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Bernard Weiner: Motivationspsychologie

Cover Bernard Weiner: Motivationspsychologie. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2009. unveränd. Nachdr. der 3. Auflage. 378 Seiten. ISBN 978-3-621-27704-4. D: 32,90 EUR, A: 33,90 EUR, CH: 56,00 sFr.

Originaltitel: Human motivation.
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Thema

Mit der Frage nach der Motivation, stellt sich die Frage nach den Beweggründen eines Verhaltens. Motive werden in der Psychologie häufig nach ihren Themen geordnet. So etwa spricht man von Leistungsmotivation, dem Motiv nach Anschluss und Geselligkeit (Affiliation) oder einer Machtmotivation etc.

Theorien und Konzepte der Motivation betrachten näher den Prozess der Energetisierung, welcher einer Handlung vorausgeht.

Autoren und Entstehungshintergrund

Bernhard Weinerwurde 1935 geboren und ist Professor an der University of California, Los Angeles. Die UCLA gilt als eine der renommiertesten Universitäten Amerikas. Er doktorierte 1963 an der University of Michigan. Weiner leistete wichtige Beiträge zu den Themen Motivation, Motivationspsychologie, besonders in Zusammenhang mit Attributionsprozessen. Weiner differenziert Attribution anhand von drei Dimensionen:

  • internal vs. external
  • stabil vs. vorübergehend
  • kontrollierbar vs. unkontrollierbar

Aufbau und Inhalt

Im Buch werden sieben unterschiedliche Ansätze zum Themengebiet der Motivationsforschung dargestellt.

Es beginnt mit der psychoanalytischen Theorie der Motivation. In diesem Zusammenhang wird das Persönlichkeitsmodell, der Einfluss von Trieben, Aggression, sexuelle Motivation, Träume und Abwehrmechanismen beschrieben. In die Darstellung der psychoanalytischen Theorie fliessen weitere Aspekte wie beispielsweise Fragen zur Kultur und zur Ich-Psychologie mit ein.

Als zweite Theorie wird die Hullsche Triebtheorie eingeführt. Beide Theorien sehen die Bedürfnisbefriedigung als grundlegenden Prozess der Motivation an. Die Entwicklung der Theorien unterscheidet sich jedoch stark. Freud entwickelte seine Theorie auf dem Hintergrund klinischen Wissens, während Hull experimentellen Paradigmen folgte.

Die dritte Motivationstheorie, die im Buch vorgestellt wird, ist die Feldtheorie Lewins. Lewin untersucht die Beziehung Mensch und Umgebung. Er bezeichnet die Umgebung als Feld. Valenzen unterschiedlicher Lebensräume nehmen Einfluss auf die motivationalen Bereitschaften einer Person. Motivation ist aus dieser Perspektive das Ergebnis eines interaktionellen Prozesses zwischen Mensch und Umgebung. Die Feldtheorie Lewins wird im Kontext weiterer Aspekte dargestellt, die Beziehung zur Hullschen Triebtheorie wird beschrieben.

Im Anschluss wird als viertes bedeutendes Motivationskonzept die Theorie der Leistungsmotivation dargestellt. Dabei werden die historischen Vorläufer, das Leistungsmotiv, Atkinsons Theorie der Leistungsmotivation sowie viele weitere Aspekte um die Leistungsmotivation beschrieben. Empirisch wissenschaftliche Befunde werden ebenfalls dargelegt. Die Aussagen zum Themengebiet der Leistungsmotivation werden auch im Kontext der vorangehenden Theorien betrachtet.

Als fünfte bedeutende Theorie wird dann die Soziale Lerntheorie von Rotter vorgestellt. Wie bei allen im Buch referierten Theorien und Modellen erfolgt auch hier eine umfassende Einordnung der Konzeption in einen forschungstheoretischen Kontext.

Die Theorien Lewins, Atkinsons und Rotters gehören alle der Kategorie der Erwartungs-mal Wert-Theorien an,stellen also einen Zusammenhang von Anreizwert des Zieles und einer Zielerwartung her.

Ausführlich wird als sechste theoretische Konzeption das Thema Motivation unter der Perspektive der Attributionstheorien beschrieben. Hier liegt ein Schwerpunkt des Buches. Aufbauend auf den Grundlagen der Attributionstheorie werden weiterführend viele zusätzliche Bezüge hergestellt, so etwa zu den Konzepten von kausalen Schemata, Verstärkerplänen, Kausaldimensionen und Kontrollierbarkeitsdimensionen. Es wird auf ausgewählte Problembereiche wie beispielsweise bei depressiven Störungen, Hyperaktivität und Stimulantia, Einsamkeit und Strafvollzug Bezug genommen. Die hergestellten Bezüge befinden sich in der Regel auf konzeptueller und theoretischer Ebene. Damit wird vor allem eine theoretische Einbettung der Konzepte ermöglicht.

Abschliessend wird als siebte Theorie der Motivation, die humanistische Theorie und Theorie der persönlichen Konstrukte, dargestellt. Die beiden am Schluss beschriebenen Theorien teilen die Grundannahme, dass Menschen ein Bedürfnis haben, sich selber und ihre Umgebung zu verstehen. Sie sind damit relativ weit entfernt von den Konzeptionen Freuds und Hulls.

Die angeführten Theorien liefern insgesamt gesehen sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage nach der Motivation menschlichen Verhaltens.

Fazit

Das Buch liefert umfassende Erläuterungen der vorgestellten Theorien. Zusammenhänge sowie die theoretische und konzeptuelle Einbettung werden ausführlich dargestellt. Es beinhaltet eine detaillierte Beschreibung der Grundlagen-Experimente sowie auch relevanter Forschungsbefunde. Das Buch ist damit in erster Linie auf die forschungsinteressierte Leserschaft ausgerichtet. Wer mit den beschriebenen Konzeptionen arbeiten möchte oder an der theoretischen Begründung der einzelnen Modelle interessiert ist, wird hier fündig. Andere in der Motivationsforschung ebenfalls wichtige Konzeptionen wie etwa das Handlungsphasenmodell von Heckhausen oder das Prinzip der Handlungs- und Lageorientierung von Kuhl, hätten diese umfassende Darstellung noch ergänzen können.


Rezension von
Prof. Dr. Günther Wüsten

Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Diplom Sozialpädagoge FH

Prof. am Institut für Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Tätigkeitsfelder: Methoden und Konzepte der Psychosozialen Beratung, ressourcenorientierte Beratung in psychosozialen Arbeitsfeldern, ressourcenorientierte und soziokulturelle Verfahren in der Psychosozialen Praxis, Selbstmanagement


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Zitiervorschlag
Günther Wüsten. Rezension vom 16.01.2010 zu: Bernard Weiner: Motivationspsychologie. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2009. unveränd. Nachdr. der 3. Auflage. ISBN 978-3-621-27704-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8230.php, Datum des Zugriffs 17.10.2021.


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