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Helmut C. Berghaus, Heike Bermond u.a. (Hrsg.): Behinderung und Alter - Gesellschaftliche Teilhabe 2030

Cover Helmut C. Berghaus, Heike Bermond, Heike Milz (Hrsg.): Behinderung und Alter - Gesellschaftliche Teilhabe 2030. Vorträge und Arbeitskreise der 17. Fachtagung "Behinderung und Alter" 2008 an der humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Kuratorium Deutsche Altershilfe (Köln) 2009. 164 Seiten. ISBN 978-3-940054-09-8. 15,00 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Bei dem zu besprechenden Werk handelt es sich um eine Dokumentation der 17. Fachtagung des Zentrums für Heilpädagogische Gerontologie der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Das Thema dieser Tagung befasste sich mit der gesellschaftlichen Teilhabe 2030 – und das aus der gerontologischen Perspektive.

Herausgeber

Helmut Clemens Berghaus hat 1978 an der Pädagogischen Hochschule Rheinland eine Dissertation abgegeben zum Thema: Hauptschüler mit Fachoberschulreife : Bildungserfolg u. Berufschancen von Haupt- u. Realschulabsolventen. Berghaus leitet das Zentrum für Heilpädagogische Gerontologie an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln

Heike Milz, Jahrgang 1966, hat 1998 eine Dissertation vorgelegt zum mentalen Training bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen am Beispiel Aufstehen aus dem Sitzen. Frau Milz arbeitet an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln am Zentrum für Heilpädagogische Gerontologie mit.

Heike Bermond ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum für Heilpädagogische Gerontologie der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Aufbau …

Dem Vorwort von Helmut Clemens Berghaus, Heike Bermond und Heike Milz folgen zur Tagungseröffnung der Begrüßung des Tagungsleiters, Dr. Helmut Clemens Berghaus, Grußworte von prominenten Persönlichkeiten. Im Einzelnen ist das jeweils ein Grußwort

  • des Dekans der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, Professor Dr. Thomas Kaul;
  • des Prorektors für Planung und Finanzen der Universität zu Köln, Professor Dr. Horst Schellhaaß;
  • der Bürgermeisterin der Stadt Köln, Elfi Scho-Antwerpes;
  • der Leiterin des Referats „Gesundheit im Alter, Hilfen bei Demenz, Ältere Menschen mit Behinderung“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ministerialrätin Petra Weritz-Hanf
  • und
  • des Geschäftsführers des Kuratoriums Deutsche Altershilfe Köln, Dr. Peter Michell-Auli.

Der Eröffnungsvortrag von Eckart Bomsdorf behandelt die Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland bis 2050.

Es folgen zwei weitere Vorträge:

  1. Erik Händeler: Die echte Gesundheitsreform;
  2. Lale Akgün: Gerechte Teilhabe 2030;

Aus den Arbeitskreisen sind folgende Beiträge zu lesen:

  • Beate Hiller und Christine Schmid: Wohnhaus Lebenshilfe Biberach – gelebte Integration;
  • Hanne Schweitzer: Diskriminierung ist ein Hindernis für gesellschaftliche Partizipation;
  • Sigrid Graumann: Die UN-Konvention zum Schutz der Menschenrechte behinderter Menschen – zukünftige Anforderung für Behindertenpolitik und Behindertenarbeit;
  • Barbara Wegner: Eine Idee lernt laufen …;
  • Silke Rehfeld und Christiane Schneider: Selbstbestimmung im Alter – eine Vision für Menschen mit einer körperlichen Behinderung? Möglichkeiten und Unmöglichkeiten im Jahr 2030;
  • Kirstin Fossgreen: Weisheit, Mitgefühl und universelle Verbundenheit – Werte des Alters in Gesellschaft gelebt;
  • Ursula Kremer-Preiß: Neue Wohnformen im Alter – Konzepte und praktische Erfahrungen der Umsetzung;
  • Daniel Lüdecke und Eva Mnich: Formelle und informelle Unterstützungsnetzwerke in unterschiedlichen Pflegesituationen – ein europäischer Vergleich;
  • Carmen Stadelhofer und Christian Carls: Ältere Menschen mit Behinderungen und Internet – Gefahr der gesellschaftlichen Exklusion durch neue Technologien und Möglichkeiten der Stärkung der Inklusion durch PC-Schulungen und internetgestützte Gruppenarbeit;
  • Frank Menzel, Anne Gelhardt und Susanne Klinner: Gehörlose Menschen im Alter: kommunikative und soziale Bedingungen und Bedürfnisse einer kulturellen Minderheit.

Am Ende des Bandes sind Informationen zu den Vortragenden, Referentinnen und Referenten zu finden.

… und ausgewählte Inhalte

In 5. Moses 34,7 ist zu lesen, dass Mose mit 120 Jahren starb und bis zum Tod waren seine gesamte Sehkraft und auch seine körperliche Fitness vorhanden. Ein derartig biblisches Alter können wir wohl Eckart Bomsdorf folgend auch erreichen, da die Altersstruktur der Bevölkerung nach wie vor einem permanenten Wandel unterzogen ist. Erik Händeler führt aus das die genetische Grundausstattung des Menschen theoretisch für eine Lebenserwartung von 120 Jahren ausreicht. Demzufolge haben wir es nicht mit einer demographischen Katastrophe zu tun, sondern mit einer Normalisierung bzw. Normalität.

Vor allem von drei Komponenten hängen Umfang und Altersstruktur einer Bevölkerung ab:

  1. Geburtenanzahl;
  2. Sterberate;
  3. Wanderungsrate über die Grenzen des betrachteten Gebietes.

Pflegebedürftigkeit ist vor allem ein Phänomen des Alters. Und diese Alten müssen dann wohl von immer weniger Jungen gepflegt werden. So gab es 2005 etwa 2 Millionen unter 3-jährige. Bis 2050 wird die Zahl dieser Personengruppe auf ca. 1,6 Millionen zurückgehen. Im gleichen Zeitraum steigt die Anzahl der über 80-jährigen von gegenwärtig etwa 3,6 Millionen auf ungefähr 10 Millionen Menschen im Jahr 2050. Somit steigt dann auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung von derzeit 44 Jahren auf ca. 50 Jahren im Jahr 2050. Die Zahl der geburtenfähigen Frauen bis zu einem Alter von 49 Jahren liegt, Lale Akgün folgend, gegenwärtig bei 24% und wird 2050 nur noch bei 19% liegen. Wer soll das alles schultern?

Erik Händeler spricht hier von einer kommenden Alterskatastrophe, Massen mit schlecht versorgten Pflegebedürftigen, verarmten Rentnern, ausgebluteten Sozialversicherungen sowie einem kollabierten Gesundheitswesen. Die Wirtschaft wird Händeler folgend ohne ausreichende Fachkräfte sein und Unternehmen verfügen nur über eine kränkelnde, innovationsfeindliche alte Belegschaft. „Das würde auch bis in zehn oder zwanzig Jahren so eintreffen – wenn alles so bliebe, wie es heute ist“ (S. 43). Aber da beschwichtigt Händeler, denn die zukünftigen Alten verleben in der Wissensgesellschaft ein anderes Berufsleben als es die heutigen Rentner gelebt habe. Sie werden länger gesund sein, weil ein reformiertes, auf Prävention gerichtetes Gesundheitssystem lebenslänglich in sie investiert. Sie werden ihr Leben so selbstbestimmt steuern können, eben wie der Rezensent es den Ausführungen der Fachhochschulprofessorin Monika Burmester von der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe anlässlich ihrer Antrittsvorlesung zum Thema „Controlling in der Sozialen Arbeit“ entnommen hat, die im Alterungsprozess dann doch eine Subjektsteuerung kontrolliert zulässt. Hierbei ist in jedem Fall der sozio-ökonomische und technische Wandel mit einzubeziehen. Dieser Wandel ist u. a. geprägt vom Lebensstil des Menschen, der das meiste Geld der Pflege- und Krankenkassen verschlingt. „Etwa 60 Prozent aller zum vorzeitigen Tode führenden Erkrankungen gehen auf ein gesundheitsschädigendes Verhalten zurück“ (S. 46). So haben nicht die Technik oder die Ärzteschaft Einfluss auf das individuelle Wohlbefinden, sondern der Einzelne selbst ist hier für sein Leben als Subjekt selbst verantwortlich. Zum Beispiel ist eine Seuche die euphemistisch mit dem Terminus Bewegungsmangel bezeichnet wird in Wahrheit körperliche Faulheit. Diese Seuche kann dann wahrlich nur noch der innere Schweinehund bekämpfen und kein verschreibungspflichtiger Munter- oder Schlankmacher.

Fazit

Das Buch gibt sehr schön die verschiedenen Tagungsbeiträge wieder. Der Verhinderte kann somit das Verpasste nachlesen. Der Teilnehmer kann das Vorgetragene repetieren. Alles in Allem eine gelungene Publikation, die der weiteren Forschung im Bereich der auf Zukunft gerichteten Gerontologie nützlich ist.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 15.08.2009 zu: Helmut C. Berghaus, Heike Bermond, Heike Milz (Hrsg.): Behinderung und Alter - Gesellschaftliche Teilhabe 2030. Vorträge und Arbeitskreise der 17. Fachtagung "Behinderung und Alter" 2008 an der humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Kuratorium Deutsche Altershilfe (Köln) 2009. ISBN 978-3-940054-09-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7929.php, Datum des Zugriffs 23.01.2018.


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