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Eckard König, Gerda Volmer: Handbuch Systemisches Coaching

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 28.11.2009

Cover Eckard König, Gerda Volmer: Handbuch Systemisches Coaching ISBN 978-3-407-36479-1

Eckard König, Gerda Volmer: Handbuch Systemisches Coaching. Für Führungskräfte, Berater und Trainer. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2009. 300 Seiten. ISBN 978-3-407-36479-1. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 67,00 sFr.

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Thema

Die inflationäre Begriffsverwendung „Coaching“ ist nicht gerade hilfreich für eine wichtige Dienstleistung, die im beruflichen Bereich angesiedelt ist. Wenn ein Vater davon spricht, dass er sein Kind „coached“ und damit meint, seinen Nachwuchs in einer bestimmten Form zu erziehen und zu einer gewünschten Verhaltensweise zu bringen, ist die Benutzung des Begriffs ziemlich daneben. Wenn ein Lehrer versucht, mit „Coaching“ seinen Schülern Kompetenzen zu vermitteln, die sie zu sachgerechten Entscheidungen für eine gelingende Berufswahl befähigen, kommen wir der richtigen Begriffsverwendung schon näher; aber dafür könnte man einfach die Begriffe „Lernziele“ und „Lernprozess“ benutzen. Weshalb der Begriff „Coaching“ mittlerweile zu einem festen Bestandteil eines Interaktionsprozesses geworden ist, hängt damit zusammen, dass es mit der Methode gelingen kann, Situationen, Aufgabenbereiche und Probleme im beruflichen Kontext besser als mit den bisherigen „Ausbildungs“- und „Anleitungs“- Formen zu bewältigen. Deshalb gehören zu den Coaching-Prozessen unabdingbar die Formen der Beratung und der Zusammenarbeit. Coaching ist ein unterstützendes „Über-die-Schulter-Schauen“ eines professionellen Beraters bei einem Hilfesuchenden, mit dem Ziel, dass letzterer in der Lage ist, seine Potentiale und Fertigkeiten zu entdecken und zu erkennen, um sie zu selbst zu benutzen und weiter zu entwickeln. „Hilfe zur Selbsthilfe“ also. Damit ist „Coaching“ zwar verwandt mit Therapie- und Unterstützungsformen, wie etwa „Mediation“ (vgl. dazu: Nina L. Dulabaum, Mediation. Das ABC. Die Kunst, in Konflikten erfolgreich zu vermitteln“, Rezension ) oder Trainingsprogrammen für Kreativität (vgl. dazu: Siegfried Preiser / Nicole Buchholz, Kreativität. Ein Trainingsprogramm für Alltag und Beruf, Rezension), zielt aber in erster Linie auf die Vermittlung von Fähigkeiten in beruflichen Zusammenhängen; ein Prozess, der eigentlich in der beruflichen Aus- und Fortbildung integriert sein sollte, aber – vor allem wegen der immer komplexer und fachspezifischer werdenden beruflichen Tätigkeiten – zusätzlich entdeckt und erworben werden muss: „Coaching ist Unterstützung, eine Situation klarer oder aus einer anderen Perspektive zu sehen“.

Autorenteam

Der an der Universität Paderborn lehrende Sozialwissenschaftler und Systemischer Organisationsberater tätige Eckard König und die Kommunikationsberaterin Gerda Volmer legen ein Handbuch vor, das sich speziell mit dem „Systemischen Coaching“ befasst, was bedeutet, dabei „nicht nur auf die Einzelperson (den Coachees) zu schauen, sondern den Blick auf das soziale System zu richten“, also im Betrieb, in der Institution oder Organisation „über den Tellerrand zu schauen“.

Aufbau …

König und Volmer gliedern das Handbuch in insgesamt neun Kapitel.

  1. Im ersten wird geklärt, was „Systemisches Coaching“ eigentlich ist und wie es im theoretischen Zusammenhang eingeordnet werden kann;
  2. im zweiten wird an einem Fallbeispiel erläutert, wie ein Coachingprozess beginnen und organisiert werden kann;
  3. im dritten werden Phasen des Coachinggesprächs diskutiert und an klärenden Fragen zum Vorgang abgesichert.
  4. Im vierten Kapitel wird der Blick auf das soziale System gerichtet, die Regeln und Werte besprochen und die Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt.
  5. Das fünfte Kapitel setzt sich mit den verschiedenen Diagnoseverfahren und –methoden auseinander, die im Coachingprozess benutzt werden können.
  6. Im sechsten Abschnitt werden die möglichen Coachingthemen angesprochen, die Strategien, Kommunikationsformen, Konfliktaspekte aufgezeigt und das Zeitmanagement erläutert.
  7. Das Autorenteam setzt sich im siebten Kapitel mit „Coaching in komplexen Situationen“ auseinander und verdeutlicht die verschiedenen Lernsequenzen im Coachingprozess.
  8. Im achten Kapitel wird die durchaus umstrittene Auffassung besprochen, ob eine Führungskraft als „Entscheider“ in der jeweiligen Organisation gleichzeitig coachen kann und sollte. Die Autoren kommen dabei zu der Auffassung, dass „Coaching als Teil der Führungskultur“ implementiert und die „Supervision“ als selbstverständliche Führungs-, Organisations- und Arbeitsaufgabe verstanden werden sollte.
  9. Im letzten Kapitel schließlich wird verdeutlicht, dass professionelles, systemisches Coaching „endlich“ ist, was bedeutet, dass ein Coachingprozess sich auf einen Abschluss hin orientiert; oder, wenn der Prozess erfolgreich verläuft, sich überflüssig macht.

… und Inhalt

Die einzelnen Aspekte, die für den Systemischen Coachingprozess wichtig sind, werden im Handbuch durch herausgehobene Fragebereiche, Merksätze, Tabellen und Skizzen veranschaulicht. Dadurch erhält der Lerner, der auf dem Weg zum Systemischen Coach ist, bzw. der Coachee, einen Leitfaden, der, das merkt man, auf den langjährigen Erfahrungen der beiden Systemischen Coacher basiert. Die in einzelnen Lernschritten und –phasen aufgebauten Anleitungen sind eingebettet in die theoretischen Rück-, wie in die praktischen Hinführungen von Strategien zum Verständnis und zur Aneignung der vielfältigen Coaching-Methoden, die von der Fähigkeit zum Zuhören, zum Anschauen und Visualisieren, bis zur exakten Verbalisierung reichen – immer darauf ausgerichtet, die eigenen Verhaltensweisen zu erkennen und zu reflektieren, um sie verändern zu können. Hilfreich dabei sind auch die verschiedenen Vorschläge und Angebote, wie ein Interview zu führen ist, eine Analyse einer konkreten Situation zu bewerkstelligen ist, bis hin zur Evaluation eines erreichten Ziels.

Fazit

Das Handbuch ist ein Handbuch; was besagt: Es ist kein Rezeptbuch, sondern eine hilfreiche Anregung für diejenigen, die erkennen, dass in ihrem beruflichen Verhalten eine Verbesserungs- und Veränderungsmöglichkeit steckt und ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen weiterentwickelt werden können. Es ist für Menschen gedacht, die sich freiwillig und überzeugt, oder sich überzeugen lassend, auf einen Interaktionsprozess mit einem Coacher einlassen. Für Profis ist sicherlich das ebenfalls vom Autorenteam vorgelegte „Handbuch Systemische Organisationsberatung“ (2008) hilfreich, das ein theoretisches und praktisches Rüstzeug für Berater, Trainer und Führungskräfte anbietet. Es wird ebenfalls hingewiesen auf die Rezension von Peter Schröder.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1566 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 28.11.2009 zu: Eckard König, Gerda Volmer: Handbuch Systemisches Coaching. Für Führungskräfte, Berater und Trainer. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2009. ISBN 978-3-407-36479-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7991.php, Datum des Zugriffs 31.01.2023.


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