Michael Regner, Franziska Schubert-Suffrian et al.: So geht´s - Partizipation in der Kita
Rezensiert von Dr. Anke Meyer, 25.02.2010
Michael Regner, Franziska Schubert-Suffrian, Monika Saggau: So geht´s - Partizipation in der Kita.
Verlag Herder GmbH
(Freiburg, Basel, Wien) 2009.
48 Seiten.
ISBN 978-3-451-00393-6.
D: 8,90 EUR,
A: 9,20 EUR,
CH: 16,50 sFr.
Reihe: Spot - Nr. 393.
Thema
Aktive gesellschaftliche Teilhabe kann schon früh gelernt werden, bereits in der Kita können Kinder sich an wichtigen Entscheidungen beteiligen. Das Schlagwort „Partizipation“ ist nichts Neues, gleichwohl finden sich in den Kitas kaum entsprechende Strukturen. Umso erfreulicher ist es, dass die Zeitschrift kindergarten heute eines ihrer spot-Hefte diesem Thema widmet.
Aufbau und Inhalt
Im ersten Kapitel „Was bedeutet Partizipation in der Kita?“ wird das Thema an zahlreichen Beispielen aus dem Kita-Alltag praxisnah erläutert. Es wird deutlich, was Partizipation für die Kinder und auch für die Erzieherinnen und Erzieher bedeutet. So müssen ErzieherInnen beispielsweise aushalten können, wenn die Kinder innerhalb des ihnen gegebenen Freiraums Entscheidungen treffen, die ihnen falsch erscheinen. Die Kinder können nach entsprechenden Erfahrungen ihre Ideen weiterentwickeln. Die Kinder machen sich ein Bild von der Welt und werden in ihr handlungsfähig. So ermöglicht Partizipation Bildung und Demokratiefähigkeit. Die ErzieherInnen nehmen in solchen Entscheidungsprozessen die Rolle der ModeratorIn ein. Konsequenterweise stellen die AutorInnen Überlegungen dazu an, wie die Kinder auch an den systematischen Beobachtungen der ErzieherInnen als Subjekte teilhaben und wie auch Säuglinge und Kleinstkinder schon beteiligt werden können.
Im zweiten Kapitel werden „Grundlagen für gelungene Partizipationsprozesse“ dargestellt. Hierbei geht es zunächst darum die eigene Haltung, die des Teams und die der Einrichtung zu hinterfragen. Sehr wichtig sind insbesondere auch Überlegungen dazu, welche Bedenken Eltern haben können, wenn ihre Kinder z.B. selbst entscheiden dürfen, ob sie eine Jacke anziehen oder nicht. Die Eltern sollen in ihrer Sorge nicht nur ernst genommen werden, sondern an der Gestaltung der Partizipationsstrukturen ebenfalls partizipieren – eine wichtige Basis für eine echte Erziehungspartnerschaft.
Das dritte Kapitel handelt von „Ebenen, Stufen und Formen der Partizipation“. Hier wird gezeigt, dass, bevor Kinder partizipieren können, die Erwachsenen den Rahmen hierzu klar abstecken müssen. Sie müssen vorab festlegen, wie weit sie den Kindern die Möglichkeit geben selbst zu bestimmen und wie sie sie dabei unterstützen.
Im vierten Kapitel geht es um das „Handwerkszeug für Partizipationsprozesse“. Sehr praxisnah wird hier z.B. auf Aktives Zuhören und den Umgang mit Konflikten eingegangen. Es wird gezeigt, wie Abstimmungsergebnisse so protokolliert werden können, dass die Kinder sie verstehen. Außerdem wird eine beachtliche Vielzahl an Abstimmungsmöglichkeiten vorgestellt.
Den Abschluss bilden „Rechtliche Grundlagen“, die deutlich machen, dass Partizipation z.B. nicht nur durch die Aufsichtspflicht nicht behindert wird, sondern sogar im KJHG und in verschiedenen Kita-Gesetzen gefordert wird.
Diskussion
Wer bereits misslungene Partizipationsprozesse miterlebt hat, weiß, dass es allein mit dem guten Willen, Kinder zu beteiligen, nicht getan ist. Für Partizipation braucht es mehr als die Frage: „Was wollt ihr denn?“ Die Kinder benötigen einen unterstützenden Rahmen und ErzieherInnen, die sie wirklich beteiligen und nicht dazu manipulieren wollen, dass die Kinder hinterher das wollen, was die ErzieherInnen wollen. Kinder spüren das sofort und verlieren so die Lust und den Glauben an demokratische Aushandlungsprozesse.
Das Heft bietet vielfältige Anregungen dazu, wie Partizipation umgesetzt werden kann. Beispiele aus der Praxis, machen geradezu Lust darauf, Kinder entscheiden zu lassen. Sie machen auch Mut, Kinder - scheinbar - scheitern zu lassen im Vertrauen darauf, dass sie sich durch Nachbessern bewähren können. Das Handwerkszeug ist wunderbar konkret und hilft, die Kinder bei ihren Aushandlungsprozessen zu unterstützen ohne sie zu manipulieren. Auch die schwierigen Fragen, wie z.B. wie gehe ich mit Widerständen von Eltern um, werden konsequent in Hinblick auf die Partizipation aller Beteiligten beantwortet.
Fazit
Auf weniger als fünfzig – durchaus vergnüglich zu lesenden - Seiten kann man sich fit für das Abenteuer Partizipation in der Kita machen!
Rezension von
Dr. Anke Meyer
Lehrerin am Berufskolleg,
Fachleiterin für Sozialpädgogik in der LehrerInnenausbildung
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