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Armin Scheurich, Karlheinz Schneider-Janessen (Hrsg.): Ratgeber Neuropsychologie

Cover Armin Scheurich, Karlheinz Schneider-Janessen (Hrsg.): Ratgeber Neuropsychologie. Antworten auf die häufigsten Fragen von Patienten und Angehörigen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2009. 51 Seiten. ISBN 978-3-8017-2196-1. 9,95 EUR, CH: 16,90 sFr.
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Thema und Zielsetzung

Armin Scheurich und Karlheinz Schneider-Janessen geben mit ihrem Ratgeber einen kurzen Überblick über das Thema Neuropsychologie. Ziel ist es, den Leser über diese noch junge Disziplin und ihre Möglichkeiten in der Rehabilitation zu informieren.

Entstehungshintergrund

Die Anzahl der Menschen, die schwere Hirnverletzungen durch Unfälle davon tragen oder Schlaganfälle und andere Erkrankungen des Gehirns überleben steigt beständig durch verbesserte (intensiv-) medizinische Maßnahmen. Hier setzt die Neuropsychologie bei den rehabilitativen Behandlungsmöglichkeiten schwerer Beeinträchtigungen an.

Herausgeber und Autoren

Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. Armin Scheurich studierte Psychologie in Heidelberg und arbeitet seit 1997 in der Psychiatrischen Klinik der Universität Mainz. Er promovierte mit einer Arbeit über Auswirkungen von Leistungsmotivation und Stressverarbeitung auf die kognitive Leistung bei alkoholabhängigen Patienten und ist seit 2004 Leitender Psychologe der Mainzer Psychiatrie, darüber hinaus Supervisor für Verhaltenstherapie und klinischer Neuropsychologe.

Dr. phil. et Dr. med. Dipl.-Psych. Karlheinz Schneider-Janessen hat Philosophie, Psychologie und Medizin in Heidelberg, Wien und Hamburg studiert und promovierte sowohl zum Dr. phil. als auch zum Dr. med. Nach dem Studium war er im neurochemischen Labor des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) in der Gehirn-Persönlichkeits-Forschung sowie in den Bereichen Medizin-Journalismus und Medizin-Marketing tätig. Nach mehreren Lehraufträgen am UKE ist er seit 2008 als Dozent in Darmstadt tätig.

Aufbau und Inhalt

Der Ratgeber gliedert sich auf 52 Seiten nach einem kurzen Vorwort in 25 kurze Kapitel und stellt im Anschluss daran zwei erfolgreiche Fallbeispiele neuropsychologischer Behandlungen dar.

Die Autoren stellen im ersten Kapitel die Neuropsychologie als Spezialdisziplin der Psychologie vor, die sich vor allem mit den Funktionen des Gehirns wie Sinneswahrnehmung, Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis, Planung, Steuerung der Motorik, dem Denk- und Sprachvermögen aber auch mit der Gefühlswelt und dem Sozialverhalten beschäftigt. Patienten seien sich ihrer Veränderungen allerdings nach Schädigungen des Gehirns, die in beiden folgenden Kapiteln beschrieben werden, oft nicht bewusst. Zugrunde liegende Schädigungen des Gehirns basieren meist auf Entzündungen, Tumoren, Schlaganfällen oder Unfällen.

Störungen der Gehirnfunktionen zeigen sich in Ausfällen bestimmter Funktionen wie z.B. Störungen bei der Sinneswahrnehmung, Sprach- oder Gedächtnisstörungen etc., die wiederum oftmals psychische (z.B. Depressionen) und/ oder soziale Folgen (Störungen in der Interaktion mit Mitmenschen) nach sich ziehen, wie im fünften Kapitel beschrieben. Mitunter nehmen sich die Patienten selbst im Gegensatz zu ihrer Umwelt als unverändert wahr.

„Verrückt“, so beruhigen die Autoren im sechsten Kapitel, sei man keinesfalls und stellen in den nächsten beiden Kapiteln drei Gruppen aller Alterstufen dar, für die die neuropsychologische Diagnostik und Therapie geeignet ist: Patienten mit Hirnverletzungen, Patienten mit Hirnschädigungen auf Grund einer Erkrankung und Kinder und Heranwachsende mit Entwicklungsstörungen des Gehirns.

Das neunte Kapitel zeigt auf, dass herkömmliche Rehabilitationsprogramme meist nicht ausreichend zur Wiedererlangung des Ausgangsniveaus vor der Erkrankung sind. Doch eine Therapie, so zeigen die beiden darauf folgenden Kapitel, bedarf zunächst einer sorgsamen neuropsychologischen Diagnostik, die durch nicht-invasive sowohl standardisierte neuropsychologische Testverfahren als auch zugeschnitten auf die individuelle Situation in mehreren Sitzungen stattfindet. Wenn auch solche Tests dem Patienten selbst Defizite deutlich werden lassen, so fühlen sich die Patienten durch die eingehende Beschäftigung ernst genommen und verstanden. Zudem liefern sie die Grundlage für die anzustrebende Therapie, die in den folgenden Kapiteln beschrieben wird und weit mehr ist, als ein „Hirnleistungstraining“, sondern Funktionsstörungen in Einzelsitzungen spezifisch durch wiederholte Übungen angeht, um Funktionen wiederherzustellen und/ oder Funktionseinbußen zu kompensieren. Dazu gehören auch Techniken der Stressbewältigung und Selbstmotivation. Wichtiges Ziel ist neben der Wiedererlangung verloren gegangener Fähigkeiten die Teilhabe am familiären und sozialen Leben und vor allem die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, wie das 13. Kapitel zeigt. Dabei beginnt die neuropsychologische Rehabilitation bereits stationär und sollte ambulant mit meist 20 – 50 Sitzungen à 50 min. fortgesetzt werden.

In den Kapiteln 17 und 18 raten die Autoren zu dieser ambulanten Weiterführung der neuropsychologischen Therapie und nennen die Geschäftsstelle der Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) als Anlaufstelle, um Adressen von neuropsychologischen Praxen oder Kliniken zu bekommen.

Die Kapitel 19 bis 21 stellen die Expertise der Neuropsychologie als spezialisierte Profession vor und weisen auf Unterschiede zu anderen Therapiemethoden hin.

Daraufhin wird in den beiden folgenden Kapiteln das Procedere der Kostenübernahme dargestellt, wobei darauf hingewiesen wird, dass es neben einem Antrag auf Kostenübernahme der Stellungnahme eines Neuropsychologen bedarf, damit die Behandlungskosten von der Krankenkasse erstattet werden.

Während das 24. Kapitel Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen liefert, weisen die Autoren im letzten Kapitel auf die Notwendigkeit einer motivierten Mitarbeit durch den Patienten hin, um einen Behandlungserfolg zu erlangen.

Zielgruppe

Das Büchlein ist verständlich für jedermann ohne Vorkenntnisse geschrieben, der etwas über die noch junge Disziplin der Neuropsychologie erfahren möchte. Insbesondere spricht es Angehörige von Patienten mit Schädigungen des Gehirns an.

Fazit

Armin Scheurich und Karlheinz Schneider-Janessen haben einen gut lesbaren und lesenswerten Ratgeber geschaffen, der den Leser auf für jedermann verständliche Art und Weise über die noch junge Disziplin der Neuropsychologie und deren Möglichkeiten informiert.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 28.11.2009 zu: Armin Scheurich, Karlheinz Schneider-Janessen (Hrsg.): Ratgeber Neuropsychologie. Antworten auf die häufigsten Fragen von Patienten und Angehörigen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2009. ISBN 978-3-8017-2196-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8265.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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