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Manfred Vogt-Hillmann (Hrsg.): Kinderleichte Lösungen (Kindertherapie)

Rezensiert von Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder, 30.01.2010

Cover Manfred  Vogt-Hillmann (Hrsg.): Kinderleichte Lösungen (Kindertherapie) ISBN 978-3-86145-307-9

Manfred Vogt-Hillmann (Hrsg.): Kinderleichte Lösungen. Lösungsorientierte kreative Kindertherapie. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2009. 6., durchges. Auflage. 255 Seiten. ISBN 978-3-86145-307-9. 20,40 EUR.

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Entstehungshintergrund und Thema

Seit Herausgabe der ersten Auflage 1999 gehört dieses Buch zu den praktischen und mit Ausnahme des letzten Artikels leicht lesbaren, ideenreichen und daher sehr anregenden Praxisbüchern zum Thema therapeutisches und pädagogisches Arbeiten mit Kindern. So ist es nicht verwunderlich, dass der Verlag nach 10 Jahren eine neue, durchgesehene Auflage herausgibt.

Die Beiträge dieses Buches gehen auf eine Tagung mit gleichlautendem Thema im Jahr 1999 zurück.

Aufbau

Es ist als Reader aufgebaut und enthält 13 Beiträge zu jeweils einem methodischen Element der kreativen lösungsorientierten Kindertherapie, eine Einführung der Herausgeber und einen abschließenden Theorieartikel von Manfred Volgt-Hillmann, Wolfgang Eberling und Wolfgang Burr. Alle Artikel sind so gefasst, dass sie nicht nur auf therapeutische, sondern auch auf pädagogische und beraterische Kontexte mit Kindern und Jugendlichen bezogen werden können. Am Schluss des Buches befindet sich ein ausführlicheres Autorenverzeichnis.

Das Buch ist im Paperback-Format erschienen. Die Texte sind daher kompakt gesetzt aber freundlich humorvoll aufgelockert durch kleine Zeichnungen, die die einzelnen Artikel im Inhaltsverzeichnis markieren und sich dann zu Beginn und am Kopf jeder Seite wiederholen, sowie durch Tabellen, Diagramme oder Kinderzeichnungen. Bis auf den letzten Artikel sind alle Beiträge leicht verständlich und in motivierender Sprache geschrieben. Jedes Kapitel enthält neben einer Beschreibung der methodischen Schritte auch theoretische Verweise, praktische Beispiele aus der Anwendung und Hinweise auf den Kontext, in dem diese Methode zur Anwendung kommt sowie einen Literaturanhang.

Zielgruppe

Als Zielgruppe sind Praktiker/innen aus kindertherapeutischen, pädagogischen oder beraterischen Kontexten und TeilnehmerInnen einschlägiger Fort- und Weiterbildungen angesprochen.

Inhalt

In der Einführung beschreiben die Herausgeber ihren Weg als lösungsorientierte Kurzzeittherapeuten. Sie nennen als Ziel für die Erstellung des Buches, „so leicht und einfach verständlich zu bleiben, wie es irgend geht“ und verweisen die gleichnamige Konferenz in Bremen, auf der die AutorInnen der einzelnen Beiträge Workshops zu dem jeweiligen Thema hielten.

Manfred Vogt-Hillmann gibt im 2. Kapitel eine Übersicht über verschiedene Formen, wie man die Lust von Kindern am Malen und Zeichnen in der Therapie nutzen kann. Einer kurzen Beschreibung jeder einzelnen Form folgt ein Beispiele, wie dieses Vorgehen in den Therapieprozess eingebettet werden kann und – was für „Nachahmer“ besonders hilfreich ist – eine Zusammenfassung der einzelnen Schritte.

Im 3. Kapitel geht es um ressourcenorientierte Diagnostik. Wolfgang Burr beginnt sein Kapitel mit einer Diskussion des Diagnosebegriffs, indem er die Wirkung von Negativ-Beschreibungen und Positiv-Beschreibungen gegenüber stellt. Nach dem Motto „auf kurzem Weg zum Ziel“ stellt er eine Verbindung von Problembeschreibung und Ressourcensicht her und entwickelt fünf einfache Prinzipien und praktische Schritte einer ressourcenfokussierten Diagnostik. Dass Kapitel endet mit der Herausforderung an den/die LeserIn bei der Erstellung von Diagnosen mindestens in vier Dimensionen zu denken (Raum und Zeit als zusätzliche Dimension mit zu denken).

Das 4. Kapitel handelt von dem Erfinden von Märchen und (therapeutischen) Geschichten. Charlotte Wirl führt in die Thematik ein mit grundsätzlichen Bemerkungen zu Funktion, Aufgabe, Aufbau und Struktur von Märchen und Geschichten. Sie erläutert die Schritte zur Entwicklung einer therapeutischen Geschichte, ihren Handlungsverlauf, den Aufbau der Hauptfigur (Protagonisten) und seiner HelferInnen. Sie beschreibt Gemeinsamkeiten von Märchen und Hypnose bzw. hypnotischen Phänomenen und fasst ihre Arbeit unter dem Aspekt der konkreten Nutzbarkeit zusammen.

Um Spiele rundum Namen geht es im 5. Kapitel. Heinrich Dreesen gibt eine Einführung in die Funktion, die kulturelle, soziale und individuelle Bedeutungen von Namen und beschreibt unterschiedliche Perspektiven aus denen sie betrachtet und genutzt werden können (z.B. in verschiedenen Lebensphasen, in der Therapie, in familiären Gesprächen, etc.). Dem schließen sich Beispiele an für sinnliche Erfahrungen und Markierungen von Namen, Namenspiele, Namensrecherchen, die Nutzung von Namen für die Eröffnung von Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen und Anregungen für das Erfinden metaphorischer Namen.

Laura Fernandez berichtet im 6. Kapitel unter dem Titel „Humor für die Seele“ über Clown Doktoren in deutschen Krankenhäusern. Sie richtet einen kurzen Blick auf dier Geschichte des Einsatzes von Komikern und Narren für Kranke, die sich bis ins osmanische Reich im 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Dann schildert sie den typischen Ablauf des Besuchs der Clown-Doktorens von vorbereitenden Gesprächen mit Ärzten und Pflegepersonal über die Struktur und den rituellen Ablauf des Besuchs, Regeln, die zu beachten sind bis zu den Wirkungen, die der Auftritt auf die kleinen Patienten haben kann und der notwendigen Ausbildung professioneller Clowns für Auftritte im Krankenhaus.

Unter dem Motto „Das ist ja babyleicht“ bezieht sich Hildegard Burr-Fulda im 7. Kapitel auf das theoretische Konzept von Piaget und die moderne Hirnforschung, wenn sie die ganzheitliche Betrachtung körperlicher und Seelischer Aspekte in der Entwicklungstherapie beschreibt. Aufgabe und Ziel der Entwicklungstherapie ist Anregungen und Unterstützung erfolgreichen Lernens. In der Einführung schildert sie Anlässe für eine Entwicklungstherapie und wie bereits erste Reaktionen von Kindern als Türöffner genutzt werden können. Therapeutische Anknüpfungspunkte sind Vorlieben der kleinen Klienten ebenso wie ihre Imaginationsfähigkeiten.

Um Magersucht geht es in den Anregungen für die stationäre Arbeit mit Jugendlichen im 8. Kapitel von Kurt Ludewig. Er beginnt mit einer kurzen, sehr prägnanten und verständlich formulierten Einführung in die Grundannnahmen systemischer Praxis mit dem Ziel, Möglichkeiten aufzuzeigen, „die helfen sollen, frei von hinderlichen Konstruktionen das Gesamt der beteiligten Prozesse zu berücksichtigen“. Unter dem Aspekt „Gedanken zur Adoleszens-Magersucht“ gibt er eine Definition des Begriffes, fasst klinische Beobachtungen, Typische Verläufe und Prognosen, ungünstige Vorannahmen und ihre Folgen sowie Schritte, die zur Magersucht führen zusammen. Grundlagen der Therapie sind Überlegungen zur gelingenden und misslingenden Ich-Du-Beziehung und ein Exkurs über Lieben und Liebe als Bausteine für ein systemisches Verständnis. Leitideen der Therapie sind Erkenntnisse aus der Biologie, entwicklungspsychologische und familiendynamische Perspektiven und die Aufgabe des Therapeuten, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Unterernährung beendet und unschädliche Individuationsschritte erfolgreich erprobt werden können. Er beschreibt die einzelnen Schritte des in der Universitätskinderklinik Münster entwickelten Behandlungsplans.

Im 9. Kapitel beschäftigt sich Susy Signer-Fischer mit Magie und Realismus in der Angstbehandlung von Kindern und Jugendlichen mit Hilfe hypnotherapeutischer Methoden. Sie gibt eine Einführung in die Begriffe Hypnose und Magie, Alltagstrance und Selbsthypnose, die Entwicklung des magischen Denkens nach Piaget und allgemeine, grundlegenden Gedanken zur Behandlung von kindlichen Ängsten. Ziel der Therapie ist, ein Gleichgewicht aus Angst und Sicherheit für das Kind herzustellen und ihm mehrere Handlungsoptionen zu eröffnen, um seine Ängste zu reduzieren. Bei der Angstbehandlung unterscheidet sie zwischen der Angst vor realistischen und unrealistischen Gefahren und schildert verschiedene hypnotische Methoden, deren Schritte sie jeweils kurz zusammenfasst.

Wilhelm Rotthaus schreibt im 10. Kapitel über Kundenorientierung in der stationären systemischen Therapie. In einer kurzen Einführung bezeichnet er eine systemische Perspektive als Rahmen gebende Sichtweise in der stationären Therapie, in der die Erfahrung, zu versagen ein traditionelles Thema ist. Kundenorientierung versteht er als Kontext, in dem Kunden Kundige sind für individuell richtige Lösungen. Den stationären Aufenthalt beschreibt er als Übergangsritual (nach Kobak und Walter), bestehend aus den Phasen: Trennung (con alten Gewohnheiten, Verhaltensmustern, etc.), Schwellen- oder Umwandlungsphase (Experimentierraum, Trainingslager) und Neuanfang oder Angliederungsphase (Fest, Diplom, Bewährungszeit).

Im 11. Kapitel beschreiben Ulrike Andrecht und Günther Geiken ressourcenorientierte Familiendiagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. In ihrer Einleitung problematisieren sie den medizinischen Diagnosebegriff und definieren das Selbstverständnis des Therapeuten als Wegbegleiter der Familie für die sie die Metapher der Reisenden nutzen. Daran schließt sich eine praktische Beschreibung der Schritte und Elemente einer Ressourcendiagnostik an. Am Ende wird‘s sehr allgemein mit den Hinweisen auf die Bedeutung einer wertschätzenden Grundhaltung, den Verzicht auf die Trennung von Therapie und Diagnostik und einer Haltung des Sowohl-als-auch anstelle von entweder-oder. Dieser Artikel, scheint seit der Erstausgabe des Buches nicht überarbeitet zu sein und enthält für Praktiker eher „Binsenweisheiten“.

Im 12. Kapitel setzt sich Gudrun Sickinger mit dem Thema „vom Erstkontakt zum Arbeitskontrakt“, der Auftragsklärung in der Hausfrühförderung auseinander. Ziel dieses Artikels ist es, einen lösungsorientierten Leitfaden zur Auftragsklärung darzustellen, wie er 1993 für die Frühförderung entworfen und seitdem überprüft und konkretisiert wurde. Bezugnehmend auf die Klienten-Typen nach Steve de Shazer stellt die Autorin zwei Problemkonstellationen vor: a) Die MitarbeiterInnen der Frühförderung machen sich größere Sorgen um das Kind als die Eltern, b) die Eltern machen sich größere Sorgen als die MitarbeiterInnen der Frühförderung. Als praktisches Handwerkszeug kann eine Liste von Fragen für das Erstgespräch mit den Eltern genutzt werden, wie auch die Hinweise auf die Nutzung von Spielbeobachtung, Förderdiagnostik und Einbeziehung der Mütter. Ziel für den Abschluss eines Arbeits-Kontraktes ist es eine übereinstimmende Beschreibung von Eltern und MitarbeiterInnen zu finden.

Im 13. Kapitel beschreiben Siegfried Mrochen und Manfred Vogt-Hillmann sowohl ihre theoretische Begründung wie auch ihr praktisches Vorgehen bei der Teilearbeit mit Handpuppen in der Therapie von Kindern und Jugendlichen. Hinweise auf die neurophysiologische und neuropsychologische Funktionsweise des Gehirns fehlen ebenso wenig wie anthropologisch-psychologische Aspekte der Teilearbeit und ihre Bedeutung und Wirkungsweise in schamanischen Ritualen oder den Persona-Konzepten altgriechischer Tragödien. Teilearbeit wird damit als eine Kultur- und Zivilisationsleistung beschrieben, die ihren Niederschlag auch in verschiednen psychotherapeutischen Schulen gefunden hat. Das praktische Vorgehen in der Therapie wird konkret an der Arbeit mit einem 9-jährigen Jungen beschrieben. Beendet wird der Artikel mit Hinweisen auf Anwendungsgebiete dieser Arbeitsform.

„Ach könnte ich doch zaubern“ ist das 14. Kapitel von Annalisa Neumeyer überschrieben. Die Autorin führt mit einem Fallbeispiel ins Thema ein und setzt sich dann auf Grundlage ihrer langjährigen praktischen Erfahrungen mit der Bedeutung des Zauberns in der heilpädagogischen, pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit Kindern auseinander. Auf berührende Weise berichtet sie, wie sie dieses methodische Mittel zur Kontaktaufnahme, Konfliktbearbeitung, individuellen Förderung und für die Unterstützung der Gruppenbildung nutzt. Abgerundet wird der Artikel durch Hinweise auf Indikationsstellungen – für welche Kinder und Problemstellungen sich Zaubern als pädagogisch-therapeutisches Mittel nutzen lässt.

Im 15. und letzten Kapitel kündigen die Herausgeber gemeinsam mit Wolfgang Eberling als Abschluss des Buches die Skizzierung einiger paradigmatischer Überlegungen an „die die Prämissen und Grundannnahmen lösungsorientierter Kurzzeittherapie rahmen“. Was dann folgt ist auf neun Seiten zusammengedrängt ein Rundumschlag über Grundannahmen und Methodenrepertoire der lösungsorientierten Kurzzeitherapie. Dann geht‘s auf knapp zehn Seiten im Schweinsgalopp durch die gesamte Systemtheorie von Luhmann über Goolishan, Kanfer, Schiepek, Retzer, Simon, Ludewig, Maturana, Foerster, Stadler und Kruse, usw. um nur einige der zitierten Autoren in beliebiger Reihenfolge zu nennen. Vor allem im Abschnitt „Selbstorganisation und das System des Psychischen“ sind die Informationen so verdichtet, dass sie aus sich heraus kaum noch verständlich sind. Die zunehmend quälend werdende Lektüre des letzten Kapitels schließt mit dem allseits bekannten Ausspruch Steve de Shazers, „dass leicht zu sein nicht automatisch einfach ist“ und ein paar guten Ratschlägen, wie man „es sich und seinen Klienten lange schwer machen kann“. Wer sich durch den Text davor gearbeitet hat, kommt dies eher wie Hohn vor. Ohne diese Demonstration theoretischer Kenntnisse (die man den Autoren sowieso unterstellt hätte!) wäre auch der Schluss des Buches vergnüglich zu lesen und würde seine anregende Wirkung sicherlich nicht verfehlen!

Fazit

Insgesamt handelt es sich um ein sehr lesenwertes und zur Nachahmung einladendes Buch, dessen Lektüre einfach Freude macht. Es regt die eigenen kreativen Ressourcen an, motiviert und ermutigt, Neues auszuprobieren oder Schon-einmal-Gehörtes wieder zu aktivieren. Die Texte geben neben konkreter Anleitung den notwendigen Rückhalt durch theoretische und kontextuelle Rahmung. Es lohnt sich also sowohl für Praktiker, wie auch AusbildungskandidatInnen (wieder) einmal hineinzusehen und das Buch als Quelle von Ideen für die therapeutische, pädagogische und beraterische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu nutzen.

Rezension von
Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder
Dpl. Sozialarbeiterin, Supervisorin (DGSF), Lehrende für systemische Beratung und –Therapie (DGSF), MarteMeo-Licensed Supervisor, freie Praxis für Fort- und Weiterbildung, Supervision und Coaching, Einzel-, Paar-, und Familienberatung in Brühl /Rhld.
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Es gibt 17 Rezensionen von Annegret Sirringhaus-Bünder.

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ISSN 2190-9245