Gerhard Merget, Jochen Hock et al.: Erziehen mit Musik in der sozialpädagogischen Ausbildung
Rezensiert von Prof. Dr. Hubert Minkenberg, 12.03.2010
Gerhard Merget, Jochen Hock, Hermann Schwind, Elisabeth Wilczek: Erziehen mit Musik in der sozialpädagogischen Ausbildung. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2009. 3. Auflage. 253 Seiten. ISBN 978-3-8237-1600-6. 24,95 EUR.
Autor
Gerhard Merget ist Diplom Pädagoge und Direktor der Fachakademie für Sozialpädagogik in Aschaffenburg. Er arbeitet dort ebenfalls als Dozent für Musikpädagogik. Er ist stellv. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Fachakademien für Sozialpädagogik. Darüber hinaus ist er mit einschlägigen Aufsätzen und einigen Buchveröffentlichungen zum Thema Musik in der sozialen Arbeit in Erscheinung getreten. Die MitautorInnen sind ebenfalls Mitarbeiter an der Fachakademie Aschaffenburg bzw. Fachakademie Hof (Wilczek).
Thema
Die Reformierung der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Bayern und die Einführung von Lernfeldkonzepten war der primäre Anlass zur Herausgabe einer 3. Auflage dieses Lehrbuchs, das sich in erster Linie an künftige ErzieherInnen wendet. Schon der Titel der Veröffentlichung verrät, dass im Mittelpunkt des Buches Erziehung mit Hilfe des Mediums Musik steht und erst in zweiter Linie die Erziehung zur Musik. Die Musikerziehung ist nach Auffassung des Autors Aufgabe der Schule und der Musikschule. Dies genau ist die Gratwanderung, die alle im Bereich der Musik in der Sozialen Arbeit stehenden zur Genüge kennen.
Aufbau und Inhalt
Das Buch gliedert sich in drei große Teile.
- Teil A bezieht sich auf die 7 Lernfelder der ErzieherInnenausbildung.
- Im Teil B werden Methoden der sozialpädagogischen Gruppenarbeit im Fach Musikpädagogik vorgestellt.
- Schließlich folgt im Teil C eine kurze Vermittlung der elementaren Grundlagen der Musiklehre.
In jedem Kapitel werden vom eigentlichen Text farblich abgesetzt die für die jeweiligen Kapitel besonders wichtigen Merksätze zusammengefasst. Zusätzlich befinden sich in jedem Abschnitt ebenfalls deutlich markierte Abschnitte mit beispielhaften Fragen, die das Gelesene in einer Art Lernzielkontrolle noch einmal abfragen.
Darüber hinaus gibt es besondere farbliche Symbole für Musikbeispiele in Noten (orange), Methodische Schritte (blau) und Hinweise auf eine zusätzlich verfügbare Audio CD (grün).
Der erste Teil A des Buches widmet sich vornehmlich grundsätzlichen sozialpädagogischen Fragestellungen wie zum Beispiel
- dem eigenen Zugang zur Musik
- dem eigenen Bildungsprozess
- entwicklungspsychologischen Fragestellungen
- Fragen der Stellung musischer Bildung in der Gesellschaft
Es folgen im Teil B ganz praktische Beispiele für die musikpädagogische Arbeit vornehmlich im Kindergarten. Der Schwerpunkt liegt auf Kinderliedern und Klangspielen. Es folgen Kapitel zum Tanzen und zum Musikhören, die sich deutlich an der bekannten, traditionellen Musikdidaktik orientieren. Der Popularmusik ist am Ende des Methodenteils ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem die wichtigsten Stile der Popmusik Mainstream, Soul, Reggae, Hip Hop & Rap, Hardrock, Artrock und Fusion mit kurzen Notenbeispielen illustriert werden.
Den Abschluss des Buches (Teil C) stellt eine kleine allgemeine Musiklehre dar, in der grundlegendes Wissen der Musiktheorie vermittelt werden soll. In diesem Kapitel sind noch einmal praktische Übungen zum Rhythmus, zum Musizieren mit Stabspielen und zur Stimme enthalten.
Am Ende des Buches befindet sich ein Sachwortverzeichnis
Zielgruppe
Der Verfasser weist im Vorwort schon darauf hin, dass das Buch als Lehrbuch für das Fach Musik an den Bayrischen Akademien für Sozialpädagogik gedacht ist. Sicherlich ist die Veröffentlichung auch interessant für alle Menschen, die mit Musik im Kontext der Sozialen Arbeit zu tun haben, jedoch über keine oder wenige Grundkenntnisse verfügen.
Diskussion
Im vorliegenden Buch wird eine unglaubliche Fülle von Inhalten und Themen angesprochen. Der gesamte Bereich der Musikpädagogik und deren Didaktik und Methodik sowie Grundlagen der Musikwissenschaft und der Musikpsychologie werden unterschiedlich intensiv behandelt. Manchmal geht diese Fülle von Quantität zwangsläufig auf Kosten der Qualität. Ein Beispiel: „Vorsprechen - nachsprechen, vorsingen, nachsingen... das hat mit dem Spielbedürfnis des Kindes nicht viel gemein“ (S. 53). Drei Seiten später spricht der Autor davon, dass man beim Lernen eines Liedes “abschnittsweise vor- und nachsingen; gemeinsam singen“ soll (S. 56.).
Weiterhin liegt eine gewisse Diskrepanz zwischen der zu Beginn des Buches angesprochenen Zielgruppe (ErzieherInnen ohne jegliche Vorkenntnisse) und den Anforderungen und Aufgabenstellungen vor. So sollen beispielsweise eigenständige Begleitstimmen zu Liedern entwickelt oder Begleitarrangements geschrieben werden (S. 239) Eine Aufgabenstellung, der manche MusikstudentInnen nicht gewachsen sind.
Manche in Reime gefasste Instrumentenerklärungen erscheinen im 21. Jahrhundert doch sehr betulich und antiquiert: „ Als Conga bin ich groß und rund, mein Fell ist hart gespannt. Man schlägt mich mit den Händen an, dafür bin ich bekannt.“
Fazit
Abgesehen von einigen Kritikpunkten mag das vorliegende Buch für die angehenden Erzieherinnen und Erzieher eine reichhaltige Fundgrube für Ideen sein und wertvolle Anregungen für die musikpädagogische Praxis geben.
Rezension von
Prof. Dr. Hubert Minkenberg
Professor für Medienpädagogik/Musikpädagogik
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Mailformular
Es gibt 31 Rezensionen von Hubert Minkenberg.



