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Heinz Kindler: Väter und Kinder. Langzeitstudien über väterliche Fürsorge

Cover Heinz Kindler: Väter und Kinder. Langzeitstudien über väterliche Fürsorge und die sozioemotionale Entwicklung von Kindern. Juventa Verlag (Weinheim) 2002. 240 Seiten. ISBN 978-3-7799-1438-9. 19,00 EUR.
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Hintergrund des Buches

Heinz Kindler arbeitet als Entwicklungspsychologe an der Universität Regensburg. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf "Eltern-Kind-Beziehungen, geschlechtsbezogene Sozialisation und Diagnostik von Kindeswohlgefährdungen" (S. 4). Das Buch ist die Druckfassung seiner Dissertation. Den theoretischen Orientierungsrahmen gewinnt der Verfasser aus den Werken, die J. Bowlby seit 1969 zum Thema attachment vorgelegt hat. Diese Bindungstheorie wendet er auf Daten über "Zusammenhänge zwischen der sozioemotionalen Entwicklung von Kindern und ihren Interaktionserfahrungen mit dem Vater" (S. 9) an, die in Langzeitstudien über mehr als ein Jahrzehnt erhoben wurden. Gleichgewichtig neben der Sichtung und Kommentierung empirischer Daten steht die umfassende Darstellung der einschlägigen Literatur, sowohl im Text als auch in dem umfangreichen Verzeichnis am Ende des Buches (S. 193-226).

Aufbau und Inhalt

Auf die Einleitung zu Bindungstheorie, Ökologie der Kind-Vater-Beziehung und Fragestellung (S. 9-45) folgt der ausführliche Methodenteil (S. 47-153). Darin werden die Stichproben beschrieben, die Beobachtungssituation bei Zweijährigen (S. 49-62) und bei Sechsjährigen (S. 62-74) erläutert und die "Methoden zur Erfassung von Interesse und Engagement des Vaters in der Beziehung zum achtjährigen Kind" dargestellt. Der Verfasser führt zusätzliche Variablen ein, die er aus den Datensätzen von Längsschnittstrichproben heranziehen konnte (S. 96-102) und präsentiert seine Ergebnisse (S. 107-153). Es folgen Diskussion, Zusammenfassung, Literaturverzeichnis, Tabellenverzeichnis und Anhang.

Ein besonderes Verdienst des Buches kann darin gesehen werden, dass "die Berücksichtigung spezifischer Bedingungen von Kind-Vater-Beziehungen im Vergleich zu Kind-Mutter-Beziehungen" (S. 10) erfolgt. Eine erste Hypothese unterstellt "Zusammenhänge zwischen väterlicher Feinfühligkeit in der frühen Kindheit und sozioemotionaler Entwicklung des Kindes im Jugendalter" (S. 10). In einer zweiten Hypothese sieht Kindler den Vater als "link between the child and the outside world" (S. 10).

Die gründliche Sichtung der Literatur führt den Verfasser zu der Einsicht, dass für den Abschnitt kindlicher Entwicklung von zwei bis sechs Jahren "bislang vergleichbare Untersuchungen" fehlen (S. 166). Insoweit ist hier Pionierarbeit geleistet worden. Gefunden wurden für diese Altersphasen "kurvilineare Zusammenhänge zwischen väterlicher Anleitung und sozioemotionaler Entwicklung des Kindes" (S. 173), weil sowohl die völlig fehlende als auch "eine übergroße Unterstützung des Kindes in gleichermaßen negativem Zusammenhang zur Sicherheit der Bindungsrepräsentation und der berichteten sozialen Kompetenz standen" (S. 173). Ein ausgeglichenes mittleres Maß an väterlicher Unterstützung stellte das Optimum dar.

Kindler weist aber auch daraufhin, dass all dies nicht ohne Berücksichtung der Qualität der Bindung an die Mutter diskutiert werden sollte (S. 174).

Ziergruppe und Verwendung

Das vorliegende Buch wendet sich an die Forschergemeinde im Wissenschaftsbetrieb ebenso wie an den Praktiker der Männerarbeit und der Elternbildung. Auch Politiker und Juristen, die durch ihre berufliche Praxis Weichen dafür stellen, wie wahrscheinlich väterliches Engagement bei Zweijährigen und Sechsjährigen sein wird, sollten die Ergebnisse Kindlers zur Kenntnis nehmen.

Fazit

Das Buch stellt einen sehr wichtigen Beitrag zur Fortentwicklung der Forschung über Vaterschaft dar.


Rezensent
Prof. Dr. Horst Jürgen Helle
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie
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Zitiervorschlag
Horst Jürgen Helle. Rezension vom 30.06.2003 zu: Heinz Kindler: Väter und Kinder. Langzeitstudien über väterliche Fürsorge und die sozioemotionale Entwicklung von Kindern. Juventa Verlag (Weinheim) 2002. ISBN 978-3-7799-1438-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/846.php, Datum des Zugriffs 17.08.2017.


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