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Ewald Rahn: Umgang mit Borderline-Patienten

Cover Ewald Rahn: Umgang mit Borderline-Patienten. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2009. 160 Seiten. ISBN 978-3-88414-497-8. 16,95 EUR, CH: 29,50 sFr.

Reihe: Basiswissen.
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Thema

Auch wenn die Borderline-Störung noch immer nicht den grundlegenden Verdacht losgeworden ist, eine Modediagnose zu sein, herrscht im psychiatrisch-psychotherapeutischen Tätigkeitsfeld der Konsens, dass es sich damit zumindest um eine der am meisten verbreiteten und zugleich eine der tiefgreifendsten und am schwersten zu behandelnde Persönlichkeitsstörung handelt. Entsprechend stark ist die Nachfrage an fundierten Grundlagenbüchern, Therapiemanualen und Betroffenenliteratur, was sich wiederum an der Zahl der publizierten Werke wiederspiegelt. Dadurch lässt sich aber auch konstatieren, dass die Borderline-Störung eine Wandlung von einer mystifizierten psychischen Störung zu einer ernstzunehmenden und ernstgenommenen Erkrankung durchgemacht hat, der nunmehr positive Entwicklungschancen und wirksame psychotherapeutische Behandlungen attestiert werden. Doch eine Facette kommt auch in den beinahe 40 Jahren seit der ersten fundierten Auseinandersetzung mit dem Störungsbild in der Literatur zu kurz: Die praxisnahe „Entschlüsselung“ der Störung und die hilfreiche Vermittlung von Wertvorstellungen und konkreten Ratschlägen für den Umgang mit Betroffenen fehlte bislang auf dem Büchermarkt. Der hauptsächliche Fokus der veröffentlichten Literatur liegt zum Einen auf der (psychotherapeutischen) Behandlung und richtet sich an entsprechend ausgebildete Praktiker; zum Anderen liegen mehrere Veröffentlichungen vor, die Angehörige und Betroffene ansprechen. Beide Kategorien sind für einen Neueinsteiger nur wenig geeignet. Genau jene frisch ausgebildeten Ärzte, Psychologen und Sozialpädagogen sowie Praktikanten und Hospitanten, welche oft unerwartet Erstkontakt mit Borderline-Patienten haben, hat sich das vorliegende Buch zur Zielgruppe auserkoren. Dem Autor Ewald Rahn liegt daran, unwissende, aber neugierige Professionelle an die Thematik der Borderline-Persönlichkeitsstörung heranzuführen, ihnen wichtige Grundlagen zu vermitteln und sie letztlich bei der Entwicklung einer helfenden Haltung zu unterstützen. Last but not least möchte der Autor dazu beitragen, dass durch einen „verstehenden Zugang“ der Umgang mit Borderline-Patienten erleichtert und ent-spannt wird – was wiederum sowohl den professionell Tätigen, wie auch den Betroffenen zu Gute kommen soll.

Autor

Dr.med. Ewald Rahn, Arzt für Nervenheilkunde und Psychotherapeut ist stellvertretender Leiter der Westfälischen Klinik in Warstein. Er veröffentlichte bereits mehrere Bücher, darunter das zusammen mit Angela Mahnkopf verfasste „Lehrbuch Psychiatrie für Studium und Beruf“ und „Borderline: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige.

Entstehungshintergrund

Bei dem vorliegenden, aktuellen Exemplar handelt es sich um die erste Auflage einer Neuausgabe. Die vorhergehende zweite Auflage erschien bereits 2003 (vgl. die Rezension). Die aktuelle Auflage wurde dabei umstrukturiert, aktualisiert und teilweise erheblich ergänzt. So kann das Buch nun mit 20 zusätzlichen Seiten aufwarten.

Sowohl die ersten beiden, wie auch die neue Auflage des Buches sind in der Reihe Basiswissen des Psychiatrie Verlages Bonn erschienen. Diese Reihe hat zum Ziel, zentrale Themen psychiatrischer Arbeit in strukturierter und konzentrierter Form darzustellen. Angesprochen werden dabei insbesondere Auszubildende, Berufsanfänger und Quereinsteiger, denen nicht nur ein theoretischer Grundstock, sondern auch praktische Tipps vermittelt werden soll.

Aufbau

Das Buch lässt sich grob in acht unterschiedliche Kapitel unterteilen, die jeweils verschiedene Aspekte des Umgangs mit Borderline-Patienten thematisieren. Der Aufbau und die Gestaltung sind in jedem Kapitel identisch. Das Buch ist weniger im Stil eines Lehrbuchs gehalten, sondern vielmehr als „Lesebuch“ konzipiert. Daher wurde weitgehend auf didaktische Kniffe verzichtet, um den Lesefluss zu gewährleisten. Der Text wird durch Tabellen und zweifarbige Abbildungen unterbrochen. Auch finden sich in den Text integrierte Definitionen und Hinweise auf weitere im Buch thematisierte Stichwörter. Der Fließtext wird gelegentlich durch Beispiele, Fallvignetten und Anregungen zur Selbstreflexion aufgelockert. Jeder Abschnitt wird mit einem Merksatz beendet.
Das Buch beginnt mit einigen Vorbemerkungen des Autors und schließt mit einem Glossar sowie mit ausgewählter Literatur zur Vertiefung und hilfreichen Internetadressen.

Inhalt

Das Buch beginnt mit einer Vorbemerkung, in der Rahn postuliert, Borderline-Patienten werfen existentielle Grundfragen auf und nehmen dadurch erheblichen Einfluss auf den Lernprozess von Helfern. Nicht zuletzt durch die Schwere der Störung werden professionelle Helfer an persönliche Grenzen gebracht, woraus die Notwendigkeit von großen Lernschritten insbesondere bei der Gestaltung helfender, therapeutischer Beziehungen umso mehr gegeben ist. Rahn konstatiert, dass gerade deswegen auch Berufsanfänger einen Bedarf an einem übersichtlichen Einblick in das Thema Borderline-Störung haben und begründet dadurch den Stellenwert des Buches.

Auch wenn die einzelnen Abschnitte des Buches nicht als Kapitel gekennzeichnet sind, wird diese Bezeichnung im Folgenden verwendet.

Das erste Kapitel legt die notwendigen Grundlagen dar, die für das weitere Verständnis der Störung wichtig sind. Als Einstieg versucht Rahn, die Helferperspektive darzustellen und bedient sich auch dem Mittel der Selbstreflexion, indem er den Leser dazu ermuntert, sich Gedanken über wichtige Beziehungsaspekte zu machen. Nur durch eine prozessorientierte Perspektive darauf, anderen Menschen – Patienten, Klienten – eine zielgerichtete und sinnvolle Handlung zu ermöglichen, kann eine konstruktive Problembewältigung gelingen. Diese Grundhaltung stellt Rahn als wichtig für das Krankheitsverstehen heraus. Im zweiten Teil des Kapitels werden die Konstrukte Person, Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung genauer erläutert und voneinander differenziert. Unter anderem steigt der Autor in Persönlichkeitspsychologische Theorien ein und verfolgt deren stetige Entwicklung hin zu einem multifaktoriellen Verständnis von Persönlichkeitsstörungen. Im letzten Abschnitt diskutiert er weitere wichtige Faktoren, die eine zentrale Rolle bei Persönlichkeitsstörungen einnehmen. So thematisiert der Verfasser die Rolle der Emotionen, gibt einen Überblick über die Bewertung und Auswertung von im bisherigen Leben gemachten Erfahrungen hinsichtlich der dahinter stehenden Schemata und legt die unterschiedlichen Komponenten der eigenen Identität dar – ein zentraler Aspekt bei Borderline-Störungen. Einen Schwerpunkt innerhalb dieses Abschnitts nehmen die Emotionen ein, die Rahn als Grundlagen des Handelns und Verhaltens versteht und auf deren Grundlage er auch Erkenntnisse der Bindungsforschung einfließen lässt. Diese wichtigen Aspekte amalgamiert der Verfasser des Buches letztlich zu einem kompletten Verständnis einer Person hinsichtlich deren sozialen Verhaltens und betont, dass Borderline-Störungen stets eine Auswirkung auf zwischenmenschliche Interaktionen haben und darüber hinaus mit der Lerngeschichte und den Informationsverarbeitungsprozessen der Person verknüpft sind.

Das zweite Kapitel thematisiert Fragen der Diagnostik bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Rahn nutzt den Einstieg für einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung hin zu den derzeit gebräuchlichen operationalisierten und dimensionalen Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-IV. Im Anschluss werden die einzelnen Kriterien der Störung auf der Grundlage des Diagnostischen und Statistischen Manuals näher definiert. Anhand klinischer Beispiele illustriert Rahn die einzelnen Kriterien auf anschauliche Weise. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einigen Aussagen über Vorkommen und Verlauf der Störung.

Im darauf folgenden dritten Kapitel geht der Autor von den relativ starren Kriterien der Diagnosesysteme zu einer praxisnahen Darstellung der typischen Verhaltensmuster bei Borderline-Störungen über. Dies geschieht mit dem Hinweis, dass man solche Muster nicht generalisieren sollte, sondern stets dessen gewahr werden muss, dass jede(r) Betroffene(r) eine individuelle Ausformung aufweist. Unter Bezugnahme auf das Modell der Dialektisch-Behavioralen Therapie nach Linehan und dem zu Grunde liegenden biopsychosozialen Verständnis unterteilt Rahn jene Verhaltensmuster in Aktive Passivität, Scheinbare Kompetenz bezüglich des täglichen Lebens, Permanente Krise und Gehemmte Trauer. Diese Verhaltensweisen implizieren bereits direkte lösungsorientierte Reaktionen eines Helfers, welche Rahn dann auch näher benennt. Dem Selbstverletzenden Verhalten widmet sich das Büchlein mit einem eigenen Unterpunkt in dem herausgestellt wird, dass dieses der Spannungsregulation dient und die Aufgabe sein muss, Alternativen gemeinsam mit dem Betroffenen zu erarbeiten. In einem Zusammenhang steht dann auch die meist chronische Suizidalität. Auch diese wird nach Ansicht des Verfassers als Strategie zur Emotionsregulation eingesetzt und sollte auf Seiten des Helfers stets aufmerksam und ernst beobachtet werden. Rahn betont auch hier die Eigenverantwortung des Patienten und plädiert für einen offenen Umgang mit dieser Thematik, da nur so konkrete Strategien und Gegenmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden können. Im letzten Abschnitt wird auf den Einfluss von Therapiegefährdendem Verhalten und den oft nicht gleich erkennbaren Selbstanteilen professioneller Helfer hingewiesen. Abschließend werden wichtige Einflussfaktoren wie das zusätzliche Vorliegen einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder anderer Begleiterkrankungen wie Essstörungen skizziert.

Etwa in der Mitte des Buches wechselt der Autor die Perspektiven und geht von den Grundlagen hin zu den anwendungsbezogenen Aspekten und beschäftigt sich im vierten Kapitel mit der Entwicklung einer helfenden Haltung. So weist er daraufhin, dass es nicht darauf ankommt, Betroffenen neutral zu begegnen (wie es die orthodoxe Psychoanalyse noch fordert), sondern es vielmehr hilfreich sein kann, eigene Persönlichkeitsanteile einzubringen im Sinne eines respektvollen Umgangs miteinander. Trotz der komplexen innerpsychischen und sozialen Zusammenhänge bei Borderline-Störungen formuliert Rahn im Folgenden einige basale Grundregeln im Umgang mit jenen. Diese Regeln richten sich dann auch nur bedingt an spezifische Berufsgruppen, vielmehr geben sie Hilfestellung für Vertreter jeglicher Profession. Das Ziel dieser bedeutenden Verhaltensweisen ist dann auch in der Entwicklung einer ganzheitlichen Sichtweise zu sehen, die dennoch persönliche Elemente des Helfers beinhaltet, beinhalten muss. Diese Haltung ist die Substanz, der feste Boden für die zu leistende Hilfe. Rahn gibt hier konkrete Hinweise für den Hilfeprozess und diskutiert auch solche Aspekte wie den Umgang mit der Diagnose (welche immer auch die Gefahr einer Stigmatisierung beinhaltet), Therapieverträge oder die Bedeutung von Regeln. Auch versäumt er nicht darauf hinzuweisen, dass das gesamte Behandlungsteam eine wichtige Rolle in der Versorgung Betroffener inne hat und deshalb behutsam mit Spannungen und Spaltungen umgegangen werden muss.

Im darauf folgenden fünften Kapitel nähert sich der Autor des Buches unterschiedlichen helfenden Strategien an. Dabei stößt er hauptsächlich in den Kern der verhaltenstherapeutischen Behandlung vor, indem er so unterschiedliche Bausteine wie Psychoedukation, Verhaltensanalysen, Validierungsstrategien, bis hin zu imaginativen Übungen und psychopharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten zur Diskussion stellt.

Der letzte Teil des Buches befasst sich knapp mit dem Umfeld des Betroffenen und greift spezielle Fragen des Behandlungssettings auf. Hier stellt Rahn die Vor- und Nachteile von ambulanten Settings den stationären Behandlungsmöglichkeiten gegenüber und weist auf den Unterschied zwischen therapeutischen Behandlungen und rehabilitativen Maßnahmen hin.

Im letzten Kapitel beleuchtet der Verfasser die Situation und die Perspektive eines professionellen Helfers und versucht Antworten auf praktische Fragen im Umgang mit Borderline-Verhalten zu geben. So misst er dem ersten Eindruck in einer zwischenmenschlichen Beziehung eine zentrale Bedeutung bei und diskutiert im weiteren Verlauf unterschiedliche Beziehungskonstellationen. Der Leser erfährt hierdurch praktisches Wissen um jene Situationen, wenn alle bisher stattgefundenen Therapieversuche gescheitert sind, oder wenn die vorliegenden Vorinformationen ein anderes Bild vom Patienten vermitteln, wie es der persönliche erste Eindruck nahelegt. Genau solche Faktoren verunsichern in der Praxis den unerfahrenen Helfer und tragen zur Komplikation einer professionellen Beziehung bei. Insgesamt 14 unterschiedliche Situationen finden sich in diesem Kapitel, die je nach Situation unterschiedliche Vereinbarungen zwischen Klient und Therapeut vorschlagen und dazu passende Fertigkeiten und Strategien beinhalten, um eine angespannte Situation aufzulösen und nicht noch weiter zu verschärfen.

Das Büchlein endet mit einem kurzen, aber informativen Glossar wichtiger Fachbegriffe und verschiedenen Literaturhinweisen.

Diskussion

Die Intention des Autors liegt ganz klar und sofort erkennbar auf der praktischen und alltagsnahen Unterstützung eines professionellen Helfers im Umgang mit Borderline-Patienten. Diese Herangehensweise birgt Gewinn wie Verlust gleichermaßen. Zum Einen kann und will das Buch das Literaturstudium von theoretisch ausgerichteten Fachbüchern und Zeitschriftenartikeln nicht ersetzen. Dazu sind die grundlegenden Informationen über Vorkommen, Ausgestaltung und Facettenreichtum der Störung nicht umfassend genug. Dennoch wird der – zumeist wohl unerfahrene Leser – mit einem soliden Rüstzeug ausgestattet, um Borderline-Störungen besser verstehen zu können. Genau das ist bereits sehr viel für junge und unerfahrene Berufseinsteiger. Hierin liegt auch der Gewinn, dass jener Helfer nicht mit statischen und arg theoretischen Begriffen konfrontiert wird, die aus einem Menschen mit Borderline-Störung nichts anderes als einen Symptomkomplex werden lässt, bei dem man nur noch danach sucht, welche Kriterien denn nun als erfüllt gelten können und welche nicht. Die Herangehensweise von Ewald Rahn und damit das gesamte Buch, haucht den „Borderlinern“ Leben ein und lässt sie zu komplexen Menschen werden, die unter einer ebenso komplexen aber behandelbaren Störung leiden. Genau hierin liegt der Hauptgewinn des Buches verborgen. Die abstrakten Theorien und Modelle werden so kurz wie möglich gehalten und in nachfühlbare und verstehbare plastische Beispiele überführt. Dies führt wiederum nicht nur zu einem wichtigen Verständnis der Störung, sondern vermittelt gleichzeitig ein Gefühl für die notwendige Helferperspektive und trägt tatsächlich zur Entwicklung einer helfenden Haltung bei. Dabei macht der Autor nicht den Fehler, die Störung zu bagatellisieren, oder zukünftige Interaktionen zwischen Helfer und Betroffenem zu verharmlosen. Vielmehr gelingt es ihm auf eindrückliche Weise, die Störung ressourcenorientiert zu betrachten um dadurch den therapeutischen Fortschritt nicht zu blockieren.

Als absolut positiv sind die unzähligen Praxis- und Fallbeispiele zu nennen, die im ganzen Buch verstreut sind. Diese haben nicht immer den Charakter klinischer Fallvignetten, vielmehr erlauben sie einen plastischen Eindruck in die Gefühlswelt Betroffener und ermöglichen auch hier so etwas wie eine Perspektivübernahme. Ebenfalls hilfreich sind die vielen Querverweise, so dass man nicht nur themengebunden sondern auch interessensgeleitet stöbern und sich so einen zusammenhängenden Wissensschatz aneignen kann. Dem gegenüber steht jedoch leider die leicht chaotisch anmutende Struktur des Buches. So scheint es zwar offensichtlich zu sein, dass der Band als ein Lesebuch konzipiert wurde, dennoch wäre eine sparsame Kapitelnummerierung hilfreich gewesen und hätte den Lesefluss nicht weiter beeinträchtigt. Auch ist das Layout nicht sehr abwechslungsreich gestaltet worden, was bisweilen so etwas wie Eintönigkeit aufkommen lässt. Konträr dazu präsentiert sich die Sprache allerdings sehr praxistauglich und empathisch. So merkt man dem Buch an jeder Stelle das unbedingte Interesse und die Wertschätzung an, die der Autor Betroffenen aber auch professionellen „Neueinsteigern“ gegenüber bringt. Letztlich lässt sich festhalten, dass der Leser kurz und kompakt einen umfassenden Überblick über die Borderline-Störung und deren Behandlung erhält sowie Hinweise, Vorschläge und letztlich Hilfe für den Umgang mit einem Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung erfährt. Positiv ist auch, dass der Autor durchaus verhaltenstherapeutische und psychoanalytische Ansätze gleichberechtigt vorstellt und im Verlauf des Textes immer wieder einfließen lässt. Dieser integrative Ansatz überträgt sich auch auf den Leser und sorgt für ein integratives Verständnis. Negativ fällt jedoch hin und wieder die individuelle Sichtweise des Autors auf. So gibt er beispielsweise ambulanten Therapien den eindeutigen Vorzug gegenüber stationären Behandlungen und versäumt ein wenig, die oftmals notwendige Verschränkung beider besser herauszustellen. Allerdings wirken solche persönlichen Meinungsfreiheiten nie absolut oder stehen im Vordergrund des Buches.

Das Buch trägt dazu bei, (sozio)therapeutische Misserfolge zu vermeiden oder sie zumindest zu minimieren und entmystifiziert zudem die Borderline-Störung. Durch das kleine und dünne Format passt das Buch gut in eine Hosentasche und kann so erfolgreich in den klinischen, sozialpädagogischen oder therapeutischen Alltag integriert werden.

Fazit

Das Buch „Umgang mit Borderline-Patienten“ vermittelt kurz und knapp die wesentlichen Aspekte der Borderline-Störung und deren Behandlung. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Unterstützung bei der Entwicklung einer helfenden und interessierten Haltung des Helfers. Jeder Neueinsteiger, aber auch bereits seit längerem tätige Professionelle können das Buch mit Gewinn lesen, da es empathisch über den Menschen hinter der Störung aufklärt und wichtige Impulse für die eigene, gefestigte Persönlichkeit gibt, welche letztlich einer tragfähigen therapeutischen Beziehung zu Gute kommt.


Rezension von
Dipl.-Psych. Tobias Eisenmann
Psychologischer Psychotherapeut (VT);Dipl.-Soz.päd.
Ehem. Wissenschaftlicher Mitarbeiter - Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik, Universität Erlangen-Nürnberg
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Zitiervorschlag
Tobias Eisenmann. Rezension vom 19.06.2010 zu: Ewald Rahn: Umgang mit Borderline-Patienten. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2009. ISBN 978-3-88414-497-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8868.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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