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Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat Öffentlichkeitsarbeit: Kinder bilden Sprache - Sprache bildet Kinder

Cover Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat Öffentlichkeitsarbeit: Kinder bilden Sprache - Sprache bildet Kinder. Sprachentwicklung und Sprachförderung in Kindertagesstätten. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2009. 162 Seiten. ISBN 978-3-8309-2192-9. 16,90 EUR.
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Thema

Menschliches Handeln und Reagieren ist vielfach mit Sprache verbunden. Denn Menschen sind bestrebt, ihrem Handeln und Verhalten Sinn und Bedeutung beizumessen. Es ist deshalb unmöglich, die kulturellen Errungenschaften der Menschheit zu nutzen, wenn sprachliche Voraussetzungen fehlen. Somit wird das Beherrschen von Sprache zum Schlüssel für Bildung und zum Erwerb von sozialen Kompetenzen. Denn nur wer sprachliche Fertigkeiten besitzt, der kann die Vielfalt der Bildungschancen nutzen und in der Gesellschaft aktiv werden. Daher bleiben viele Bildungsmöglichkeiten für diejenigen Kinder ungenutzt, die sich in der deutschen Sprache nur dürftig zurecht finden. Noch dazu vervielfachen sich die Probleme und Schwierigkeiten, wenn Kinder beim Schuleintritt ganz unterschiedliche Sprachkompetenzen vorweisen können.

Gezielte und fachkundige Sprachförderung im Kindergarten kann diese Unzulänglichkeiten ausgleichen. Denn im Kindergarten – der ersten öffentlichen Bildungseinrichtung – können Kinder noch rechtzeitig so gefördert werden, dass sie annähernd mit gleichen Sprachfertigkeiten in die Schule kommen. Alle Länder der Bundesrepublik Deutschland unternehmen daher große Anstrengungen, um eine erfolgreiche Sprachförderung im Kindergarten zu erreichen. Die vorliegende Veröffentlichung ist ein Beleg dafür, wie in Nordrhein-Westfalen solche Bemühungen eingelöst werden.

Entstehungshintergrund

Die Veröffentlichung „Kinder bilden Sprache – Sprache bildet Kinder“ ist eine Dokumentation der Vorträge, die auf dem „Kongress zur Sprachentwicklung und Sprachförderung in allen Bildungsbereichen der Kindertagesstätten“ gehalten wurden. Der Kongress fand am 4. November 2008 in Recklinghausen statt. Anliegen und Aufgabe des Kongresses war es, aufzuzeigen, wie Sprachförderungen in den Kindergärten Nordrhein-Westfalens verbessert und wie Wege geöffnet werden können, damit Sprachförderung in allen Bildungsbereichen des Kindergartens optimal wirksam wird.

Aufbau und Inhalte

Die Beiträge der genannten Veröffentlichung sprechen Weiterentwicklungen zur Verbesserung von Sprachfähigkeiten bei Kindern in Kindertageseinrichtungen unter folgenden Gesichtspunkten an:

  • Sprachentwicklung und Sprachförderung allgemein,
  • Sprachförderung durch verschiedene Bildungsbereiche in Kindertagesstätten.

Zur Veranschaulichung der kindlichen Sprachentwicklung führt K. Jampert viele Beispiele von Kinderaussagen aus unterschiedlichen Altersstufen an. Dabei wird auch deutlich, dass Kinder die Sprache nicht nur übernehmen sondern auch aktiv umformen.

Die Beiträge von L. Fried, P. Hanke und B. Rathmer gehen ausführlich auf Möglichkeiten der Sprachförderung im Kindergarten und in der Grundschule ein. Dabei spielt das Diagnoseinstrument Delfin 4 und darauf aufbauend das Förderprogramm eine zentrale Rolle in den Einrichtungen Nordrhein-Westfalens. Beide Beiträge berichten von den Erfahrungen und Untersuchungen mit diesem Ansatz.

Eingehend berichten P. Hanke und B. Rathmer von einem Forschungsprojekt, das die Kooperation zwischen Kindergärten und Grundschulen bei der Sprachstandsdiagnose ermittelt. Das Ziel der Untersuchung wurde so festgelegt: „Gegenstand der Untersuchung im Rahmen von TransKigs NRW bilden die Umsetzung, Akzeptanz und Wirkung von Kooperation zwischen den pädagogischen Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen und Grundschule am Beispiel der verbindlichen – gemeinsamen – Sprachstandsdiagnose aus der Sicht der beteiligten Primärakteure, d.h. der für die Sprachstandsdiagnose zuständigen pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtung und Grundschule.“ (S. 64) Der Bericht geht weiterhin auf die Untersuchungsmethoden, auf Stichproben und Ablauf der Untersuchung ein. Ergebnisse konnten noch nicht vorgelegt werden.

Die folgenden Beiträge beschreiben Wege und Ansätze der Sprachförderung in Kindergärten durch andere Bildungsbereiche; beispielsweise durch Bewegungen (Beitrag von R. Zimmer), durch Musik (Beitrag von G. Eibeck und C. Lorentz), durch naturwissenschaftliche Bildung (Beitrag von G. Lück), durch kreatives Gestalten (Beitrag von D. Braun) und durch eine enge Kooperation mit den Eltern (Beitrag von T. Breitkopf).

Abgerundet und politisch konkretisiert werden die Kongressbeiträge durch die einleitende Rede des Ministers Nordrhein-Westfalens Armin Laschet „Integration braucht Sprachförderung“ und durch den zusammenfassenden Überblick von K. Jampert und A. Zehnbauer „Sprachförderung in allen Bildungsbereichen“. Der Beitrag von Jampert und Zehnbauer berichtet von einem Projekt des DJI, in dem versucht wurde, die Sprachförderung auf alle Bildungsimpulse des Kindergartens auszuweiten. Denn Kinder begleiten durchwegs ihr Tun durch sprachliche Äußerungen, beispielsweise wenn sie singen, wenn sie einen Regenwurm beobachten, wenn sie vom Fernsehen erzählen, oder wenn sie ihre Wünsche äußern. Daher sollte eine weit reichende Sprachförderung all diese Chancen aufgreifen und gezielt nutzen.

Diskussion

Die dokumentierten Kongressbeiträge geben einen interessanten und aufschlussreichen Einblick in neueren Forschungen zur kindlichen Sprachentwicklung bei Kindergartenkindern. Zugleich werden sehr unterschiedliche Ansätze zur Förderung der Sprachkompetenzen bei Kindern vorgestellt. Ganz besonders zeichnen sich die Beiträge dadurch aus, dass sie die Vielfalt von Anknüpfungsmöglichkeiten zur Sprachförderung in allen Aktivitäten des Kindergartens deutlich machen. Mehr noch: Es werden auch Wege und Methoden beschrieben, wie diese Anknüpfungspunkte gezielt und effektiv genutzt werden können.

Die Verständlichkeit der Beiträge hätte noch verbessert werden können, wenn sprachwissenschaftliche Begriffe erklärt wären und wenn oft verwendete Abkürzungen (z.B. GTK, KiBiz) vollständig ausgeschrieben wären.

Fazit

Die Veröffentlichung ist allen Pädagogen/innen sehr zu empfehlen, denn sie zeigt anschaulich die Sprachentwicklung der Kinder auf und gibt viele Anregungen für eine wissenschaftlich fundierte Sprachförderung im Kindergarten.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München


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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 06.03.2010 zu: Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat Öffentlichkeitsarbeit: Kinder bilden Sprache - Sprache bildet Kinder. Sprachentwicklung und Sprachförderung in Kindertagesstätten. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2009. ISBN 978-3-8309-2192-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8536.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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