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Martin R. Textor: Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule

Cover Martin R. Textor: Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule. Gründe, Ziele, Formen. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2009. 88 Seiten. ISBN 978-3-8370-8890-8. 9,80 EUR, CH: 18,50 sFr.
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Lehren und Lernen, Bildung und Erziehung

Das sind zwei Paare und doch Eins. Die Erkenntnis ist nicht neu. Bereits der griechische Philosoph Aristoteles plädierte dafür, die paideia, die Erziehung und Bildung, nicht alleine der Fürsorge der einzelnen Familien zu überlassen, sondern sie als eine gemeinschaftliche Aufgabe der polis, des Staates, zu verstehen. Dabei ist das Ziel, „den Bürger gut zu machen“, als oberste Prämisse zu betrachten (vgl. dazu: Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, 2005, S. 419ff). Und immer wieder, nicht zuletzt durch den Deutschen Bildungsrat (1969), wird betont, dass Bildung und Erziehung, Begabung und Lernen, unabdingbare, familiale und gesellschaftliche Aufgaben sind. Und doch: In der bildungstheoretischen, wie in der erziehungspraktischen Diskussion wird deutlich unterschieden: Erziehung ist in erster Linie Aufgabe der Eltern; Bildungsvermittlung Angelegenheit der Institutionen, wie Kindergarten, Schule, Hochschule. Diese unselige und unlogische Trennung des Einen in zwei Bereiche, hat dazu geführt, dass etwa in den schulischen Lehrplänen und Lernmethoden die kognitive Wissensvermittlung an oberster Stelle steht, und Erziehungsaufgaben vernachlässigt oder gar abgelehnt werden. Lehrerinnen und Lehrer werden zwar als „Wissensagenten“ (aus)gebildet, aber kaum als Erziehungsbeauftragte gesehen. Das zwar mittlerweile weitgehend überholte Bild vom „Nürnberger Trichter“, unter dem sich immer auch das groblöcherige Sieb befindet, durch das diejenigen fallen, die den kognitiven Wissensansprüchen nicht gerecht werden, scheint nach wie vor in den Curricula des dreigliedrigen Schulsystems durch. Und die Schuldzuweisungen der Bildungs- und Erziehungsinstanzen, hier Schule und Lehrer, dort Eltern, wer bei den verschiedenen und kaum in Kongruenz zu bringenden Erwartungshaltungen versage und die jeweils zugewiesenen Aufgaben vernachlässige, sind Legende und Wirklichkeit.

Autor und Thema

Vor allem deshalb, weil Schule und Elternhaus, LehrerInnen und familiäre Erziehungsberechtigte kaum miteinander reden; es sei denn bei Problemen, die wiederum zu den oben genannten Schuldzuweisungen führen. Ein scheinbarer, unaufhebbarer Teufelskreis! Aber es gibt Lösungen des Problems: Der Würzburger Erziehungswissenschaftler, Erziehungs- und Bildungsberater und Sozialarbeiter Martin R. Textor plädiert in einem schmalen Bändchen für die Intensivierung der Zusammenarbeit von Schule und Familie.

Inhalt

Der Autor spricht von einer „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft“, bei der ein Nebeneinander oder gar Gegeneinander der Bildungs- und Erziehungsinstanzen aufgehoben wird: „Lehrer/innen und Eltern sollten sich als Ko-Konstrukteure verstehen, die gemeinsam die Verantwortung für das Wohl der Kinder übernehmen und bei deren Erziehung und Bildung kooperieren“. So wird die traditionelle „Elternarbeit“, die sich (bisher) in Einbahnstraßen von gegenseitigen Anklagen und hierarchischen Kompetenzvorstellungen bewegt, zu einem demokratischen Miteinander umgewandelt. Voraussetzung dafür ist die wechselseitige Öffnung der Beteiligten hin zu einem dialogischen Verhältnis, bei dem „beide Seiten ( ) Verständnis für den Lebenszusammenhang und die Problemsicht der jeweils anderen (entwickeln)“. Er nennt dabei zahlreiche Formen einer solchen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Sie reichen von einem vertrauensvollen, persönlichen Elterngespräch, über Elternabende, Elternkurse, Stammtische, gemeinsame Schulfeiern und Projekte, Hospitationen, Einbeziehung von Eltern als Experten, bis hin zur Mitarbeit von Eltern in der Schule, etwa bei Arbeitsgemeinschaften, Neigungs- und Freizeitaktivitäten.

Fazit

Eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft ist eine Win-Win-Situation. Für Elternhaus und Schule. Sie zu erreichen, bedeutet die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, Empathie zu entwickeln, Geduld miteinander zu haben und Zeit zu investieren. Es lohnt sich, vor allem für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für LehrerInen, weil sie ihre Bildungs- und Erziehungsaufgaben reflektierter und bereitwilliger wahrnehmen können; und für Eltern und familiäre Erziehungsberechtigte, weil sie informierter und verständnisvoller mit ihren Kindern umgehen können. Der kleine Ratgeber von Martin R. Textor ist ein Büchlein, das sich lohnt, in die Hand zu nehmen, für Lehrkräfte und Eltern.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 18.09.2009 zu: Martin R. Textor: Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Schule. Gründe, Ziele, Formen. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2009. ISBN 978-3-8370-8890-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8175.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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