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Alexander Salvisberg: Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt

Rezensiert von Dr. Winfried Leisgang, 05.12.2011

Cover Alexander Salvisberg: Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt ISBN 978-3-03-777082-5

Alexander Salvisberg: Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt. Bedeutung und Wandel. Seismo-Verlag Sozialwissenschaften und Gesellschaftsfragen (Zürich) 2010. 232 Seiten. ISBN 978-3-03-777082-5. 32,00 EUR. CH: 48,00 sFr.
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Entstehungshintergrund

Es handelt sich um Dissertation an der Universität Zürich, in der der Autor der Bedeutung von Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt nachgeht. Die empirische Grundlage der Studie sind 40.000 Stellenanzeigen aus den Jahren 1950 bis 2006.

Aufbau

Das Buch enthält fünf Kapitel.

Der Einleitung folgt in Kapitel 2 eine theoretische Analyse der Soft Skills in der Arbeitswelt. Im dritten Kapitel geht es um den Wandel in der Arbeitswelt in einer postindustriellen Gesellschaft. Daran anschließend wird die empirische Analyse von Stelleninseraten vorgestellt. Kapitel 5 schließt mit Zusammenfassungen und Folgerungen das Buch ab.

Inhalt

In seiner theoretischen Analyse der Soft Skills bezieht sich der Autor auf das Kompetenzmodell von Heinrich Roth (1971) und die Handlungstheorie von Jürgen Habermas (1988). Daraus entwickelt er ein Kompetenzraster, das er später für die Auswertung der Stellenanzeigen nutzt. Innerhalb der Soft Skills unterscheidet er zwischen Sach- und Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und der Selbstkompetenz, die in unterschiedlichen Berufs- und Tätigkeitskontexten spezifisch ausgeprägt sind. Im zweiten Abschnitt dieses Kapitels wird die Bedeutung von Soft Skills anhand empirischer Analysen aufgezeigt. Als Fazit werden Thesen aufgestellt, die in der Untersuchung überprüft werden. Soft Skills sind im Arbeitskontext wichtig, aber berufs- und betriebsspezifisch ausgeprägt. Sie sind geschlechtsspezifisch und die guten alten Tugenden der Selbstkompetenz, wie z.B. Zuverlässigkeit haben kaum an Bedeutung verloren.

Im dritten Kapitel wird der Wandel in der Arbeitswelt, weg von fordistischen Arbeitsmodellen, hin zu postindustriellen Strukturen der Arbeitswelt, beschrieben. Als zentrale Elemente dieser Entwicklung werden die Deindustrialisierung und Tertianisierung, sowie die gewandelten Konsumwünsche und Arbeitsansprüche der Wohlstandsgesellschaft beschrieben. Aus dieser Entwicklung erwachsen neue postindustrielle Qualifikationsanforderungen, die sich in einer postfordistischen Wirtschaft zeigen. Dies wird am Schluss in einer Gegenüberstellung der Prinzipien der alten und der neuen Arbeitswelt mit einer Grafik veranschaulicht.

In Kapitel vier stellt der Autor sein forschungsmethodisches Vorgehen vor. Er greift dabei auf seine theoretischen Vorüberlegungen zurück und konstruiert ein Kategoriensystem zur Auswertung der Stellenanzeigen zwischen 1950 und 2006. Die drei Kompetenzklassen Sach- und Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz differenziert er jeweils nach einem statischen und einem dynamischen Modus. Daran anschließend wertet er die Daten nach verschiedenen Berufsgruppen bzw. Anforderungsprofilen aus. Die Ergebnisse visualisiert er mit Hilfe von Kompetenznetzen, in die er die Ausprägung seiner vorher beschriebenen Kategorien einträgt. Dabei differenziert er nach stellenspezifische Kompetenzausprägungen wie z.B. in Dienstleistungsberufen mit hohen und geringen Anforderungen, nach Leitungsebenen oder nach Betriebsgröße.

Im letzten Kapitel fasst der Autor seine Ergebnisse noch einmal zusammen. Besonders betont er die Dynamik des Wandels am Arbeitsmarkt im untersuchten Zeitraum von 1950-2006. In dieser Periode sind die Qualitätsanforderungen am Stellenmarkt deutlich gestiegen und die Bedeutung von Soft-Skills hat, nicht zuletzt aufgrund des Einzugs des Computers in die Arbeitswelt, erkennbar zugenommen. Vor allem die dynamische Facette der Soft-Skills hat sich deutlich verändert. Allerdings wird die dabei immer wieder geforderte dynamische Selbstständigkeit der Arbeitnehmer durch die „verschärfte Forderung nach Einordnung ins Arbeitsteam, nach Zuverlässigkeit, Belastbarkeit und Einsatzbereitschaft“ (S. 201) gleichzeitig wieder eingegrenzt.
Außerdem werden die Soft-Skill-Anforderungen noch einmal nach rollenspezifischen Eigenheiten, nach Arbeitskontext und unter dem Gesichtspunkt der Teamarbeit differenziert.
Den Abschluss bildet ein Abschnitt, der die Auswirkungen der Studie auf die Forschungsfelder Arbeitsmarkt, Ungleichheit und Bildung beschreibt.

Diskussion

Das Buch bietet eine interessante Längsschnittstudie zum Arbeitsmarkt mit den Anforderungen an die Soft-Skills in unterschiedlichen Berufs- und Betriebsebenen. Die Vielfältigkeit des Forschungsansatzes ist allerdings gleichzeitig auch ein Mangel. Bietet ein derart breiter Ansatz nicht nur oberflächliche Ergebnisse, ohne Details genauer zu beleuchten?
Dem Autor ist es aufgrund akribischer Datenarbeit gelungen, durchaus interessante Aspekte der Ausprägung von Soft-Skill-Kompetenzanforderungen in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen abzubilden (siehe Kapitel vier).

Auffällig ist, dass kaum aktuelle Literatur verwendet wird. Nur wenige Bücher im Literaturverzeichnis sind nach dem Jahr 2000 erschienen. Vor allem die Entwicklung und Dynamik der Kompetenzforschung in Deutschland lässt der Autor damit völlig unberücksichtigt (vergl. die Rezension 1; Rezension 2 und Rezension 3 zu Heyse und Erpenbeck). Dies mag die Ergebnisse der Studie nicht unbedingt negativ beeinflussen. Als Leser mit Hintergrundwissen fragt man sich allerdings, warum diese Forschungsergebnisse aus dem deutschsprachigen Raum nicht in die Arbeit einfließen bzw. erwähnt werden.

Fazit

Das Buch ist lesenswert für alle, die sich im Studium oder im Beruf mit Soft-Skills auseinandersetzen. Es bietet eine theoretische Diskussion, die an manchen Stellen etwas dürftig ausfällt, und eine Auswertung umfassenden Datenmaterials. Soft-Skills werden auch in Zukunft in vielen Bereichen der Arbeitswelt noch an Bedeutung gewinnen. Das Verständnis für die Entwicklung in unterschiedlichen Arbeitsfeldern wächst beim Lesen dieses Buches.

Rezension von
Dr. Winfried Leisgang
Dipl. Soz.-Päd., Master of Social Work (M.S.W.)
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Es gibt 43 Rezensionen von Winfried Leisgang.

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Zitiervorschlag
Winfried Leisgang. Rezension vom 05.12.2011 zu: Alexander Salvisberg: Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt. Bedeutung und Wandel. Seismo-Verlag Sozialwissenschaften und Gesellschaftsfragen (Zürich) 2010. ISBN 978-3-03-777082-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8094.php, Datum des Zugriffs 16.08.2022.


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