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Susanne Mertens: Das Innere Team mit Tieren

Cover Susanne Mertens: Das Innere Team mit Tieren. Tiere als Persönlichkeitssymbole in Psychotherapie und Beratung. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2009. 160 Seiten. ISBN 978-3-497-02102-4. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 36,50 sFr.
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Thema

Auf der Grundlage Friedemann Schulz von Thuns Technik, „mit der man eigene Persönlichkeitsanteile, die sich als innere Stimmen bemerkbar machen, identifizieren und miteinander in Austausch bringen kann“ (S. 8), befasst sich dieses zu besprechende Buch mit dem kommunikationspsychologischen Ansatz des Inneren Teams. Thematisch befasst sich die Autorin mit dem Inneren Team mit Tieren als Instrumentarium in der Psychotherapie und Beratung.

Autorin

Susanne Mertens, Jahrgang 1954 und dreifache Mutter, ist Diplompsychologin und Diplompädagogin. In St. Augustin betreibt sie eine psychotherapeutische Praxis. Von 1983 bis 1987 absolvierte Frau Mertens eine Ausbildung in Gestalttherapie. Eine Psychodramaausbildung führte sie von 1989 bis 1992 durch. Seit 1992 betreibt die Autorin eine eigene psychotherapeutische Praxis.

Frau Mertens verfügt über eine mehrjährige Erfahrung in der Leitung eines Projektes zur Betreuung von Pflegefamilien in einem Verband der Freien Wohlfahrtspflege. Sie ist psychologische Trainerin von Selbstbehauptungskursen für Frauen und Supervisorin in diversen sozialpädagogischen Einrichtungen. Hier finden sich weitere Informationen zur Autorin.

Entstehungshintergrund

Das Buch sei ihr zugefallen schreibt Susanne Mertens zu Beginn ihrer Publikation und sie habe es in wenigen Monaten verfasst. „Einige Stationen in meinem Leben sind Wegbereiter gewesen – so zum Beispiel meine Gestalttherapie-Ausbildung […]. Die Gestalttherapie gehört gemeinsam mit anderen psychotherapeutischen Ansätzen […] zu den Methoden der Humanistischen Psychologie. Ausgehend von einem Menschenbild, welches nicht von einer Expertenposition auf den psychisch kranken oder ‚funktionsuntüchtigen‘ Patienten blickt, wollen diese Ansätze auf einer ‚Basis von Gleichberechtigung und authentischer menschlicher Begegnung heilend wirken. Das Ziel, den therapeutischen Prozess so zu gestalten, dass er Eigenverantwortung und Selbsthilfekräfte der Klienten stärkt, hat mich deshalb stets geleitet und ist auch Anliegen dieses Buches“ (S. 7).

Aufbau und Inhalt

In neun Kapiteln macht die Autorin dem Leser die Tiere als Persönlichkeitssymbole in Psychotherapie und Beratung bekannt.

Das erste Kapitel befasst sich mit der Entstehungsgeschichte der Methode (s. o.).

Das zweite Kapitel erläutert die Technik anhand eines Anwendungsbeispiels im Rahmen einer Einzeltherapie. Das Anwendungsbeispiel befasst sich mit Doris, zweifache und verheiratete Mutter, Mitte 40 mit abgeschlossenem Hochschulstudium und mehrjähriger Berufstätigkeit. Doris hat eine zierliche und sportliche Figur, sieht sehr viel jünger aus, erscheint attraktiv, lebendig und vielseitig interessiert. Starke Minderwertigkeitsgefühle belasten sie, was ihr, nach einer längeren Phase der ausschließlichen Mutterschaft, den beruflichen Wiedereinstieg erschwert. Durch eben diese Minderwertigkeitsgefühle verstärken sich Doris‘ Selbstzweifel.

Auf dem Weg Friedemann Schulz von Thuns – und an dessen psychotherapeutischen Ansätzen klammert sich Mertens ja stark – lag die Entwicklung eines Kommunikationsmodells. „Die Existenz interagierender Persönlichkeitsanteile, die schließlich nicht in vivo zu beobachten sind, soll als sinnvolles theoretisches Konstrukt begründet werden“ (S. 25). Der theoretischen Begründung der Existenz von Teilpersönlichkeiten wird im dritten Kapitel nachgegangen.

Der therapeutischen Nutzung des Inneren Teams mit Tieren wird im vierten Kapitel nachgegangen.

Die klarere Positionierung des Inneren Teams mit Tieren anhand psychologischer und psychotherapeutischer Theorie- und Handlungsmodelle erfolgt in Kapitel 5. Hier wird die theoretische Grundlegung des therapeutischen Modells gegeben.

Im sechsten Kapitel stellt die Autorin unterschiedliche therapeutische Anwendungen dar. „Das Innere Team mit Tieren liefert ein psychotherapeutisches Instrument mit großer Variationsbreite“ (S. 59), als da beispielsweise wäre:

  • die Möglichkeit des Selbstcoaching für den in Beratung, Psychotherapie bzw. Supervision Tätigen;
  • die Einzeltherapie;
  • die Paararbeit;
  • die Supervision und Gruppenarbeit.

Das identitäts(ab)bildende Tiersymbolspektrum in Form der Top 50 liefert das siebte Kapitel – und das sind: „Adler, Affe, Ameise, Bär, Delfin, Drache, Eichhörnchen, Elefant, Esel, Eule, Fledermaus, Frosch, Fuchs, Giraffe, Hai, Hase, Hirsch, Huhn, Hund, Igel, Känguru, Kamel, Krebs, Krokodil,, Kuh, Löwe, Maus, Nashorn, Nilpferd, Papagei, Pfau, Pferd, Reh, Schaf, Schildkröte, Schlange, Schmetterling, Schnecke, Schwan, Schwein, Skorpion, Spinne, Steinbock, Stier, Strauß, Tiger, Widder, Wildschwein, Wolf, Ziege/Ziegenbock“ (S. 110).

Die Deutungen des Symbolcharakters der gewählten Tiere werden im achten Kapitel diskutiert.

Kapitel 9 gibt ein Resümee und einen Ausblick.

Der sich anschließende Anhang bietet Assoziationsvorschläge zur Arbeit mit den im siebten Kapitel vorgestellten 50 inneren Tieren. Hier erfolgt die Zuordnung in Tierklassen, als da wären:

  • Weichtiere, Amphibien bzw. Reptilien;
  • Meerestiere;
  • Insekten bzw. Spinnentiere;
  • Vögel;
  • Säugetiere, die eingeteilt sind in Haus- und Hoftiere bzw. Wald- und Zootiere.

Für den schnellen Leser folgt eine Kurzanleitung zur Arbeit mit dem Inneren Team mit Tieren.

Abgeschlossen wird die Publikation mit einem Literatur- und Sachverzeichnis.

Diskussion

Ein tolle Methode, die des Inneren Teams mit Tieren. Sind es doch die Tiere, mit denen wir uns sehr verbunden fühlen und die – bei sorgsamer Behandlung – keinen Wert auf äußerliche Attraktivität legen. Aus eigener Behinderungserfahrung weiß ich, dass die Tiere unvoreingenommen auf mich zugehen. Im Gegensatz zu vielen Menschen stört es den agilen Cairnterrier meiner Nachbarin nicht, wenn ich beim Gassi gehen nicht so schnell auf den Beinen bin, wie sein Frauchen. Er passt sich meiner Langsamkeit an und genießt die Zeit zum ausgiebigen Schnuppern. Langsamkeit hat also auch was für sich. So gelingt dann über positive Tiererfahrungen die Identifikation mit diesen Subjekten sehr schön und kann für das therapeutische- und Beratungsgeschehen sehr schön eingesetzt werden.

Fazit

Wie Friedemann Schulz von Thun (1998) es bereits aufgezeigt hat gelingt eine richtige Kommunikation über das Innere Team – noch besser: über das Innere Team mit Tieren. Eine Methode, der eine großartige Verbreitung zu wünschen ist.

Literatur

Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander Reden. Das „Innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation. Bd. 3, Reinbek bei Hamburg 1998.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 20.11.2009 zu: Susanne Mertens: Das Innere Team mit Tieren. Tiere als Persönlichkeitssymbole in Psychotherapie und Beratung. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2009. ISBN 978-3-497-02102-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8541.php, Datum des Zugriffs 21.11.2018.


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