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Markus Reimer: Pädagogisches Controlling

Cover Markus Reimer: Pädagogisches Controlling. Grundlagen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 268 Seiten. ISBN 978-3-531-16100-6. 34,90 EUR.

Reihe: VS research.
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Hintergrund und Zielsetzung

Bereits seit einigen Jahren wird das Controlling pädagogischer Prozesse im Zusammenhang mit dem Wunsch erörtert und kontrovers diskutiert, erzieherische Hilfen und andere Leistungen in der Sozialpädagogik in ihrer Wirkung und in ihrem Wirkungsverlauf abbilden zu können. Dabei reagieren die zentralen Institutionen des sozialpolitischen Arrangements auf zunehmend dringlicher formulierte Forderungen nach besserer methodischer Sicherheit bei der Hilfeerbringung und effektiver Legitimation im Allokationskonflikt. Markus Reimer beabsichtigt, mit seiner Publikation ein Konzept für pädagogisches Controlling vorzulegen. Mit der Diskussion von Grundlagen, Notwendigkeiten und Anwendungschancen von Controlling in pädagogischen Kontexten ist der Autor mit seiner Publikation mithin gut im Trend der fachöffentlichen Debatte um eine methodische Fortentwicklung ebenso wie um eine Verbesserung der Chancen sozialer Arbeit im Wettbewerb um knappe öffentliche Ressourcen.

Autor

Der Autor ist Pädagoge und zurzeit als Unternehmensberater tätig. Die vorliegende Schrift ist seine Dissertation.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation ist in vier Teilen angelegt.

In einem ersten Abschnitt werden zunächst die Grundlagen von Controlling referiert. Der Autor bemüht sich dabei um eine transparente Darlegung der wesentlichen bzw. wissenswerten Aspekte von Controlling im Sinne von Steuerung (sozialer und erwerbswirtschaftlicher) Organisationen. Er hebt dabei in angemessener Weise die Potenziale, aber auch die Problemzonen und die Grenzen von Steuerung in Organisationen hervor und verweist zu Recht auf die Notwendigkeit einer adäquaten Einbettung des Controlling in die organisationale Struktur sowie die Notwendigkeiten einer adäquaten Unternehmenskultur und einer modernen Managementphilosophie in den jeweiligen Organisationen. Inhaltlich korrekt beschreibt der Autor in diesem Zusammenhang auch die zentralen Ebenen des Controllings sowie die diesbezüglichen Aufgaben und Anliegen von Controlling als Grundlage der Steuerung von Unternehmen bzw. Organisationen.

Der zweite Abschnitt der vorliegenden Veröffentlichung ist dem pädagogischen Prozess als (soziale) Dienstleistung mit all seinen Besonderheiten gewidmet. Dabei ist es dem Autor gut gelungen, die »Eigentümlichkeiten« des pädagogischen Kontextes herauszuarbeiten. Er diskutiert dabei auch die Chancen und Risiken, pädagogische Arbeit als Herstellung eines pädagogischen Produkts mit Einbezugnahme der Kunden- und Marktperspektive zu betrachten. Ausführlich wird in diesem Abschnitt auch der Dienstleistungsbegriff im Bereich der pädagogischen beziehungsweise sozialen Arbeit analysiert. In nachvollziehbarer Weise werden die Probleme der Analyse von pädagogischen Prozessen als Dienstleistung herausgearbeitet, wobei durchaus auch auf die Möglichkeiten einer Analyse, Bewertung und gegebenenfalls Optimierung von pädagogischen Prozessen in klinischen und anderen Settings eingegangen wird.

Der dritte Abschnitt dieses Buches konzentriert sich auf die Chancen und Möglichkeiten eines pädagogischen Controllings, wobei zunächst die Grundidee beziehungsweise die Relevanz dieser Thematik dargelegt wird. Im Anschluss hieran werden Vorüberlegungen zu einem Konzept eines pädagogischen Controllings angestellt und schließlich ein »mögliches Konzept« eines pädagogischen Controllings dargelegt. Dabei wird zutreffenderweise auch auf die Relevanz von Diagnostik, Planung, Evaluation und Feed-Back bzw. Auswertung mit diesbezüglichen Rückkopplungsschleifen auf die Zielsetzung und/oder die Maßnahme eingegangen. Erfreulicherweise scheut sich der Autor auch nicht vor (wenn auch knappen) Überlegungen zu Kosten- Nutzen-Analysen in pädagogischen Kontexten.

Der vierte (sehr kurze) Abschnitt schließlich enthält eine Zusammenfassung und einen Ausblick.

Zielgruppe

Die Publikation ist eine inspirierende Lektüre für jene Praktiker der sozialen Arbeit, die an der Implementation von pädagogischem Controlling interessiert sind. Das Buch ist mit seinen vielen Hinweisen auf die strategische Relevanz von Erfolgsnachweisen aber sicherlich auch ein lesenswerter Beitrag zur gegenwärtig noch sehr umstrittenen Frage der Chancen und Grenzen eines fachlichen Controllings in der Sozialen Arbeit.

Fazit

Mit seinen Überlegungen zu den Möglichkeiten und Grenzen der Konzeption eines pädagogischen Controllings begibt sich der Autor mit interessanten Argumenten in die aktuelle Debatte um die Möglichkeiten der Evaluation und Steuerung von Prozessen und Wirkungen pädagogischer Arbeit. Er handelt dabei überwiegend sachlich und inhaltlich angemessen die Grundlagen des Controllings sowie die Möglichkeiten zur strukturellen Koppelung von Controlling und pädagogischer Arbeit ab. Die Schrift fasst reflektiert ausgewogen auch für den betriebswirtschaftlich nicht vertieft vorgebildeten Leser das Wissenswerte zu den Potenzialen und Restriktionen einer Übertragung von Controllingkonzepten in den pädagogischen Bereich zusammen. Die für diese Frage wichtige Isomorphie von erwerbswirtschaftlichen Unternehmungen und sozialwirtschaftlichen beziehungsweise pädagogischen Sphären wurde ausgewogen thematisiert, der Autor bezieht zur Frage der Möglichkeit wie Notwendigkeit von Zielbildung und Zielformulierung in der pädagogischen Arbeit eine dezidiert bejahende Position.

Kritische Anmerkungen am Konzept der vorliegenden Publikation sind aus unserer Sicht insbesondere darauf zu beziehen, dass der Autor in seinem nicht überlangen Werk auf sehr viele Facetten des komplexen Themas »Controlling« eingegangen ist und damit an einigen entscheidenden Stellen eine tiefergehende Analyse nicht mehr vornimmt bzw. nicht mehr vornehmen kann. Es wäre nach unserem Dafürhalten angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um Controlling in der Pädagogik wichtig gewesen, mehr über die operativen Fragestellungen eines solchen Controllings zu erfahren, gegebenenfalls auch mit einem stärkeren empirischen Bezug auf instrumentelle Fragestellungen bzw. Lösungsansätze. Derzeit ist eine Reihe von Konzepten im Bereich des fachlichen Controllings beispielsweise der Hilfen zur Erziehung in Erprobung beziehungsweise in (auch öffentlicher/ publizierter) Diskussion, so dass eine intensivere Referenz durchaus spannend gewesen wäre.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 10.08.2009 zu: Markus Reimer: Pädagogisches Controlling. Grundlagen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. ISBN 978-3-531-16100-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7925.php, Datum des Zugriffs 07.07.2020.


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