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Ullrich Dittler, Jakob Krameritsch u.a. (Hrsg.): E-Learning

Cover Ullrich Dittler, Jakob Krameritsch, Nicolae Nistor, Christine Schwarz, Anne Thillosen (Hrsg.): E-Learning. Eine Zwischenbilanz : Kritischer Rückblick als Basis eines Aufbruchs. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2009. 344 Seiten. ISBN 978-3-8309-2172-1. 35,90 EUR.

Reihe: Medien in der Wissenschaft - 50.
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Thema

Die Herausgeber versuchen, in diesem Band eine Zwischenbilanz zum E-Learning zu ziehen. Die Schwerpunkte sind dabei E-Learning Förderung, Sicht der Anwender, Didaktik, Institution Hochschule und Visionen.

AutorIn oder HerausgeberIn

Die Herausgeber stammen aus dem Umfeld deutscher und österreichischer Hochschulen. Prof. Dr. Ullrich Dittler ist Professor für Interaktive Medien an der Fakultät Digitale Medien der Hochschule Furtwangen. Dr. Jakob Krameritsch lehrt an der Akademie für Bildende Künste Wien, Dr. Nicolae Nistor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie sowie der Abteilung „iTeach-Lerntechnologien“ der LMU München, Dr. Christine Schwarz ist freie Beraterin und Mitglied des Vorstands der Grünen Akademie der Heinrich Böll Stiftung, Dr. Anne Thillosen leitet das Projekt E-Learning-Informatinsportal www.e-teaching.org.

Die Autorenliste umfasst ein Reihe führender Hochschullehrer im Bereich E-Learning, aber auch eine Vielzahl von vor allem wissenschaftlichen Mitarbeitern, die an verschiedenen Projekten mit innovativen Lernsystemen im Hochschulbereich mitgewirkt haben bzw. tätig sind sowie Studierende.

Entstehungshintergrund

Nach den Phasen des E-Learning, das primär der Wissensvermittlung mittels CBT und WBT diente und der Qualifizierung mit Blended Learning befindet sich das E-Learning bereits in der 4. Entwicklungsstufe mit dem Ziel der Kompetenzentwicklung (zumindest in der betrieblichen Bildung) und der zunehmenden Integration informeller Lernprozesse, z.B. mittels Social Software (Web 2.0). Dies gibt Anlass, die Entwicklung und den aktuellen Stand der Integration von E-Learning in die Lehr- und Lernprozesse der Hochschulen zu analysieren und zu bewerten.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Abschnitt „Förderung von E-Learning: Was führt zum Erfolg? Wer definiert den Erfolg?“ werden die die Förderprogramme der vergangenen Jahre kritisch bewertet. Simone Haug und Joachim Wedekind kommen zu einem sehr ernüchternden Ergebnis, insbesondere was die Nachhaltigkeit, die Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle und die Übertragbarkeit betrifft. Peter Baumgartner und Reinhard Bauer analysieren den mediendidaktischen Hochschulpreis MEDIDA PRIX und plädieren für eine bildungspolitische Neuorientierung. Weitere Autoren beschreiben und reflektieren beispielhaft Lösungsansätze, Instrumente und Erfahrungen aus der der Qualitätssicherung von E-Learning-Systemen, untersuchen die IT-Hochschulausstattung und ziehen eine Bilanz der Förderpolitik in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Im zweiten Abschnitt „Im Dienst der Didaktik? Welche Rolle spielt die Technik?“ werden die Erfolgsfaktoren einer systematischen und nachhaltigen Implementierung von E-Learning in der akademischen Welt untersucht. Michael Kerres u.a. beschreiben Learning Management Systeme mit Web 1.0 und Web 2.0 Elementen und deren Funktionen in Lernszenarien. Im Weiteren werden Grenzen und Möglichkeiten neuer Technologien in den Lernprozessen der Hochschulen, die erforderlichen Fertigkeiten und Kompetenzen aller Beteiligten, die Förderung der Motivation sowie Rollen, Stellenwert und Implementierung von E-Learning in Hochschulen beleuchtet.

Im dritten Abschnitt „E-Learning aus Sicht der Anwender“ soll der Blick auf die Nutzer der Lernsysteme gerichtet werden. Während einzelne Autoren, insbesondere auch Studierende, ihre persönlichen Erfahrungen reflektieren untersucht Ullrich Dittler den Erfolg von Web 2.0-Szenarien. Daraus werden von einzelnen Autoren innovative Lernszenarien für die Hochschulen abgeleitet.

Der vierte Abschnitt „Die Perspektive der Hochschule als Institution“ gibt einen Rückblick auf 15 Jahre hochschulstrategischer Überlegungen. Deutlich wird die Diskrepanz zwischen dem persönlichen Medienverhalten der Studierenden und den Lernsystemen an den Hochschulen. Es zeigt sich, dass neben didaktischen Motiven und der Hoffnung auf Kosteneinsparungen vor allem die Aussicht auf umfangreiche Fördermittel den Anstoß zur Einführung von E-Learning gaben. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Melanie Germ und Heinz Mandl die Implementierung von E-Learning an Hochschulen als eine ggf. unlösbare Aufgabe darstellen. Abgerundet wird der Abschnitt durch wertvolle Hinweis für die Aufgabe, ein neues LMS an Hochschulen zu implementieren.

Im abschließenden Abschnitt „Visionen“ ist der Beitrag von Rolf Schulmeister hervor zu heben, der sein Wünsche an „die Krücke“ Computer und Internet formuliert. Ellen Fetzer sieht die Chance, mit E-Learning der neuen Generation Grenzen zu überwinden, während Christine Schwarz die Veränderungen in einem Zusammenspiel von top-down und bottom-up beschwört.

Inhalt

Insgesamt wird in den Beiträgen deutlich, dass in der Hochschullandschaft über Förderprojekte meist keine nachhaltigen Effekte erzielt werden können. Was bleibt, ist eine oftmals beeindruckende Technikausstattung, die sich aber vielfach nicht in innovativen Lernkonzeption und veränderten Handlungsweisen der Beteiligten niederschlägt. So findet das veränderte Medienverhalten der Studierenden im Zuge der Entwicklung zum Web 2.0 nur begrenzt seinen Niederschlag in den Lernsystemen der Hochschulen. Einzelne Beiträge, z.B. von Kerres u.a. oder von Dittler, zeigen konkrete Möglichkeiten auf, wie diese Instrumente in die Lernkonzeptionen integriert werden können.

In vielen Beiträgen wird deutlich, dass neue Medien in der Bildung wesentlich dazu beigetragen haben, die Qualität der Hochschulbildung und die Rolle der Beteiligten an den Lernprozessen zum Thema zu machen. Was fehlt, ist ein hochschulweites Veränderungsmaangement, welches zu einer neuen Lernkultur führt, die mit den Neuen Medien möglich wäre.

Diskussion

Während in der betrieblichen Bildung teilweise hoch innovative Lernkonzeptionen aus dem strategischen Handlungsbedarf entwickelt werden, wird in Hochschulen in starkem Maße mittels Förderprogrammen versucht, Innovationen im Lernbereich zu fördern. Nach nunmehr weit über einem Jahrzehnt Erfahrungen mit E-Learning im Hochschulbereich ist es deshalb sehr zu begrüßen, eine kritische Bestandsaufnahme vor zu nehmen.

Die verschiedenen Beiträge der Autoren zeichnen sich naturgemäß durch höchst unterschiedliche Relevanz für die Leser aus, die Hinweise und Hilfestellung für die Entwicklung und Implementierung von E-Learning im Hochschulbereich suchen. Insgesamt wird in diesem Sammelband überwiegend aus dem Focus der „Lehre“ argumentiert, während der Aspekt des „Lernens“ nur in einigen Beiträgen in den Vordergrund rückt. Erfreulich ist, dass einzelne Autoren, insbesondere unter dem Aspekt des Web 2.0, innovative Lernszenarien entwickeln, die „Appetit“ machen.

Die Frage, wie in der Institution Hochschule die Lernkultur entsprechend den Möglichkeiten innovativer Lerntechnologien entwickelt werden kann, wäre sicherlich ein weiteres Kapitel Wert gewesen. Trotzdem ist dieses Werk für alle, die sich mit der Weiterentwicklung der „Lehrsysteme“ unserer Hochschulen zu „Lernsystemen“ beschäftigen, ein Fundus für wertvolle Denkanstöße und Anregungen.

Fazit

Es gibt noch breiten Handlungsbedarf für die Entwicklung und Implementierung von E-Learning an den Hochschulen. Dabei geht es primär nicht um ein technisches Problem, sondern um die Veränderung der Lernkonzeptionen und der Handlungsweisen aller Beteiligten, es geht um eine Kulturveränderung. Nur dann ist auch ein neuer Aufbruch möglich.


Rezension von
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 14.12.2009 zu: Ullrich Dittler, Jakob Krameritsch, Nicolae Nistor, Christine Schwarz, Anne Thillosen (Hrsg.): E-Learning. Eine Zwischenbilanz : Kritischer Rückblick als Basis eines Aufbruchs. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2009. ISBN 978-3-8309-2172-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8071.php, Datum des Zugriffs 03.12.2021.


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