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Christoph Butterwegge, Karin Holm u.a.: Armut und Kindheit

Cover Christoph Butterwegge, Karin Holm, Margherita Zander u.a.: Armut und Kindheit. Ein regionaler und internationaler Vergleich. Leske + Budrich (Leverkusen) 2003. 319 Seiten. ISBN 978-3-8100-3707-7. 19,90 EUR.

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Das Thema

Hierzulande wurde (Kinder)Armut lange Zeit fast ausschließlich mit Bildern und Berichten über das Elend in der sog. Dritten Welt verbunden. Seit geraumer Zeit findet dieses Problem auch in den westlichen "Wohlfahrtsstaaten" fachliche und öffentliche Aufmerksamkeit. Basierend auf einem dreijährigen Projekt der Universität zu Köln, der FH Düsseldorf und der FH Münster legen die Autorinnen und Autoren zu diesem Thema beeindruckende Forschungsergebnisse vor.

Zu den Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Christoph Butterwegge ist Leiter der Abteilung Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Prof. Karin Holm ist Leiterin der Arbeitsstelle 3. Welt am Fachbereich Sozialpädagogik der FH Düsseldorf. Prof. Dr. Margherita Zander ist Hochschullehrerin am Fachbereich Sozialwesen der FH Münster. Hinzu kommen noch einige wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen, deren Beiträge auf Seite 10 kenntlich gemacht sind.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in neun Kapitel mit unterschiedlicher Länge. Das erste Kapitel (Holm, Schulz) gibt einen verständlichen Überblick über die Datenlage und Forschungsansätze zur Armut. In einer knappen Übersicht werden die aktuelle Armuts- und Reichtumsberichterstattung, Konzepte empirischer Armutsforschung und die vergleichende Berichterstattung zur Kinderarmut in Europa und weltweit dargestellt.

Das zweite (Zander) thematisiert den Wandel in der Kinder- und Armutsforschung unter soziologischen Blickwinkeln. Das dritte (Butterwegge) und vierte Kapitel (Michels) fokussieren auf die Ursachen von (Kinder)Armut bzw. auf die Entwicklung von "Straßenkarrieren" von Kindern. Dabei werden einmal Prozesse der Globalisierung, Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen mit den Auswirkungen für Arbeit, Familie und Sozialstaat, im folgenden Kapitel die Situation der "Straßenkinder" und ihr Überleben behandelt. Das fünfte Kapitel (Klundt, Zeng) ist den Bildungsübergängen, dem Wohlbefinden und der Gesundheit von armen Kindern im Ost-West-Vergleich gewidmet, wobei hier empirische Daten eine anschauliche Grundlage bieten. Im anschließenden sechsten Kapitel (Imholz, Wuttke) werden die Strategien der Kinder zur Bewältigung der erfahrenen Armut behandelt. Die diesem Teilprojekt zugrunde liegenden Experten-, Eltern- und Kinderinterviews vermitteln anschaulich eine Vorstellung davon, wie sich die psychische und soziale Realität der betroffenen Kinder entwickelt und verfestigt.

Die letzten drei Kapitel sind dem Vorhaben gewidmet, Argumente für eine sozialpolitisch fundierte Gegenbewegung zu den Versuchen der Zerschlagung des Sozialstaates vorzutragen. Dazu werden in Kapitel 7 (Holm) Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen gezogen. Kapitel 8 (Butterwegge) thematisiert mögliche Maßnahmen der Beschäftigungs-, Bildungs-, Familien- und Sozialpolitik zur Bekämpfung von (Kinder)Armut. Kapitel 9 (Zander) schließlich fokussiert auf den Stellenwert der Sozialen Arbeit bei dem Versuch gesellschaftspolitischer Gegenwehr. Kinderarmut kann nach den erhobenen Befunden nur hinreichend erklärt werden, wenn der jeweilige familiäre Kontext sowie die sozialräumlichen und milieugebundenen Ausprägungen berücksichtigt werden. Es gilt, sich an den unterschiedlichen Lebenslagen der Kinder zu orientieren.

Zielgruppen und Fazit

Ein informatives, detail- und faktenreiches Buch, das für alle diejenigen Personen zu empfehlen ist, die direkt oder indirekt mit den Erscheinungsformen und Auswirkungen von Kinder(Armut) befasst sind. Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung von Armut in dieser Gesellschaft sind auch Studierende der Sozialen Arbeit gut beraten, sich diesem anspruchsvollen und lohnenden Werk zu widmen.

Durch die Erweiterung der verbreiteten Konzepte der "dynamischen Armutsforschung" zu einem von ihnen "Konzept der dualen Armutsforschung" genannten Ansatz gelingt es den Autorinnen und Autoren, strukturell bedingte Aspekte von Kinderarmut mit einer Subjektperspektive, also der Sicht von Betroffenen, zu verbinden. Entscheidend dabei ist die durch das Buch eindrücklich belegte Tatsache, dass die Benachteiligung der betroffenen Kinder auch, aber nicht primär in materieller Hinsicht besteht!


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 17.06.2003 zu: Christoph Butterwegge, Karin Holm, Margherita Zander u.a.: Armut und Kindheit. Ein regionaler und internationaler Vergleich. Leske + Budrich (Leverkusen) 2003. ISBN 978-3-8100-3707-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/885.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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