Wolfram Ehlers, Alex Holder: Psychoanalytische Verfahren
Rezensiert von Prof. Dr. Arnold Langenmayr, 06.01.2010
Wolfram Ehlers, Alex Holder: Psychoanalytische Verfahren.
Klett-Cotta Verlag
(Stuttgart) 2009.
380 Seiten.
ISBN 978-3-608-94404-4.
37,90 EUR.
CH: 62,00 sFr.
Reihe: Basiswissen Psychoanalyse - 2.
Überblick
Dieser zweite Band der Reihe Basiswissen Psychoanalyse enthält neben Artikeln der beiden Herausgeber auch Beiträge einer Reihe weiterer Autoren(Petra Christian-Widmaier, Klaus Grabska, André Haynal, Rita Hettinger, Michael Heine, Dietrich Munz, Matthias Retz, Hannelore Stenzel, Heinz Weiß und Reiner Winkler).
Aufbau und Inhalt
Das Werk beginnt mit einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der psychoanalytischen Technik und zeigt auf, wie sich von der Übertragungsneurose ausgehend die ‚an die Erinnerung gebundene Wiederholung und deren Durcharbeiten‘ (S.15) entwickelte. Der Traumabegriff wird hier aufgegriffen und durchaus aktuell erörtert.
In ‚Grundbegriffe der Psychoanalyse‘ werden Affekt-, topisches- und Strukturmodell dargestellt, verschiedene Krankheitsbilder erörtert und schließlich die grundlegenden Begriffe der psychoanalytischen Standardtechnik dargestellt (Übertragung, Gegenübertragung, Widerstand, Deutung usw.).
Unter dem Stichwort ‚Objektbeziehungstheorien‘ macht Grabska darauf aufmerksam, dass es schon bei Freud in diese Richtung zu deutende Ansätze gibt und man auf alle Fälle verschiedene Objektbeziehungstheorien innerhalb der Psychoanalyse kennt auch außerhalb der sicher bekanntesten von Kernberg. So finden hier auch Winnicott, Melanie Klein, Fairbairn oder Balint Erwähnung. Integriert ist auch ein kurzer Absatz über die expressive Psychotherapie Kernbergs.
Die theoretischen Ansätze Melanie Kleins finden im folgenden Abschnitt ausführliche Würdigung.
Es folgen dann noch eine Technikdebatte (Ehlers), in dem die üblichen Aspekte der Therapeut-Klient-Interaktion in der Psychoanalyse abgehandelt werden sowie die ‚konservative und radikale psychoanalytische Haltung‘ (S.251) und Modifikationen einander gegenübergestellt werden. Die Forderung nach Behandlungsverkürzung, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und ihre Unterabteilungen werden ebenso besprochen wie Konzepte für schwere Persönlichkeitspathologien.
Den Abschluss des Buches bilden Ausführungen über Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle einschließlich jüngerer empirischer Studien wie der von Leuzinger-Bohleber et al.
Fazit
Das Werk gibt einen guten Überblick über verschiedene Techniken und ihre theoretische Fundierung sowie einen schönen Abriss über die Entwicklung der psychoanalytischen Therapie. Dass dabei oft auf die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Bezug genommen wird, was nach dem Titel nicht unbedingt zu vermuten ist, stört ein bisschen, stellt aber vielleicht auch die allgemeine Schwierigkeit in der begrifflichen Definition dieser Richtung dar. Dass bei der Behandlung von Psychosen zwar unvermeidlich, aber zu Recht, Frieda Fromm-Reichmann erwähnt wird, nicht aber Benedetti, der sein ganzes Berufsleben diesem Thema gewidmet hat, verwundert.
Rezension von
Prof. Dr. Arnold Langenmayr
Universität Duisburg-Essen, Standort Essen
FB Bildungswissenschaften
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