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Hansjosef Buchkremer (Hrsg.): Handbuch Sozialpädagogik

Cover Hansjosef Buchkremer (Hrsg.): Handbuch Sozialpädagogik. Ein Leitfaden in der sozialen Arbeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Darmstadt) 2009. 469 Seiten. ISBN 978-3-534-21993-3. 49,90 EUR, CH: 84,00 sFr.
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Thema

Das in der 3., überarbeiteten Auflage vorgelegte Handbuch will unter verschieden Perspektiven den Standpunkt der Sozialpädagogik bestimmen und einen Überblick über die aktuellen Aufgabenfelder geben.

Herausgeber

Prof. Dr. Hansjosef Buchkremer lehrte bis 2005 Allgemeine Heilpädagogik und Sozialpädagogik an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln.

Aufbau und Inhalt

Hansjosef Buchkremer legt zum dritten Mal das umfangreiche Handbuch vor, an dem zahlreiche Ko-Autoren und ein im Vorwort aufgeführtes Redaktionsteam mitgewirkt haben. Unter Mitwirkung von insgesamt 25 Fachkräften ist ein umfassendes sozialpädagogisches Nachschlagewerk von A wie Akkreditierung bis Z wie Zukunftswerkstatt entstanden.

Das Buch ist in sechs Kapitel eingeteilt. Die Einleitung ist als Orientierungshilfe gedacht. Sie stellt zuerst den Aufbau des Buchs vor. Anschließend werden vier Dimensionen eingeführt, die ein Wahrnehmungs- und Sichtungsschema liefern, woran sich im dritten Teil der Einleitung eine Verbildlichung der vorgestellten Dimensionen anschließt. Es handelt sich dabei um die theoretische Dimension, die anthropologische, ethische und sozialkritische Dimension, die historische und vergleichende Dimension und die praktische Dimension.

Das erste Kapitel behandelt Fragestellungen der theoretischen Dimension der Sozialpädagogik. Es beginnt mit dem Problem der Zuordnung der Sozialpädagogik, einschließlich einer Retrospektive zum Verhältnis zur Sozialarbeit. Hier positioniert sich das Handbuch eindeutig, wenn eine gemeinsame Einmündung von Sozialpädagogik und Sozialarbeit als „Soziale Arbeit“ konstatiert wird. In dem Versuch, einen spezifischen Anteil der Sozialen Arbeit im Verbund mit den Nachbardisziplinen (z.B. Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik) zu begründen, wird ein gemeinsamer Oberbegriff „Subsidiäre Intervention“ vorgeschlagen. Es setzt sich fort mit Fragen zur Definition von Begriffen (u. a. Erziehung, Sozialisation, Subsidiarität). Daran anschließend werden – beginnend mit den Klassikern wie Pestalozzi, Fröbel und Diesterweg bis hin zu Staub-Bernasconi – die markantesten theoretischen Ansätze von 33 Protagonisten bis hin zur heutigen Sozialraumorientierung kurz vorgestellt. Eingangs wird jeweils die Biografie der Person, dann die Inhalte kurz vorgestellt Da hier auf ein einheitliche Raster verzichtet wurde, fallen die einzelnen Beiträge sowohl von der Länge als auch von der inhaltlichen Tiefe sehr unterschiedlich aus. Eine vergleichsweise kurze wissenschaftstheoretische Anhandlung von Hermeneutik und empirische Verfahren runden dieses Kapitel ab.

Im zweiten Kapitel wird die schon bei Aristoteles zu findende Dimension des Anthropologischen, Ethischen und Sozialkritischen abgehandelt. In der Abteilung Anthropologie finden sich kurz die Ideen von Adolf Portmann, Robert Dawkins, Konrad Lorenz, Peter Kropotkin und die moderne Konzeption der Spiegelneuronen. Die sehr kurze Abteilung Ethik umfasst die Arbeit von Emmanuel Lévinas zur Verantwortung und die Gerechtigkeitsvorstellung von John Rawls. Abgerundet wird dieses Kapitel durch eine Bestimmung der notwendigen Sozialkritik durch die Soziale Arbeit. Dabei werden vier Aufgaben der Sozialpädagogik als eigenständiger Anteil an Sozialkritischem formuliert: Sozialpädagogik habe eine Anwaltschaft für Benachteiligte, die Aufgabe von Aufklärung, Bildung und Emanzipation, die Mitwirkung bei der Analyse gesellschaftlicher Abhängigkeiten sowie die Aufgabe einer grundsätzlichen Gesellschafts- und Sozialkritik. Präzisiert wird dies durch Ausführungen zu der zivilgesellschaftlichen Aktivierung der Weltrisikogesellschaft nach Ulrich Beck.

Das dritte Kapitel unterteilt zwischen Historischem und Vergleichendem. Die historische Anteilung fängt bei der Wohltätigkeit in der Antike an und führt über die Umbrüche des Mittelalters zu den Vorläufern der Sozialen Arbeit, der Sozialpädagogik in der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus, der Nachkriegszeit – einschließlich eines Exkurses zur DDR – bis hin zum Sozialen Wandel (Wertewandel) des Jahres 2009. In der Abteilung Vergleichendes wird die Soziale Arbeit in drei bewusst ausgewählten Gesellschaften vorgestellt. Es handelt sich dabei um Griechenland, die Türkei und Russland.

Das vierte Kapitel ist der Praxis vorbehalten. Im Hinblick auf die wohl begrenzte Seitenzahl wird hier sehr viel sehr knapp abgehandelt. Eröffnet wird das Kapitel durch eine Abteilung Konventionen und Gesetze, in der – jeweils auf wenigen Seiten – auf das Grundgesetz, das Sozialgesetzbuch, das Jugendgerichtsgesetz und das Jugendstrafrecht eingegangen wird. Abgerundet wird diese Abteilung durch eine kurze Darstellung von neuen Akkreditierungsrichtlinien nach den Vorgaben des Bologna-Prozesses im Hinblick auf die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der Sozialpädagogik. Es folgt die Abteilung Organisationen, Institutionen und Arbeitsfeldern. Hier werden die Jugendverbände, die Wohlfahrtsverbände, das Jugendamt, das Sozialamt sowie die Arbeitsfelder Gesundheitsförderung, berufliche Rehabilitation und gesetzliche Betreuung vorgestellt. Vier Handlungskonzepte schließen sich an: Leitbild, Partizipation, Empowerment und Selbsthilfe sowie Case Management. In der Abteilung Kompetenzen und Methoden werden drei Modalitäten abgehandelt, nämlich erstens die Modalität Erziehen, Beraten und Unterstützen, zweitens Unterrichten, Informieren und Wissen vernetzen sowie drittens die Modalität Planen, Organisieren und Verwalten.

Abschließend wird in einem sehr kurzen fünften Kapitel Abschließendes und Perspektivisches ein kritisches Ausblick auf die Ausgangslage und Auftragslage der Sozialpädagogik zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegeben. Ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis, ein Stichwortverzeichnis sowie ein Namensregister runden das Handbuch ab.

Zielgruppen

Das Handbuch Sozialpädagogik richtet sich vordringlich an Fachkräfte und Studierende der Sozialen Arbeit. Fachkräfte aus Nachbardisziplinen und interessierte Laien können aber ebenfalls von diesem Werk profitieren.

Fazit

Das Werk stellt eine Möglichkeit für alle dar, die sich beruflich oder in Ausbildung befindlich mit Fragen der Sozialen Arbeit beschäftigen. Es ist gründlich durchdacht und strukturiert. Ebenso ist es durchgängig lesbar geschrieben. Ein Problem stellt das Verhältnis von inhaltlichem Umfang und Seitenumfang dar. In dem großen Versuch, möglichst viele Dimensionen der Sozialpädagogik darzustellen, musste wohl öfters eine Begrenzung des Raums akzeptiert werden, weshalb manche Aspekte sehr knapp und ohne wünschenswerte Vertiefung abgehandelt werden. Hier wäre sinnvoll, dass bei einer nächsten Auflage Prioritäten gesetzt werden. Wenn die angelegte Breite der Argumentation erhalten werden soll, dann benötigt das Werk einen höheren Seitenumfang, um der Gefahr zu entgehen, zu verkürzt oder oberflächlich zu argumentieren.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 01.02.2010 zu: Hansjosef Buchkremer (Hrsg.): Handbuch Sozialpädagogik. Ein Leitfaden in der sozialen Arbeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Darmstadt) 2009. ISBN 978-3-534-21993-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8603.php, Datum des Zugriffs 10.07.2020.


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