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Verein für Verein für Individuelle Trajektbegleitung (ITB), Ziel e.V.; (Hrsg.): Richtung: Arbeit. Individuelle Trajekt Begleitung

Cover Verein für Verein für Individuelle Trajektbegleitung (ITB), Ziel e.V.; (Hrsg.): Richtung: Arbeit. Individuelle Trajekt Begleitung - Coaching für den Weg zurück ins Arbeitsleben Das ITB-Handbuch für professionelle Beraterinnen und Berater. ImPrint Verlag (Münster) 2009. 84 Seiten. ISBN 978-3-936536-43-0. 12,80 EUR.
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Thema

Der Markt für Vermittlung und Qualifizierung stellt nicht immer den Menschen mit seinen ganz besonderen Möglichkeiten in den Mittelpunkt der Beratung. Es wird leider zu wenig individuell, ganzheitlich und ohne Bevormundung mit Erwerbslosen umgegangen. Ein gemeinnütziger Verein – ziel e. V. „zukunft idee erwerbsarbeit leben“ – möchte über seinen deutsch-niederländischen Berufsverband mit einer Methode aus den Niederlanden eine Möglichkeit aufzeigen und langfristig Qualitätsstandards in der Berufsberatung setzen.

Herausgeber

Herausgeber ist der Verein ziel e. V. aus Münster. Der gemeinnützige Verein wurde im Jahre 2000 von deutsch-niederländischen Expertinnen der Bereiche Frauenförderung, Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, Berufs und Unternehmensberatung in Münster ins Leben gerufen. Durch die niederländische Methode der „Individuellen Trajekt Begleitung“ (ITB) sollen Arbeit suchende Menschen in den Mittelpunkt der Arbeitsvermittlung und Berufsberatung gerückt werden. Hauptanliegen ist es, sich nicht mit dem Machbaren zu begnügen, sondern die individuellen Wünsche und Interessen der Menschen einzubeziehen und aus diesen Interessen heraus den Einstieg in die Arbeitswelt zu realisieren.

Autorinnen

Cornelia Benninghoven und Katrin Sanders, beide Journalistinnen aus Köln, haben als Autorinnen das vorliegende Buch verfasst. Sie verfügen über umfangreiche Erfahrungen im Hörfunk- und Printbereich und sind dafür bekannt, trockene Fachthemen ansprechend und kreativ zu gestalten.

Aufbau

Das ITB-Handbuch gliedert sich in neun Kapitel. Im ersten Kapitel steht vorweg eine Empfehlung zweier Coaches, für die ITB die Methode der Wahl geworden ist. Im zweiten Kapitel kommt eine Klientin zu Wort, die durch den ITB-Prozess ihren beruflichen Traum verwirklichen konnte. In den folgenden sechs Kapiteln wird die Methode kurz vorgestellt und erläutert. Im neunten Kapitel findet sich ein Literaturverzeichnis sowie der Hinweis auf Qualifizierungsmöglichkeiten mit entsprechenden Kontaktdaten.

Im gesamten Buch wird durchgängig eine geschlechtergerechte Sprache gepflegt, die anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Inhalt

Im ersten Kapitel „Du bist das Mittel in den Händen der Klient/innen um weiterzukommen“ stellen Ulrike Broscheit und Inés Gutschmidt kurz die Methode vor und bringen die Kernqualitäten eines ITB-Coaches auf den Punkt: eine offene, wertschätzende Grundhaltung. Genauso deutlich stellen sie heraus, was ITB nicht ist: Es soll nicht für die Arbeit suchenden gedacht oder gehandelt werden, ITB ist also nichts für sog. „Kümmerer.“

Das zweite Kapitel ist eine „Empfehlung einer Klientin, die mit ITB erfolgreich war“. Nach vielen, bisher erfolglosen Kurs- und Weiterbildungsangeboten hat die Klientin ihren Traumberuf als Bürokauffrau trotz nur geringer formaler Qualifikation realisieren können.

In Art einer FAQ (Frequently asked Questions) folgt dann die schrittweise Vorstellung der Methode. Kapitel drei „Rückenstärken mit Methode: das ITB Konzept“ hebt die Besonderheiten und Möglichkeiten auch für schwierige Arbeitsmärkte hervor. Zunächst wird dargestellt was anders ist am ITB-Coaching. Anhand eines Praxisbeispiels wird die Vorgehensweise skizziert und das Akronym ITB erläutert. „Trajekt“ kommt aus dem Niederländischen und bedeutet „Weg“.

Das vierte Kapitel beantwortet dann die Frage „Was muss ein/e ITB-Coach beachten?“. Hier sind exemplarisch zwei Arbeitsblätter der Weiterbildung ITB-Coach abgedruckt. Anhand des Menschenbildes wird verdeutlicht, warum ITB nichts für sog. „Kümmerer“ ist. Für den Coach und das Gelingen ist es essentiell, dass der Klient selbst aktiv ist und nicht der Coach etwas für ihn tut.

Im folgenden fünften Kapitel wird der Frage nachgegangen „Sind der strenge Rahmen und die Aufforderung <> nicht eine Überforderung für viele Klienten/innen?“ Die Antwort lautet kurz und knapp: Nein! Nachvollziehbar wird dies durch die Vorstellung des Handwerkzeugs: die Arbeitsmaterialien eines ITB Coaches. Dazu sind beispielhaft anonymisierte Trajektpläne abgedruckt, die das Verstehen der Methode erleichtern.

Im sechsten Kapitel „Praxis I: ITB anwenden“ geht es um das „Herzstück“ der Methode. Zum einen handelt es von der Haltung des Coaches als aktiven Zuhörer, der versucht, ganz ohne Unterstellungen auszukommen und mit offenen Fragen Gespräche führt und nicht steuert. Zum anderen wird hier das theoretische Fundament der Methode offensichtlich. ITB hat verschiedene Wurzeln. Aus philosophischer Sicht ist sicherlich eine Nähe zu Michel Foucault gegeben, aber auch die Grundideen des Soziologen Oskar Negt sind erkennbar, ‚unüberlesbar‘ auch der Einfluss der emanzipatorischen und feministischen Frauenbewegung. Sehr anschaulich und übersichtlich werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ITB und dem Klienten- und Ressourcenorientierten Ansatz Rogers einerseits und dem Lösungsorientierten Ansatz de Shazers anderseits in Tabellenform dargelegt.

Das siebente Kapitel „Praxis II: zum/zur ITB-Coach qualifizieren“ beschreibt das Zertifizierungsprogramm. Formale Eingangsvoraussetzungen gibt es nicht. Alle die Menschen auf dem Weg ins Erwerbsleben begleiten, können ITB-Coach werden. Besonders geeignet ist die Methode für sog. schwer vermittelbare Menschen.

Das achte Kapitel ist ein Gesprächsprotokoll mit Kiki Schrier, die ITB aus den Niederlanden nach Deutschland gebracht hat. Das Buch schließt mit dem Anhang, der aus einem Literaturverzeichnis und einem Qualifizierungsangebot mit Kontaktmöglichkeiten besteht.

Zielgruppe

Alle, die Arbeit suchende begleiten und zielführend beraten möchten.

Fazit

Das Handbuch stellt eine interessante Beratungsmethode für die Begleitung erwerbsloser Menschen vor. In der Praxis erfordert ITB einen respektvollen Umgang mit den Klienten, ein hohes Maß an Engagement und Zielgerichtetheit. Das bedeutet im Einzelnen: bedingungslose Akzeptanz der beruflichen Wünsche der Klienten, ein hohes Maß an Selbstdisziplin für den Coach und ein klarer Vertrag, der bei Nichteinhaltung durch den Klienten den Abbruch der Beratung zur Folge hat. Eine brauchbare Methode, die jedoch aufgrund der hohen Begleitungsintensität und langen Verweildauer der Kunden nichts für den Massenmarkt ist, aber sich auf jeden Fall in einer Marktnische etablieren kann.

Insgesamt ein brauchbares Büchlein, das mich durch den knappen und präzisen Stil und der Beispiele aus der Praxis überzeugt. Ein Handbuch, das mit einer Methode vertraut macht, die individuell, ganzheitlich und ohne Bevormundung zum Ziel Arbeit führt.


Rezensent
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 03.11.2009 zu: Verein für Verein für Individuelle Trajektbegleitung (ITB), Ziel e.V.; (Hrsg.): Richtung: Arbeit. Individuelle Trajekt Begleitung - Coaching für den Weg zurück ins Arbeitsleben Das ITB-Handbuch für professionelle Beraterinnen und Berater. ImPrint Verlag (Münster) 2009. ISBN 978-3-936536-43-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8461.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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