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Paula Honkanen-Schoberth: Starke Kinder brauchen starke Eltern

Rezensiert von Dr. Martin R. Textor, 19.08.2003

Cover Paula Honkanen-Schoberth: Starke Kinder brauchen starke Eltern

Paula Honkanen-Schoberth: Starke Kinder brauchen starke Eltern. Der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB). Urania Verlag (Berlin) 2003. 2. Auflage. 128 Seiten. 12,90 EUR.
Ravensburger Ratgeber im Urania-Verlag.

Entstehungshintergrund und Zielgruppe

Der Elternratgeber von Familientherapeutin Paula Honkanen-Schoberth, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutzzentren und Geschäftsführerin des Aachener Ortsverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes, basiert auf dem von ihr mitentwickelten Konzept und Programm des Elternkurses "Starke Eltern - starke Kinder", der innerhalb kurzer Zeit eine weite Verbreitung in Deutschland gefunden hat. Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen, zu dem der Untertitel Anlass gibt: Es handelt sich hier nicht um das Kursleitermanual mit den Inhalten der einzelnen Kurseinheiten und entsprechenden methodischen Anleitungen. Vielmehr ist das Buch zum einen als eine Art freiwilliger Begleitlektüre für Kursteilnehmer/innen gedacht, zum anderen soll es aber auch Eltern, die den Kurs nicht besuchen können, zur Beschäftigung mit wichtigen Erziehungsfragen anregen.

Der Kurs

Die fachlichen Grundlagen wurden in Finnland von Toivo Rönkä entwickelt. Später wurde das Kursmaterial vom Aachener Kinderschutzbund auf deutsche Verhältnisse übertragen und erprobt. Dann wurde der Kurs vom Deutschen Kinderschutzbund unter dem Namen "Starke Eltern - starke Kinder" auf Bundes-, Länder- und Ortsebene weiterverbreitet. Inzwischen wird er auch von Familienbildungsstätten, Volkshochschulen und anderen Einrichtungen angeboten.

Das Buch

"Das Ziel dieses Buches ist es - genauso wie das der Elternkurse -, einerseits mehr Offenheit, Klarheit und Humor in den Erziehungsalltag der Eltern hineinzubringen, das Selbstwertgefühl der Eltern als Erzieher zu stärken, das gegenseitige Verstehen und die Kommunikation in der Familie zu verbessern. Andererseits sollen die Rechte und Bedürfnisse der Kinder - auch im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention - gestärkt werden, und zwar, indem Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in der ganzen Familie praktiziert werden" (S. 12). Selbstverständlich wird für eine gewaltlose Erziehung plädiert, die weder autoritär noch antiautoritär, sondern vielmehr anleitend sein soll.

Welche Wertvorstellungen und Erziehungsziele habe ich?

Im ersten Kapitel werden Eltern zur Auseinandersetzung mit Fragen motiviert wie: Warum will/wollte ich Kinder haben? Welchen Erziehungsstil sollte ich praktizieren? Welche Rechtsgrundlagen muss ich beachten? (UN-Konvention über die Rechte des Kindes, Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung laut § 1631 Abs. 2 BGB). Was sind meine Werte und Erziehungsziele? Was sind diejenigen meines Partners/meiner Partnerin? Wie bin ich selbst erzogen worden? Bin ich ein gutes Vorbild für meine Kinder? Die Leser/innen werden angehalten, sich zur Beantwortung dieser Fragen nicht nur mit den im Kapitel präsentierten Sachinformationen zu befassen, sondern auch die Themen mit Partner/in, Freund/innen und den eigenen Eltern zu diskutieren.

Wie kann ich das Selbstwertgefühl des Kindes stärken?

Honkanen-Schoberth fordert in ihrem Buch die Eltern auf, immer zuerst auf die positiven Seiten ihrer Kinder zu achten und diese zu verstärken. Auch benötigten Kinder viel Liebe, Akzeptanz und Vertrauen, um ein Selbstwertgefühl entwickeln zu können. Anhand von sieben detailliert erläuterten Regeln wird aufgezeigt, wie Eltern richtig Feedback geben. Ein Fragebogen ermöglicht Leser/innen einzuschätzen, wie sie mit anderen Menschen (Kinder, Partner/in) umgehen.

Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es Probleme hat?

Das Motto lautet hier: Man kann nicht die emotionalen Probleme des Kindes lösen, sondern kann ihm nur bei dieser Aufgabe helfen. Dazu ist es wichtig, das Kind nicht mit Ratschlägen oder Anweisungen zu überhäufen. Auch sollte nicht seine Position unkritisch übernommen, es bloß getröstet oder sein Verhalten analysiert bzw. interpretiert werden. Stattdessen sollten Eltern sich selbst zurücknehmen, die Gefühle des Kindes ernst nehmen, aktiv zuhören, empathisch und einfühlsam reagieren sowie gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen suchen. Die verschiedenen Reaktionsweisen werden anhand mehrerer Beispiele erläutert.

Was mache ich, wenn ich Probleme habe?

In diesem Kapitel geht es vor allem um Konflikte zwischen den Eltern - wegen unbefriedigter Bedürfnisse, mangelnder Zeit für den/die Partner/in oder Stress - und um die Auswirkungen auf Kinder, wenn sie mit frustrierten bzw. wütenden Eltern konfrontiert werden. Honkanen-Schoberth empfiehlt, mehr Zeit und Energie in die Pflege der Paarbeziehung zu investieren, offener über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen und den Kindern gegenüber deutlich zu machen, dass diese für die schlechte Laune von Vater/ Mutter nicht verantwortlich sind. Ferner geht es um Bedeutung und Verwendung von Ich-Botschaften.

Wie lösen wir Konflikte in der Familie?

Probleme und Konflikte sind Teil des Familienlebens, werden aber in der Regel von verschiedenen Familienmitgliedern unterschiedlich wahrgenommen. Deshalb sollte zunächst geklärt werden, wer ein Problem hat und zwischen wem ein Konflikt schwelt. Sind die Eltern aneinander geraten, sollten sie auf jeden Fall ihre Kinder aus dem Konflikt heraushalten - diese seien laut Honkanen-Schoberth weder Schiedsrichter/innen oder Therapeut/innen noch Partnerersatz. Analog dazu sollten die Kinder angehalten werden, Probleme untereinander erst einmal selbst zu lösen versuchen. Ferner werden Phasen und Techniken der Konfliktlösung beschrieben. Abschließend wird auf Wertkollisionen zwischen Eltern und Jugendlichen, das Setzen von Grenzen, die Notwendigkeit von Respekt und auf negative Folgen von Strafen eingegangen.

Fazit

Das Buch endet mit einem Anhang, der einen Auszug aus der UN-Kinderrechtskonvention sowie hilfreiche Adressen enthält - allerdings nur aus dem Kinderschutzwesen. Es ist praxisnah und lebendig geschrieben, gut gegliedert und mit Fotos illustriert. So ist es Eltern zu empfehlen, zumal es auch zur Analyse des eigenen Verhaltens und zur Selbsthilfe anhält.

Rezension von
Dr. Martin R. Textor
Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF)
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Es gibt 72 Rezensionen von Martin R. Textor.

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ISSN 2190-9245