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Siegfried Preiser, Nicola Buchholz: Kreativität

Cover Siegfried Preiser, Nicola Buchholz: Kreativität. Asanger Verlag (Kröning) 2008. 3., überarb. u. neu ausgest. Auflage. 236 Seiten. ISBN 978-3-89334-407-9. 23,00 EUR.
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Sei kreativ – und du bist erfolgreich!

Natürlich heißt es, diesen Ausspruch zu hinterfragen, kreativ versteht sich. Die Aufforderung, kreativ zu sein, ist wie eine Schwemme über die Menschen gekommen; übrigens noch vor gar nicht so langer Zeit. Denn die Vorstellung von Kreativität wurde in unserem Sprachgebrauch in erster Linie den Künstlern zugesprochen, den Malern, den Musikern, den Schriftstellern und Dichtern. Ihre Schöpfungen waren es, die die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Menschen erregte. In neuerer Zeit wir Kreativität als die Fähigkeit zum schöpferischen Denken verstanden, und zwar in allen Bereichen menschlichen, individuellen und gesellschaftlichen Lebens. Kreativ mit Geld umzugehen, etwa an der Börse, um zu spekulieren oder sonst wie das Vermögen anzulegen, hat die gleiche Bedeutung, wie eine Mahlzeit kreativ zu kochen, nein, zu zelebrieren, oder für ein Auto oder einen anderen Gegenstand kreativ ein Design zu entwerfen. Damit wird schon klar, dass „Kreativität“ ein „Alles-und-Nichts“ – Wort ist, wenn wir es nicht auf eine bestimmte Eigenschaft oder Tätigkeit eingrenzen. Übrigens: In der www-Suchmaschine erhalten wir über fünf Millionen Eintragungen zum Begriff „Kreativität“.

Es bietet sich dabei an, den Begriff also etwas näher abzuklopfen und vor allem zu „hinterfragen“, wie wir mit der Forderung nach Kreativität in unserem alltäglichen und beruflichen Leben umgehen sollen. Siegfried Preiser, der an der Goethe-Universität Frankfurt/M. Pädagogische Psychologie lehrt und mit einer Arbeitsgruppe über „Psychologie und Erwachsenenbildung“ forscht, und die Diplom-Psychologin und Kommunikationstrainerin Nicola Buchholz, legen ein Trainingsprogramm für Kreativität vor, mit dem Anspruch, „kreative Fähigkeiten durch praktische Übungen und Arbeitshilfen zu fördern und positive Einflüsse auf kreative Prozesse zu unterstützen“. Gleichzeitig wollen sie mit ihrer Veröffentlichung den Diskurs in der wissenschaftlichen und praxis-orientierten Kreativitätsforschung beleben. Weil (prinzipiell) jeder Mensch zu kreativen Ausdrucksformen, Einfällen und Gestaltungen fähig sei, deshalb sei es auch möglich, kreative Fähigkeiten zu lernen und zu trainieren.

Inhalt

Das Trainingsprogramm ist in einer anwendungsorientierten 7-Stufen-Folge angeordnet, die als Lernziele und Aufforderungen formuliert sind: Offen auf die Welt zugehen – Probleme analysieren und Ziele klären – Informationen bereitstellen – Auf Distanz zum Problem gehen – Einfälle entwickeln – Ideen bewerten und auswählen – Ideen ausarbeiten, präsentieren und verwirklichen. Zuvor aber räumt das Autorenteam mit einer Fülle von Stereotypen und populistischen Auffassungen zu diesem weiten Feld von kreativem Verhalten der Menschen auf. In zwölf Argumenten, die jeweils in einer These formuliert werden, entstehen so ein Tableau, gewissermaßen eine Bestandsaufnahme unserer alltäglichen Meinungen, wie auch theoretische Reflexionen über die emotionalen und intellektuellen kreativen Prozesse menschlichen Daseins. Hervorzuheben für Bildungs-, Erziehungs- und Aufklärungsbemühungen in der individuellen und institutionellen Erziehung ist dabei die These 12: Kreativitätsförderung ist eine universelle Bildungsaufgabe.

Doch kommen wir erst einmal zu dem Definitionsversuch und damit zur Frage, was Kreativität eigentlich ist. Preiser und Buchholz weisen darauf hin, dass ein kreativer Prozess bestimmt sein müsse von einer neuartigen Idee, die jedoch nicht einmalig zu sein brauche, sich jedoch nicht auf eine Wiederholung von bereits Gedachtem, Gesagtem oder Gemachtem beschränken dürfe. Ein kreativer Prozess solle zweitens sinnhaft und in irgendeiner Weise wertvoll sein; und zwar entweder auf ästhetischen, künstlerischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, technischen oder wissenschaftlichen Gebieten. Schließlich solle die neuartige Idee akzeptiert werden, und war nicht nur von dem kreativem Schöpfer selbst, sondern auch von seinem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld. Natürlich: Diese Definitionsbestimmung und damit auch die Auffassungen über Anerkennung und Eingrenzung von kreativem Denken und Tun, sind keine Messlatte, weder für die Alltags- noch für wissenschaftliche Diskussion über Kreativität. Die beiden Wissenschaftler führen als kreative Anregung das „Grundmodell der fünf P“ in die Diskussion ein: Problem, Prozess, Person, Problemumfeld, Produkt. Kommen wir zum Sieben-Stufen-Modell, das von den Autoren als eine aufsteigende Treppe visualisiert wird, gewissermaßen mit einem Geländer versehen, das einem kreativen Sucher und Lerner ermöglicht, Schritt für Schritt das Ziel zu erreichen, kreativ zu sein. Dieses Bild von der Treppe schließt nicht aus, im Lern- und Verstehensprozess zwei Stufen auf einmal zu nehmen, wenn der entsprechende Schwung da ist, auch nicht, bedacht eine Stufe zurück zu gehen, um mit neuer Kraft und Innovation einen neuen Anlauf zu nehmen. Auf jeder Stufe werden Denkgeschichten angeboten, Beispiele zum Erfahren und Erleben von kreativem Denken und Tun gegeben, Mut zum Ausprobieren gemacht, Methoden vorgestellt, Übungen angeregt und Evaluationsmöglichkeiten diskutiert. Jede Phase endet mit einer Checkliste, mit der der „Kreativitätspraktikant“ die Erträge des Lernens für seine eigene Praxis erkunden und erfahren kann.

Als Exempel für kreative Prozesse stellen die Autorin und der Autor die Geschichte und das Werden des Skulpturenparks in der Gemeinde Arstorp vor. Dabei zeigen sie auf, wie die Kommunikation darüber in den privaten Bereichen der Bewohner des Ortes abläuft, die Informationen darüber vermittelt werden und der Initiativantrag vorbereitet und schließlich die offizielle Entscheidung im Gemeinderat darüber gefällt wird. Daraus lassen sich für den Beobachter eine Reihe von Erkenntnissen gewinnen, und er vermag sich in die Lage versetzen, wie er vorgegangen wäre, wie auch Einsichten verdeutlichen, welche Misserfolge bei einem anderen Vorgehen hätten vermieden werden können; ebenso, wie die Erfolge zustande gekommen sind. Weil Lernen, was ja nichts anderes bedeutet, als in der Lage zu sein, sein bisherigen Verhalten zu überdenken, Möglichkeiten zu erkennen, es zu erweitern und letztendlich zu verändern - deshalb gehört zu jedem Lernprozess auch eine Lernkontrolle und eine Vergewisserung der neu erworbenen Kreativitätskompetenzen.

Fazit

Siegfried Preiser und Nicola Buchholz haben mit dem Trainingsprogramm „Kreativität“ kein Rezeptbuch geschrieben. Vielmehr ist es ihnen gelungen, mit dem 7-Stufen-Modell die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen, kreativ zu sein. Sie weisen damit deutlich auf die Binsenwahrheit hin, dass Kreativität weder vom Himmel fällt, noch den Menschen in die Wiege gelegt, noch in die Gene gepflanzt worden ist. Sie ermutigen zu dem Bewusstsein, dass jeder Mensch kreativ sein kann. Voraussetzung dafür ist allerdings zu wissen, wie kreatives Denken und Handeln entstehen und wachsen können, durch aktives, selbstbewusstes und reflexives Denken und Tun. Das aber kann und muss man lernen! Deshalb ist das Buch „Kreativität“ gleichzeitig eine Aufforderung an familiale und gesellschaftliche Erziehung. Es gibt noch viele leere Flecken in der Kreativitätserziehung und –bildung – im Kindergarten, in der Schule, der Jugend- und Freizeitbildung und im Beruf.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 26.11.2009 zu: Siegfried Preiser, Nicola Buchholz: Kreativität. Asanger Verlag (Kröning) 2008. 3., überarb. u. neu ausgest. Auflage. ISBN 978-3-89334-407-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8567.php, Datum des Zugriffs 19.11.2019.


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