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Dan Roam: Auf der Serviette erklärt

Rezensiert von Andreas Ploog, 03.11.2009

Cover Dan Roam: Auf der Serviette erklärt ISBN 978-3-86881-016-5

Dan Roam: Auf der Serviette erklärt. Probleme lösen und Ideen verkaufen mithilfe von Bildern. Redline Verlag (München) 2009. 334 Seiten. ISBN 978-3-86881-016-5. 19,90 EUR. CH: 35,90 sFr.
Originaltitel: The back of the napkin
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Thema

Auf den ersten Blick ist der besprochene Titel nicht so leicht dem Sozialwesen zuzuordnen. Es geht um überzeugende Präsentationen, visuelles Denken und Geschäftsideen. Doch wenn man genauer hinschaut, ist auch dies ein Teilbereich des Sozialwesens. Absolventen und Mitarbeitende im Sozialwesen müssen häufig Ideen kommunizieren, Projekte präsentieren oder Schulungen durchführen. Für diesen Ausschnitt des Sozialwesens bietet Dan Roams Ansatz, den er in seinem Buch „Auf der Serviette erklärt“ entwickelt, viele wertvolle Anregungen und Ideen.

Autor

Dan Roam ist Präsident und Gründer der nach ihm benannten Beratungsfirma Digital Roam Inc. Zu seinen Kunden zählen namenhafte Unternehmen wie etwa Google, ebay, Wells Fargo oder Peet´s Coffee and Tea oder die amerikanische Regierung. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen für seine Ideen bekommen, 2009 etwa die Auszeichnung des Unternehmens „slideshare“ für die beste Powerpoint-Präsentation. Anfang der 1990er Jahre leitete er eine Agentur für Marketingkommunikation in Russland, ohne die Landessprache zu beherrschen. Deswegen war Dan Roam gezwungen, alternative nonverbale Kommunikationsmöglichkeiten zu suchen.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist aus der beruflichen Praxis heraus entstanden. Alle vorgestellten Beispiele wurden von Dan Roam ausprobiert und kontinuierlich verfeinert. Erklärtes Ziel des Autors ist es, einen allgemein anerkannten Ansatz des visuellen Denkens und Problemlösen für alle möglichen Geschäftsvorfälle zu entwickeln.

Aufbau

Das Buch ist von der Form her einer Serviette nachempfunden und rund 330 Seiten stark. Es gliedert sich in vier Teile plus Anhang:

  1. Einführung,
  2. Ideen finden,
  3. Ideen entwickeln,
  4. Verkaufsideen.
Der Anhang besteht aus kurzen Abhandlungen über die „Wissenschaft des visuellen Denkens“, „Hilfsmitteln des visuellen Denkens“ (Softwareempfehlungen) sowie Literaturhinweisen. Im Buch finden sich mehr als zweihundert Abbildungen und Zeichnungen, die die vorgestellte Methode untermauern und nachvollziehbar machen. Die einzelnen Inhalte sind hervorragend strukturiert, didaktisch ist das Buch sehr gut aufgebaut.

Inhalt

In der Einführung definiert Dan Roam zunächst „visuelles Denken“ und legt das Ziel seines Buches fest: „Visuelles Denken heißt, Ihr inneres Sehvermögen zu nutzen – sowohl mit den Augen als auch mit Ihrer Vorstellungskraft -, um Ideen zu entdecken, die sonst unsichtbar sind, diese Ideen schnell und intuitiv zu entwickeln und sie anderen dann so zu vermitteln, dass diese sie leicht begreifen.“

Es folgt eine kleine Geschichte aus dem Arbeitsleben des Autors, die den erfolgreichen Einsatz seiner Methode belegt und die Idee zum Buch gewesen ist. Dan Roam springt für einen Kollegen ein, um eine Präsentation vor Bildungsfachleuten an der Sheffield University durchzuführen. Grundlage seiner Präsentation ist keine aufwendig gestaltete Powerpoint-Präsentation, sondern ein paar Skizzen auf Servietten der Britischen Eisenbahn. Noch ein Praxisbeispiel, dann kann der Leser zunächst einmal in einem Selbsttest herausfinden, was für eine visueller Denker er ist. Roam unterscheidet drei Typen, die nach Stiftfarben unterschieden werden. Der Typ „Schwarzer Stift“, der gleich drauf los zeichnet, der Typ „Gelber Stift“, der vorgibt nicht gern zu zeichnen, aber bereitwillig die Zeichnungen anderer kommentiert oder ergänzt sowie der „Rote Stift“, der behauptet, kein visueller Typ zu sein. Wichtigste Erkenntnis des Kapitels jedoch ist, jeder verfügt über ausbaufähige Fähigkeiten des visuellen Denkens, unabhängig von der individuellen Stiftfarbe.

Im zweiten Teil „Ideen finden“ schreibt Roam über Werkzeuge und Regeln für gutes visuelles Denken. Verbessertes wahrnehmen, genaues beobachten und weiterdenken sind der Schlüssel zum Erfolg. Anschaulich führt der Autor in sein Konzept der 6 W´s ein. Wer/Was, Wie viel, Wo, Wann, Wie, Warum sind die zentralen Aspekte der Wahrnehmung und des visuellen Denkens. Dazu serviert Roam seine Arbeitstechnik „SQVID“. Ein Akronym das die fünf zentralen Fragen der Vermittlung repräsentiert: S für simple, anstatt ausführlich, Q für Qualität statt Quantität, V für Vision statt Durchführung, I für individuelle Merkmale statt Vergleich, D für Delta – dem griechischem Symbol für Wandel – anstatt status quo. Angereichert ist alles mit praktischen Beispielen und kleinen Übungen für den Leser.

Im folgenden Teil „Ideen entwickeln“ zeigt Roam eindrucksvoll, wie visuelles Denken praktisch funktioniert. Für jeden Stifttyp – schwarz, gelb, rot – zeigt er an ein, zwei Arbeitsproben visuelles Denken im Praxisprozess.

Am Beispiel einer fiktiven Buchhaltungssoftwarefirma wird der gesamte Prozess des visuellen Denkens noch einmal nachvollzogen. Die sechs Unterkapitel sind entsprechend der 6 W´s gegliedert. Die Fallstudie dient gleichzeitig als Beispiel für die Vorbereitung einer Präsentation, um die Marktstellung und Position des fiktiven Softwareunternehmens zu stärken. Das Kapitel ist voller inspirierenden Zeichnungen.

Im letzten Teil „Verkaufsideen“ werden die zwei zentralen Fragen „Wie kann man ein Bild am effektivsten vermitteln? “ und „Muss ein gutes Bild immer selbsterklärend sein? “ beantwortet. Laut sehen, laut betrachten, laut vorstellen und laut zeigen sind die Lösung für gelungene Präsentation, die Dan Roam anhand eines eigenen Erlebnisses erläutert. Die zweite Frage beantwortet am besten der Schlusssatz des fünfzehnten Kapitels: „Wir zeigen kein erkenntnisreiches Bild, weil es tausend Worte erspart; wir zeigen es, weil es genau die tausend Wörter auslöst, auf die es ankommt. “

Im Schlusskapitel zeigt Dan Roam noch einmal seine Methode visuellen Denkens anhand eines Schweizer-Taschenmessers auf. Verbunden mit dem Wunsch, dass jeder die soeben vorgestellte Methode weitergeben möge.

Diskussion

Mir gefällt das Buch sehr gut. Es ist sehr angenehm zu lesen, fast unterhaltsam, und mit zahlreichen Illustrationen gespickt. Die Einsatzmöglichkeiten der visuellen Denkschule Roams sind sehr vielseitig und sicherlich nicht nur auf das Management beschränkt. Die zahlreichen Beispiel entstammen zwar der Welt des Managements, aber mit ein bisschen Fantasie lassen sich die Ideen auch in andere Bereiche wie etwa Schulen, Bildungseinrichtungen oder Universitäten übertragen. Auch im Einzelcoaching kann es durchaus sinnvoll und zielführend sein auf die Anregungen und Tipps Dan Roams zurückzugreifen.

Die etwas reißerische Aufmachung in Form einer Serviette mit den entsprechenden haptischen Elementen wirkt auf den ersten Blick auf den kritischen Betrachter eher unseriös. Die Inhalte sind es jedoch auf keinen Fall. Die große Stärke des Buches ist, dass es eine leicht nachvollziehbare Methode vermittelt, um aus Fakten aussagekräftige Bilder zu erzeugen.

Fazit

Dan Roam liefert praktische Tipps und Anregungen, wie man mittels visuellen Denkens Probleme strukturiert, Lösungen erarbeitet und präsentiert. Schon in den 70er Jahren wurde etwa die berühmt gewordene Laffer-Kurve des gleichnamigen Ökonomen Arthur B. Laffer, auf einer Serviette entworfen und vorgestellt. Die Gedanken und Ideen Roams sind nicht unbedingt neu, den Anspruch erhebt er auch gar nicht. Sie sind jedoch ausnahmslos gut nachvollziehbar dargestellt und, das ist das Wichtige: umsetzbar.

Für alle, die Anregungen und Tipps für einen gezielten und wirkungsvollen Einsatz illustrierender Elemente in Präsentationen suchen, ein sehr nützliches Büchlein.

Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Es gibt 29 Rezensionen von Andreas Ploog.

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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 03.11.2009 zu: Dan Roam: Auf der Serviette erklärt. Probleme lösen und Ideen verkaufen mithilfe von Bildern. Redline Verlag (München) 2009. ISBN 978-3-86881-016-5. Originaltitel: The back of the napkin. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8650.php, Datum des Zugriffs 20.05.2022.


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