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Margareta Halek: Wie misst man die Pflegebedürftigkeit?

Cover Margareta Halek: Wie misst man die Pflegebedürftigkeit? Eine Analyse der deutschsprachigen Assessmentverfahren zur Erhebung der Pflegebedürftigkeit. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2003. 84 Seiten. ISBN 978-3-87706-735-2. 12,90 EUR.

Mit einer Einführung von Sabine Bartholomeyczik.
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Hintergrund und Thema des Buches

Pflegebedürftigkeit zu ermitteln und zu bestimmen ist eine zentrale Fragestellung der Pflegewissenschaft. Gesetzlich geregelt ist das Verfahren zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung über die Grundlagen des SGB XI und den Prüfkriterien des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Eine Kritik an den bestehenenden Verfahren wird seit Jahren geäußert. Vor allem die unzureichende Abbildbarkeit von demenziell Erkrankten ist dabei ein Hauptansatzpunkt. Seitens der Pflegewissenschaft konnten bislang jedoch keine hinreichenden Veränderungen bewirkt und neue Konzepte und Instrumente vorgestellt werden. Das Buch greift diese Diskussion auf und stellt kriterienorientiert Instrumente aus pflegewissenschaftlicher Sicht vor, die ähnlichen Ansprüchen genügen und als Alternative zum bestehenden Einstufungsverfahren diskutiert werden können. Damit ist das Buch vor allem im Hinblick auf aktuell geführte Debatten eine hilfreiche Synopse, um sich einen Überblick in dieser Thematik zu verschaffen.

Zur Autorin

Margareta Halek arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten Herdecke. Das Buch ist im Rahmen einer Masterarbeit entstanden. Halek ist Mitglied der "Nationalen Pflegeassessmentgruppe" an der Universität Witten und koordiniert Fachtagungen und die Herausgabe der Tagungsbände der Gruppe.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch gliedert sich in drei Teilbereiche. Nach einer Einführung in die Thematik der Pflegebedürftigkeit durch ein Vorwort von Frau Prof. Sabine Bartholomeyczik, wird umfassend das Modell der Lebensaktivitäten analysiert, das als maßgeblicher theoretischer Bezug zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit dient. Dieses ist eine in Deutschland weit verbreitete Pflegetheorie, die vor allem für Lehrzwecke in der Ausbildung genutzt wird und die Bedürfnisse der Menschen im Hinblick auf ihre Alltagsaktivitäten als Ausgangspunkt hat. Halek stellt dabei den Unterschied des Modells und des Verständnisses von Lebensaktivitäten aus Sicht der Pflegewissenschaft und der Gerontologie vor und analysiert die daraus resultierenden Differenzen bei der Ableitung notwendiger Pflegemaßnahmen. Ausgangspunkt der Analyse unterschiedlicher Instrumente ist für Halek stets das theoretische Modell der Lebensaktivitäten von Roper, Logan und Tierney. Im dritten Teil werden dann verschiedene Instrumente vor diesem Hintergrund auf ihre Aussagekraft und Anwendungsmöglichkeit hin analysiert. Dabei beschränkt sich Halek in erster Linie auf Instrumente der geriatrischen Pflege, Gerontologie und Geriatrie. Andere Instrumente aus dem Breich der Krankenhauspflege werden nicht mit in die Analyse einbezogen. Des weiteren zeigt Halek Studienergebnisse über die Verwendbarkeit der Instrumente auf und diskutiert die wissenschaftlichen Gütekriterien der Instrumente. Analysiert werden von ihr die folgenden acht unterschiedlichen Systeme unter der Fragestellung ihres spezifischen Beitrages zur Ermittlung von Pflegebedürtigkeit:

  • Resident Assessment Instrument (RAI)
  • MDK-Formulargutachten
  • Pflegeabhängigkeitsskala (PAS)
  • Pflegesatzadaptiertes Geriatrisches Baisassessment (PGBA)
  • Functional Independece Measure (FIM)
  • Planification informatisée des soins infirmiers requis (PLAISIR)
  • Easy Care
  • NursesÕ Observatin Scale for Geriatric Patients (NOSGER)

Die Diskussionen, die sie führt, spiegeln das pflegetheoretische Bemühen einer gültigen Beschreibung wieder, sie sind in so fern eine Darstellung der berufsspezifischen Sichtweise der Pflege auf dieses zentrale Thema. Halek bleibt in ihrer Analyse unter Beibehaltung der pflegespezifischen Sichtweise stets sachlich und neutral. Dennoch gibt sie Hinweise darauf, in welche Richtung ein Instrument konstruiert werden muss, um dem Anspruch der Messung von Pflegebedürftigkeit aus Sicht der Pflege gerecht werden zu können.

Am Ende stellt Halek in einer Zusammenfassung den derzeitigen Stand der Diskussion vor und beschreibt in kurzer Form die Vor- und Nachteile der jeweiligen Instrumente. Sie gibt Hinweise auf notwendige zukünftige Entwicklungen und gibt damit eine Richtungsweisung für die Pflegewissenschaft.

Zielgruppen

Das Werk richtet sich an Pflegende, Pflegelehrende, Studierende, Pflegewissenschaftler und Interessierte, die sich mit dem Thema der Pflegebedürtigkeit auseinander setzen wollen. Es ist einfach verständlich und kompakt beschrieben, die Vorstellungen und Analysen sind sprachlich gut verständlich dargelegt. Somit kann das Buch auch von Betroffenen oder Angehörigen genutzt werden, um sich dem Thema zuzuwenden und aktiv in die Diskussion einzugreifen. In der pflegewissenschaftlichen Disziplin nimmt die Diskussion um Instrumente eine zunehmend größere Stellung ein. Für Studierende bietet dieses Buch einen guten Einstieg in das Themengebiet.

Fazit

Halek gelingt es, in kurzer und präziser Art und Weise einen Überblick über bestehende Verfahren und ihre Anwendungen und Grenzen zu geben. Das Thema des Buches ist aktuell, eine Veränderung der Prüfkriterien und eine Neuanpassung der Pflegeversicherung werden derzeit diskutiert und von Verbänden wie Kassenvertretern gefordert. Sie nimmt dabei Stellung aus Sicht der Pflege und fordert einen Beitrag der Pflegewissenschaft in der weiteren Entwicklung ein. Somit ist ihr Buch Analyse und Auftrag zugleich. Halek fasst in dem Buch umfassendere Studien zusammen, die bislang nicht in Buchform zugänglich waren und nur schwierig zugänglich sind. Die Klarheit des Denkens, Einfachheit der Sprache und große Sachkenntnis zeichnen dieses Buch aus. Somit kann das Buch uneingeschränkt empfohlen werden.


Rezensent
Prof. Dr. Michael Isfort
Dipl. Pflegewiss.
Katholische Hochschule (KatHO) NRW, Köln


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Zitiervorschlag
Michael Isfort. Rezension vom 01.07.2003 zu: Margareta Halek: Wie misst man die Pflegebedürftigkeit? Eine Analyse der deutschsprachigen Assessmentverfahren zur Erhebung der Pflegebedürftigkeit. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2003. ISBN 978-3-87706-735-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/807.php, Datum des Zugriffs 17.09.2019.


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