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Ingo Behrendt, Hans-Joachim König u.a. (Hrsg.): Zukunftsorientierter Wandel im Krankenhausmanagement

Cover Ingo Behrendt, Hans-Joachim König, Ulrich Krystek (Hrsg.): Zukunftsorientierter Wandel im Krankenhausmanagement. Outsourcing, IT-Nutzenpotenziale, Kooperationsformen, Changemanagement. Springer (Berlin) 2009. 389 Seiten. ISBN 978-3-642-00934-1. 59,95 EUR, CH: 93,00 sFr.
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Herausgeber und Autoren

Dr. Ingo Behrendt ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender bei der NEXUS AG, Villingen-Schwetzingen, einem der führenden Anbietern von Informationstechnologie im Gesundheitswesen. Er verantwortet die Bereiche Finanzen, Personal, Marketing und den Aufbau des internationalen Vertriebs. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er an der Fachhochschule Worms und an der Universität Konstanz mit dem Abschluss Diplom-Informationswissenschaftler. Außerdem erwarb er einen MBA und promovierte an der Technischen Universität Berlin.

Dr. Hans-Joachim König ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei Schrade & Partner Rechtsanwälte in Villingen-Schwetzingen. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Heidelberg und danach Akademischer Rat der Universität Bayreuth, wo er 1991 mit einer Dissertation über den Verein im Verein promovierte. Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg. Seine Tätigkeitsschwerpunkte umfassen Börsengänge, Gesellschafts- und Handelsrecht, Gesundheit und Unternehmenskäufe und -verschmelzungen.

Prof. Dr. Ulrich Krystek studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Gießen, wo er nach beendetem Studium als wissenschaftlicher Assistent beschäftigt war und promovierte. Anschließend folgten eine mehrjährige Tätigkeit als Prokurist und Leiter der Beteiligungsabteilung in einem internationalen Konzern sowie beratende Tätigkeiten im In- und Ausland für internationale Unternehmungen mit dem Themenschwerpunkt Reorganisation. Von 1984 bis 2008 war er Professor für Controlling in internationalen Unternehmungen und Kostenrechnung an der Fachhochschule Worms. Seit 2008 ist er dort Lehrbeauftragter. Weiterhin ist er seit 2000 Honorarprofessor an der Technischen Universität Berlin, Fakultät VII, Lehrgebiet Strategisches Controlling.
Über die 30 Autoren informiert ein Verzeichnis am Ende des Buches.

Thema

Innerhalb des Gesundheitswesens, mit 245 Mrd. EUR Umsatz und 4,2 Mil. Beschäftigten der größte Sektor der deutschen Wirtschaft, spielt der Krankenhausbereich eine zentrale Rolle. Das deutsche Gesundheitswesen ist einem stetigen Wandel unterworfen, bedingt durch stärkeren Kostendruck, zunehmenden Wettbewerb im Krankenhaussektor und Patienten, die sich als Kunden verstehen. Diesem Wandel müssen sich die Krankenhäuser durch geeignete Maßnahmen stellen. Welcher Art diese in verschiedenen Aufgabengebieten innerhalb des Krankenhausmanagements sein können, stellt der vorliegende Sammelband vor.

Praktiker und Wissenschaftler zeigen, wie Lösungen und Konzepte für aktuelle Problemstellungen aussehen könnten.

Das Buch bietet theoretische Beiträge und praktische Erfahrungsberichte über neue Entwicklungen im Krankenhausmanagement aus den Blickwinkeln der Medizin, Informationstechnologie, Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft und beschreiben dabei im besonderen die Schnittstellen zwischen diesen Teilgebieten.

Dargestellt werden neue Gesamtkonzepte zur Unterstützung des Krankenhausmanagements im Sinne einer zukunftsorientierten Handlungsweise. Die Themenbreite reich von möglichen Outsourcing-Strategien über IT-Lösungen bis zu Organschaften und horizontalen Privatisierungen als Kooperationsform. Das Buch vermittelt so breites Know-how über wichtige Bereiche eines modernen Krankenhausmanagements für Verwaltung und verantwortliche Mediziner.

Inhalte

Der Sammelband ist in sechs Kapitel untergliedert, die sich folgenden Themen widmen:

  1. Grundlagen des zukunftsorientierten Wandels im Krankenhausmanagement
  2. Konzentration auf Kernkompetenzen
  3. Organschaften und Horizontale Privatisierung
  4. IT-Nutzenpotenziale im zukunftsorientierten Krankenhausmanagement
  5. Rechtliche Rahmenbedingungen der Digitalisierung
  6. Changemanagement als Träges des Wandels

Im ersten Teil umreißen Heinz Lohmann und Reinhard Busse, Oliver Tiemann und Markus Wörz die Grundlagen des zukunftsorientierten Wandels im Krankenhaus. Lohmann beleuchtet dabei die Anforderungen an ein modernes Krankenhausmanagement. Busse, Tiemann und Wörz schildern die Umwandlungsprozesse hin zu mehr Autonomie und Selbstständigkeit der Krankenhäuser in den westeuropäischer Gesundheitssystemen seit den 1990er Jahren und welche Notwendigkeiten der staatlichen Regulierung des Gesundheitswesens dies nach sich zieht.

Teil zwei befasst sich mit der Konzentration auf Kernkompetenzen. Ulrich Kryste stellt Outsourcing als strategische Option im Kontext eines integrierten Planungssystems vor. Axel C. Mühlbacher und Rajko Pflügel thematisieren das IuK-Outsourcing im Krankenhaus. Sie zeigen die mit der Digitalisierung einhergehenden Chancen, Risiken und möglichen Strategien auf und betrachten welche Erwartungen im Gesundheitswesen mit der Einführung von IuK-Technologien verknüpft werden. Michael Kirchner und Jens Knoblich stellen Outsourcing-Strategien auf dem Gebiet der tertiären Dienstleistungen wie dem Gebäudemanagement vor. Andreas König und Thais Bade bringen ihre Sichtweise zu Strategien zur Kostensenkung und Qualitätssteigerung in der Krankenhauslogistik ein. Arno Kinnebrock und Ulrich Overhamm schließen das Kapitel mit der Kodierung und Leistungserfassung ab, welche für die Erlösermittlung ausschlaggebend sind und beleuchten auch hier die Outsourcingoption.

Der dritte Teil wird aus dem Beitrag von Hans Joachim König, Ricarda Baudis und Christof Brößke gebildet, welche sich mit der Organschaft als spezielle Kooperationsform beschäftigen. Ausführlich erläutern sie den Begriff der Organschaft und die sich bei Bildung und Unterhaltung daraus ergebenden Konsequenzen aus steuerrechtlicher, vergaberechtlicher, wettbewerbsrechtlicher, gesellschaftsrechtlicher und arbeitsrechtlicher Perspektive. Den organschaftlichen Ansatz entwickeln sie zu einer gemeinsamen privatisierten Servicegesellschaft mehrerer Krankenhäuser weiter, in die Dienstleistungen kostengünstig ausgelagert werden können.

IT-Nutzenpotenziale im zukunftsorientierten Krankenhausmanagement sind Gegenstand des vierten Teils. Ingo Behrendt stellt die Klinischen Informationssysteme (KIS) im Krankenhausmanagement vor und mit welchen Herausforderungen bei der Einführung des selbigen zu rechnen ist. Er entwirft ein Bild, wie zukünftige KIS gestaltet sein sollten, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden, damit sie die immer stärker werdende Rolle der Informationstechnik im Klinikbereich ausfüllen können. Wie IT zur Gestaltung und Optimierung der Organisation der Geschäftsprozesse innerhalb des Gesundheitswesens genutzt werden kann, erläutern Alexander Pocsay und Oliver Distler. Uwe A. Gansert betrachtet den Nutzen von IT zur Verbesserung der Prozesse bei der Patientenversorgung. Abschließend präsentieren Gesine Dannenmaier, Clas Clasen und Stefan Burkart am Beispiel von NEXUS, wie IT konkret als Instrument zum Qualitätsmanagement und als Controllinginstrument zur Bewertung des Managements eingesetzt werden kann.

Der fünfte Teil, welcher aus nur einem Artikel von Franz-Michael Koch und Maren Stienecker besteht, beschäftigt sich mit den juristischen Implikationen der zunehmenden Digitalisierung der Prozesse im Gesundheitswesen. Hier legen sie den Fokus auf dem Datenschatz, d.h. welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um insbesondere die Rechte der Patienten zu wahren.

Teil sechs befasst sich mit Wandlungsprozessen im Krankenhausmanagement und wie diese durch ein gezieltes Change-Management gesteuert werden können. Ingo Marsolek, Wolfgang Friesdorf und Marko Reimer stellen für diese Betrachtungen in ihren Beiträgen den Mensch als partizipierendes Element in den Mittelpunkt. Zum einen geht es dabei um die Notwendigkeit die betroffenen Mitarbeiter am Veränderungsprozess zu beteiligen und sie von dessen Richtigkeit zu überzeugen, zum anderen werden verhaltensbedingte Hürden für Veränderungen diskutiert und wie diese umgangen werden können. Rajko Pflügel, Hannelore Kreibeck und Jens-Peter Keil schiledern abschließend ihre persönlichen Erfahrungen mit Change-Management bei der Einführung eines Fallmanagements in einem Krankenhaus.

Jedem Beitrag ist eine ausführliche Literaturliste beigefügt.

Diskussion

Ohne Zweifel steht das deutsche Gesundheitswesen angesichts eines zunehmenden Kostendrucks, gestiegener Ansprüche der Patienten und der Konkurrenz zwischen den Krankenhäusern selbst vor tief greifenden Veränderungen. Welche Möglichkeiten sich Krankenhausmanagern bieten, um mit diesen Veränderungen umzugehen und sie positiv zu kanalisieren, stellt der vorliegende Sammelband für einige Themengebiete dar. Diese Ausschnittbetrachtung lässt sich bereits aus dem Untertitel erkennen: „Outsourcing, IT-Nutzenpotenziale, Kooperationsformen, Changemanagement“. In diesen Bereichen bietet der Sammelband dem Leser interessante Anregungen und Hinweise für den eigenen Verantwortungsbereich.

Die Beiträge betrachten die Anforderungen und damit Rahmenbedingungen des Krankenhausmanagements, zeigen konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Abläufe und zur Kostensenkung sowohl aus Sicht des Organisationsaufbaus der Logistik als auch in Hinblick auf die Nutzung von Informationstechnologie auf, erläutern mögliche Konstrukte zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung und deren rechtliche Implikationen und befassen sich mit den praktischen Auswirkungen von Veränderungsprozessen auf die beteiligten Mitarbeiter. Hier kann der mit einer kaufmännischen Leitungsfunktion bekleidete Leser wertvolle Anregungen und Hinweise für den eigenen Krankenhausbetrieb erwerben, denn ohne Zweifel richten sich die Beiträge mit ihrer Orientierung an einer praktischen Umsetzung und dem oftmaligen Rückgriff auf eigene Erfahrungen der Autoren an eine Leserschaft aus der Praxis.

Die sechs Abschnitte sind thematisch voneinander weitgehend unabhängig, obgleich die Teile eins bis drei als zusammengehörig angesehen werden können und erlauben so ein punktuelles Lesen in einem spezifischen Interessengebiet. Auch ineinander sind die Abschnitte sinnvoll aufgebaut, so dass sich die einzelnen Beiträge sinnvoll ergänzen.

Einzig das Layout kann als kritikwürdig betrachtet werden, zwar werden viele Beiträge durch Grafiken unterstützt, jedoch sind diese oftmals von schlechter Qualität und undeutlich. Eine ansprechendere Formatierung der Texte erleichterte das Lesen, da viele Textblöcke aus seitenweisen Fließtexten ohne Zeilenumbrüche oder Leerzeilen bestehen.

Fazit

Trotz der genannten kleinen Abstriche ist „Zukunftsorientierter Wandel im Krankenhausmanagement“ eine Leseempfehlung wert. Das Buch gibt nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch Konzepte und Lösungen, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren. und bereits in der Praxis angewendet werden. Die Autoren berichten über Anwendungen aus eigener Erfahrung. Insbesondere diese zukunftsorientierten Ansätze machen den Sammelband zu einer wertvollen Ergänzung der inzwischen zahlreich gewordenen Literatur zum Thema Krankenhausmanagement.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 24.05.2010 zu: Ingo Behrendt, Hans-Joachim König, Ulrich Krystek (Hrsg.): Zukunftsorientierter Wandel im Krankenhausmanagement. Outsourcing, IT-Nutzenpotenziale, Kooperationsformen, Changemanagement. Springer (Berlin) 2009. ISBN 978-3-642-00934-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8480.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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