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Rainer Orban, Gabi Wiegel: Ein Pfirsich ist ein Apfel mit Teppich drauf

Cover Rainer Orban, Gabi Wiegel: Ein Pfirsich ist ein Apfel mit Teppich drauf. Systemisch arbeiten im Kindergarten. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2009. 160 Seiten. ISBN 978-3-89670-709-3. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema

Der systemische Ansatz wird auf die Arbeit in einer Kindertagesstätte übertragen und es sollen hier umfassende Hilfestellungen für die gelingende Umsetzung der pädagogischen und organisatorischen Ziele in einer Kindertagesstätte geboten werden.

AutorIn oder HerausgeberIn

Rainer Orban, als Diplom-Psychologe bringt seine Erfahrungen als systemischer Familientherapeut ein und wird ergänzt durch die praktische Kita-Erfahrung von Gabi Wiegel, die Erzieherin ist und eine integrative Kindertagesstätte leitet.

Aufbau

Die Veröffentlichung ist so aufgebaut, dass nach der Einleitung im 1. Kapitel zunächst ein Exkurs zu der Frage nach einer systemisch-ganzheitlichen Sichtweise gestellt wird.

Im zweiten Kapitel werden theoretische Grundlagen der systemischen Theorie erläutert um die Grundlage für ein Verständnis der Thematik zu legen.

Kapitel 3 befasst sich mit der systemischen Organisation einer Kindertagesstätte.

Den wichtigen Blick auf die Kinder und Eltern in einer Kindertagesstätte legt das vierte Kapitel und erläutert die systemische Arbeit mit diesen beiden Personengruppen.

Das Kapitel 5 wendet den Blick auf die eigene Person der Leitung einer Kindertagesstätte als Verantwortliche für die ablaufenden Prozesse und gibt Tipps und Anregungen.

Nach dem Dank im sechsten Kapitel werden in Kapitel 7 diverse Anhänge zur Verfügung gestellt.

Inhalt

In der Einleitung der Veröffentlichung gehen die beiden Autoren auf die aktuelle Situation im Kindertagesstätten-Bereich ein und erläutern den, aus ihrer Sicht, passgenauen Zusammenhang des systemischen Ansatzes für die frühpädagogische Arbeit.

Im ersten Kapitel wird die Frage nach dem Begriff der systemisch-ganzheitlichen Sichtweise gestellt und auch beantwortet. Die rein kognitive Sicht des systemischen Ansatzes soll erweitert werden um eine ganzheitliche Sichtweise der Arbeit in Kindertagesstätten. Hier wird dazu geraten, die Wechselwirkungen aller möglichen Prozesse in alle weiteren Überlegungen mit einzubeziehen.

Das zweite Kapitel legt nun wichtige Grundlagen, um die Systemtheorie zu verstehen und für den Anwendungsbereich Kindertagesstätte einordnen zu können. In diesem theoretischen Teil des Buches geht es zum einen um eine kurze Einführung in die Systemtheorie, aber auch um die Bindungstheorie, als eine systemische Theorie, und das Thema Resilienz und um das Lernen im vorschulischen Bereich aus systemisch-ganzheitlicher Sicht.

Die Systemtheorie wird über die Themenbereiche Kybernetik, Konstruktivismus, Chaostheorie, positiver und negativer Rückkopplung, Selbstorganisation und Synergetik erläutert. Zentrale Aussagen sind hier

  • die Wahrnehmung der Bedeutung der Rückkopplung, also des Denkens in Wechselwirkungsprozessen
  • die Anwendung von Hypothesen um zu erkennen, dass wir selten etwas wissen sondern zumeist Vermutungen anstellen, die sich bewahrheiten oder als falsch herausstellen können
  • den Wandel als die Normalität unseres Alltags zu erkennen und akzeptieren und die nötige Stabilität durch den Wandel zu erreichen.

Bindungstheorie und Resilienz werden im Buch deshalb erläutert um zu verdeutlichen, welch wichtige Komponenten im Zusammenleben und –arbeiten die Beziehungsqualität und die Widerstandsfähigkeit von Menschen einnehmen.

Neueste Erkenntnisse darüber, wie Kinder lernen und wie Erwachsene Kindern gute Bedingungen für das Lernen zur Verfügung stellen können werden ebenfalls noch im zweiten Kapitel veranschaulicht.

Im dritten Kapitel wird die systemische Organisation einer Kindertagesstätte vorgestellt. Das heißt konkret geht es um die Organisation der pädagogischen Prozesse, um Beobachtung, um die Aufgaben der Leitung als Führungskraft, um das Team der Kita und damit zusammenhängend um Besprechungen, Vernetzung, Personalentwicklung und Fortbildung, um die Kunden der Kita und Fragen wie Qualitäts- und Beschwerdemanagement und Leitbild und um Kooperationsmöglichkeiten nach innen und außen.

Die Zusammenarbeit und Partizipation von Eltern und Kindern im täglichen Ablauf der Kindertagesstätte wird im vierten Kapitel näher beleuchtet. Hier spielt die Haltung, mit der Erwachsenen und Kindern begegnet wird eine enorm wichtige Rolle.

In Kapitel fünf wird von Methoden und Möglichkeiten gesprochen als Leitung einer Kindertagesstätte den hohen Anforderungen gerecht zu werden, ohne sich dabei zu verausgaben.

Kapitel sechs wird als Dank – anstelle eines Nachwortes formuliert und im Anhang, Kapitel sieben, finden sich verschiedene Methoden der kollegialen Beratung, zwei Gesprächsleitfäden, ein Anamnesebogen und ein Formular für das Erstgespräch mit Eltern in der Kindertagesstätte.

Diskussion

Die Veröffentlichung von Rainer Orban und Gabi Wiegel bietet meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit sich dem Thema der Systemischen Arbeit, speziell in Kindertagesstätten, anzunähern. Wer mit der systemischen Denk- und Betrachtungsweise noch wenige Berührungspunkte hatte wird hier viele Anregungen und praktische Beispiele finden.

Die theoretische Einführung finde ich sehr gut strukturiert und ohne diese grundlegende Auseinandersetzung mit der Theorie könnte eine Umsetzung in die Praxis nicht wirklich von statten gehen. Es ist den Autoren gelungen einen Überblick herzustellen und dabei auch einige Nebenschauplätze in den Blick zu nehmen ohne sich jedoch in Details zu verlieren.

Die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, die in Kapitel drei vorgestellt werden, fallen teilweise etwas kurz aus. Hier hätte ich mir mehr stellenweise etwas konkrete Anregungen für die/den unerfahrene/n Leser/in gewünscht.

Für Leser/innen, die sich mit der Systemtheorie bereits auseinandergesetzt haben und einen Transfer der Erkenntnisse auf den Bereich der frühpädagogischen institutionellen Bildung und Betreuung bereits vollzogen haben, bietet die Veröffentlichung wenig Neues. Dennoch war die Lektüre interessant und kurzweilig.

Ich würde mir wünschen dass sich durchgängig die Wertigkeit der frühpädagogischen Arbeit auch im Titel der Einrichtung widerspiegelt und der mittlerweile bundesweit anerkannte Titel Kindertagesstätte, anstelle des veralteten Begriffs des Kindergartens, verwendet würde.

Fazit

Das Buch von Rainer Orban und Gabi Wiegel ist als einsteigende Lektüre für Pädagog/innen im Bereich von Kindertagesstätten sehr gut geeignet. Es vermittelt einen überschaubaren Überblick über die theoretischen Hintergründe der systemischen Theorie und stellt in einem praxisorientierten Teil mögliche Umsetzungen in den beruflichen Alltag der Kindertagesstätte vor. Die systemische Betrachtungsweise ist sehr gut für die beruflichen Anforderungen in der Frühpädagogik geeignet.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd Sonja Hees
Leiterin einer integrativen Kindertagesstätte, Fortbildnerin für Erzieher/innen und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Koblenz im Studiengang „Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit“.


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Zitiervorschlag
Sonja Hees. Rezension vom 05.02.2010 zu: Rainer Orban, Gabi Wiegel: Ein Pfirsich ist ein Apfel mit Teppich drauf. Systemisch arbeiten im Kindergarten. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2009. ISBN 978-3-89670-709-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7989.php, Datum des Zugriffs 08.08.2020.


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