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Eike Quilling, Hans J. Nicolini: Erfolgreiche Seminargestaltung

Cover Eike Quilling, Hans J. Nicolini: Erfolgreiche Seminargestaltung. Strategien und Methoden in der Erwachsenenbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 2., erweiterte Auflage. 146 Seiten. ISBN 978-3-531-16345-1. 24,90 EUR.
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Thema

Eike Quilling und Hans J. Nicolini bieten mit in ihrer 2., erweiterten Auflage „Erfolgreiche Seminargestaltung“ eine kompakte, praxisorientierte Einführung in methodisch-didaktische Seminargrundlagen und Planungsüberlegungen für erwachsenenbildnerische Trainings- und Seminarkontexte.

Autor/innen

Dr. Dipl.-Päd. Eike Quilling ist Lehrbeauftragte für Soziale Kompentenz an der FH Kempten sowie als freiberufliche Trainerin in der Erwachsenenbildung und freien Wirtschaft tätig. Bei „Lernende Regionen – Netzwerk Köln e.V.“ leitet sie das ProfilPASS-Dialogzentrum und ist zuständig für die ProfilPASS-Beratung.

Dr. Dipl.-Kfm. Hans J. Nicolini ist Vertretungsprofessor am Institut für angewandtes Management und Organisation in der Sozialen Arbeit (IMOS), Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der FH Köln. Er ist für das Lehrgebiet Wirtschaftswissenschaften zuständig.

Aufbau und Inhalt

Den Einstieg bildet ein knappes Vorwort von Prof. Dr. Dieter Gnahs, Programmbereichsleiter am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung, der das vorliegende Buch als „Qualitätsleitfaden für »gute Lehre«“ (S. 9) bezeichnet. Diese Einleitung ist eine Neuerung im Vergleich zur 1. Auflage von 2007. Anschließend folgen ein Vorwort der Autor/innen sowie eine Einleitung, bevor die systematisch gegliederten, aufeinander aufbauenden 11 inhaltlichen Kapitel beginnen. Im Folgenden werden in aller Kürze die Inhalte der Kapitel umrissen.

In „Die 6 Schritte der Seminarentwicklung“ werden Überlegungen zu Bedarfs- und Zielgruppenanalyse, Lernzielfestlegung, Trainingsplanerstellung, Programmtestlauf und Erfolgskontrolle beleuchtet.

Auf diese Rahmenbedingungen von Seminargestaltung folgt das Kapitel „Einstieg ins Seminar und Training“, in dem Begrüßung, Kennenlern-Übungen und Erwartungsabfragen im Vordergrund stehen, die beispielhaft und praxisnah beschrieben werden.

In „Präsentationstechniken“ wird der kompetente Medieneinsatz von Flipchart, Pinnwand, Moderationskoffer, Overheadprojektor, Beamer, AV-Medien und Internet diskutiert sowie an zahlreichen visualisierten Beispielen verdeutlicht.

Anschließend werden „Seminarmethoden im Überblick“ vorgestellt, hier werden die klassischen Varianten von Lehrvortrag, Lehrgespräch, Gruppenarbeit, Rollenspiel und Planspiel wiedergegeben.

Moderation in Seminar und Training“ knüpft an die Seminarmethoden an und beschreibt die Rolle von Moderator/innen, deren Aufgaben, den Moderationsprozess sowie -methoden und -werkzeuge.

Konflikte in Seminar und Training“ thematisiert mögliche Konfliktkonstellationen zwischen „Teilnehmer-Trainer“, „Teilnehmer-Teilnehmer“, „Teilnehmer-Thema“ (s. 92ff.) und gibt Ratschläge zur Konfliktlösung. Das Unterkapitel „Umgang mit schwierigen Teilnehmern“ ist im Vergleich zur Auflage von 2007 neu, allerdings stellt es lediglich eine knappe Zusammenstellung verschiedener als schwierig wahrgenommener Teilnehmertypen dar, die sehr an die Publikation „Kompetenz im Seminar“ (Ruth Pink) erinnern.

Das Kapitel „Seminarende – Ausstieg“ präsentiert Methoden für Abschlusssituationen sowie Feedbackmöglichkeiten für Teilnehmer/innen und Trainer/innen.

Anschließend folgt ein Kapitel zu „Bildungscontrolling“, in dem in Bewertung durch Teilnehmer/innen, Kennzahlen, Benchmarking, Return on Investment, Learning Score Card, Kontrollgruppen, Hospitation, Supervision und Coaching eingeführt wird. Die Inhalte dieses Kapitels waren bereits in der 1. Auflage enthalten, jedoch wurden sie 2007 als Unterkapitel aufgeführt.

Vom Seminarleiter zum E-Learning-Coach“ umreißt neue Medien, neue Lernformen sowie Anforderungen an den „E-Learning-Coach“.

Theorie des Trainings“ greift Überlegungen aus der Lernpsychologie, didaktische Prinzipien der Erwachsenenbildung und Lerntypen auf.

Im letzten Kapitel „Checklisten und Evaluationsbögen“ finden sich Vorlagen zu Trainingsmedien, Zeit- und Ablaufplanung, Lernzielanalyse, Veranstaltungsort, Zielgruppe, Seminar-Ablaufplan (Neuerung zur 1. Auflage) sowie Evaluation und Feedback.

Auf ein abschließendes Fazit wird verzichtet. Am Ende findet sich ein Literatur- sowie Stichwortverzeichnis, letzteres ist zur vorherigen Auflage neu hinzugekommen.

Diskussion

Die graphische Gestaltung des kompletten Buchs fällt positiv durch Visualisierungen wie Organigramme, Schaubilder, Kreisläufe etc. auf, welche Prozesse und Strukturen gut abbilden. Auch sind Beispiele oder Praxistipps oftmals in Kästchen eingerahmt, der Text ist überwiegend in klare Abschnitte gegliedert, unterbrochen durch Stichpunkt-Aufzählungen. Diese graphische Gestaltung unterstreicht die von den Autor/innen präsentierten Inhalte; die didaktische Vermittlung fachlicher Inhalte wird nicht nur nahe gelegt, sondern gleichzeitig umgesetzt. Ebenso eröffnen sich hierdurch nutzerfreundliche Möglichkeiten, bestimmte Visualisierungen schnell (wieder) zu entdecken, Kapitel quer zu lesen sowie an bestimmten Stellen detaillierter einzusteigen.

Ein Kritikpunkt hingegen ist, dass das vorliegende Buch nur bedingt für „Profis“ oder „Lehre an Hochschulen“ (S. 9f.) nutzbar ist, auch wenn dies im Vorwort beansprucht wird. Zwar lassen sich die Praxisratschläge, Aussagen und Thesen großteils mit didaktisch-methodischem Mainstream vereinbaren, jedoch sind kaum Quellen angegeben. Falls Quellen genannt werden, sind diese teilweise im Literaturverzeichnis nicht aufzufinden (S. 113, 125, 131). Erfreulicherweise stützt sich das Kapitel „Theorie des Trainings“ überwiegend auf Horst Siebert, aber Herr Siebert wird leider in einem wesentlichen Zitat falsch wiedergegeben: Anstelle von „Lernenden“ liest man bei Quilling/Nicolini „Lehrenden“ (S. 134). Der hier eingeschlichene Freud‘sche Verschreiber repräsentiert eine gewisse Tendenz des kompletten Buchs, das sich vor allem auf Lehren bezieht und das dialektische Verhältnis von Lehren, Lernen und Inhalt kaum berücksichtigt. Begriffe aus aktuelleren erwachsenenbildnerischen Diskussionen wie „Zielgruppenorientierung“ und „Teilnehmerorientierung“ (S. 129) tauchen zwar auf, jedoch werden sie lediglich in knappen Absätzen abgehandelt. Die vorgenommene Berücksichtigung von Bildungscontrolling ist hingegen für vergleichbare Bücher ausgesprochen fortschrittlich und wird den Finanzierungsüberlegungen des aktuellen Bildungsmarktes gerecht.

Fazit

„Erfolgreiche Seminargestaltung“ liefert einen sehr guten, systematischen Überblick über konkrete Planungsmöglichkeiten von Trainings, Workshops und Seminaren. Zahlreiche Praxistipps und konkrete Handlungsempfehlungen werden gebündelt präsentiert. Das Buch gibt Trainer/innen und Seminarleiter/innen ohne bildungswissenschaftlichen Background ein brauchbares, kompaktes und gut verständliches „Mindestmaß an Grundkenntnissen über Strategien und Methoden zur Seminargestaltung“ (S. 9) an die Hand.

Was man jedoch bei „Erfolgreiche Seminargestaltung“ nicht erwarten darf, sind Reflexionsanreize zum Lernen von Erwachsenen. Kritische Überlegungen werden zurückgestellt zugunsten von Effizienz und Effektivität bei gleichzeitigem „Spaßfaktor“ (S.9) von Trainings, Workshops und Seminaren mit Erwachsenen.


Rezension von
Dipl.-Päd. Iris Männle
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Zitiervorschlag
Iris Männle. Rezension vom 07.09.2009 zu: Eike Quilling, Hans J. Nicolini: Erfolgreiche Seminargestaltung. Strategien und Methoden in der Erwachsenenbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 2., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-531-16345-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7952.php, Datum des Zugriffs 02.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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