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Christina Krause: Das Ich-bin-ich-Programm

Cover Christina Krause: Das Ich-bin-ich-Programm. Selbstwertstärkung im Kindergarten mit Pauline und Emil. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2009. 176 Seiten. ISBN 978-3-589-24676-2. 24,95 EUR, CH: 44,90 sFr.

Reihe: Frühe Kindheit - Psychologie & Soziologie.
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Autorin

Dr. Christina Krause, Diplom-Pädagogin, war bis 2007 Professorin für Pädagogische Psychologie und Beratung am Pädagogischen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen.

Thema

Das KiGGS, das erste für Deutschland repräsentative Kinder- und Jugendgesundheitssurvey zeigt, dass zwar die überwiegende Mehrheit der drei- bis sechsjährigen Kinder psychisch unauffällig sind, das Risiko bei Jungen, bei Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern mit niedrigem Sozialstatus erhöht ist. Gerade für diese Kinder ist es wichtig (natürlich auch für alle anderen), dass Basiskompetenzen im Kindergarten gefördert werden.

Christian Krause bezeichnet dieses Programm zur Selbstwertstärkung als Programm zur Gesundheitsförderung im Kindergarten. Diese, auf den ersten Blick für manchen unverständliche Zuordnung wird verständlich durch den verwendeten Gesundheitsbegriff. Das Programm basiert auf dem Konzept der Salutogenese von Antonovsky und hat das Ziel, durch die Förderung von Schutz- bzw. Gesundheitsfaktoren die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern zu stärken.

Die Ressourcen oder Gesundheitsfaktoren, die in Mittelpunkt stehen, sind das

  • Selbstwertgefühl, das durch die Förderung der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion und die Herausbildung des Vertrauens in eigene Stärken und Ressourcen unterstützt werden soll, und das
  • Zugehörigkeitsgefühl, das durch die Förderung der Fähigkeit der Kommunikation in der Gruppe, durch das Erfahren und Üben von Empathie und gegenseitiger Akzeptanz unterstützt wird.

Die Kinder sollen Konfliktlösefähigkeiten und Stressbewältigungsstrategien erwerben. So soll ein Kohärenzgefühl (Antonovsky) herausgebildet werden, ein Lebensgefühl, das beinhaltet, dass Anforderungen verstehbar sind, dass „ich“ die nötigen Ressourcen habe und dass es sich lohnt, die Herausforderung anzunehmen.

Aufbau und Inhalt

Das Programm umfasst 8 Module, die aufeinander aufbauen. Jedes Modul besteht aus 2 bis 6 Einheiten (Tage), die jeweils einen Zeitaufwand von 1 bis 2 Stunden erfordern.

Die Module im Einzelnen:

  • Modul 1 - Körpererfahrung und Entspannung (4 Tage): Mit dem Motto „Mein Körper ist mein Haus und darin fühle ich mich wohl“ wird in das Programm eingeführt, die Rituale kennengelernt und erste Entspannungsübungen erprobt. Die Kinder beginnen ihren Körper kennen zu lernen.
  • Modul 2 - Bewegung (4 Tage) lässt den Wert von Bewegung für das Wohlbefinden erleben und vermittelt die Erfahrung verschiedener Bewegungsformen sowie von Berührung (Motto: „Ich bin fit und stark“).
  • Modul 3 - Kommunikation (2 Tage) hat als Lernziele das Erlernen des aktiven Zuhörens und die Entwicklung von Kommunikationsfähigkeiten („Wir sprechen und spielen gerne miteinander“).
  • Modul 4 - Kreatives Spielen (2 Tage) soll die Fantasie und zur Umsetzung eigener Spielideen anregen („Was wir alles spielen können, um Spaß zu haben“).
  • Modul 5 - Selbstreflexion (4 Tage) dient dem Erkennen und Nutzen eigener Stärken und dem Reflektieren über die eigene Familie bzw. den Familienkulturen der anderen Kinder („Ich bin ich. So wie ich bin, bin ich okay“).
  • Modul 6 - Gefühle (6 Tage) ermöglicht das Erleben der eigenen (unterschiedlichen) Gefühle sowie das Erkennen und Respektieren der Gefühle anderer Kinder („Ich erkenne und achte meine und deine Gefühle“).
  • Modul 7 - Konflikte und Konfliktlösungen (4 Tage) hat als Lernziel das Erproben unterschiedlicher Konfliktlösungen und das Üben von gewaltfreien Lösungen („Jeder ist anders. Ich akzeptiere dich so, wie du bist“).
  • Modul 8 - Ernährung (2 Tage) hat das Essverhalten und den Zusammenhang von Essverhalten und Wohlbefinden, die Freude am gemeinsamen Essen als Thema („Gemeinsam essen macht Spaß“).

Durch das Programm führen die beiden Projektmaskottchen: Emil, der Elefant, und Pauline, die Eisbärin, die als Plakat beiliegen, besser jedoch als Plüschtiere vorhanden sein sollten.

Als wiederkehrende Rituale werden ein Projektlied, Entspannungs-, Wohlfühl- und Imaginationsübungen, das Blitzlicht und ein Abschiedsritual eingeführt. Jedes Kind bekommt eine Gesundheitsmappe, in der die angefertigten Materialien und Arbeitsblätter gesammelt werden. Zum Abschluss des Programms sollte jedes Kind eine Urkunde erhalten.

Für jeden Tag gibt es Ablaufpläne, in denen der Verlauf, methodisch-didaktische Hinweise und das notwendige Material aufgeführt sind. Arbeitsblätter, Geschichten, Bilder, Übungen, Ausschneidevorlagen u.ä. sind im Buch enthalten. Darüber hinaus werden Empfehlungen bzgl. Liedkassetten, Bücher, u.a. gemacht. Die Vorschläge sollen als Anregung verstanden werden, die kreativ an die jeweilige Gruppe angepasst werden können.

Das Programm ist konzipiert für Kinder im Alter von 5 bis 7 Jahren. Es wird empfohlen, das Programm mindestens an einem Tag pro Woche durchzuführen. Eine zusätzliche Qualifikation für die Erzieherinnen ist nicht notwendig.

Für die Zusammenarbeit mit den Eltern werden Aushänge oder Elternbriefe vorgeschlagen. Als besondere Form wird auch ein Elternkurs angesprochen. Ein exemplarischer Vorschlag für 2 Einheiten liegt bei; ansonsten wird auf eine andere Veröffentlichung der Autorin verwiesen.

Diskussion

Das Programm orientiert sich an einem modernen theoretischen Konzept. Die Module sprechen wichtige Bereiche der kindlichen Entwicklung an. Die Tage können abwechslungsreich mit Bewegung, Entspannung, Rollenspiele, Basteln und Malen, Gesprächen gestaltet werden.

Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist, dass jedes Kind gehört und seine Werke gesehen werden. Es werden im Manual jedoch keine Empfehlungen bezüglich optimaler Gruppengröße oder ob eine oder mehrere Erzieherinnen das Programm durchführen sollen, gegeben.

Bei manchen Programmen gehört eine DVD zum Lieferumfang, auf der Kopiervorlagen, Lieder, etc. zu finden sind. Dies ist hier nicht der Fall; alle Kopiervorlagen sind im Manual enthalten; für Lieder oder zu verwendende Bücher gibt es jeweils Empfehlungen, die als Quellenangaben aufgeführt sind. Ob diese Vorgehensweise (im Sinne auch bei den Erzieherinnen das Prinzip der Selbsttätigkeit zu stärken) bevorzugt wird oder doch eine DVD als hilfreich empfunden werden würde, kann und muss jede Anwenderin selbst entscheiden (diese ist auch eine Frage des Preises, der hier sehr günstig ist).

Das Programm wurde über vier Jahre hinweg in acht Kindergärten in Göttingen und Umgebung erprobt. Nähere Angaben zu Evaluationsstudien gibt es leider nicht. Es wird auf eine unveröffentlichte Magisterarbeit (Schneevoigt) verwiesen. Im vorliegenden Manual wird nur allgemein angemerkt, dass die Beziehung zwischen Kindern und Erzieherin intensiver wird, dass sich die Beziehung der Kinder untereinander verbessert, dass sich das Selbstvertrauen der Kinder verändert, diese risikofreudiger und sicher werden, und dass die Erzieherinnen die intensive Beziehung zu den Kindern, ihre Lernerfolge und die Übertragbarkeit der Inhalte auf den Kindergartenalltag als bereichernd empfinden.

Zielgruppen

Kindertagesstätten mit Kindern im Vorschulbereich

Fazit

Sich anregen lassen und ausprobieren.


Rezension von
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 09.01.2010 zu: Christina Krause: Das Ich-bin-ich-Programm. Selbstwertstärkung im Kindergarten mit Pauline und Emil. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2009. ISBN 978-3-589-24676-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8582.php, Datum des Zugriffs 24.10.2021.


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