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Alfons Hollederer (Hrsg.): Gesundheit von Arbeitslosen fördern!

Cover Alfons Hollederer (Hrsg.): Gesundheit von Arbeitslosen fördern! Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2009. 475 Seiten. ISBN 978-3-940087-19-5. 28,00 EUR.

Reihe: Fachhochschulverlag - Band 22.
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Thema

Das Buch bietet auf 475 Seiten einen umfassenden Überblick über aktuelle Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bei arbeitslosen Menschen. Hervorzuheben ist der bewusst breite Ansatz des Bandes: Die vorgestellten Programme beschränken sich nicht ausschließlich auf die Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen, sondern beziehen u. a. etwa gemeinwesenbezogene Ansätze (Abschnitt 6) oder Maßnahmen in Betrieben und in arbeitsmarktnahen Settings (Abschnitt 5) mit ein.

Herausgeber

Dr. p.h. Alfons Hollederer, Diplom-Gesundheitswissenschaftler, Jahrgang 1966, ist Leiter der Fachgruppe „Gesundheitsmanagement“ des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit NRW – Zentrum für Öffentliche Gesundheit. Das Thema „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“ bildet einen der Schwerpunkte seiner Arbeit, wie zahlreiche Veröffentlichungen belegen.

Entstehungshintergrund

Der Frankfurter Fachhochschulverlag publiziert eine kleine, feine Reihe zum Thema „Arbeitslosigkeit“, in der wissenschaftliche Analysen ebenso vertreten sind wie Ratgeber für Betroffene (vgl. hierzu etwa die Rezensionen von Sauer, 2007; Barsch, 2008; Jessel, 2010; Kreutz, 2010). Das vorliegende Buch stellt Band 22 dieser Reihe dar.

In seinem Vorwort weist Hollederer auf vier verschiedene Perioden hin, in die sich die bisherigen Forschungen zum Thema Arbeitslosigkeit und Gesundheit methodisch und zeitlich einordnen lassen. Dies beginnt mit den Phasenmodellen und Typologien am Anfang des letzten Jahrhunderts und endet mit den 1990er Jahren und der intensiveren Beschäftigung mit Arbeitsplatzunsicherheit. Hollederer schreibt (Vorwort S. 1): „Die Autorinnen und Autoren möchten … mit diesem Buchprojekt … die nächste Phase voranbringen: 5. Die Entwicklung gesundheitsbezogener Interventionsansätze und arbeitsmarktintegrativer Gesundheitsförderung“.

Er baut damit auf das von ihm und Helmut Brand 2006 herausgegebene Buch „Arbeitslosigkeit, Gesundheit und Krankheit“ auf und vertieft gleichzeitig die dort bereits enthaltenen Abschnitte zur Gesundheitsförderung und zum Fallmanagement (vgl. Berth, 2007).

Aufbau

Die 26 Beiträge von 44 AutorInnen sind sechs Themengebieten zugeordnet:

  1. Arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung und Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitslosen
  2. Psychosoziale Trainingsmaßnahmen und Beratungskonzeptionen
  3. Fallmanagement in der Beschäftigungsförderung mit Gesundheitsbezug
  4. Arbeitslose mit besonderem Förderbedarf
  5. Ansätze in Betrieben und arbeitsmarktnahen Settings für von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen
  6. Gemeinwesenbezogene Interventionsansätze

Teil 1

  • A Gesundheit und Krankheit von Arbeitslosen sowie Chancen und Grenzen arbeitsmarktintegrativer Gesundheitsförderung (Alfons Hollederer)
  • B Metaanalytische Moderatoranalysen zu den psychischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit – Ein Überblick (Karsten I. Paul & Klaus Moser)
  • C Die Bedeutung von Beschäftigungsfähigkeit für die arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung (Kai Seiler)
  • D Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen – Herausforderungen und Qualitätskriterien (Rolf Rosenbrock & Simone Grimmeisen)
  • E Möglichkeiten und Grenzen der Kursangebote zur Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen nach § 20 SGB V (Wolf Kirschner)
  • F Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen und sozial Benachteiligten (Carola Gold, Stefan Bräunling & Monika Köster)

Teil 2

  • G Wie wirken sich Interventionsmaßnahmen auf die psychische Gesundheit Arbeitsloser aus, wenn die Stellensuche erfolglos bleibt? – Erste Befunde einer Metaanalyse (Karsten I. Paul & Klaus Moser)
  • H Programme zur Förderung der psychosozialen Gesundheit von Langzeiterwerbslosen (Kathleen Otto & Gisela Mohr)
  • I Training psycho-sozialer Kompetenzen für Arbeitslose am Beispiel des Gesundheitsförderungsprogramms AktivA (Katrin Rothländer)
  • J Praxiserfahrungen verhaltenstherapeutischer Trainingsmaßnahmen für Arbeitslose (Yvonne Jessica Kulbartz-Klatt)
  • K Psychosoziale Beratung von Arbeitslosen: Empowerment als Mittel gegen die Viktimisierung (Benedikt G. Rogge)
  • L Gesundheits- und beschäftigungsorientierte Beratung bei Arbeitslosigkeit – Das Konzept der Stabilisierenden Gruppen (Peter Kuhnert & Michael Kastner)

Teil 3

  • M Gesundheitsförderung in der Fortbildung für Fallmanager und Arbeitsvermittler (Thomas Elkeles & Brigitta Michel-Schwartze)
  • N Fallmanagement in der Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung (Ingrid Toumi & Carlchristian von Braunmühl)
  • O JobPromote Köln: Arbeitsmarktintegration für gesundheitlich Beeinträchtigte im SGB II (Michael Seligmann & Martin Schmitz)

Teil 4

  • P Ansätze zur psychosozialen Bewältigung von Jugendarbeitslosigkeit (Gert Beelmann)
  • Q Förderung von Arbeitsfähigkeit älterer langzeitarbeitsloser Menschen im EN-Kreis durch (arbeitsplatzorientierte) Gesundheitsförderung (Dieter Schulze)
  • R Der Präventionsgedanke in der beruflichen Rehabilitation behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen (Hendrik Faßmann)
  • S Support 25: Jugendarbeitslosigkeit und seelische Gesundheit (Meike Rosien, Volker Reissner, Gabriel Ehren & Johannes Hebebrand)
  • T Zielgruppenspezifische Gesundheitsförderung im Rahmen einer beruflichen Integrationskette für Menschen mit psychischen Problemen, Suchtkrankheiten oder Doppeldiagnosen (Ulrike Kopf)

Teil 5

  • U Arbeitslosigkeit verhindern durch Betriebliches Eingliederungsmanagement: Individuelle, betriebliche und ökonomische Nutzenaspekte (Mathilde Niehaus, Britta Marfels & Arno Jakobs)
  • V Unternehmensumstrukturierung, Transitionsberatung und Gesundheitsförderung (Thomas Kieselbach)
  • W Gesundheit fördern in der Zeitarbeit – Perspektiven für ein besonderes betriebliches Setting (Ulrike Sirch)
  • X Gesundheitskompetenzförderung von Arbeitsuchenden in arbeitsmarktnahen Settings: Projekte JobFit NRW und JobFit Regional (Monique Faryn-Wewel, Julia Roesler, Caroline Schupp & Michael Bellwinkel)

Teil 6

  • Y „Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen“ im Kontext der Gesundheitsziele in Sachsen (Jens Kramer & Susann Mühlpfordt)
  • Z Gesundheit für Arbeitslose als Integrationsziel: Das Kommunale Netzwerk für Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung in Frankfurt am Main (Barbara Gawlik-Chmiel & David Beck)

Diskussion

Das Inhaltsverzeichnis verdeutlicht: Hier wird ein wirklich umfassender und recht systematischer Überblick zu aktuellen Projekten der Gesundheitsförderung von Arbeitslosen vorgelegt. Die AutorInnen sind in der Regel als ExpertInnen dieses Fachgebietes ausgewiesen. Die klare Gliederung des Buches in die genannten sechs großen Teilbereiche erleichtert die Orientierung wesentlich. Sehr gut gefallen hat mir, dass jedes der Kapitel mit einer kurzen Zusammenfassung eingeleitet wird. Hier hätte ich mir allerdings auch vorstellen können, dass der Herausgeber in einer kleinen Einführung am Anfang des Bandes einen Überblick und eine Hinführung zu den einzelnen Arbeiten bietet. So stehen m. E. eher theoretische Überblicksarbeiten und Meta-Analysen (z. B. Otto & Mohr) mit ganz konkreten und zum Teil sehr detaillierten Beschreibungen einzelner regionaler Projekte (z. B. Rothländer) manchmal recht unverbunden hintereinander.

Einige der hier vorgestellten Projekte wie etwa JobFit oder AmigaA sind bereits im Band von 2006 (vgl. Berth, 2007) vorgestellt. Hier hätte es sich m. E. angeboten, etwas mehr auf die sicher bereits vorliegenden ersten Ergebnisse zur Wirksamkeit einzugehen. Dies ist jedoch auch ein generelles Problem, wenn man sich mit Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen beschäftigt: Zahlreiche konkrete Projekte mit Betroffenen werden mit viel Aufwand und Engagement durch die verschiedensten Träger und Institutionen durchgeführt, laufen jedoch meist nach kurzer Zeit wieder aus. Die Ergebnisse von Evaluationen, sofern es überhaupt welche gibt, erblicken dann oftmals leider nicht das Licht der Öffentlichkeit. So muss auch der Überblick in diesem Band zwangsläufig unvollständig bleiben.

Ein weiteres allgemeines Problem ist, dass die Bundesagentur für Arbeit, die sich mit tausenden von Mitarbeitern (auch) um die Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen kümmert, in Publikationen wie dem vorliegenden Band nicht oder nur marginal in Erscheinung tritt. Dies kann man dem Herausgeber natürlich nicht zur Last legen.

In vielen Beiträgen, insbesondere den theoretischen Überblicksarbeiten (z.B. im Kapitel von Paul & Moser), klingt das Thema zwar an, dennoch hätte ich mir explizit einen „Blick über den Tellerrand“ hinaus gewünscht, um etwas mehr zu (konkreten) Projekten der Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen in anderen Staaten Europas oder der Welt zu erfahren.

Abschließend muss auch bei diesem Buch an einigen unschönen editorischen Kleinigkeiten Kritik geübt werden: So sind die Literaturverzeichnisse der einzelnen Kapitel sichtlich um Einigkeit bemüht, jedoch gelingt dies nicht immer perfekt (z. B. S. 110, S. 435). Einige Literaturstellen sind fehlerhaft (z. B. S. 292 „Ort: Dgvt-Verlag“). Manche Abbildungen sind im Druckbild recht unscharf (z. B. S. 15 und 170), in das Kapitel Q wurden Powerpoint-Folien hineinkopiert.

Fazit

„Gesundheit von Arbeitslosen fördern!“ ist ein lohnenswertes, derzeit konkurrenzloses Buch für alle Leser, die sich für die Gesundheit von Arbeitslosen und deren Förderung in konkreten Projekten in Deutschland interessieren.

Literatur

  • Hendrik Berth. Rezension vom 08.03.2007 zu: Alfons Hollederer, Helmut Brand (Hrsg.): Arbeitslosigkeit, Gesundheit und Krankheit. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2006. 232 Seiten. ISBN 978-3-456-84332-2. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/4128.php, Datum des Zugriffs 25.08.2010.
  • Peter Sauer. Rezension vom 29.10.2007 zu: Heiner Brülle, Thomas von Freyberg, Tina Hobusch u. a.: Fallmanagement in der Arbeit mit Arbeitslosen. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2006. 144 Seiten. ISBN 978-3-936065-55-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4903.php, Datum des Zugriffs 25.08.2010.
  • Barbara Jessel. Rezension vom 11.06.2010 zu: Udo Geiger: Leitfaden zum Arbeitslosengeld II. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2009. 735 Seiten. ISBN 978-3-940087-38-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8178.php, Datum des Zugriffs 25.08.2010.
  • Gundula Barsch. Rezension vom 30.06.2008 zu: Dieter Henkel, Uwe Zemlin (Hrsg.): Arbeitslosigkeit und Sucht. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2008. 575 Seiten. ISBN 978-3-936065-87-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5915.php, Datum des Zugriffs 25.08.2010.
  • Marcus Kreutz. Rezension vom 27.01.2010 zu: Ulrich Stascheit, Ute Winkler: Leitfaden für Arbeitslose. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2009. 654 Seiten. ISBN 978-3-940087-35-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8177.php, Datum des Zugriffs 25.08.2010.

Rezension von
PD Dr. rer. medic. Hendrik Berth
Dipl.-Psych.
Kommissarischer Leiter am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Tätigkeitsfelder: Transformationsforschung, Inhaltsanalyse, Krankheitsbewältigung, Psychologische Aspekte der Humangenetik, Arbeitslosigkeit und Gesundheit
Homepage www.medpsy.de


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Zitiervorschlag
Hendrik Berth. Rezension vom 31.08.2010 zu: Alfons Hollederer (Hrsg.): Gesundheit von Arbeitslosen fördern! Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2009. ISBN 978-3-940087-19-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8190.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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