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Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.): Angst. Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls

Rezensiert von Prof. Dr. Helmut Pauls, 12.11.2009

Cover Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.): Angst. Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls ISBN 978-3-351-02676-9

Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.): Angst. Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls. Aufbau-Verlag (Berlin) 2009. 324 Seiten. ISBN 978-3-351-02676-9. 19,95 EUR. CH: 38,60 sFr.
Hrsg. von Michel Friedman
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Autor

Dr. habil. Klaus-Jürgen Grün ist Philosoph (Studium der Philosophie, Geschichte, Mathematik) und Managementberater, lehrt als Privatdozent an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und berät als Leiter des Philosophischen Kollegs Führungskräfte aus Politik, Medien und Wirtschaft. Er ist nach Angabe des Verlages als „Hobbypilot selbst mit vielerlei Risiken vertraut“.

Hintergrund und Aufbau

Es handelt sich um ein populärwissenschaftliches Werk, das, wie der Autor selbst klarstellt, „in einem überschaubaren Zeitraum neben anderen Tätigkeiten“ geschrieben wurde, „… an jedem Ort, auch unabhängig von Schreibtischen, Laptops, PC‘s und Bibliotheken auf einem PDA für die Westentasche“ (S. 324).

Inhalte

Es gibt fast kein Thema, das nicht zumindest kurz gestreift wird und der Betrachtung aus der „Angst-Perspektive“ entgeht. Ob es um die philosophische Differenzierung zwischen Angst und Furcht geht (Angst ist schlecht und Furcht ist gut, weil sie uns ermögliche, uns auf reale Gefahren einzustellen), deren Trennschärfe im Verlaufe des Textes allerdings immer unklarer und fragwürdiger wird, die Beschreibung von verschiedenen Grundängsten und ihren Charakteristika, um Kultur und Moral: es kommen ungemein viele unterschiedliche Themenfragmente ins Spiel. Darunter (in der Regel recht polemische) Religionskritik, die aktuelle Weltwirtschaftkrise (u.a. Bankencrash und Rettungspaket der Bundesregierung im vergangenen Jahr), ökonomisch-politische Ansichten (die u.a. Manager mittelständischer Unternehmen als Beispiel hofieren: „Manager – Die modernen Epikureer“), krasse Einzelfälle extremer Lebensereignisse (vom Einkauf im Supermarkt bis zum Tsunami), natürlich die Hirnforschung (das Hirn denkt …), aber auch Karl Marx und der Warenfetisch (S. 140), Alfred Hitchcock (S. 247), natürlich immer wieder Psychologie (die aber i.d. Regel beim guten alten Siegmund Freud verharrt, der nun doch nicht die moderne wissenschaftliche Psychologie und Angstforschung - übrigens auch nicht die Entwicklungspsychologie - ersetzen kann). Nietzsche und Seneca werden nicht vergessen.

Diskussion

Als Leser hatte ich immer wieder den Eindruck, mit einem rhetorisch geschulten, auch gebildeten und unerschrocken erfahrenen „Piloten“ um die Welt zu fliegen, die „Angst“ im Visier, mal in großer Höhe, mal im Tiefflug, auch immer wieder mal im Sturzflug und mit dem einen oder anderen Looping. Man „erlebt“ infolge dessen ungemein viel, muss aber auch unerschrocken und geduldig die vielen Volten dieses unruhigen Meisters am Steuerknüppel mitmachen (können und wollen).

Fazit

Weder Leser, die eine systematische wissenschaftliche Bearbeitung der Angstthematik erwarten, noch solche, die eine Lebenshilfe für den praktischen Umgang mit der eigenen Angst erwarten, werden auf ihre Kosten kommen. Für die einen ist das relativ umfangreiche Werk zu feuilletonistisch, für die anderen zu abstrakt und ohne wirkliche „Handreichung“ (so kann auch die „Checkliste gegen Angst“ auf den Abschlussseiten 304- 306 hier wirklich nicht helfen). Wer sich aber durch ein buntes, immer wieder auch kenntnisreiches und überraschendes, rund um die „Angst“ drehendes Karussell von wissenschaftlich-politisch-philosophisch-gesellschafts-religionskritischen Themen unterhalten und provozieren lassen will, wird hier – wie bei eine Talkshow mit besserem intellektuellen Niveau – durchaus etwas für sich finden.

Rezension von
Prof. Dr. Helmut Pauls
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Es gibt 5 Rezensionen von Helmut Pauls.

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Zitiervorschlag
Helmut Pauls. Rezension vom 12.11.2009 zu: Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.): Angst. Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls. Aufbau-Verlag (Berlin) 2009. ISBN 978-3-351-02676-9. Hrsg. von Michel Friedman. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8233.php, Datum des Zugriffs 18.08.2022.


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