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Christine von Reibnitz (Hrsg.): Case Management

Cover Christine von Reibnitz (Hrsg.): Case Management. Praktisch und effizient. Springer (Berlin) 2009. 181 Seiten. ISBN 978-3-642-01316-4. 34,95 EUR, CH: 54,50 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-662-47154-8 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Das Buch fokussiert Case Management im Kontext des Gesundheitswesens insbesondere im Bereich Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Diese thematische Einschränkung lässt sich aus dem Titel allein nicht erkennen.

Herausgeberin sowie Autorinnen und Autoren

Die Herausgeberin, Dr. Christine von Reibnitz ist Expertin für Case Management, Unternehmensberaterin für Einrichtungen im Gesundheitswesen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten in Deutschland. Dieser Hintergrund ermöglicht ihr einen breiten Blick auf das Case Management, sowohl in Bezug auf die strategische wie auf die operative Ebene. Sie greift auf Kenntnisse von 13 Autorinnen und Autoren zurück: Dr. med. Jochen Baierlein, Patrick Da-Cruz, Carsten Hampel-Kalthoff, Anke Hessler, Cordula Lober, Susanne Messen, Marita Neumann, Gerda Nussbaumer, Dr. Christiane Schilling, MScN Frank Schümmelfeder, Philipp Schwegel, Gela Spöthe und Iris Zota-Gebel

Entstehungshintergrund

Die Herausgeberin bezieht sich auf die Gesundheitsreform 2008. Die Notwendigkeit von Case Management resultiere aus der zunehmenden Komplexität der Versorgung chronisch Kranker und der Komplexität der Versorgungsstrukturen im deutschen Gesundheitswesen. Dr. Christine von Reibnitz möchte mit diesem Buch „Anforderungen an eine fallorientierte Pflege im Sinne von Case Management aufzeigen und die Implementierung von Case Management skizzieren“. Es geht ihr nicht um ein umfassendes Werk zu Case Management, sondern um ein praxisnahes Werk für den Bereich der Pflege, insbesondere in Pflegeeinrichtungen.

Aufbau

  1. Das Buch ist systematisch aufgebaut und beginnt im 1. Teil mit Grundlagen, Ansätzen, Methoden für die Pflege und positioniert Case Management im Pflegekontext.
  2. Im 2. Teil wird der Regelkreis des Case Managements von Assessment bis Evaluation detailliert beschrieben.
  3. Im 3. Teil werden ausgewählte Fragestellungen, wie z. B. die IT-Anbindung, Fallbeispiele und das Lernen aus Fehlern behandelt.

Inhalt

Der erste Teil behandelt die historische Entwicklung der Pflege als Beruf. Ein umfassendes Selbstverständnis professioneller Pflege wird skizziert. Case Management wird im Verhältnis zu einer theoriebasierten Pflege verortet. Dabei wird deutlich gemacht, dass unterschiedliche Pflegetheorien, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, geeignete Grundlagen für Case Management bieten. Eine Auswahl von Pflegetheorien, die für das Case Management relevant erscheinen, sind zusammengefasst dargestellt. Die Aufgaben, die Arbeitsprinzipien und der erwartete Nutzen des Case Managements im Pflegebereich und die für diese Funktion notwendigen Qualifikationen werden ausführlich beschrieben.

Im zweiten, umfassendsten Teil wird der Regelkreis des Case Managements behandelt: Assessmentverfahren, interdisziplinäre Versorgung, Implementierung von Versorgungsplänen, Monitoring und Evaluation, Projektmanagement und organisatorische Voraussetzungen für die Einführung von Case Management im Krankenhaus. Der Beitrag zum Assessmentverfahren macht deutlich, welche Fragestellungen und Gesichtspunkte im pflegeorientierten Case Management zu beleuchten sind. Bestehende und erprobte Assessmentinstrumente werden aufgelistet. Ein Abschnitt ist der interdisziplinären Versorgung gewidmet. Besonders hervorgehoben werden die Anforderungen an eine gemeinsame Haltung, z. B. die Orientierung an einem Konzept des Empowerments und die Qualität von Kommunikation und Kooperation. Hier sind auch praktische Hinweise für die Umsetzung zu finden. Die Bedeutung interdisziplinärer Behandlungspfade wird betont. Auch Ausführungen zur Wirkungsorientierung und zur wirtschaftlichen Bedeutung von Case Management fehlen nicht. Der Beitrag zum Thema Evaluation beinhaltet Zielsetzungen dieses häufig vernachlässigten Prozessschrittes und bietet praktische Empfehlungen und Methoden. Da Case Management nicht einfach eine individuell anzuwendende Methode ist, sondern ein Handlungsansatz, der in der Institution verankert sein muss, wird auch das Thema Projektmanagement behandelt. Einführung von Case Management ist ein Projekt und braucht die dafür erforderlichen Strukturen und Ressourcen. Und schliesslich kann Case Management im Krankenhaus nur gelingen, wenn die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Strukturen geschaffen werden.

Im dritten Teil des Buches sind ausgewählte Fragestellungen und illustrierende Fallbeispiele aufgegriffen. Insbesondere wird die Verknüpfung von Case Management und IT-Technologie dargestellt. Case Management ist in das KIS-System eines Krankenhauses zu integrieren. Es braucht in der Praxis IT-gestützte Formulare. In diesem dritten Teil wird auch die Bedeutung von Beratungskompetenz im Case Management betont. Ausgewählte, wichtige Prinzipien von Beratung sind ganz kurz zusammengefasst. Ein Beitrag wird den möglichen Fehlerquellen und Hürden in der Durchführung und in der institutionellen Implementierung von Case Management gewidmet. Besondere Beachtung wird der notwendigen Verbindung von Case Management und standardisierter Überleitung zuteil. Damit wird deutlich, dass Case Management ein wichtiger jedoch nicht isoliert zu sehender Handlungsansatz im Dienste der Verkürzung von Aufenthaltsdauer in Kliniken und Pflegeeinrichtung ist. So bleibt bis zum letzten Kapitel der Blick auf Case Management im Pflege- insbesondere Klinikbereich im Zentrum.

Diskussion

Da manche Kapitel und Abschnitte von einzelnen Autorinnen resp. Autoren geschrieben sind, die eine in sich geschlossene Aussage machen, können einzelne Beiträge gelesen oder auch als Lehrtexte verwendet werden. Und gleichwohl ist eine eindrücklich gute Integration erreicht worden. Die Absicht, wichtige Merkpunkte hervorzuheben und Inhalte möglichst auch in Tabellen oder Abbildungen übersichtlich darzustellen, wird konsequent verfolgt, so dass das Buch wie „aus einem Guss“ erscheint. Nicht vermeiden liessen sich offensichtlich gewisse Redundanzen als Preis dafür, dass die Beiträge auch einzeln vollständig sind und Sinn machen. So wirkt es verwirrend, wenn beispielsweise unter dem Titel „Assessmentverfahren“ praktisch der ganze Regelkreis des Case Managements abgehandelt wird. Dies entspricht zwar der Notwendigkeit, während des gesamten Case Management-Prozesses das Assessment weiterzuführen, doch es dient nicht der Verdeutlichung des systematischen Arbeitens in den Phasen des Regelkreises.

Die Betonung liegt, wie im Untertitel angekündigt, auf den Qualitäten „praktisch und effizient“. So findet man in diesem Buch eine Vielzahl praktischer Anleitungen, die ermutigend wirken. Was hingegen fehlt, ist die Auseinandersetzung mit den Umsetzungsschwierigkeiten. Das Verfahren der Fall- und die Anforderungen an die Systemsteuerung erscheinen als technisch machbar, wenn man es nur richtig angeht. Auch die kurzen Darstellungen zu Projektmanagement oder zu Beratungskompetenzen versprechen eine Leichtigkeit, die sich in der Praxis nicht ohne weiteres einlösen lässt. Mit dem letzten Kapitel wird die Balance etwas hergestellt. Die Darstellung häufiger Fallstricke und Hindernisse ist sehr hilfreich.

Fazit

Die Lektüre dieses Buches empfiehlt sich für alle, die Case Management im Kontext von Pflege, insbesondere von Pflegeeinrichtungen praktizieren oder mit der Entwicklung fachlicher Konzepte oder der Gestaltung von Organisationsstrukturen und Abläufen in Kliniken betraut sind. Alle wichtigen Fragestellungen sind angesprochen. Interessant ist auch die Verbindung mit der Entwicklung des beruflichen Selbstverständnisses der Pflege. Manche Beiträge eignen sich für Unterrichtszwecke. Etwas wenig Raum wird den Grenzen, Widersprüchen und Hindernissen geboten, die die Einführung von Case Management fast immer begleiten und zu einer grossen Herausforderung machen. Dafür wirkt das Buch mit seinen vielen praktischen Empfehlungen sehr ermutigend.


Rezension von
Prof. Yvonne Hofstetter Rogger
Dozentin BFH Mediatorin SDM Mitherausgeberin und Redaktionskoordinatorin "Perspektive Mediation"
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Zitiervorschlag
Yvonne Hofstetter Rogger. Rezension vom 31.05.2010 zu: Christine von Reibnitz (Hrsg.): Case Management. Praktisch und effizient. Springer (Berlin) 2009. ISBN 978-3-642-01316-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8734.php, Datum des Zugriffs 24.09.2020.


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