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Elke Moning, Jendrik Petersen u.a. (Hrsg.): Multiplikatoren gegen Rechtsextremismus

Cover Elke Moning, Jendrik Petersen, Bernd Rückwardt (Hrsg.): Multiplikatoren gegen Rechtsextremismus. Peter Lang Verlag (Bern · Bruxelles · Frankfurt am Main · New York · Oxford) 2009. 231 Seiten. ISBN 978-3-631-59219-9. 19,80 EUR.
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Entstehungshintergrund

Die Publikation geht auf eine Kooperation der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, der Universität Koblenz-Landau, dem Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz und weiteren Kooperationspartnern zurück. Gemeinsam wurde das Konzept einer Info-Tagung „Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus? – Wir tun was! Eine Initiative für Rheinland-Pfalz“ entwickelt. Diese Veranstaltung wurde seit 2006 mehrfach in verschiedenen Städten des Bundeslandes durchgeführt. Aus den Tagungsbeiträgen und weiteren Artikeln entstand der nun vorliegende Sammelband.

Aufbau und Inhalt

Die Veröffentlichung versammelt 17 Artikel, die in vier Abschnitten präsentiert werden:

  1. Wissenschaftliche Erklärungsansätze zum Phänomen Rechtsextremismus und neuer Impulse hinsichtlich gesellschaftlicher Gegenstrategien,
  2. Facetten rechtsextremen Auftretens,
  3. Gesamtgesellschaftliche Reflexionen und Lösungsansätze
  4. und Lösungsansätze für Schule und Unterricht.

Das Buch beginnt mit drei kurzen, engagierten Vorworten – des Präsidenten der Universität Koblenz-Landau, des Direktors der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und des Sozialdezernenten der Stadt Ludwigshafen/Rhein - in denen die Bedeutung der Kooperation, der konzipierten Tagung und der jetzt vorliegenden Veröffentlichung für die Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren betont wird. Die Gruppe der Herausgeber gibt daran anschließend einen kurzen einleitenden Überblick und ein Plädoyer für Demokratie und Zivilcourage.

Im ersten Teil der Veröffentlichung fasst Oskar Niedermayer aktuelle Forschungen zu rechtsextremen Einstellungen und zu den Wahlergebnissen rechtsextremer Parteien zusammen. Andreas Müller verfasst ein Lagebild zum Rechtsextremismus aus Sicht des Verfassungsschutzes und Jendrik Petersen beschreibt den Kampf gegen Rechtsextremismus als notwendiges Aufgabenfeld betrieblicher Bildung. Stefan Werner fragt in seinem Beitrag „Rechts überholen lassen? Tiefe Wurzeln der Fremdenscheu, Entstehung von Rechtsextremismus und Alltagsprävention“ zunächst nach Ursachen für rechtsextreme, nationalistische und fremdenfeindliche Einstellungen und Verhaltensweisen und fasst diese unter vielen Überschriften zusammen. Dann stellt er das „Ingelheimer Modell“ vor, ein vernetztes Projekt zur Gewaltprävention und Prävention gegen Rechtsextremismus für Schülerinnen und Schüler in 8. Klassen. Dieser Teil des Beitrags lebt von den Praxiserfahrungen des Verfassers – als Sozialpädagoge und AAT-Trainer (in AntiAgressivitätstrainings) mit gewaltbereiten Jugendlichen. An einigen Stellen werden die Leserinnen und Leser sogar persönlich angesprochen: „Geben Sie diesen jungen Menschen nicht so schnell auf“ (Werner 2009, S. 65), über die website www.gewaltlos.info kann direkt Kontakt zum Autoren aufgenommen werden. Elke Monig beschäftigt sich mit den veränderten Anforderungen von Lehrerinnen und Lehrern im Schulalltag und den entsprechend notwendigen Handlungskompetenzen: „Der fremdenfeindliche Zwischenruf im Unterricht (…) ist spontan und verlangt eine Lehrerpersönlichkeit, die ein umfassendes Handlungsrepertoire in punkto Konfliktlösung entwickelt hat“ (Monig 2009, S. 88). Sie stellt ein sehr differenziertes Anforderungsprofil für Lehrerinnen und Lehrer in Bezug auf Gewalt- und Konfliktmanagement vor, aufgeschlüsselt nach Tätigkeiten und einer notwendigen Fach-, Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenz, welches Eingang in alles Curricula in den Erziehungswissenschaften finden sollte. Sie plädiert für eine gezielte Qualifizierung und Unterstützung junger angehender Lehrkräfte und für die Notwendigkeit einer Schulentwicklung im Kontext schulischer Sozialarbeit.

Christian Dornbusch informiert in seinem Artikel „RechtsRock“ sehr differenziert über die rechte Musikszene, von der identitätsstiftenden und -stützenden Bedeutung der verschiedenen rechten Musikrichtungen als Ideologietransporteur und Rekrutierungsmittel. Über Rechtsextremismus im Internet und die Arbeit von jugendschutz.net berichtet Michael Wörner-Schnappert an Hand von Beispielen, Gegenmaßnahmen und medienpädagogischen Ansätzen. Sabine May stellt das sehr anregende Medienpaket „Wölfe im Schafspelz“ (www. polizei-beratung.de) für die Arbeit an Schulen mit 13- bis 18jährigen vor. Über die kommunale Kriminalprävention und Netzwerkarbeit verschiedener Arbeitsgruppen am Beispiel der Stadt Ludwigshafen schreibt Angelika Stock aus der Perspektive ihrer Arbeit als Geschäftsführerin des Rates für Kriminalitätsverhütung der Stadt. Hans Jürgen Ladinek schreibt einen leidenschaftlichen und engagierten Bericht über Möglichkeiten und Strategien menschenverachtenden, (rechts-)extremistischen Äußerungen etwas entgegen zu setzen und Paroli zu bieten. Er hat an „Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen“ teilgenommen und bringt seine dort gesammelten Erfahrungen nun in eigene Seminare ein.

Erfahrungen aus dem „Aussteigerprogramm (R)auswege“ sowie fünf weitere Beiträge mit Lösungsansätzen für Schule und Unterricht runden die Fülle der Artikel ab.

Zielgruppen

Die Publikation richtet sich an MultiplikatorInnen und an alle, die direkt mit Jugendlichen arbeiten, in der Schule sowie in der außerschulischen Bildungs- und Jugendarbeit.

Diskussion

Das Layout der gesamten Veröffentlichungen sollte in einer weiteren Auflage lesefreundlicher gestaltet werden. Nicht alle Artikel enthalten ein Literaturverzeichnis, manche Fußnoten sind verwirrend und nicht abschließend korrigiert bzw. redigiert worden. Auch könnte auf thematische Wiederholungen und Überschneidungen geachtet und auf die jeweiligen Artikel des Bandes hingewiesen werden.

Fazit

Die Veröffentlichung bietet eine Vielzahl von gut aufbereiteten Informationen und Materialien für Lehrende an Schulen und Hochschulen sowie in der Fort- und Weiterbildung, für Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kommunalverwaltungen, für PolititkerInnen und interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen Rechtsextremismus und für eine demokratische Kultur engagieren.


Rezension von
Prof. Dr. Gudrun Ehlert
Professorin für Sozialarbeitswissenschaft an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida
Homepage www.sw.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-gud ...
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Zitiervorschlag
Gudrun Ehlert. Rezension vom 25.02.2010 zu: Elke Moning, Jendrik Petersen, Bernd Rückwardt (Hrsg.): Multiplikatoren gegen Rechtsextremismus. Peter Lang Verlag (Bern · Bruxelles · Frankfurt am Main · New York · Oxford) 2009. ISBN 978-3-631-59219-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8516.php, Datum des Zugriffs 02.03.2021.


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