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Karsten Speck: Schulsozialarbeit

Cover Karsten Speck: Schulsozialarbeit. Eine Einführung. UTB (Stuttgart) 2009. 2., überarbeitete Auflage. 187 Seiten. ISBN 978-3-8252-2929-0. 16,90 EUR.

Reihe: UTB - 2929.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4265-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Das vorliegende Buch gibt einen breiten Überblick über die Entwicklung der Schulsozialarbeit in Deutschland.

Aufbau und Inhalt

Beginnend mit einer historischen Skizze von der Schulkinderfürsorge um 1900, über die Übernahme des amerikanischen „School Social Work“ in die deutsche Praxis Anfang der siebziger Jahre bis in die Gegenwart, beschreibt der Autor in der gegeben Kürze die Entwicklung dieses Praxisfeldes.

Die Aufmerksamkeit liegt sodann auf der aktuellen Darstellung des fachlichen Profils und der quantitativen Ausbreitung der Schulsozialarbeit. Hierzu wird auch auf die unterschiedliche Situation in den einzelnen Bundesländern hingewiesen. Gegenüber der 1. Auflage (vgl. die Rezension) wird die Ganztagsschulentwicklung stärker berücksichtigt.

Daran schließt sich die Sichtung der vorhandenen Begriffserklärungen und Definitionen an. Eine dringliche Notwendigkeit, die leider aufgrund der vorhandenen Begriffsvielfalt im Definitionsfeld in Deutschland erfolgen muss. Entsprechend dem Buchtitel favorisiert Speck den Begriff der Schulsozialarbeit.

Ausgehend von dem nicht einfachen Wechselverhältnis von Jugendhilfe und Schule werden im 4. Abschnitt Begründungszusammenhänge für die Schulsozialarbeit dargestellt und analysiert. Im Vordergrund stehen veränderte und defizitäre Sozialisationsbedingungen in der modernen und globalisierten Gesellschaft, die Auswirkungen dieser Bedingungen auf die Schule und auf die Lehrerschaft. Berücksichtigt wird auch die besondere Situation in den ostdeutschen Bundesländern. Aus dieser Argumentation ergibt sich, dass keineswegs nur Kinder und Jugendliche die zu ereichende Zielgruppe darstellen, sondern ebenso die Lehrerschaft und die Eltern.

Bei der Erörterung der Rechtsgrundlagen und der z.T. sehr prekären Finanzierung wird im nachfolgenden Abschnitt zunächst auf die schulgesetzliche und zumeist nicht ausreichenden Kooperationsvoraussetzungen zwischen Jugendhilfe und Schule hingewiesen. Aber auch die Jugendhilfe bzw. das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) bereitet bei der rechtlichen Legitimation der Schulsozialarbeit Probleme. Da die dortigen Paragrafen 1, 11, 13, 80 und 81 das recht neue Praxisfeld nicht scharf genug fassen, schlägt Speck mit dem Entwurf des Paragrafen 13a eine stabile rechtliche Begründung vor. Und es bleibt zu hoffen, dass das KJHG diesem oder auch ähnlichen Vorschlägen in naher Zukunft folgt, um das vorhandene Legitimationsdefizit zu beheben.

Der 6. Abschnitt widmet sich dem methodischen Handeln und den grundlegenden Arbeitsprinzipien in der Praxis. Es wird darauf hingewiesen, dass die jeweilige Situation vor Ort Handlungsflexibilität erfordert und unterschiedliche Methoden der Sozialarbeit / Sozialpädagogik zum Zuge kommen. Maßgeblich für diese Flexibilität sind z.B. Problemlagen der Schule aber auch die gelungene oder weniger gelungene Integration der Schulsozialarbeit in diese Schule bzw. die Kooperation mit dem Schulkollegium. Bei den Handlungsprinzipien übernimmt Speck die sogenannten Strukturmaximen aus 8. Kinder- und Jugendbericht (1990). Hierzu gehören beispielsweise Prävention, Alltagsorientierung und soziale Integration.

Im nachfolgenden Abschnitt werden Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit beschrieben. Maßgeblich ist die Qualifikation des Fachpersonals dessen hochschulspezifische Ausbildung aber Grundstandard ist. Weiterhin ist die Trägerkompetenz zu berücksichtigen, die in Form schulischer Trägerschaft, Trägerschaft des örtlichen Jugendamtes oder in Form freier Träger der Jugendhilfe auftreten kann. Diese Trägerschaften werden vom Autor in Form einer Schwächen-Stärken-Analyse einer Bewertung unterzogen. Hingewiesen wird auch auf den Einfluss der Trägerschaft auf die Kooperationsqualität.

Der 8. Abschnitt geht auf die Kooperationsproblematik der unterschiedlichen Professionen ein. Hierzu werden zunächst die vorliegenden empirischen Befunde erörtert, um dann Kooperationsmodelle zu vergleichen. Für eine gelingende Kooperation sind u.a. partnerschaftliche Modelle zwischen Sozial- und Schulpädagogen in die Praxis umzusetzen. Auch müssen berufskulturelle Differenzen diskursiv verhandelt und ggf. ausgeglichen werden, Selbst- und Fremdverständnis ist zu fördern und wechselseitige Kooperationserwartungen müssen gemeinsam thematisiert werden.

Ein weiterer Abschnitt widmet sich der Frage nach der Wirkung und dem Nutzen der Schulsozialarbeit. Anhand empirischer Untersuchungen belegt Speck, dass eine beträchtliche Wirkung vorhanden ist und stellt fest: “ Die Schulsozialarbeit gehört seit ihrer Etablierung zu einem der intensiv beforschtesten Arbeitfelder der Jugendhilfe“ (ebd., S.149). Folgerichtig schließt sich an die Erörterung der Wirkungs- und Nutzeranalysen die Darstellung von Qualitätsentwicklung und von Selbstevaluation. Hierzu werden zumindest ansatzweise Verfahren und Instrumente vorgestellt.

Das Buch schließt in den letzten beiden Abschnitten mit Anmerkungen zur Aus- und Fortbildung in der Schulsozialarbeit wie auch mit Anmerkungen zu zukünftigen Herausforderungen. Dazu gehört die Umsetzung eines lebensweltorientierten Konzeptes, bessere finanzielle Absicherung der Praxisfelder, systematische Qualitätsentwicklung, Kooperation im Ganztagsbetrieb, Klärung des Bildungsbeitrages der Schulsozialarbeit, weitere Forschungsaktivitäten sowie für Deutschland eine länderübergreifende und internationale Vernetzung.

Fazit

Die 2. Auflage des Buches ist überarbeitet, die Ganztagsschule wird stärker berücksichtigt und Daten sowie Anschriften sind aktualisiert. Die in Deutschland vorhanden Positionspapiere zum Thema sind im Text markiert. Dass nach zwei Jahren eine erneute Auflage erforderlich ist, spricht für die Qualität des gut lesbaren Buches aber auch für das breite Fachinteresse an der Thematik der Schulsozialarbeit. Die gut gegliederte Einführung mit ihrem hohen Informationswert stellt ein ausgezeichnetes Lehrbuch für Ausbildung und Studium dar. Interessierte Fachleute aus Jugendhilfe und Schule können sich schnell ein präzises Bild von diesem recht neuen Praxisfeld in Deutschland machen.


Rezensent
Prof. Dr. Erich Hollenstein
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Zitiervorschlag
Erich Hollenstein. Rezension vom 11.12.2009 zu: Karsten Speck: Schulsozialarbeit. Eine Einführung. UTB (Stuttgart) 2009. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8252-2929-0. Reihe: UTB - 2929.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4265-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8767.php, Datum des Zugriffs 26.06.2019.


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