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Stefan Weinmann, Thomas Becker: [...] Integrierte Versorgung von Menschen mit Schizophrenie

Cover Stefan Weinmann, Thomas Becker: Qualitätsindikatoren für die Integrierte Versorgung von Menschen mit Schizophrenie. Handbuch. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2009. 240 Seiten. ISBN 978-3-88414-488-6. 39,95 EUR, CH: 64,90 sFr.

Reihe: Fachwissen.
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Herausgeber

Dr. Dr. Stefan Weinmann ist Mitarbeiter am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. S.N. Willich) an der Charité-Universitätsmedizin. Prof. Dr. Thomas Becker ist ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie II der Universität Ulm.

Entstehungshintergrund

Diese Publikation beruht auf den Ergebnissen eines vom AOK-Bundesverband geförderten Projektes zur Entwicklung von Qualitätsindikatoren für die Versorgung von Menschen mit Schizophrenie. Dem Projekt liegt die Annahme zugrunde, dass eine optimale Behandlung von Menschen mit Schizophrenie nur durch eine koordinierte Zusammenarbeit des ambulanten, stationären und komplementären Versorgungssektors möglich ist. Vor diesem Hintergrund fokussieren die Indikatoren auf eine integrierte Versorgung. Eine Intention ist, dass das Indikatorenset die Zielerreichung von Modellen integrierter Versorgung nach § 140a – d SGB V unterstützen. Die Förderung des Projektes wurde aus Sicht des AOK-Bundesverbandes deswegen als wichtig erachtet, da die Behandlungsergebnisse von psychischen Erkrankungen meist subjektiv beurteilt werden müssten, während für somatische Erkrankungen vielfach objektive Beurteilungsparameter vorlägen. Indikatoren zur Beurteilung der Behandlungsqualität für psychische Erkrankungen seien jedoch ebenso wichtig wie für physische Erkrankungen.

Die Grundlage des Buches bildet eine systematische Recherche und Bewertung der medizinischen Literatur zu relevanten Qualitätsindikatoren. Im Weiteren wurden die Indikatoren auf die deutsche Situation angepasst sowie kritisch von Experten in einem Workshop reflektiert und bewertet sowie durch ein externes Review nochmals überprüft.

Aufbau und Inhalte

Insgesamt wird das Buch in 8 Kapitel mit einer unterschiedlichen Anzahl von Unterkapiteln untergliedert.

In Kapitel 1 wird der Hintergrund des Themas entfaltet. Es werden kurz ein paar Hintergrundinformationen zur Publikation gegeben. Des Weiteren werden die Erkrankung sowie einige epidemiologische Daten und Behandlungsmethoden komprimiert und gut lesbar vorgestellt. Ein weiteres Unterkapitel setzt sich mit dem Thema Behandlungsqualität auseinander. Die Autoren formulieren, dass die Qualität der Versorgung zunächst von der behandelnden Institution unabhängig sei, und eigentlich daraus resultiere, ob die Betroffenen die therapeutischen Maßnahmen erhalten, die sie benötigen. Es gebe Zusammenhänge zwischen soziodemographischen Charakteristika der Patienten, soziale Schicht, finanzielle Ressourcen und psychosoziale Einbindung mit der Behandlungsqualität. Weitere, die Behandlungsqualität beeinflussende Faktoren seien bspw. Kontinuität der Behandlung, Zugang u.v.m. In diesem Unterkapitel definieren die Autoren auch den Begriff „Qualitätsindikator“.

Kapitel 2 thematisiert Qualitätsmanagement und Indikatoren bei Schizophrenie. Dabei wird die Unterscheidung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität vorgenommen.

In Kapitel 3 ist die Messung von Qualität in der Behandlung von Schizophrenie der Hauptfokus. Es wird im einleitenden Teil die Frage gestellt, wer die Indikatoren nutzen kann. Als Nutzer werden bspw. identifiziert Patienten/Betroffene, Ärzte und andere Leistungserbringer im Gesundheitswesen, Krankenkassen, Versicherungen und andere Kostenträger, staatliche und andere politische Institutionen sowie Akkreditoren und Akteure des externen und internen Qualitätsmanagements. Des Weiteren wird beschrieben, welche Teilaspekte aus klinischen Prozessen beurteilt werden sollten und welche Datenquellen für die Messung erforderlich sind. Dazu zählen die Autoren bspw. Patientenakten, Daten, die zu statistischen Zwecken gesammelt werden, von Patienten direkt erhobene Daten, Abrechnungsdaten, systematische Datenerfassung durch Kliniker, Daten anderer Leistungserbringer etc. Die Entwicklung und Zusammensetzung sowie Anforderungen an eine Operationalisierung und von Indikatoren werden beschrieben. Mögliche Methoden, die eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zulassen, wie bspw. Stratifizierung der Zielpopulation oder Case-Mix-Adjustierung werden dargestellt. Mit einem kurzen Kapitel Grenzen von Qualitätsindikatoren schließt das Kapitel ab.

Kapitel 4 setzt sich mit Basiskennzahlen zur Beschreibung der eingeschriebenen Personen auseinander. Zunächst wird die Zielpopulation, die in der integrierten Versorgung eingeschrieben sind, definiert. Im Weiteren werden dann patientenbezogene und behandlungsbezogene Variablen aufgelistet.

In Kapitel 5 werden sehr umfassend die Basisindikatoren dargestellt. Dabei sind die Indikatoren unterteilt in essentielle Indikatoren, ergänzende Indikatoren erster Wahl und ergänzende Indikatoren zweiter Wahl. Auch der Aufbau und die Merkmale der einzelnen Indikatoren werden vorgestellt, bevor detailliert die einzelnen Indikatoren nach diesem Strukturprinzip präsentiert werden.

In Kapitel 6 werden die Methoden der Recherche und Bewertung der Literatur beschrieben. Es erfolgt eine detaillierte Darstellung der Methoden und Auswertungskriterien sowie Auswahl der Indikatoren, die das systematische Vorgehen sehr gut veranschaulichen.

Kapitel 7 und Kapitel 8 umfassen die Literaturverzeichnisse für die Entwicklung der Indikatoren sowie für die vorliegende Publikation.

Diskussion

Die Autoren legen sehr systematisch und nachvollziehbar die Entwicklung der Indikatoren zur Behandlung von Schizophrenie dar. Dabei gelingt es ihnen, komplexe Themen wie bspw. Definitionen von Indikatoren und Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität oder auch die Literaturrecherche und –auswahl komprimiert und gut lesbar und nachvollziehbar darzustellen. Die Integration eines Expertenworkshops mit klaren Vorgaben zur Vorgehensweise und Ranking der Indikatoren und das anschließende nochmalige Review durch einen unabhängigen Experten sind als ein positiv bedenkenswertes methodisches Element in der Entwicklung von Qualitätsindikatoren zu beachten. Bis jetzt gibt es nur wenige vergleichbare Publikationen, die die Entwicklung von Qualitätsindikatoren zum Inhalt haben, so dass diese Publikation als eine weitere wichtige Grundlage zu dieser komplexen Thematik betrachtet werden kann.

Fazit

Das Buch ist flüssig geschrieben und lässt sich leicht lesen. Es ist nicht nur für Fachleute und Interessierte in Psychiatrie und psychiatrienahen Gebieten zu empfehlen, sondern auch für andere, die sich mit der Frage der Messung von Qualität und Entwicklung von Qualitätsindikatoren beschäftigen. Es ist gut vorstellbar, dass diese im Buch beschriebene Vorgehensweise zur Entwicklung von Qualitätsindikatoren auf andere Gebiete in Gesundheits- und Pflegeversorgung übertragen werden kann.


Rezension von
Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/pws/hasseler/index.html
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Zitiervorschlag
Martina Hasseler. Rezension vom 16.03.2011 zu: Stefan Weinmann, Thomas Becker: Qualitätsindikatoren für die Integrierte Versorgung von Menschen mit Schizophrenie. Handbuch. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2009. ISBN 978-3-88414-488-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8867.php, Datum des Zugriffs 22.09.2020.


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