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Claudia Daigler: Gleichstellungsorientierte Arbeit mit Mädchen und [...]

Cover Claudia Daigler: Gleichstellungsorientierte Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen. Eine bundesweite Bestandsanalyse. Leske + Budrich (Leverkusen) 2003. 391 Seiten. ISBN 978-3-8100-3765-7. 33,90 EUR.

unter Mitarbeit von Maria Bitzan, Barbara Stauber.
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Einführung und Überblick

Die Analyse setzt bei dem Gedanken der Verbreitung und Erweiterung von kommunaler Förderung für Mädchen und jungen Frauen an. Es geht um die Praxis geschlechterorientierter Arbeit ihre Themen, Chancen und Hindernisse. Das kommunale Feld der Geichstellungsarbeit wird gesichtet, die wichtige aber oft unsichtbare Arbeit der Frauen-/und Gleichstellungsbeauftragten und anderer dargestellt. Das Ziel war Informationen über die vielfältigen Strukturen von Gleichstellungsarbeit mit Mädchen sowie Kenntnisse zu. Grundsatzfragen, Entwicklungen in der Praxis, zu Programmen, Methoden sowie zu Anknüpfungspunkten für Vernetzung und Kooperation zu vermitteln.

Aufbau

Das Buch teilt sich in sieben Kapitel auf:

  • Teil 1: nennt die Grundlagen einer gleichstellungsorientierten Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen. Es ist der Blick auf sie selbst, auf ihre unterschiedlichen Lebenssituationen und ihr Handeln darin. Welches sind die Themen die Mädchenförderung umfassen kann. Es wird der Behauptung: "Mädchen wollen keine mädchenspezifischen Angebote mehr." nachgegangen..
  • Teil 2: informiert über die empirischen Ergebnisse des Forschungsprojektes, die auf dem Hintergrund der Entstehung und Entwicklung des Arbeitsfeldes der kommunalen Frauen-/ Gleichstellungsbeauftragten ermittelt worden sind. Die Fragen des Aufeinandereinwirkens von Gleichstellungsarbeit und Mädchenförderung sollen in einen Zusammenhang gestellt werden.
  • Teil 3: beschreibt an vier ausgewählten Regionen (Magdeburg, Mainz, dem Ostalbkreis und dem KreisTeltow-Fläming) welche Fragen, Lösungen und Strategien bei der Umsetzung einer gleichstellungsorientierten Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen sich ergeben. Die bestehenden und gemachten Erfahrungen werden zum Schluss gebündelt dargestellt.
  • Teil 4: zeigt den Handlungsbedarf auf sowie die regionalen Orte und Bereiche der Mädchenförderung (z.Bsp. Schule, Vereine) und ihre Zuständigkeiten. Die Reichweite von Gleichstellungspolitik und die Handlungsspielräume ihrer Akteurinnen und Akteure sind ein weiteres Thema.
  • Teil 5: gilt dem ermittelten Handlungsbedarf und den daraus getroffenen Empfehlungen an Entscheidungsträger und -trägerinnen.
  • Teil 6: bietet eine umfangreiche Dokumentensammlung an, die sich gliedert in Mädchenförderung und Schule, Arbeits- und Berufsplanung, Sport,Partizipation.
  • Teil 7: gibt acht "best practice" Beispiele. Die Autorinnen haben diese Beispiele, unter vielen, aus unterschiedlichen Bereichen, ausgewählt. Sie können Impulse für die eigene Situation geben, sind leicht variierbar für den eigenen Bedarf und sie sind machbar.

Im Anhang: finden sich Adressen, eine Verteilungskarte Mädchenförderung, der Fragebogen an die Frauen-/Gleichstellungsbeauftragten und eine Literaturzusammenstellung die durch Hinweise in den einzelnen Kapiteln ergänzt wird.

Inhalte

Wie leben Mädchen und junge Frauen: was heisst Mädchen-Sein heute? Das ist der Ausgangspunkt für die Autorinnen. These: Die unterschiedlichen Lebenssituationen und ihr Handeln in diesen, ist die Grundlage für die Bestimmung einer gleichstellungsorientierten Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen. Mädchenförderung ist als eine Querschnittsaufgabe zu verstehen, die dort stattfinden muss, wo diese sich mit ihren Themen aufhalten. Dem steht gegenüber: Mädchenförderung ist heutzutage nicht mehr notwendig? Mädchen nehmen keine mädchenspezifischen Angebote an!

Auf vorhandene Untersuchungen zum Verhältnis von Gleichstellungsarbeit zu Mädchenförderung konnte nicht zurückgegriffen werden. Es wurden 556 Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte per Fragebogen angeschrieben. Das so ermittelte Hintergrundwissen diente den Fragen: In welchem Umfang, mit welchem Selbstverständnis und mit welchen Kooperationspartnerinnen und -partnern tragen die kommunalen Frauen-/ und Gleichstellungsbeauftragten zur Mädchenförderung bei.

Die dabei im 2. Teil stattfindende Beschreibung des Arbeitsfeldes der Frauen-/Gleichstellungsbeauftragten ist für Frauen, die in der Gleichstellungsarbeit tätig oder daran interessiert sind, keineswegs neu. Die Zusammenstellung und Aufbereitung gibt einen guten Einblick in die Vielfältigkeit der Aufgaben, ihre Wahrnehmung und ihre Abhängigkeiten.Fazit: durch diese erste Anfrage wurde deutlich, dass über die Frauen-/Gleichstellungsbeauftragten ein breiter Einblick in eine gleichstellungsorientierte Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen gewonnen werden kann. Deutlich werden die übergreifenden Arbeitsweisen mit den Mitarbeitenden der Jugendhilfe und vielen anderen Akteurinnen und Akteuren vor Ort. Fachlicher sowie politischer Bedarf zur Verbesserung der Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen zeigt sich.

Im Teil 3 unter der Überschrift: "Begleitung in vier Regionen: Ins Feld schauen" werden ausführlich die Auswahl, Herangehensweise und die Begleitungsprozesse der Autorinnen in den vier Regionen dargestellt. Als zu bearbeitende Themen ergaben sich:

  • "Überhaupt erst einmal einen Boden für eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen schaffen."
  • "Auf breite Füße stellen, heißt, Männer mit ins Boot holen."
  • "Wer übernimmt die kommunale Verantwortung für Mädchen und junge Frauen?"
  • "Die Notwendigkeit, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen."

Die sich anschließende Auswertung erbrachte, dass

  • aus professionellen Jugendhilfe-Zusammenhängen und von Frauenengruppierungen sowie von kommunalen Frauen-/Gleichstellungsbeauftragten Handlungsbedarf eingebracht wird.
  • Mädchen und junge Frauen selbst Wege finden, Bedarf zur Geltung zu bringen.
  • Bedarfe nicht allgemein formuliert werden können, sondern inhaltlich jeweils regional unter Einbeziehung partizipativer Verfahren zu bestimmen sind.

Wobei eine zentrale Frage immer wieder auftauchte, nämlich die der sogen. "Schlüsselämter". Gemeint sind das Jugendamt und das Gleichstellungsamt: ihre Zusammenarbeit und welche arbeitsteiligen Rollen ergeben sich daraus!

In den Handlungsempfehlungen führen die Autorinnen aus, dass für eine gelingende gleichstellungsorientierte Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen auf verschiedenen Ebenen und quer durch alle Arbeitsbereiche angesetzt werden muss und geben dazu differenzierte Empfehlungen ab.

Spannend sind die vielen Beispiele zu lesen die sich besonders in der Dokumentensammlung (Teil 6/7) finden, auch wenn die Autorinnen hier auf Unvollständigkeit hinweisen. Da wird "Der Mädchenbus Nordhessen e.V." beschrieben oder "Amazoonass Rüsselsheim". Auf Europaebene findet sich "Mobilising Young Women for Equality". Ihre individuellen Rahmenbedingungen, Inhalte, Akteurinnen, Erfolgs- und auch Mißerfolgskriterien ebenso wie die Zusammenarbeit und Vernetzung vor Ort werden nachvollziehbar beschrieben.

Zielgruppe

Alle die sich mit Fragen rund um die Lebenssituationen von Mädchen und jungen Frauen beschäftigten. Zu empfehlen ist dieses Buch auch denjenigen die in politischer Verantwortung sind. Die Zielgruppe Schule ist im Bereich Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer zu nennen. Die Information über die hier erarbeiteten Ergebnisse sollten in die pädagogisch didaktische Arbeit einfliessen.

Fazit

Warum ist diese Studie erst jetzt gemacht worden? Eine Bestandsaufnahme und Analyse in der hier erarbeiteten Vielsichtigkeit und Vielschichtigkeit hat bisher gefehlt. Sie wäre in der Vergangenheit des öfteren von Interessenvertreterinnen sicher auch Vertretern als Argumentations- und Arbeitshilfe gut zu gebrauchen gewesen; ebenso für die Zukunft. Gerade angesichts leerer Kassen und Überlegungen zur Schliessung von "Frauenprojekten". Diese Bestandsanalyse gibt nicht nur Impulse für die praktische Arbeit, sie zeigt Bedarfe, Möglichkeiten und Strategien, und sollte zur Unterstützung der politischen Entscheidungsfindung herangezogen werden.

Ein rundum gelungenes Werk, dass nicht mühsam durchzuarbeiten ist, sondern Spass macht zu lesen.


Rezensentin
Ute Wellner
Juristin und Mediatiorin,freiberuflich tätig in Personaltraining, Fortbildung und Mediation. Arbeitsschwerpunkte: Arbeits- und Gleichstellungsrecht, Diskriminierung am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Mobbing, AGG)


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Zitiervorschlag
Ute Wellner. Rezension vom 10.02.2004 zu: Claudia Daigler: Gleichstellungsorientierte Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen. Eine bundesweite Bestandsanalyse. Leske + Budrich (Leverkusen) 2003. ISBN 978-3-8100-3765-7. unter Mitarbeit von Maria Bitzan, Barbara Stauber. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/853.php, Datum des Zugriffs 13.12.2018.


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