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Ursula Dallinger: Die Solidarität der modernen Gesellschaft

Rezensiert von Andreas Ploog, 07.04.2010

Cover Ursula Dallinger: Die Solidarität der modernen Gesellschaft ISBN 978-3-531-16553-0

Ursula Dallinger: Die Solidarität der modernen Gesellschaft. Der Diskurs um rationale oder normative Ordnung in Sozialtheorie und Soziologie des Wohlfahrtsstaats. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 269 Seiten. ISBN 978-3-531-16553-0. 34,90 EUR.
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Thema

Die Autorin schreibt zu einem Kernthema menschlichen Zusammenlebens, der Solidarität. Sie greift zurück auf die Klassiker Durkheim und Parson, untersucht die Rolle und Funktion der Institutionen und bietet eine teils komparative Untersuchung unterschiedlicher Wohlfahrtsstaaten. Erforscht wird u.a. die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu den Bereichen Gesundheits- und Altersvorsorge sowie Arbeitslosenversicherung. Hervorzuheben ist, dass bei diesem spannenden und kontrovers diskutierten Thema, keine eindeutige Zuordnung zu einer politischen Richtung gewünscht ist. Nicht die Untersuchung oder Einordnung der Solidarität aus christliberaler, sozialdemokratischer oder marxistischer Sicht ist hier Gegenstand, sondern Dallinger bietet ein Beitrag zur seriösen objektiven wissenschaftlichen Diskussion.

Autorin

Ursula Dallinger ist seit Oktober 2007 Professorin für Soziologie/Sozialpolitik an der Universität Trier. Forschungsschwerpunkte sind u. a. die international vergleichende Sozialpolitik, der Wohlfahrtsstaat, Neo-Institutionalismus, der Sozialstaat und Generationengerechtigkeit.

Aufbau

Der vorliegende Band umfasst rund 250 Seiten und gliedert sich in sieben Kapitel, von denen zwei Kapitel der Einleitung zuzuordnen sind. Somit spiegelt sich die Zweiteilung des Werkes auch in der Einleitung wider.

  1. Kapitel 3,4 und 5 bilden den Teil I: Solidarität in der Sozialtheorie,
  2. die verbleibenden Kapitel 6 und 7 den Teil II: Solidarität im Diskurs um den Wohlfahrtsstaat.

Jedes Kapitel schließt mit einem Fazit, das die wesentlichen Inhalte auf den Punkt bringt. Zehn Abbildungen und zwei Tabellen ergänzen den Text, ein ausführliches Literaturverzeichnis rundet das Werk ab.

Inhalt

Die Einleitung vermittelt einen Überblick über den aktuellen Stand des Diskurses um Solidarität und nennt die Schwerpunkte des Werkes. Erklärtes Ziel der Autorin ist es, Erklärungen für Solidarität zu finden und neue Formen herauszuarbeiten, die auch in modernen Gesellschaften praktikabel sind.

Im ersten Teil des Buches geht es um den Solidaritätsbegriff in der Sozialtheorie, genaugenommen um die großen zwei der Soziologie: Emile Durkheim und Talcott Parson. Die Autorin bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen soziologischen und ökonomischen Erklärungsansätzen zu der Frage nach Organisation menschlicher Gesellschaften und individuellen Handelns. Eine Untersuchung der Rolle und Funktion von Institutionen rundet den ersten Teil ab. Zunächst wird der Frage nachgegangen warum Institutionen gebraucht werden und welche Bedeutung und Aufgabe ihnen zukommt. Spieltheoretische Überlegungen und die Diskussion sozialer Dilemmata sind den Kapiteln über die Theoretiker Buchanan und North vorangestellt. Während bei Buchanan ideelle Faktoren unberücksichtigt bleiben, finden sie bei North ausdrückliche Würdigung.

Im zweiten Teil der Arbeit geht es um den Solidaritätsbegriff im Kontext der Wohlfahrtsstaatsdiskussion. Die Kooperationsmotive der Subjekte im umverteilenden Sozialstaat stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Dabei wird u. a. die Zustimmung zum Wohlfahrtsstaat, zur Umverteilung allgemein und zu sozialstaatlichen Programmen analysiert. Hervorzuheben sind die Untersuchungen zur Reziprozität und die Kritik an Mau. Dallinger legt nachvollziehbar dar, dass Reziprozität von Mau unscharf verwendet wird und eine Abgrenzung zu anderen Prinzipien deswegen erschwert ist. In einer komparativen Untersuchung zwischen Deutschland – unterteilt in Ost- und West – sowie Frankreich und der Niederlande ist erkennbar, dass die Akzeptanz von Ausgaben für Gesundheit und Altersvorsorge auf breitere gesellschaftliche Zustimmung stößt, als die Akzeptanz von Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung. Die Autorin folgert daraus, dass Solidarität im Bereich der Arbeitslosenversicherung begrenzt ist. Aus ihrer Sicht einer der Gründe, warum die Reformen in diesem Bereich, gemeint sind hier die Hartz-IV-Reformen, ohne große Proteste umgesetzt werden konnten.

Zielgruppe

Dieser Band ist ein theoretisches Grundlagenwerk und somit interessant für Politologen, Soziologen, Kulturwissenschaftler und Ökonomen. Es kann darüberhinaus für alle an Politik und Gesellschaft Interessierten wertvolle Erkenntnisse, Ideen und Anregungen liefern.

Fazit

Es ist ein wissenschaftliches Buch, das nicht so nebenbei zu lesen ist. Vielmehr erfordert es vom Leser ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit, bietet dafür aber einen fundierten und seriösen Einblick in den Diskurs um Solidarität. Aber auch Themengebiete wie etwa Wohlfahrtsstaat, Gerechtigkeit oder der moderne Sozialstaat werden wissenschaftlich fundiert erörtert. Besonders interessant ist der Teil II zum Diskurs um den Wohlfahrtsstaat, den Dallinger durch ihren erfrischenden Beitrag bereichert.

Insgesamt ein wissenschaftliches, sicherlich auch politisches Werk, das jedoch sachlich und objektiv die Debatte bereichert. Das Werk ist keiner politischen Position erkennbar zuzuordnen ist, sondern fundiert und frei von parteipolitischer Couleur.

Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Es gibt 29 Rezensionen von Andreas Ploog.

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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 07.04.2010 zu: Ursula Dallinger: Die Solidarität der modernen Gesellschaft. Der Diskurs um rationale oder normative Ordnung in Sozialtheorie und Soziologie des Wohlfahrtsstaats. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. ISBN 978-3-531-16553-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8434.php, Datum des Zugriffs 08.08.2022.


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