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Stefan Fleuth: Supervision und Coaching (individualpädagogische Jugendhilfe)

Cover Stefan Fleuth: Supervision und Coaching in der individualpädagogischen Jugendhilfe. Aussagen zur Wirksamkeit dieser Beratungsmethode in der Jugendhilfe. Diplomica Verlag (Hamburg) 2008. 89 Seiten. ISBN 978-3-8366-6882-8. D: 38,00 EUR, A: 38,00 EUR.
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Entstehungshintergrund und Thema

Das vorliegende Buch erscheint als veröffentliche Masterarbeit. Der Autor beschäftigt sich im Rahmen seiner Masterarbeit mit dem Nutzen von Supervision für die Supervisanden im Bereich der individualpädagogischen Jugendhilfe. Durch seine Forschung will er den Nutzen von Supervision wissenschaftlich untersuchen. Dabei versucht er Rückschlüsse auf die Wirksamkeit dieser Beratungsform zu ziehen.

Aufbau und Inhalte

Das Buch ist übersichtlich in sieben Kapitel gegliedert.

Nach der Einleitung geht der Autor auf das Arbeitsfeld Jugendhilfe ein und die Anwendung von Supervision in demselben. Dann beschreibt er die Geschichte von Supervision und die unterschiedlichen Settings in der Supervision (Einzel-, Team- und Gruppensupervision). Dann grenzt er die Begriffe Coaching und Supervision voneinander ab. Dabei orientiert er sich stets an den neusten Veröffentlichungen. Auf zwei Seiten werden dann die aktuelleren Erkenntnisse im Bereich der Wirksamkeitsforschung dargestellt. Es wird deutlich, dass die Beziehung zwischen dem Supervisanden und dem Supervisor eine wichtige Bedeutung für die Wirksamkeit dieses Beratungsansatzes hat.

Die Beschreibung des Forschungsdesign schließt sich an. Die entwickelte Forschungsfrage lautet: „Welche Erfahrungen haben freie Mitarbeiter aus dem Bereich der individualpädagogischen Jugendhilfe mit Supervision als Einführungsbegleitung gesammelt?“ (S.23). Die folgenden Seiten beschreiben ausführlich die Entwicklung des Forschungsdesigns. Der Autor wählt den qualitativen Forschungsansatz, um so den notwendigen Spielraum für die gemachten Erfahrungen mit Supervision bei den Probanden zu gewährleisten. Folgende Schwerpunkte werden genauer unter die Lupe genommen: Auswahlkriterien für die qualitative Erhebung, Auswahl der Interviewform, Gestaltung und Entwicklung des Leitfadens, Durchführung der Interviews, Transkription der Interviews und Analyse der Daten. Der Autor führt insgesamt vier problemzentrierte Interviews durch. Dabei stützt er sich auf einen Interviewleitfaden mit insgesamt 14 Fragen:

  1. Was beschäftigt dich in deiner Tätigkeit als Betreuer besonders?
  2. Welche Erfahrungen hast du mit Supervision oder Coaching gemacht?
  3. In welchen Konstellationen / Settings nutzt du Supervision (intern/extern oder Einzel, -Team, - Gruppe)?
  4. In welchen Phasen deiner Fallbetreuung hast du Supervision in Anspruch genommen?
  5. Welche Themenbereiche werden mit welcher Erwartungshaltung in der Supervision besprochen?
  6. Was schätzt du besonders an der Beratungsmethode Supervision?
  7. Welchen Nutzen / welche Handlungsmöglichkeiten konntest du für deine praktische Arbeit mitnehmen?
  8. Woran können die Menschen mit denen du arbeitest bemerken, dass du Supervision in Anspruch genommen hast?
  9. Was wäre deiner Meinung nach passiert, wenn du keine Supervision in Anspruch genommen hättest?
  10. Welche Nachteile könnte es konkret für dich haben, wenn du zukünftig keine Supervision mehr als Einführungsbegleitung bei der Fallübernahme in Anspruch nimmst?
  11. In welcher Regelmäßigkeit nimmst du Supervision in Anspruch?
  12. Wie bewerten es deine Auftraggeber und Kollegen, dass du Supervision in Anspruch genommen hast?
  13. Wer bezahlt die Supervisionssitzungen?
  14. Nach welchen Kriterien hast du den Supervisor, die Supervisorin ausgewählt?

Die Antworten auf diese Fragen werden transkribiert und dann ausgewertet. (S. 31 – 32)

Unter dem Punkt „Darstellung der Untersuchungsergebnisse“ konzentriert sich der Autor auf die Bereiche:

  • Supervisionsformen,
  • Rahmenbedingungen,
  • Einstellung zur Supervision,
  • Funktionen von Supervision,
  • Themen in der Supervision und
  • Auswirkungen von Supervision.

Insgesamt wird deutlich, dass alle Befragten Supervision überwiegend als hilfreich und nützlich erlebt haben. Es gab nur wenig negative Erfahrungen. Als wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Supervision wird ein notwendiges Vertrauensverhältnis zum Supervisor beschrieben. Dabei hat auch die Unabhängigkeit des Supervisors für die Supervisanden eine Wichtigkeit. Ebenso scheint die Professionalität, auch im Sinne einer qualifizierten Ausbildung des Supervisors, eine bedeutende Rolle zu spielen. Der konkrete direkte und unmittelbare Mehrwert von Supervision wird jedoch bei den einzelnen Interviews nur im Ansatz deutlich. An einer Stelle wird z.B. davon gesprochen, dass die Begleitung von Supervision zum Erhalt der eigenen Arbeitsfähigkeit beiträgt und damit auch einen Nutzen für die Klienten hat.

Es folgt das zentrale Kapitel über die Zusammenfassung und Gegenüberstellung der Untersuchungsergebnisse und schließt mit Schlussbetrachtung. Wichtig ist zu erwähnen, dass die Interviews zeigen, dass Supervision im Arbeitsfeld der Jugendhilfe einen guten Ruf genießt und als akzeptierte Beratungsform anerkannt ist. Dies gilt sowohl für die Supervisanden, als auch für die Auftraggeber von Supervision, die auch i.d.R. die Kosten für diese Beratungsleistung übernehmen. Dabei wird deutlich, dass vor allem die Einzelsupervision als sehr wichtig und gewinnbringend erlebt wird. Hier kann besonders individuell auf die Fragestellungen und Problemlösungen des Einzelsupervisanden eingegangen werden.

Zielgruppe

Zielgruppe sind meines Erachtens Supervisoren und Coaches, jedoch auch Leitungen von Einrichtungen im Bereich der Sozialen Arbeit, die sich mit der Frage des Mehrwerts von Supervision beschäftigen wollen. Welche neuen Erkenntnisse sie tatsächlich erhalten bleibt für mich jedoch nicht eindeutig erkennbar.

Diskussion

Nach meiner Einschätzung ist das Buch nur bedingt nützlich. Ich selbst hatte mir gerade auch wegen dem Untertitel: „Aussagen zur Wirksamkeit dieser Beratungsmethode in der Jugendhilfe“ wesentlich mehr versprochen. Wieso spricht der Autor von „dieser Beratungsmethode“, wenn er mit den Begriffen „Supervision“ und „Coaching“ hantiert. Ist doch gerade in der Abgrenzung der Begriffe bzw. der konkreten Beratungsmethode eine hitzige Diskussion in der Fachöffentlichkeit im Gange. Dies spiegelt sich auch in den Interviewfragen wieder, da sich nur vier auf die Frage der Wirksamkeit der Beratungsmethode beziehen. Hier wäre aus meiner Sicht durchaus eine Vertiefung und Ausweitung sinnvoll gewesen.

Wenn im Text Aussagen der Interviewten zur Wirksamkeit besprochen werden, bleiben sie für mich zum Teil unkonkret und nicht im Detail benannt. Über den verwendeten Forschungsansatz kann ich keine Aussage machen und bin mir unsicher, ob hier eine genauere Nachfrage im Interview nicht notwendig gewesen wäre, um sich der Wirksamkeit von Supervision, noch intensiver nähern zu können. Für mich als Leser hätte dies eine wichtige Bedeutung gehabt und sicherlich zu neueren Einsichten geführt.

Außerdem finde ich irreführend, dass im Titel von Supervision und Coaching gesprochen wird. In der Umsetzung wird dann fast nur von Supervision gesprochen. Auch sind für mich die Beratungsformen nicht eindeutig voneinander abgegrenzt. An einer späteren Stelle wird auch noch Kollegiale Beratung und Ausbildungsbegleitung gesprochen und diese Beratungsformen mit Supervision „in einen Topf geworfen.“ Aus Sicht des Autors mag dies aufgrund der geringen Interviewzahl erklärbar sein.

Durch die Arbeit wird deutlich, dass Supervision für die Supervisanden einen wichtigen Nutzen und eine zentrale Bedeutung hat. Sie wird durchweg als für die eigene Professionalisierung und damit auch hilfreich für die Arbeit mit den Klienten beschrieben.

Der Autor schreibt im letzten Kapitel „Schlussbetrachtung“ im letzten Absatz: „Eine Wirksamkeitsüberprüfung von Supervision oder Coaching für die Supervisanden oder Klienten wird damit nicht aufgezeigt. Weitere Untersuchungen in diesem Arbeitsfeld könnten dem gerecht werden. Die gewonnen Erkenntnisse können, als Anregung für die Entwicklung entsprechender Supervisionsangebote zur Erhaltung und Steigerung der Arbeitsqualität in der Jugendhilfe, genutzt werden. Für Auftraggeber und Betreuer in diesem Arbeitsfeld können sie als Anregung oder Argument für eine zukünftige Beauftragung und Nutzung sein“.

Ich denke hier konstatiert der Autor selbst, dass der Untertitel seiner Magisterarbeit auch ein wenig der Absicht geschuldet ist, Leser neugierig zu machen und dies ist sicher legitim. Nur muss er dann auch damit rechnen, dass sich autonome Leser etwas mehr erwarten.

Fazit

Ich denke der Autor wollte sich einer wichtigen und bisher sehr stiefmütterlichen behandelten Frage widmen und hat von daher eine gute Absicht verfolgt. Wissenschaftlich kann ich das gewählte Forschungsdesign nicht beurteilen und damit auch nicht die Rückkoppelungen zwischen Forschungsfrage, Interview und Auswertbarkeit. Die Arbeit bestätigt eindeutig, dass für die interviewten Sozialarbeiter die Supervision einen Nutzen hat, der nach ihrer Einschätzung auch den Klienten direkt zu Gute kommt.


Rezensent
Dipl. Soz.-Arb. Bertram Kasper
Dipl. Supervisor und Supervisor (DGSv), Krisen- und Business Coach, Coaching- und Trainerausbilder, profilingvalues® Partner
www.gisa-marburg.de
Homepage www.focus-fuehren.de
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Zitiervorschlag
Bertram Kasper. Rezension vom 29.01.2010 zu: Stefan Fleuth: Supervision und Coaching in der individualpädagogischen Jugendhilfe. Aussagen zur Wirksamkeit dieser Beratungsmethode in der Jugendhilfe. Diplomica Verlag (Hamburg) 2008. ISBN 978-3-8366-6882-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8661.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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