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Clemens Hillenbrand, Thomas Hennemann u.a.: Lubo aus dem All. Programm zur Förderung [...]

Cover Clemens Hillenbrand, Thomas Hennemann, Annika Heckler-Schell: Lubo aus dem All. Programm zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Vorschulalter. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2008. 120 Seiten. ISBN 978-3-497-02044-7. D: 99,00 EUR, A: 101,80 EUR, CH: 169,00 sFr.

Handpuppe "Lubo". Ernst Reinhardt Verlag (München) 2008. ISBN 978-3-497-02046-1. D: 59,90 EUR, A: 59,90 EUR, CH: 99,90 sFr.
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Autoren

  • Prof. Dr. Clemens Hillenbrand hat den Lehrstuhl für Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung an der Universität zu Köln,
  • Dr. Thomas Hennemann ist Mitarbeiter an diesem Lehrstuhl.
  • Annika Heckler-Schell ist Projektleiterin zur Evaluation des Präventionsprogramms „Lubo aus dem All“.
  • Die Illustrationen stammen von Frauke Breuer.

Thema

Die aktuelle Diskussion zur Pädagogik der frühen Kindheit bezieht sich vor allem auf kognitive und sprachliche Dimensionen; die Bildungspläne vieler Bundesländer zielen im Schwerpunkt auf diese Bereiche. Die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen stellt eine ebenso wichtige Aufgabe dar. Dies wurde bisher, zumindest im deutschen Sprachraum, als wichtiger Schwerpunkt in der vorschulischen Erziehung gesehen; sie erfolgte aber eher intuitiv und ohne wissenschaftliche Fundierung.

Das Ziel des Präventionsprogramms ist die Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen bei Vorschulkindern zur langfristigen Vermeidung von Verhaltensstörungen.

Inhalt und Aufbau

Die wissenschaftliche Basis für das Programm sind die Ergebnisse der Resilienzforschung mit dem Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren sowie das Modell der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung. In einem Kreismodell werden die Schritte des Prozesses in der aktuellen sozialen Situation beschrieben: Wahrnehmung und Entschlüsselung sozialer Hinweisreize; Interpretation sozialer Hinweisreize; Zielklärung; Suche, Zugang und Konstruktion von Handlungsalternativen; Bewertung der Lösungsmöglichkeiten und Entscheidung; Auswahl und Umsetzung der Reaktion sowie Rückkoppelung mit der Bewertung durch Peers. Zudem werden die Entwicklungsaufgaben des Vorschulalters formuliert, wobei emotionale (Emotionsverständnis, Emotionsausdruck, Emotionsregulation) und soziale Kompetenzen besonders herausgestellt werden.

Anhand des Phasenmodells der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung werden konkrete Förderziele abgeleitet und formuliert. Die Ziele lassen sich der individuellen Ebene, der Gruppenebene und der Erzieherinnen-Kind-Ebene zuordnen.

Das Förderprogramm ist in eine Rahmenhandlung eingebettet, die von Lubo und seinen Erlebnissen erzählt. Lubo (dargestellt als Handpuppe, die separat erhältlich ist), ein Außerirdischer, kommt auf die Erde und will von den Kindern lernen, wie man gut miteinander umgeht und hier gut zurecht kommt; die Welt der Gefühle ist auf seinem Planeten unbekannt.

Das Programm umfasst 34 Sitzungen zu jeweils ca. 40 Minuten. Das Förderprogramm wird in folgende Segmente unterteilt:

  • Einführung in das Programm - Kennenlernen der Rituale, Aufbau eines Gruppengefühls (1. – 3. Stunde)
  • Phase 1: „Was ist passiert?“ - Förderung der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung von Personen und Situationen (4. – 9. Stunde)
  • Phase 2: „Was fühle ich?“ – Wahrnehmung, Erkennen und Verstehen von Emotionen bei sich und anderen und Förderung der Emotionsregulation (10. – 20. Stunde)
  • Phase 3: „Was kann ich tun?“ – Emotionsregulation: Strategien zum angemessenen Umgang mit Gefühlen und bei emotional belastenden Situationen (21. – 25. Stunde)
  • Phase 4: „Was kann ich tun?“ – Verhaltensregulation: Strategien für ein angemessenes Verhalten in sozialen Situationen (26. – 34. Stunde)

Jede Sitzung hat einen ähnlichen Aufbau:

  • Begrüßung
  • Arbeit an einem Thema
  • „Wetterbericht“
  • „Sternenrunde“
  • Abschiedsritual

Im Manual ist jede Stunde komplett ausformuliert. In der Rubrik „Stunde im Überblick“ werden u.a. die Ziele der Stunde, Material, Vorbereitung vor der Stunde und sonstige Hinweise formuliert, in der Rubrik „methodische Anregungen“ werden die einzelnen Bausteine ausführlich dargestellt. Die Auseinandersetzung mit einem Förderschwerpunkt beinhaltet sowohl aktivierende Bausteine wie Bewegungs-, Kooperations- und Rollenspiele sowie ruhigere Mal-, Bastel- und Gesprächsphasen.

Gefühlswetterbericht: Hier erlernen die Kinder, ihre momentane Gefühlslage wahrzunehmen, zu verbalisieren und möglichst Zusammenhänge mit den Ursachen herzustellen. Folgende Emotionen werden mit Wetterlagen assoziiert und jeweils einer Ecke im Raum zugeordnet: Sonne - Freude, Gewitter – Wut und Ärger, Regen - Trauer, Nebel - unklarer emotionaler Zustand („ich weiß gerade nicht, wie ich mich fühle“). Die Kinder begeben sich in jeweils eine Ecke; sie sprechen dann über ihre jeweiligen Gefühle. Dieser Programmbestandteil wird in der 3. Stunde eingeführt. In Variante 1 (eingeführt in der 13. Stunde) wird jeweils eine Gefühlsecke besonders herausgegriffen und die Kinder in den anderen Ecken überlegen, was können z.B. die Gewitterkinder tun, um sich besser zu fühlen (Bewältigungsstrategien entwickeln). In Variante 2 (eingeführt in der 25. Stunde) entwickeln die betroffenen Kinder selbst Lösungsideen.

Sternenrunde: In dieser Feedbackrunde am Ende der Stunde gibt Lubo positive Rückmeldungen über das heutige Verhalten und gibt jedem Kind einen bunten Stern zur Belohnung (eingeführt in der 2. Stunde). In Variante 1 „Sag was Nettes“ (eingeführt in der 16. Stunde), erfolgt die positive Rückmeldung durch die Kinder, ab der 17. Stunde kann Lubo auch einen „Gruppenstern“ als Rückmeldung für eine positive Gruppenleistung vergeben.

Problemlösekreislauf: Dies ist das Kernstück des Programms. Er vermittelt eine kognitive Strategie zur Lösung von Problem- und Konfliktsituationen („Wie Lubo Probleme löst“). Der Kreislauf umfasst 5 Schritte („Was ist passiert?“ – „Wie fühle ich mich? Und Du?“ – „Was möchte ich?“ – „Was kann ich tun?“ – „Jetzt geht‘s los“) und kann sowohl als Poster wie auf Einzelkarten veranschaulicht werden. Die erste Karte wird in der 5. Stunde eingeführt, der gesamte Kreislauf in der 22. Stunde.

Für die Durchführung wird empfohlen, eine Gruppe von 10 – 12 Vorschulkindern zu bilden, die unterschiedliche soziale Kompetenzen aufweisen; eine Gruppe sollte zu gleichen Teilen sozial kompetente Kinder und Kinder, die bereits Anzeichen einer Verhaltensproblematik aufweisen bzw. in Risikokonstellationen aufwachsen, enthalten. Bei einer Überrepräsentation von Kindern mit Verhaltensproblemen sollte das Programm von 2 Erzieherinnen durchgeführt werden. Es wird auch empfohlen, das Programm mit möglichst 3 Sitzungen pro Woche (montags, mittwochs, freitags) durchzuführen. Für den Transfer in den Gruppenalltag und in die Familie sind Handreichungen enthalten. Außerdem werden Vorschläge für die Weiterführung gemacht.

Mit dem Manual werden 2 Poster, 30 Bildkarten in zwei Formaten, eine CD mit 2 Lubo-Liedern und mehrere Kopiervorlagen mitgeliefert.

Die Wirksamkeit des Programms wurde in 15 Kindertagesstätten aus dem Kölner Raum überprüft, wobei 127 Kinder das Programm durchliefen und 95 Kinder die Kontrollgruppe bildeten. Die Kinder wurden unmittelbar vor und nach der Durchführung des Programms sowie vier bis fünf Monate nach der Beendigung untersucht. Die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung der Kinder wurde mittels Befragung der Kinder und einer Verhaltensbeurteilung durch die Erzieherinnen erfasst, für jedes Kind aus der Trainingsgruppe wurde auch der soziometrische Status erhoben. Es konnten Langzeiteffekte bezüglich einer Erhöhung der Produktion von sozial angemessenen Verhaltensstrategien zur Lösung von sozialen Problemen, einer Verbesserung des sozialen Status sowie einer Verringerung von Verhaltensproblemen nachgewiesen werden.

Zielgruppen

Fachkräfte in Kindertagesstätten

Fazit

Das Präventionsprogramm ist wissenschaftlich fundiert; es basiert auf entwicklungspsychologischen Befunden und Erkenntnissen. In einem ersten Schritt konnte seine Wirksamkeit belegt werden.

Die Anregungen der Peers werden auf allen Ebenen einbezogen, besonders deutlich in den Varianten des Gefühlswetterberichts, der Sternenrunde und dem Problemlösekreislauf. Damit wird dem „Buddy-Prinzip“ der Resilienzforschung, d.h. dem Verständnis, dass ein gleichaltriges Vorbild oft mehr Einfluss auf die Kinder ausübt als ein Erwachsener, Rechnung getragen.

Das Programm ist abwechslungsreich gestaltet, unterschiedliche Aktivitäten auf kindgerechtem Niveau wechseln sich ab, trotzdem ist der Ablauf für die Kinder wieder erkennbar und wird durch Rituale gefestigt. Die Kernbestandteile des Programms können auch nach Ablauf des formalen Programms gut in den Kindergartenalltag integriert werden.

Deshalb hoffe ich, dass viele Kindertagesstätten die Möglichleiten dieses Programms aufgreifen und „Lubo“ ein fester Weggefährte der Vorschulkinder im Kindergarten wird.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 27.10.2009 zu: Clemens Hillenbrand, Thomas Hennemann, Annika Heckler-Schell: Lubo aus dem All. Programm zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Vorschulalter. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2008. ISBN 978-3-497-02044-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8119.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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