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Emil Walter-Busch: Arbeits- und Organisationspsychologie im Überblick

Cover Emil Walter-Busch: Arbeits- und Organisationspsychologie im Überblick. UTB (Stuttgart) 2008. 155 Seiten. ISBN 978-3-8252-8405-3. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 31,00 sFr.

Reihe: UTB - 8405.
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Autor

Prof. Dr. Emil Walter-Busch ist Titularprofessor im Ruhestand für Sozialpsychologie und angewandte Sozialforschung an der Universität St. Gallen .

Thema

Der vorliegende Band liefert einen summarischen Überblick über die Arbeits- und Organisationspsychologie.

Aufbau

Das Buch ist in in acht Kapitel gegliedert.

Nach einem einführenden Überblick, der in die Arbeits- und Organisationspsychologie als Wissenschaftsdisziplin einführt, werden folgende Themenbereiche behandelt:

  • Zufriedenheit, Emotionen und Motive arbeitender Menschen
  • Personalauswahl
  • Personalführung und -entwicklung
  • Arbeit in und mit Gruppen
  • Klima und Kultur von Organisationen
  • Organisationen im Wandel
  • Entwicklungsperspektiven der Arbeits- und Organisationspsychologie.

Ausgewählte Inhalte

Wie ein roter Faden durchzieht Walter-Buschs Buch, dass den Wissensbestand der Arbeits-und Organisationspsychologie zusammenfasst und mit einer Vielzahl von Schaubildern illustriert, die Frage nach der wissenschaftlichen wie praktischen Relevanz dieser Wissenschaftsdisziplin.

Er leitet seine Veröffentlichung mit der simplen Beobachtung ein, dass Lehr- und Handbücher immer dicker werden. Lehrbücher, die vor dreißig Jahren auf dem Markt erschienen sind, hätten einen Umfang von vielleicht 200 oder 300 Seiten gehabt, heute umfassen sie nicht selten mehrere hundert Seiten. Die logische Frage: Ist diese quantititive Stoffzunahme in der Arbeits- und Organisationspsychologie – und dies läßt sich übertragen auf andere sozialwissenschaftliche Disziplinen – durch ein entsprechendes Wachstum an substanziellen neuen Erkenntnissen gerechtfertigt? Oder wird nicht über die Jahre nur wissenschaftlicher Slack produziert? Walter-Buschs Erklärung ist nicht nur, dass es heute ungleich mehr forschende Arbeits- und Organisationspsychologen gibt als früher. „Die Nutzfläche für Forschungen, die dem Fach innerhalb der Grenzen seiner Praxisorientierung zur Verfügung steht, (konnte) nicht im selben Maße ausgedehnt werden. Das Abstecken karriereförderlicher Forschungsnischen erfolgt in der Arbeits- und Organisationspsychologie darum immer häufiger gemäß dem Prinzip “Differenzierung und Variation von eigentlich bereits Bekanntem“.“ (S.5) - Gewissermaßen ein wissenschaftlicher Parkinson-Effekt. An anderer Stelle bescheinigt Walter-Busch der Forschung auch ganz einfach in einigen Bereichen „rasenden Stillstand“.

Hinzu kommt eine prinzipielle Fragestellung: „Berücksichtigt die aktuelle Management- und Organisationsforschung die Bedürfnisse der Praxis noch genügend?“ Im Spannungsfeld zwischen akademisch anspruchsvoller, aber praktisch „weitgehend irrelevanter“ Forschung auf der einen, wissenschaftlich anspruchslosen, aber praktisch wertvollen Erkenntnissen auf der anderen Seite wirft er - in jedem der Kapitel mehr oder weniger deutlich und jeweils in einem abschließenden Abschnitt „Kontrapunkt“ untergebracht - die Frage nach der Identität der Arbeits-und Organisationspsychologie als anwendungsorientierter Disziplin auf: „Wie steht es um die Harmonie zwischen Theorie und Praxis?“

„Wertvolle Anregungen“, so Walter-Busch, liefert der Arbeits- und Organisationspsychologie nicht nur die akademische Forschung, sie bekommt sie „auch von Unternehmensberatungsfirmen, von WirtschaftsjournalistInnen sowie – als dem für sie wichtigsten Feld der praktischen Erprobung ihrer Erkenntnisse – von der Organisationsführungspraxis.“ (21)

Nicht überraschend plädiert er für eine Rehabilitierung dessen, was man Common Sense und Alltagswissen nennt, des Praktikerwissens, obwohl der “gemeine Menschenverstand“ in der Arbeits- und Organisationspsychologie keinen guten Ruf genießt. (22)

Ob nun Firmenwitze oder Firmensprüche die Arbeits- und Organisationsrealität oft „bis zur Kenntlichkeit entstellen“, Romane und Erzählungen tiefste Einsichten der Psychoanalyse vorweggenommen haben, wie bereits Sigmund Freud feststellte - die Alltagssprache des Menschen verfügt, so Walter-Busch, über ein Beschreibungs- und Erklärungspotetial, das sich hinter der Wissenschaftssprache nicht zu verstecken braucht.

In seiner Abschiedsvorlesung im Jahr 2007 wies Walter-Busch auf Henry Mintzberg hin, der mit seiner Kritik an der Managementausbildung in Business Schools „seit einigen Jahren Aufsehen erregt“ (vgl. die Rezension zu: Henry Mintzberg: Manager statt MBAs. Eine kritische Analyse. Campus Verlag (Frankfurt) 2005) und der 2005 auf einer Podiumsveranstaltung der amerikanischen Academy of Management diese Kritik mit der Bemerkung garnierte, „dass er inzwischen die meisten Beiträge zu sogenannten A-Journals der Organisations- und Managementwissenschaften nicht nur praktisch vollkommen irrelevant, sondern schlicht langweilig findet.“

An der gleichen Stelle zitiert Walter-Busch zudem noch das enfant terrible der Wissenschaftstheorie, Paul Feyerabend, der „pseudoexakte Disziplinen“ wie die Soziologie oder große Bereiche der Psychologie ganz und gar „überflüssig“ findet, „die dem mündigen Laien bekannte Sachverhalte bloss akademisch borniert so reformulieren, dass sie sich alsdann 'an den Ergebnissen der von ihnen geschaffenen Entfremdung sättigen' können… Solche Wissenschaften richteten nur darum keinen größeren Schaden an, weil es ausser ihnen glücklicherweise noch die Kunst und Literatur gebe.“

Diskussion

Das Buch ist ein exzellentes Kompendium - Arbeits- und Organisationspsychologie, so knapp und klar wie möglich, verständlich und anschaulich. Walter-Busch fasst die wichtigsten Erkenntnisse der einschlägigen Forschung, Lehre und Praxis auf eine Arbeit und Weise zusammen, wie es nur aus der großen Perspektive auf die gesamte Disziplin her möglich ist. Jedes der von ihm ausgewählten Themen wird auf je einer Doppelseite behandelt, jeweils links Figuren, Abbildungen, Tabellen und Textboxen, rechts ein darauf bezugnehmender Kurzkommentar, der die Forschungsessenz herausdestilliert. Hierbei verzichtet der Autor bereits darauf, auf der linken Seite stehende Texte zu wiederholen oder noch einmal zusammenzufassen. Dabei ist das Buch teilweise spannend zu lesen, es macht Lust auf Vertiefung durch eigenes weiteres Studium. Wenn Oswald Neuberger die "bewundernswerte Integrationsleistung" Walter-Buschs herausstellt, so ist dem nur zuzustimmen.

Fazit

Das Buch ist geeignet für Studienanfänger genauso wie für alte Hasen und ohne Einschränkungen zu empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Hans Langnickel
Hochschule Lausitz
Standort Cottbus
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Zitiervorschlag
Hans Langnickel. Rezension vom 26.08.2010 zu: Emil Walter-Busch: Arbeits- und Organisationspsychologie im Überblick. UTB (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-8252-8405-3. Reihe: UTB - 8405. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7920.php, Datum des Zugriffs 26.03.2019.


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