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Alexander Noyon, Thomas Heidenreich: Schwierige Situationen in Therapie und Beratung

Cover Alexander Noyon, Thomas Heidenreich: Schwierige Situationen in Therapie und Beratung. 24 Probleme und Lösungsvorschläge. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2009. 208 Seiten. ISBN 978-3-621-27687-0. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 59,00 sFr.
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Thema

Es gibt keine schwierigen Klienten/-innen, es gibt nur Klienten/-innen mit besonderen Ansprüchen. Schwierige Klienten/-innen können Klienten/-innen mit besonderen Bedürfnissen sein. Dazu zählen sicher die von Noyon und Heidenreich angebotenen Situationen, die für jede/-n Psychotherapeuten/-in grundsätzlich eine Herausforderungen darstellen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine Vielzahl von Patienten/-innengruppen, die für Psychotherapeuten/-innen an der Stelle als kompliziert und schwierig empfunden werden, wenn diese Klienten/-innen an persönliche Themen des Therapierenden anknüpfen.

Es gibt keine schwierigen Klienten/-innen, es gibt nur schwierige Situationen. Mit der Titelwahl der schwierigen Situationen fokussieren die Autoren Noyon und Heidenreich weniger auf den individualistischen Ansatz, sondern eher auf die Interaktion und damit auf die Situation, an der immer mehr als nur einer beteiligt ist. An dieser Stelle wird schon deutlich, dass keine schwierigen Klienten/-innen gibt, sondern nur eine schwierige Situation, zu der der Therapierende einen unterschiedlich großen Beitrag leistet.

Autoren

  • Dr. Dipl.-Psych. Alexander Noyon ist Leiter der Ausbildungsambulanz sowie der Ambulanz für Forschung und Lehre am psychologischen Institut der Universität Frankfurt. Er arbeitet in eigener Praxis in Bensheim und ist nebenberuflich als Dozent und Supervisor für Verhaltenstherapie und Logotherapie/Existenzanalyse angestellt.
  • Prof. Dr. Dipl.-Psych. Thomas Heidenreich ist Stellvertretender Leiter des "Instituts für Angewandte Forschung (IAF) Gesundheit und Soziales" in Esslingen. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die Entwicklung und Evaluation von Ansätzen zur Minderung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, insb. in sozialen und pflegenden Berufen.

Aufbau und Inhalt

Bevor die Autoren mit den versprochenen Inhalten in ihrem Buch beginnen schicken sie eine Einleitung vorweg. Darin weisen sie u.a. darauf hin, dass die Güte der eigenen Arbeit nicht primär vom Erfolg der Stunde abhängt. Der/die Therapeut/-in kontrolliert höchstens die Hälfe des Geschehens. Den anderen Teil kontrolliert der/die Klient/-in. Es ist daher wichtig uns ständig den Angebotscharakter unserer Arbeit zu verdeutlichen.

Jede Behandlung unterliegt dem Spannungsfeld von Akzeptanz und Veränderung. Linehan (1994, S. 73) bezeichnet Veränderung und Akzeptanz als die „zentrale Dialektik der Psychotherapie“ und bringt darin zum Ausdruck, dass nur bei hinreichender Realisierung beider Elemente eine erfolgreiche Behandlung möglich ist. Insbesondere eine zu frühe Einführung „therapeutischer Strategien“ wird völlig zu Recht Reaktanz und Widerstand bei Klienten/-innen auslösen.

In den folgenden Kapiteln werden die unten aufgezählten Situationen behandelt.

  • Abbruch der Behandlung durch den Klienten
  • Abschluss von Beratung und Therapie
  • Abwertendes und überkritisches Verhalten
  • Aggressives Verhalten und Gewalt
  • Kurzfristige Terminabsage oder Nicht-Erscheinen des Klienten
  • Machtkampf
  • Mangelnde Veränderungsmotivation
  • Negative Gefühlsäußerungen und exzessives Jammern
  • Schweigen und „Ich weiß nicht“
  • Ständiges Reden („Logorrhoe“)
  • Suizidalität
  • Therapeutische Vorprägung
  • Umgang mit Tod und Sterben
  • Verliebtsein bei Klienten, Verliebtsein von Behandlern
  • Wenig Eigenverantwortung
  • Zerstrittenheit bei Paaren
  • Zufällige Begegnungen mit Klienten im privaten Kontext

Jedes Kapitel ist kurz gefasst und passt durchschnittlich auf 10 Seiten. Es beginnt mit einer dem Thema entsprechenden kurzen Situationsbeschreibung aus einem Fallbeispiel. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine tabellarische Darstellung empfohlener „do‘s“ und „dont‘s“ in der bearbeiteten Situation. Persönliche Einstellungen der Autoren werden sprachlich deutlich von wissenschaftlichen Darstellungen unterschieden.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an beratende und therapeutische Kollegen/-innen im psychosozialen Bereich und deren Auszubildende.

Fazit

Das Buch „Schwierige Situationen in Therapie und Beratung“ erfasst gängige Behandlungssituationen die im Beratungs- und Therapiekontext auftreten, ohne durch die Therapeutenpersönlichkeit verhindert werden zu können. Die Darstellung der Themen ist klar und einfach strukturiert. So entsteht eine gute Überblícksdarstellung. Das Buch ist für Therapieneulinge bestens geeignet und sollte in keinem Ausbildungskontext fehlen. Ob erfahrene Therapeuten /-innen allerdings von den Hinweisen und Handlungsvorschlägen noch profitieren, bleibt fraglich.


Rezension von
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
Homepage www.oleimeulen.info


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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 08.12.2009 zu: Alexander Noyon, Thomas Heidenreich: Schwierige Situationen in Therapie und Beratung. 24 Probleme und Lösungsvorschläge. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2009. ISBN 978-3-621-27687-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/7993.php, Datum des Zugriffs 28.03.2020.


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