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Stiftung Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen für Wohlfahrtspflege (Hrsg.): Demenzkranke Patienten im Krankenhaus

Cover Stiftung Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen für Wohlfahrtspflege (Hrsg.): Demenzkranke Patienten im Krankenhaus. Ein Praxishandbuch für Mitarbeiter in der Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2009. 81 Seiten. ISBN 978-3-89993-225-6. D: 59,90 EUR, A: 61,60 EUR.

Reihe: Pflege. Plus CD Rom.
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Herausgeber

Die Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein- Westfalen gibt dieses Praxishandbuch heraus. Sie engagiert sich bereits seit 30 Jahren für die Verbesserung der Lebenssituation behinderter und alter Menschen, sowie benachteiligter Kinder. Ein Förderschwerpunkt der Jahre 2003 bis 2006 lag auf der Unterstützung von Projekten zur Verbesserung der Lebens- und Versorgungssituation von Menschen mit Demenz.

Am Inhalt des Bandes haben fünf Autoren mitgearbeitet. Alle waren aktiv in einem Projekt der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW beteiligt. Vier der Autoren sind examinierte Pflegefachkräfte mit verschiedenen Fort- und Weiterbildungen. Eine Autorin ist Organisationssoziologin und beruflich mit dem Thema Demenz beschäftigt.

Die einzelnen Beiträge werden keinem der Autoren zugeordnet. Die Verfasser treten als Autorenkollektiv auf. In jedem Kapitel finden sich Hinweise zu Projektkrankenhäusern, in denen die jeweiligen Vorschläge bereits in die Praxis umgesetzt sind.

Entstehungshintergrund

Die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW stellt in diesem Handbuch Ergebnisse aus der Arbeit im Projekt „Verbesserung der Versorgung von demenzkranken älteren Menschen im Krankenhaus“ vor.

Aufgrund der aktuellen demografischen Situation und der immer stärker werdenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens entstehen Missverhältnisse in der Versorgung demenzkranker Menschen. Besonders deutlich treten diese in Krankenhäusern mit ihren Ablauf orientierten Organisationsstrukturen zu Tage. Mitarbeiter in Krankenhäusern verfügen häufig nur über wenig Wissen im Umgang mit demenzkranken Patienten. Die Einsicht, dass diese Patientengruppe in Zukunft immer häufiger Behandlung in Krankenhäusern benötigen wird, hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt. An dieser Stelle greift dieses Handbuch ein und will den Praktikern vor Ort kurze und prägnante Empfehlungen für den Umgang mit demenzkranken Patienten geben.

Aufbau

Dem Inhalt sind zwei Vorworte sowie eine Danksagung vorangestellt.

Diesen Texten folgt eine mehrseitige Gebrauchsanweisung des Handbuches, darin ist eine Erläuterung zur beiliegenden CD eingefügt.

Die nächsten sieben Abschnitte sind der praktischen Arbeit im Krankenhaus gewidmet und beschäftigen sich mit verschiedenen Blickwinkeln der Behandlung von demenzkranken Menschen in Akutkrankenhäusern. Dabei ist ein Thema jeweils übersichtlich auf einer A4-Seite in Tabellenform bearbeitet. Zu jedem Thema wird auf konkrete Praxisbeispiele und Dokumente aus den Projektkrankenhäusern verwiesen, welche auf der beiliegenden CD angeschaut und benutzt werden können.

  1. Planung, Dokumentation und qualitätssichernde Maßnahmen in der Pflege
  2. Allgemeines pflegerisches Handeln
  3. Milieugestaltung
  4. Sicherheit und rechtliche Fragen
  5. Herausforderndes Verhalten
  6. Diagnostik und Therapie
  7. Schwerpunktbereiche – Ein Ausblick

Abschließend komplettiert ein Literaturverzeichnis und ein Register das Buch.

Inhalt

Das Handbuch - eine Gebrauchsanweisung

Die Idee dem Buch eine Gebrauchsanweisung voran zustellen ist sinnvoll, da sich das Buch als lernendes System begreift, welches angepasst und erweitert werden soll.

Dem Buch ist eine CD-Rom beigelegt, zu deren Nutzung eine kleine Einführung sowie kurze technische Hinweise gegeben werden.

Menschen mit Demenz im Krankenhaus – Eine Einführung in das Thema

Dieser Abschnitt beleuchtet kurz und knapp die demographischen Hintergründe des Themas. In einer Übersicht werden die größten Herausforderungen für einen Krankenhausaufenthalt Demenzkranker vorgestellt.

1. Planung, Dokumentation und qualitätssichernde Maßnahmen in der Pflege

Das erste Kapitel befasst sich jeweils auf einer Seite mit Themen die weitestgehend dem Qualitätsmanagement zugeordnet werden können. So werden die „demenzgerechte“ Krankenhausaufnahme eines Patienten sowie die Pflegeanamnese als Instrumente vorgestellt. Das Pflegesystem Primary Nursing findet genauso Beachtung wie die klassischen Instrumente der Qualitätssicherung: Pflegevisite, Fallbesprechung. Fachberatung.

Ergänzend finden sich Informationen zur gezielten Fortbildung, dem Entlassungsmanagement sowie Kooperationen mit externen Pflegeeinrichtungen.

2. Allgemeines pflegerisches Handeln und Interventionen

Im zweiten Teil des Bandes werden pflegerische Handlungen sowie Pflegeinterventionen besprochen. Dies geschieht, wie bereits im ersten Teil, auf jeweils einer A4-Seite.

Die Themen reichen von allgemeiner Kommunikation bis zu speziellen Kommunikationsform der Validation. Den besonderen Bedürfnissen Demenzkranker bei Pflegeinterventionen wie Hilfen bei Ernährung, Körperpflege und Kontinenztraining werden prägnant dargestellt. Ergänzt wird dieser Teil des Bandes durch Texte und Dokumente zur Anwendung komplementärer Therapieformen wie Rhythmische Einreibungen, Aromapflege, Kinästhetik und Seelsorge bei an Demenz erkrankten Patienten.

3. Milieugestaltung

Das dritte Kapitel des Hefters befasst sich mit dem wichtigen Thema Milieugestaltung. Nach einer kurzen Einführung zum Thema wird auf zeitliche und räumliche Orientierungshilfen eingegangen. Persönliche Orientierungshilfen werden ebenso besprochen wie tagesstrukturierende Angebote.

In diesem Teil wird auf zwei Seiten die Rolle der Angehörigen bei der Milieugestaltung im Krankenhaus thematisiert.

4. Sicherheit und rechtliche Fragen

Das Themengebiet Sicherheit und rechtliche Fragen wird auf fünf Seiten untersucht. Es finden sich zu Beginn kleinere, praktische Tipps zur sicheren Gestaltung des Umfeldes der Patienten.

Jeweils eine A4-Seite befasst sich mit Desorientiertensystemen, Sturzprophylaxe, Freiheit entziehenden Maßnahmen sowie Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuung.

5. Herausforderndes Verhalten

Der fünfte Abschnitt befasst sich ausführlicher mit dem Symptom „herausforderndes Verhalten“.

Auf je einer Seite werden die verschiedenen Formen herausfordernden Verhaltens dargestellt. Es erfolgt jeweils in wenigen Sätzen eine kurze Einführung zu den Symptomen, gefolgt von Interventionsempfehlungen, einem Umsetzungsbeispiel aus der Praxis sowie je einem wichtigen Hinweis. Die besprochenen Verhaltensweisen sind:

  • Aggressives Verhalten
  • Agitiertes Verhalten – Unruhe
  • Herumwandern, Weglaufgefährdung
  • Apathie
  • Halluzination und Wahnvorstellungen
  • Angstzustände, Ängstliches Verhalten
  • Enthemmtes Verhalten

6. Diagnostik und Therapie

Der vorletzte Teil des Buches befasst sich mit der Diagnostik und Therapie des Krankheitsbildes Demenz. Nach einer dreiseitigen Einführung zu allgemeinen Aspekten des Krankheitsbildes, wie Formen, Stadien und Symptomen der Demenz, folgt eine Seite zur Demenzdiagnostik allgemein. Ausführungen zum Delir, Depression, Konsildiensten der Medikation (insbesondere Psychopharmaka), Schmerzerkennung und Behandlung schließen sich an.

7. Schwerpunktbereiche – Ein Ausblick

Im letzten Kapitel werden in Fließtextform - unterbrochen von farbig unterlegten Kernaussagen - die Bereiche besprochen die nach Ansicht des Autorenteams besondere Aufmerksamkeit bei der Entwicklung einer demenzgerechten Betreuung von Patienten im Krankenhaus verdienen.

Diskussion

Das Autorenteam erhebt den Anspruch eine Einstiegsveröffentlichung in die wichtigsten Themen der Versorgung von Patienten mit Demenz im Krankenhaus vorgelegt zu haben. Sie verweisen ausdrücklich auf die vertiefenden Informationen aus dem Literaturverzeichnis des Bandes, sowie den Praxisdokumenten der beiliegenden CD. Sie laden dazu ein, den bewusst in Schnellheftform veröffentlichten Band mit eigenen Texten und Dokumenten zu füllen, um ihn für das eigene Arbeitsumfeld anzupassen.

Dies ist auch notwendig da der Inhalt häufig zu knapp gehalten ist. Die Beschäftigung mit der Primärliteratur ist für eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema unumgänglich.

Für eine schnelle, tiefe Beschäftigung mit einzelnen Punkten stellt die gewählte Form der Veröffentlichung ein Hindernis dar. Wer auch die mitgelieferten Praxisbeispiele und Dokumente einsehen will muss sowohl mit dem Schnellhefter als auch einem Computer arbeiten. Für die unkomplizierte Implementation der Dokumente ins eigene Arbeitsumfeld ist die digitale Form der Daten allerdings sehr günstig. Die elektronische Form des Handbuches ist bewusst für Bearbeitungen und Ergänzungen offen gehalten.

Im Abschnitt 1.2 Pflegeanamnese wird beispielsweise auf die Möglichkeit der Anwendung von Assessmentinstrumenten hingewiesen, allerdings werden keine geeigneten Instrumente aufgeführt. Gerade darauf aber warten Pflegende aus der Praxis. Eine knappe, kommentierte Übersicht zu relevanten Instrumenten wäre an dieser Stelle wünschenswert.

Im Abschnitt 2.5 Aromapflege wird die Möglichkeit der Verwendung von Aromaölen vorgestellt, aber kein konkretes Öl bzw. Applikationsformen benannt. Dies macht eine schnelle, fundierte Anwendung in der Praxis unmöglich. An diesen Stellen ist dann der Leser des Bandes selbst gefordert die Lücken zu schließen.

Insgesamt stellt der Band für Pflegekräfte, die ihre Arbeitsabläufe an den Bedürfnissen an Demenz erkrankter Patienten ausrichten möchten, eine interessante Lektüre da. Der Band gibt aber lediglich Anregungen sowie erste Hinweise auf Handlungsfelder im Akutkrankenhaus. Als alleinige Literatur auf deren Basis man ein fundiertes Konzept zur besseren Betreuung von Demenzkranken erarbeiten kann ist der Hefter nicht geeignet. Dies war aber auch nicht der Anspruch der Autoren.

Der Band ist geeignet für Pflegekräfte in Krankenhäusern die erste Anregungen zum Thema suchen und Wert auf Praxisbezug legen. Qualitätsmanager von Krankenhäusern finden eine Reihe interessanter Anregungen und vor allem einen großen Fundus an in der Praxis genutzten, im Projekt der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW entwickelten Formularen zum Thema Betreuung demenzkranker Patienten im Krankenhaus.

Für Pflegefachkräfte, die sich tiefer gehend mit dem Krankheitsbild Demenz beschäftigen möchten, ist der Band ungeeignet. Ebenso wenig für Interessierte, die bereits über ein fundiertes Wissen zum Thema verfügen.

Der Verdienst der Autoren besteht darin, einen (wenn auch bewusst unvollständigen) Überblick über die Spannbreite des Themas gegeben zu haben und Interessierten erste Anregungen für eine bessere Betreuung Demenzkranker im Krankenhaus zu liefern. Die vielen Dokumente und Standards aus Projektkrankenhäusern stellen einen interessanten Fundus dar.

Fazit

Die Veröffentlichung der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW ist für Pflegefachkräfte, die sich noch nicht oder nur wenig mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt haben, geeignet. Allerdings liefert diese Veröffentlichung nur selten Ideen und Vorschläge die direkt in die Praxis umgesetzt werden können. Dazu muss der Hefter individuell ergänzt werden.

Qualitätsmanager finden einen spannenden Fundus an Dokumenten und Standards aus verschiedenen Krankenhäusern, welche auch auf der beiliegenden CD gespeichert sind.

An vielen Stellen ist eine prägnante Vertiefung des Themas wünschenswert, um den Lesern die Sichtung von Primärliteratur zu ersparen.

Der Preis ist für das vorgestellte Buch aus meiner Sicht nicht vollkommen gerechtfertigt.


Rezension von
Michael Junge
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Zitiervorschlag
Michael Junge. Rezension vom 23.01.2010 zu: Stiftung Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen für Wohlfahrtspflege (Hrsg.): Demenzkranke Patienten im Krankenhaus. Ein Praxishandbuch für Mitarbeiter in der Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2009. ISBN 978-3-89993-225-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8748.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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