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Matthias Busch, Marlies Witte: Mediation. Ein Rollenspielbuch

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 17.02.2010

Cover Matthias Busch, Marlies Witte: Mediation. Ein Rollenspielbuch ISBN 978-3-89974-562-7

Matthias Busch, Marlies Witte: Mediation. Ein Rollenspielbuch. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2009. 174 Seiten. ISBN 978-3-89974-562-7. 26,80 EUR.
Reihe: Politik unterrichten.

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Spielerische Inszenierung zur Konfliktbearbeitung

Weil Handeln in der Gesellschaft konflikthaft abläuft, muss auch in der Politischen Bildung die Auseinandersetzung mit Konflikten, die Frage nach Ursachen und die Fähigkeit zur Bewältigung (vgl. dazu: Heinz Dedering (Hg.) Konflikt als paedagogicum, 1981) in den Fokus des politischen Lernens kommen; und zwar weg von der negativen Betrachtungsweise, dass man Konflikte eher umgehe und totschweige, und hin zu einer aktiven Konfliktbearbeitung. Die verschiedenen Theorien und Konzepte beruhen auf der humanen Hoffnung, dass Konflikte, ob im Privaten, Gesellschaftlichen oder Globalen, im Bewusstsein des Artikels Eins der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gelöst werden können: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“.

Entstehungshintergrund und Autoren

Konfliktbearbeitungsstrategien gründen auf der Überzeugung, dass (fast) alle Konflikte lösbar sind. Voraussetzung dafür ist die tätige Begegnung und die Bereitschaft zum konfliktträchtigen und -verändernden Dialog. Eine der theoretischen und praktischen Ansätze zur Konfliktbearbeitung ist die Mediation (vgl. dazu: Nina L. Dulabaum, Mediation. 2009. 5., in: socialnet Rezensionen unter https://www.socialnet.de/rezensionen/8545.php). Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg, Matthias Busch und die Diplom-Politologin, Mediatorin und Vorsitzende des Berliner Vereins ConflictChange e.V., Marlies Witte, legen für den florierenden Nachfragemarkt ein Handbuch vor, in dem sie überwiegend Rollenspiele als Methode der Mediation vorstellen. Im graphisch eindrucksvoll von Ohl Design gestalteten Titelblatt der Paperback-Ausgabe wird die Situation eines Konflikts anschaulich dargestellt: Eine versöhnliche und den Konflikt lösende Handreichung von streitenden oder verfeindeten Personen oder Parteien gelingt (vielleicht) durch Vermittlung eines Dritten. Die Geste erinnert mich an das Bronzedenkmal im nordirischen (London)Derry, bei dem sich die verfeindeten Brüder über einen Graben von Kriegen, gewaltsamen Auseinandersetzungen und Diskriminierungen hinweg die Hände reichen, aber noch nicht zueinander kommen (vgl. dazu auch: Der Schrei der Wandbilder – Murals of War and Peace. Der Nordirland-Konfliokt und der neue Friede, in: et cetera ppf, 2/2009).

Aufbau und Inhalt

Die Autorin und der Autor gliedern das Handbuch in fünf Bereiche.

Im ersten Kapitel begründen sie die Bedeutung und Möglichkeiten des Einsatzes von Rollenspielen bei der Mediationsausbildung und Konfliktbearbeitung. Dabei verweisen sie zum einen auf die vielfältigen pädagogischen und didaktischen Ansätze, mit Rollenspielen Lernprozesse zu initiieren und zu fördern; zum anderen zeigen sie mit der Simulationsmethode die individual- und gruppenspezifischen Grundlagen und Voraussetzungen auf, wie Rollenspiele wirkungsvoll im Mediationsprozess angewandt werden können. Ihre erfahrungsbezogene Zugangs- und Diskussionsweise bietet dabei Einsichten und Identifikationsmöglichkeiten an, um dem lernenden und in der Praxis ausübenden Mediator Handwerkszeug zur Verfügung zu stellen.

Im nächsten Teil werden die besonderen Formen der Alternativen Konfliktbearbeitung diskutiert, bei denen es darum geht, Konflikte nicht über Macht, sondern über die Interessen der Konfliktparteien zu lösen, wie sie z. B. auch bei Coaching (vgl dazu auch: Eckard König, Gerda Volmer: Handbuch Systemisches Coaching, 2009, cgl. die Rezension), Open Space, Harward-Konzept, Täter-Opfer-Ausgleich, Schulstreitschichtung und Einzelfallberatung eingesetzt werden.

Das vom Autorenteam favorisierte Mediationsverfahren nach dem transformativen Ansatz wird nach den einzelnen Phasen und Arbeitsschritten vorgestellt.

Ausgewählte Methoden in der Konfliktbearbeitung, die für den Einsatz von Rollenspielen hilfreich und nützlich sind, bilden den weiteren Teil. Die einzelnen Arbeitsschritte werden praxisbezogen beschrieben, und ihre Zielsetzungen werden diskutiert; eine Fundgrube für pädagogisches und interventionsorientiertes Lernen.

Im letzten Teil schließlich werden insgesamt 36 Rollenspiele für die spezifischen Anwendungsfelder der Mediation, einschließlich der Gruppenmediation und Einzelberatung, vorgestellt. Besonders hierbei wird der Erfahrungsschatz des Autorenteams deutlich

Fazit

Das Rollenspielhandbuch von Matthias Busch und Marlies Witte kann als ein bedeutsamer Baustein für den gesellschaftlichen und politischen Bildungsauftrag, ein friedliches, lokales und globales Miteinander der Menschen zu schaffen, eingeordnet werden. Dabei werden insbesondere die Praktiker in der schulischen und außerschulischen Lernarbeit profitieren. Die beigefügte CD ist ein zusätzlicher Fundus, der es auch ermöglicht, in der pädagogischen Ausbildung und Mediationspraxis Anschaulichkeit, Motivation und Kreativität anzustoßen.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1652 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 17.02.2010 zu: Matthias Busch, Marlies Witte: Mediation. Ein Rollenspielbuch. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2009. ISBN 978-3-89974-562-7. Reihe: Politik unterrichten. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8762.php, Datum des Zugriffs 26.05.2024.


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