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Jochen Walter, Dieter Basener: Werkstätten am Markt

Rezensiert von Angelika Tinter, 25.02.2010

Cover Jochen Walter, Dieter Basener: Werkstätten am Markt ISBN 978-3-9812235-2-1

Jochen Walter, Dieter Basener: Werkstätten am Markt. Von der Idee zur Marke. 53° NORD Agentur und Verlag GmbH Ein Geschäftsbereich der GDW Mitte eG (Kassel) 2009. 168 Seiten. ISBN 978-3-9812235-2-1. 19,80 EUR.
Reihe: Auf Erfolgskurs
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Herausgeber

Dr. Jochen Walter ist Vorstand der Stiftung Pfennigparade in München einer sozialwirtschaftlichen Unternehmensgruppe in der Behindertenhilfe mit ca. 2000 Mitarbeitern, darunter eine WfbM mit ca. 700 Arbeitsplätzen. Die Stiftung Pfennigparade ist mit einem eigenen Beispiel vertreten.

Dieter Basener ist Geschäftsführer der 53° Bord agentur und Verlag GmbH und Chefredakteur des Magazins Klarer Kurs

53° Nord Agentur und Verlag steht für ein praxisorientiertes Publikationsangebot zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Das Buch ist ein Teil der Buchreihe „ Auf Erfolgskurs“.

Entstehungshintergrund

Viele der rund 700 bestehenden anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Deutschland entwickeln und vermarkten seit Jahren eigene Dienstleistungen und Produkte. Die Eigenfertigung bekommt dabei in Zeiten zurückgehender klassischer Industrieproduktionsaufträgen eine zunehmende Bedeutung, um den gesellschaftlichen Auftrag der Werkstätten zur Teilhabe im Arbeitsleben im Sinne einer individuellen Förderung und der Suche nach neuen Arbeitsplätzen für einen immer differenzierten Personenkreis zu erfüllen.

Zielgruppe

Das Buch wendet sich daher an innovative Führungskräfte und Mitarbeiter von Werkstätten für behinderte Menschen, also Praktiker mit Unternehmergeist, die immer neue Arbeitsplätze für Ihre Klientel erschließen (müssen).

Aufbau und Inhalte

Mit Eigenprodukten und Dienstleistungen an den Markt zugehen und am Markt zu bleiben ist ein aufwändiger Prozess, der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung umfasst. Das Buch macht anhand von Praxisbeispielen diese Prozesse transparent: Zeigt Erfolgsstrategien, aber auch Risiken Gefahren und Fehler.

Zu Beginn steht ein einführendes Kapitel zum Thema „Werkstätten am Markt“ in dem die Geschichte der WfbM, die in ihrer Entstehungsgeschichte eng mit Lohnfertigung verknüpft ist und Ihre Marktaktivitäten grundsätzlich beleuchtet werden. Darin enthalten ist eine Beschreibung der Chancen und Risken der Eigenfertigung. Auf der Chancenseite stehen eigenständiges unternehmerisches Handeln und die Schaffung neuer innovativer Arbeitsplätze. Auf der Risikoseite stehen relativ große Aufwendungen für Marketing und Vertrieb, Haftungsfragen usw. Also Themen, die nicht zwangsläufig zum Erfahrungsrepertoire jeder WfbM gehören.

Danach folgen die konkreten Beschreibungen von 8 Praxisbeispielen in 8 Kapiteln mit Bildern aus ganz Deutschland, die einen Einblick in die Vielfalt in der Werkstattszene geben. Sie beschreiben bei eigenem Kapitelaufbau die Entstehungshindergründe, bzw. die Idee des Produktes oder der Dienstleistung , die Umsetzungsschritte und Erfahrungen. Es werden Entwicklungen und langjährige Erfahrungen erläutert. Dabei geht es um drei verschiedene Kategorien:

  1. Eigenprodukte bzw. ganze Produktlinien: Die Marke Fairwerk der Inntalwerkstätten, der Bergwinkel Imkereibdarf der Main-Kinzig-Werkstätten und das Rollstuhlwärmesystem Novasan der Stiftung Pfennigparade in München.
  2. Es werden eigene Dienstleistungen beschrieben: der LiSE Gebäude, Textil und Cateringservice der Liebenau Service GmbH Meckenbeueren, das Rundum-Glücklich Paket für Hochzeitspaare der Union Sozialer Einrichtungen in Berlin.
  3. Es werden Mischformen aus Produkten und Dienstleitungen beschrieben: das Samocca-Cafe mit eigener Rösterei in Aalen, das Freizeit – und Tagungshotel Euvea in der Eifel und die Musikband Station 17 der alsterarbeit GmbH in Hamburg.

Jedes Kapitel endet mit einem Steckbrief „Kurz gefasst“, dem Produktname, Geschäftsfeld, Zielgruppen, Träger, Zahl der Mitarbeiter, Kontaktperson samt Kontaktdaten und Beitragsautor zu entnehmen sind.

Die Praxisbeispiele werden durch ein Kapitel Produktentwicklung und -vermarktung in der WfbM abgerundet, in dem im Sinne einer Checkliste die Themen Entwicklung einer Geschäftsidee , mit den Themenbereichen Wettbewerbs- und Marktanalyse und Unternehmensanalyse (Stärken und Schwächenanalyse) knapp und anschaulich dargestellt werden. Dann geht es um das zentrale Thema Kunde also um Marketing und Vertriebskonzeptionen („der Kunde steht am Anfang jeder Marketing – und Vertriebsaktivität“). Gefolgt vom Thema Geschäftsfeldstrategie, dem Thema Marketing und seine konkrete Umsetzung im Marketing-Mix, werden u.a. auch noch die Themen Markenbildung und Preispolitik beschrieben. Der Leser wird knapp und konkret durch die einzelnen Bereiche geführt, die alle aber wiederum natürlich auf einander abgestimmt anzuwenden sind.

Diskussion

Das Buch bündelt die verschiedenen Erfahrungsberichte als bunten Strauß, der aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit hat. Spannend zu lesen sind die scheinbaren Zufälligkeiten, die zur Eigenproduktion oder zur Dienstleistung geführt haben. Fast nie sind es ausschließlich strukturierte Produktrecherchen, immer braucht eine Innovation auch das „Quentchen Glück“ und den Mut , was ganz Neues zu machen. Aber was sehr deutlich wird: wie professionell am Markt und mit dem sich verändernden Markt gearbeitet werden muss, damit die Ideen zur Marke werden. Ohne konsequente betriebswirtschaftliche Professionalität mit langem Atem und Flexibilität haben Ideen keine Chancen. Zu betonen ist, dass die Erfolgsstories ja deshalb Erfolgsstories sind, weil sie wirtschaftlichen Erfolg mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für einen Personenkreis verbinden, der in regulären Arbeitsszenarien sonst kaum eine Chance auf beruflicheTeilhabe hat. Das erfolgt aber nicht auf der Basis eines „Behindertenbonus“ sondern weil die Produkte originell sind und die Kunden die Dienstleistungen sehr schätzen.

Fazit

Das Buch zeigt, wie viel Mut und Innovation in den Werkstätten steckt, wenn die eigenen Potenziale konsequent genutzt werden. Es ist ein erfrischendes, mut machendes aber nicht blauäugiges Buch gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise. Das Buch erreicht durch die Praxisberichte sicher seine Zielgruppe. Für weitere Recherchen und Kontaktaufnahmen sind die Projektsteckbriefe optimal. Durch die klare Struktur kann man gut querlesen und einzelne Projekte tiefer studieren.

Rezension von
Angelika Tinter
Leitung Rehazentrum und Werkstätten im Rehazentrum Waiblingen und Schorndorf

Es gibt 5 Rezensionen von Angelika Tinter.

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Zitiervorschlag
Angelika Tinter. Rezension vom 25.02.2010 zu: Jochen Walter, Dieter Basener: Werkstätten am Markt. Von der Idee zur Marke. 53° NORD Agentur und Verlag GmbH Ein Geschäftsbereich der GDW Mitte eG (Kassel) 2009. ISBN 978-3-9812235-2-1. Reihe: Auf Erfolgskurs. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8770.php, Datum des Zugriffs 20.05.2022.


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