Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Achim Schubert: Das Körperbild

Rezensiert von Dr. Kirsten Oleimeulen, 30.10.2009

Cover Achim Schubert: Das Körperbild ISBN 978-3-608-89082-2

Achim Schubert: Das Körperbild. Die Körperskulptur als modulare Methodik in Diagnostik und Therapie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2009. 312 Seiten. ISBN 978-3-608-89082-2. 34,90 EUR. CH: 49,00 sFr.
Reihe: Leben lernen - 219.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

"Somehow, we feel, the water of the physical brain is turned into the wine of consciousness, but we draw a total blank on the nature of this conversation." (McGinn, 1991, S.1) Im Ausdruck unseres Körpers offenbart sich unsere Existenz, denn er ist der Mittler, die Brücke zwischen Materiellem und Immateriellem. In ihm und durch ihn drückt sich unser Wesen aus und er gibt unserer Seele eine Form. Hinter jeder Haltung steht eine individuelle Erfahrung, die uns geprägt hat. Diese eingefleischte Prägung, eine körperlich-seelische Antwort auf und Schutz vor frühkindlichen Unsicherheiten und Verletzungen, nannte Wilhelm Reich Charakterpanzer, wir sprechen heute von Charakterstruktur oder -dynamik.

Ziel der Körperarbeit ist es, diese Struktur kennen zu lernen, durchlässiger zu werden und statt mechanischer Reaktion Wahlfreiheit für das eigene Handeln zu bekommen.

Körperarbeit ist eine Entdeckungsreise zu den eigenen Tiefen und Möglichkeiten. Über die Wahrnehmung, den Ausdruck und die Anerkennung unserer Körpergefühle begegnen wir dem (vergessenen) Kind in uns und lernen, uns zu verstehen und unseren primären Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Indem wir aufhören, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu verwechseln, weil uns alte Gefühle nicht sehen lassen, was wirklich ist, wird Beziehung und Kontakt zu anderen möglich und befriedigend.

Körpergedächtnis

Unter Gedächtnis versteht man die Fähigkeit der Lebewesen, aufgenommene Informationen zu behalten, zu ordnen und wieder abzurufen. In den letzten Jahren unterscheiden Forscher zwischen expliziten und impliziten Gedächtnisformen. Während das explizite Gedächtnis ein bewusster Vorgang ist und Fakten oder Ereignisse der Vergangenheit speichert, arbeitet das implizite Gedächtnis ohne Zutun unseres Bewusstseins.

Diese letzte Art von Gedächtnis - auch Körpergedächtnis genannt - beinhaltet Fertigkeiten, die automatisch ohne Nachdenken eingesetzt werden. Alle unsere Gewohnheiten wie auch motorische Fertigkeiten wie Gehen, Tanzen oder Schwimmen und anderes fallen unter diesen Begriff. Die Erinnerung des Körpergedächtnisses besteht dann nicht in einem bewussten Akt der Reminiszenz der Vergangenheit sondern in der Aktualisierung einer Handlung, einer gelebten Vergangenheit.

Autor

Dr. rer. nat. Achim Schubert, Diplom-Psychologe, arbeitet in freier psychotherapeutischer Praxis in Ebersberg bei München; er ist Lehrtherapeut und Supervisor bei der Bayerischen Landespsychotherapeutenkammer. Sein Ausbildungsweg widerspiegelt die Grundhaltung, das Wissen und die Erfahrungen verschiedener Therapierichtungen zu integrieren: Dissertation zur Neuropsychologie der Hemisphärenspezialisierung ( Ebbinghauspreis 1985); Forschungspraktikum bei der Orthopädin und Körper-Psychotherapeutin Dr. med. Hildegund Heinl , Mitbegründerin des Fritz-Perls-Institutes ; Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Ulm – Abteilung (psychoanalytische) Psychotherapie und Psychosomatische Medizin unter Leitung von Prof. Horst Kächele; Ausbildungen in Verhaltenstherapie und Klinische Hypnose (M. E. G).

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in 5 Kapitel.

Theoretische Grundlagen: Konzepte und Modelle. Ein Therapieprozess kann erst nachhaltig wirken, wenn er Gefühle bewegt. Körperdiagnostische Methoden ermöglichen dem Klienten einen Perspektivenwechsel vom spontanen Erleben zur Beobachtung. Die Methode der Körperskulptur macht dies dem Patienten intuitiv begreifbar. Die automatisch ablaufende Körperreaktion mit den entsprechenden Gefühlen können so verändert werden. Körperbilder bzw. Körperskulpturen sind intraindividuell innerhalb von Situations- und Interaktionsklassen stabil. Es besteht die Tendenz zum Transfer von Prägungssituationen auf aktuelle Situationen aufgrund von Merkmalsähnlichkeit. So kann ausgehend von der aktuellen Schwierigkeit des Klienten ein Auslöser für ein im Köpergedächtnis abgespeichertes Ereignis früherer Jahre gefunden werden, dass das Verhalten der betreffenden Person massiv beeinflusst und einengt.

Diagnostik des Körperbildes. Eine Studie des Autors belegt, dass es für Vorschulkinder noch deutlich schwieriger ist eine Skulptur zu formen, als sie zu zeichnen. Zusätzlich belegt die Studie die Hypothese, dass die Fähigkeit zur Formung wie zum Zeichnen differenzierter Körperbilder mit weiteren Dimensionen der motorischen Leistungsfähigkeit korreliert. Neben der Skulpturform geben Oberflächenmerkmale für den Klienten bedeutungsvolle Informationen wieder. Zusätzlich ergänzt die Methode die verbale Anamnese um sprachlich nicht erfassbare Aspekte aus der Lebensgeschichte des Betroffenen.

Anwendungen der modularen Körperskulptur-Methoden. Dieses Kapitel umfasst zahlreiche Fallbeispiele, bei denen die Körperskulptur als zentrales Theragnostikum eingesetzt wurde. Als besonderes Highlight wird die Angst- und Panikstörung sowie ihre geschlechtsspezifische Generalisierung thematisiert und die Effekte der Skulpturarbeit verdeutlicht.

Modulare Körperbildskulptur-Methoden in der Therapie. Neben der Körperskulptur werden auch Symptomskulpturen, Symbolskulpturen, Problem-Symbole und Ressourcensymbole vorgestellt. Das therapeutische Vorgehen und seine Wirksamkeit orientieren sich an dem Kaskaden-Modell aufsteigender Informationsverarbeitung interozeptiver Signale.

Methodische Empfehlungen. Das letzte Kapitel des Buches enthält eine detaillierte Anleitung zur Durchführung der modularen Körperskulptur-Methode sowie Übungen zur Arbeit mit heilsamen Körperfarben.

Zielgruppe

Das Buch ist geeignet für Psychotherapeuten/-innen aller Fachrichtungen sowie für entsprechende Auszubildende. Darüber hinaus ist ein gewisses Lesedurchhaltevermögen von Nöten, da das Fachbuch an manchen Stellen sehr abstrakt formuliert ist.

Fazit

Die Technik der Körperskulptur unterstützt Patienten/-innen, die wünschen, Amnesien für bestimmte Lebensabschnitte aufzulösen, um diese in ihre Lebensgeschichte zu integrieren. Wesentliches Ziel ist das Entkoppeln von Körperreaktionen auf aktuelle Stressoren von Erregungseinflüssen der erinnerten traumatischen Prägungssituationen. Solche traumatische Ereignisse, die vor dem Spracherwerb einwirkten, können mit Hilfe dieser Methode als Symbolisierung des betreffenden Körperzustandes-Superzeichens abgerufen werden. An dieser Stelle wird das Körperbild als Zugriff auf das Körpergedächtnis zu einer fast unersetzlichen Methode in der Psychotherapie.

Rezension von
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
Website

Es gibt 96 Rezensionen von Kirsten Oleimeulen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 30.10.2009 zu: Achim Schubert: Das Körperbild. Die Körperskulptur als modulare Methodik in Diagnostik und Therapie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2009. ISBN 978-3-608-89082-2. Reihe: Leben lernen - 219. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8061.php, Datum des Zugriffs 20.06.2024.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht