, eine Arbeitsstelle zu wechseln.

Gerade im Bereich der dargestellten Übungen gelingt es Dagmar Ruhwandl hier durchaus, zum Mit- und Weiterdenken wie auch zum direkten Mitmachen anzuregen und dabei die – von der Autorin schon in der Einleitung empfohlenen – Buntstifte tatsächlich dazu zu nutzen, Farbe ins Buch – bzw. dann sinnbildlich auch ins eigene Leben – zu bringen.

Nach der ausführlichen und sehr subjektiv zu bearbeitenden Auseinandersetzung mit den individuellen Ressourcen und Chancen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen gibt Dagmar Ruhwandl im VI. Kapitel noch einige Tipps für Kollegen und Vorgesetzte. In diesem letzten inhaltlichen Kapitel finden sich kurze, bisherige Erkenntnisse aufnehmende und abrundende Ausführungen zu

  • Burnout bei Kollegen erkennen.
  • Besondere Teamkonstellationen und Berufe, die Burnout begünstigen.
  • Eigene Verstrickungen und eigene Betroffenheit erkennen und benennen.
  • Was kann ich als Kolleg/in tun?
  • Was kann ich als Vorgesetzte/r tun?
  • Hilfe, mein Chef brennt aus!

Abgeschlossen wird die vorliegende Publikation durch ein kurzes Nachwort sowie das schon erwähnte VII. Kapitel mit einigen wenigen, sehr ausgewählten Empfehlungen, Links, Adressen zum Thema Burnout.

Diskussion

Die eingangs thematisierte, steigende Anzahl an Burnout-Erkrankten und –Gefährdeten; die geschilderte, zunehmende Bedeutung des Phänomens: Burnout für den Menschen korreliert in den letzten Jahren durchaus mit einer steigenden Anzahl an Publikationen zu diesem Thema. Nicht immer gelingt es den jeweiligen Autorinnen und Autoren, der fachlichen Diskussion neue Facetten hinzuzufügen; vielfach ist der praktische Nutzen mancher Veröffentlichungen begrenzt.

Auch das vorliegende Buch von Dagmar Ruhwandl zeigt hier manche Gemeinsamkeiten mit bereits Gelesenem; auf die inhaltlichen Übereinstimmungen mit ihrem eigenen Buch: „Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen“ verweist die Autorin in der Einleitung ihres Textes erfreulicherweise gleich selbst.

Auch das vorliegende Buch „Tob im Job – ohne Burnout durchs Arbeitsleben“ kann dem Leser natürlich keine umfassenden, vertiefenden „Patentrezepte“ zur Burnout-Prophylaxe und Burnout-Bewältigung liefern; manche Aspekte – wie z.B. die theoretischen, wissenschaftlichen Grundlagen – werden nur „gestreift“; manche Gesichtspunkte – wie z.B. die Bedeutung des Personalmanagements und/oder der Mitarbeiterbetreuung im Unternehmen – werden lediglich erwähnt.

Ungeachtet dieser insgesamt kleinen Kritikpunkte wird Dagmar Ruhwandl aber dem selbstgesetzten Anspruch durchaus gerecht, ein praxisnahes Arbeits- und Lesebuch vorzulegen, dessen Lektüre den Leser tatsächlich dabei unterstützen kann, die eigene Betroffenheit zu ergründen und/oder das eigene Arbeitsleben aus neuen, veränderten Perspektiven zu betrachten. Die vermittelten Tipps, nützlichen Ideen und praktischen Übungen regen – wie schon erwähnt – zum Nachdenken und Mitmachen an, die dargestellten Beispiele ermöglichen Assoziationen mit eigenen Erfahrungen und sensibilisieren den einzelnen für möglicherweise noch „schlummernde“ Gefahrenpotenziale.

Fazit

Dagmar Ruhwandls abwechslungsreich verfasster Text verzichtet erfreulicherweise auf eine komplizierte Fachsprache; das sehr empfehlenswerte und dabei kurzweilige Buch ist mit seinen 155 Seiten angenehm kompakt gehalten; es richtet sich – und hier kann durchaus der Klappentext zitiert werden – kompetent, verständlich und praxisnah an alle interessierten und zur Reflexion bereiten Leserinnen und Leser, die im beruflichen Kontext schon einmal eigene Verstrickungen und eigene Betroffenheit im Zusammenhang mit dem Phänomen: Burnout vermutet und/oder erkannt haben … alles in allem betrachtet kann das rezensierte Werk also durchaus als ein hilfreiches Buch bezeichnet werden.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Mathias Stübinger
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, u.a. in tätig in den Lehrgebieten: Sozialmanagement / Organisationslehre / Praxisanleitung und Soziale Arbeit für Menschen mit Behinderung
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Zitiervorschlag
Mathias Stübinger. Rezension vom 10.08.2009 zu: Dagmar Ruhwandl: Top im Job. Ohne Burnout durchs Arbeitsleben. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2009. ISBN 978-3-608-86016-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7824.php, Datum des Zugriffs 21.01.2022.


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