Lothar Klein, Herbert Vogt: Eltern in der Kita
Rezensiert von Michael Schnabel, 14.01.2010
Lothar Klein, Herbert Vogt: Eltern in der Kita. Schwierigkeiten meistern - Kommunikation entwicklen.
Kallmeyer Verlag
(Seelze/Velber) 2008.
197 Seiten.
ISBN 978-3-7800-5722-8.
24,95 EUR.
CH: 47,60 sFr.
Reihe: TPS.
Thema
Die Kooperation zwischen Kindergarten und Elternhaus ist in zweifacher Hinsicht ein hochaktuelles Thema: Denn alle Erziehungs- und Bildungspläne der Länder Deutschlands gehen ausführlich auf die Zusammenarbeit von Eltern und Erzieher/innen in Kindertageseinrichtungen ein. Weiterhin formulieren die pädagogischen Konzepte der meisten Pläne folgendes Ziel: Die Kinder sollen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützt werden. Voraussetzung dafür ist, möglichst umfassend die Lebensbedingungen der Kinder zu kennen und mit den Eltern das pädagogische Planen und Handeln abzustimmen. Nur, wenn Eltern möglichst eng ins Geschehen der Einrichtung eingebunden werden, gelingt es auch, den Forderungen einer solchen Pädagogik gerecht zu werden.
Diese Einbindung gibt es nicht zum Nulltarif: Denn sie ist mit vielen Gefahren, Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten verbunden. Die vorliegende Veröffentlichung macht deutlich, wodurch die beabsichtigte Kooperation mit den Eltern blockiert oder ganz verhindert werden kann.
Aufbau und Inhalte
Die Veröffentlichung „Eltern in der Kita“ ist äußerst übersichtlich gegliedert. Sie besteht aus zwei größeren Teilen mit mehreren Unterkapiteln.
- Teil eins - mit der Überschrift „Verstehen“ - enthält die theoretischen Überlegungen einer Zusammenarbeit zwischen Erzieher/innen und Eltern und den dabei entstehenden Schwierigkeiten.
- Teil zwei - mit den Titel „Handeln“ - entfaltet die praktischen Möglichkeiten einer Kooperation zwischen Erzieher/innen und Eltern und gibt Anregungen, wie die dabei auftretenden Missverständnisse und Konflikte gelöst werden können.
Im
Theorieteil zeigen die Autoren auf, warum eine Zusammenarbeit
für die Förderung des Kindes im Kindergarten so
entscheidend ist: Die Pädagoginnen sollten einigermaßen
gut den Rucksack an Erfahrungen kennen, den die Kinder aus ihren
Familien mitbringen. Nur so könnten sie zum Wohle der Kinder
handeln. Mehr noch: Die Ziele der Pädagogik im Kindergarten
sollten sogar noch dahingehend ausgeweitet werden, dass sie sich auch auf das
Wohl der Familien erstrecken.
Zur fachgerechten
Bewältigung dieser komplexen und umfänglichen Aufgabe
bildet vor allen das systemische Denken eine nützliche Hilfe. An
konkreten Alltagssituationen aus dem Kindergarten –
beispielsweise Eltern als Bittsteller und Kunden – wird
verdeutlicht, wie systemisches Denken und Analysieren Lösungen
herausarbeiten können. Weiterhin entwickeln sich daraus klar und
deutlich Grenzen und Zuständigkeiten von Erzieher/innen.
Der Abschnitt „Unterschiedliche Sichtweisen und
Interessen“ analysiert Schwierigkeiten, die bei einer engen
Kooperation zwischen Eltern und Erzieher/innen häufig auftreten
und beschreibt Lösungswege; beispielsweise für die
heimliche Konkurrenz zwischen Eltern und Erzieher/innen, bei
gegenseitigen Abhängigkeiten, wenn Rollendurcheinander sich
breit macht.
Im
praktischen Teil werden die Prinzipien einer Bildungs- und
Erziehungspartnerschaft beschrieben und kritisch beleuchtet. Nach
Meinung der Autoren kann im Kindergartenbereich nur von einer
Vertragspartnerschaft zwischen Erzieher/innen und Eltern gesprochen
werden.
Einschneidend für eine gelingende
Kooperation sind die erste Begegnung zwischen den Eltern und
Erzieher/innen beim Aufnahmegespräch und das Erfassen der
Erwartungen und Wünsche der Eltern an den Kindergarten. Die
Autoren sprechen all die Schwierigkeiten, Fehler und Unachtsamkeiten
an, die vor allem beim Aufnahmegespräch eine miserable
Ausgangslage für eine gute Zusammenarbeit schaffen. Es werden
aber auch Musterbeispiele für das Gelingen dieser Aufgaben
vorgestellt.
„Kommunikation ist alles. Wenn die
Kommunikation gelingt, fällt das Fehlen von einzelnen Angeboten
und Beteiligungsformen nicht ins Gewicht,“ so die Behauptung
der Autoren. Daher sind die Ausführungen zu den verschiedenen
Gesprächsangeboten für Eltern und die entsprechenden
Techniken zur gelingenden Durchführung eingehend dargestellt. Es
werden Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung referiert, die es
zu beachten gilt, wenn die Gespräche zufrieden stellend
verlaufen sollten. Weiterhin wird die Vorbereitung, Durchführung
und Auswertung verschiedener Gesprächsarten Schritt für
Schritt dargestellt, so beispielsweise für Aufnahmegespräche,
Entwicklungsgespräche, Tür- und Angelgespräche,
Beschwerdegespräche, Konfliktgespräche und
Beratungsgespräche. Auch in diesen Abschnitten wird deutlich
gemacht, was bei den erwähnten Gesprächen alles schief
gehen kann und wie solche Probleme aufgearbeitet werden können.
Diskussion
Den Autoren gelingt es vortrefflich, die Dringlichkeit einer gelingenden Kooperation zwischen Erzieher/innen und Eltern darzustellen. Dabei bleiben sie nicht an idealisierten Forderungen und theoretischen Erörterungen stehen, sondern decken auch die vielseitigen Gefahren, Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten auf, die eine Kooperation zwischen Erwachsenen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund beinahe notwendigerweise hervorrufen. Viele Beispiele aus dem Kindergartenalltag machen die Unzulänglichkeiten einer Kooperation zwischen Erzieher/innen und Eltern anschaulich, wobei auch die Musterbeispiele für eine gelingende Praxis werben. Die Veröffentlichung ist klar und übersichtlich gegliedert und bedient sich einer präzisen und verständlichen Ausdrucksweise.
Da eine gelingende Kooperation zwischen Eltern und Erzieher/innen noch relativ neuartig ist, wäre eine Verdeutlichung der Zusammenhänge und Argumente durch graphische Darstellungen noch überzeugender geworden. Weiterhin sind die Überlegungen, dass eine Kooperation mit den Eltern auch viele Erleichterungen für Erzieher/innen bieten kann, etwas zu kurz gekommen.
Fazit
Die Veröffentlichung ist allen Pädagogen/innen zu empfehlen, die sich in Kindertageseinrichtungen um eine Kooperation mit den Eltern bemühen. Auch Pädagogen/innen in der Ausbildung werden auf die zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Kooperation mit Eltern sachgerecht vorbereitet und sollten daher die Veröffentlichung durcharbeiten.
Rezension von
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München
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