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Lothar Klein, Herbert Vogt: Eltern in der Kita

Cover Lothar Klein, Herbert Vogt: Eltern in der Kita. Schwierigkeiten meistern - Kommunikation entwicklen. Kallmeyer Verlag (Seelze/Velber) 2008. 197 Seiten. ISBN 978-3-7800-5722-8. 24,95 EUR, CH: 47,60 sFr.

Reihe: TPS.
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Thema

Die Kooperation zwischen Kindergarten und Elternhaus ist in zweifacher Hinsicht ein hochaktuelles Thema: Denn alle Erziehungs- und Bildungspläne der Länder Deutschlands gehen ausführlich auf die Zusammenarbeit von Eltern und Erzieher/innen in Kindertageseinrichtungen ein. Weiterhin formulieren die pädagogischen Konzepte der meisten Pläne folgendes Ziel: Die Kinder sollen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützt werden. Voraussetzung dafür ist, möglichst umfassend die Lebensbedingungen der Kinder zu kennen und mit den Eltern das pädagogische Planen und Handeln abzustimmen. Nur, wenn Eltern möglichst eng ins Geschehen der Einrichtung eingebunden werden, gelingt es auch, den Forderungen einer solchen Pädagogik gerecht zu werden.

Diese Einbindung gibt es nicht zum Nulltarif: Denn sie ist mit vielen Gefahren, Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten verbunden. Die vorliegende Veröffentlichung macht deutlich, wodurch die beabsichtigte Kooperation mit den Eltern blockiert oder ganz verhindert werden kann.

Aufbau und Inhalte

Die Veröffentlichung „Eltern in der Kita“ ist äußerst übersichtlich gegliedert. Sie besteht aus zwei größeren Teilen mit mehreren Unterkapiteln.

  • Teil eins - mit der Überschrift „Verstehen“ - enthält die theoretischen Überlegungen einer Zusammenarbeit zwischen Erzieher/innen und Eltern und den dabei entstehenden Schwierigkeiten.
  • Teil zwei - mit den Titel „Handeln“ - entfaltet die praktischen Möglichkeiten einer Kooperation zwischen Erzieher/innen und Eltern und gibt Anregungen, wie die dabei auftretenden Missverständnisse und Konflikte gelöst werden können.

Im Theorieteil zeigen die Autoren auf, warum eine Zusammenarbeit für die Förderung des Kindes im Kindergarten so entscheidend ist: Die Pädagoginnen sollten einigermaßen gut den Rucksack an Erfahrungen kennen, den die Kinder aus ihren Familien mitbringen. Nur so könnten sie zum Wohle der Kinder handeln. Mehr noch: Die Ziele der Pädagogik im Kindergarten sollten sogar noch dahingehend ausgeweitet werden, dass sie sich auch auf das Wohl der Familien erstrecken.
Zur fachgerechten Bewältigung dieser komplexen und umfänglichen Aufgabe bildet vor allen das systemische Denken eine nützliche Hilfe. An konkreten Alltagssituationen aus dem Kindergarten – beispielsweise Eltern als Bittsteller und Kunden – wird verdeutlicht, wie systemisches Denken und Analysieren Lösungen herausarbeiten können. Weiterhin entwickeln sich daraus klar und deutlich Grenzen und Zuständigkeiten von Erzieher/innen.
Der Abschnitt „Unterschiedliche Sichtweisen und Interessen“ analysiert Schwierigkeiten, die bei einer engen Kooperation zwischen Eltern und Erzieher/innen häufig auftreten und beschreibt Lösungswege; beispielsweise für die heimliche Konkurrenz zwischen Eltern und Erzieher/innen, bei gegenseitigen Abhängigkeiten, wenn Rollendurcheinander sich breit macht.

Im praktischen Teil werden die Prinzipien einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft beschrieben und kritisch beleuchtet. Nach Meinung der Autoren kann im Kindergartenbereich nur von einer Vertragspartnerschaft zwischen Erzieher/innen und Eltern gesprochen werden.
Einschneidend für eine gelingende Kooperation sind die erste Begegnung zwischen den Eltern und Erzieher/innen beim Aufnahmegespräch und das Erfassen der Erwartungen und Wünsche der Eltern an den Kindergarten. Die Autoren sprechen all die Schwierigkeiten, Fehler und Unachtsamkeiten an, die vor allem beim Aufnahmegespräch eine miserable Ausgangslage für eine gute Zusammenarbeit schaffen. Es werden aber auch Musterbeispiele für das Gelingen dieser Aufgaben vorgestellt.
„Kommunikation ist alles. Wenn die Kommunikation gelingt, fällt das Fehlen von einzelnen Angeboten und Beteiligungsformen nicht ins Gewicht,“ so die Behauptung der Autoren. Daher sind die Ausführungen zu den verschiedenen Gesprächsangeboten für Eltern und die entsprechenden Techniken zur gelingenden Durchführung eingehend dargestellt. Es werden Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung referiert, die es zu beachten gilt, wenn die Gespräche zufrieden stellend verlaufen sollten. Weiterhin wird die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung verschiedener Gesprächsarten Schritt für Schritt dargestellt, so beispielsweise für Aufnahmegespräche, Entwicklungsgespräche, Tür- und Angelgespräche, Beschwerdegespräche, Konfliktgespräche und Beratungsgespräche. Auch in diesen Abschnitten wird deutlich gemacht, was bei den erwähnten Gesprächen alles schief gehen kann und wie solche Probleme aufgearbeitet werden können.

Diskussion

Den Autoren gelingt es vortrefflich, die Dringlichkeit einer gelingenden Kooperation zwischen Erzieher/innen und Eltern darzustellen. Dabei bleiben sie nicht an idealisierten Forderungen und theoretischen Erörterungen stehen, sondern decken auch die vielseitigen Gefahren, Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten auf, die eine Kooperation zwischen Erwachsenen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund beinahe notwendigerweise hervorrufen. Viele Beispiele aus dem Kindergartenalltag machen die Unzulänglichkeiten einer Kooperation zwischen Erzieher/innen und Eltern anschaulich, wobei auch die Musterbeispiele für eine gelingende Praxis werben. Die Veröffentlichung ist klar und übersichtlich gegliedert und bedient sich einer präzisen und verständlichen Ausdrucksweise.

Da eine gelingende Kooperation zwischen Eltern und Erzieher/innen noch relativ neuartig ist, wäre eine Verdeutlichung der Zusammenhänge und Argumente durch graphische Darstellungen noch überzeugender geworden. Weiterhin sind die Überlegungen, dass eine Kooperation mit den Eltern auch viele Erleichterungen für Erzieher/innen bieten kann, etwas zu kurz gekommen.

Fazit

Die Veröffentlichung ist allen Pädagogen/innen zu empfehlen, die sich in Kindertageseinrichtungen um eine Kooperation mit den Eltern bemühen. Auch Pädagogen/innen in der Ausbildung werden auf die zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Kooperation mit Eltern sachgerecht vorbereitet und sollten daher die Veröffentlichung durcharbeiten.


Rezension von
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München


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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 14.01.2010 zu: Lothar Klein, Herbert Vogt: Eltern in der Kita. Schwierigkeiten meistern - Kommunikation entwicklen. Kallmeyer Verlag (Seelze/Velber) 2008. ISBN 978-3-7800-5722-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8563.php, Datum des Zugriffs 18.01.2022.


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