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Rachel Bryant-Waugh, Bryan Lask: Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Cover Rachel Bryant-Waugh, Bryan Lask: Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Rat und Hilfe für Eltern. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. 192 Seiten. ISBN 978-3-456-84516-6. 19,95 EUR, CH: 33,90 sFr.

Originaltitel: Eating disorders.
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Autorin und Autor

Rachel Bryant-Waugh und Bryan Lask sind bekannte, britische EssstörungstherapeutInnen.

Das vorliegende Buch wurde von Irmela Erckenbrecht ins Deutsche übersetzt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch richtet sich – wie der Titel schon sagt – an Eltern und bietet diesen in allgemeinverständlicher Form Informationen zum Thema Essstörungen. Zunächst werden im Kapitel „Was sind Essstörungen?“ die Themen Magersucht, Bulimie, selektives Essverhalten, restriktives Essverhalten, „Essphobie“ bzw. „funktionelle Dysphagie“ oder „Schluckstörung“, psychogener Appetitverlust und zwanghaftes Überessen vorgestellt.

Im Kapitel „Woher kommen Essstörungen?“ werden prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren dargestellt. Als „prädisponierende Faktoren“ beschreiben die Autoren „genetische Veranlagung“, „Persönlichkeit“, „biologische Faktoren“ und „soziokulturelle Faktoren“ und bleiben in dieser Darstellung sehr plakativ und stark verallgemeinernd. Unter „auslösenden Faktoren“ werden „stressreiche Erlebnisse“ wie beispielsweise „bevorstehende Prüfungen; Schwierigkeiten in der Schule; mangelnde Akzeptanz bei den Gleichaltrigen; Schulwechsel; Umzug der Familie; Verlust eines Freundes, Verwandten oder Haustiers; Spannungen in der Familie und schwere Traumata (Unfallzeuge, Tatopfer, sexueller Missbrauch)“ aufgezählt und es wird versucht, diese an zwei kurzen Fallbeispielen deutlich zu machen (S. 50 ff.). Auch diese Darstellungen fallen sehr plakativ aus. Abschließend werden „aufrechterhaltende Faktoren“ beschrieben. Dabei wird dargestellt, „dass Eltern oft unwillentlich die Essprobleme ihrer Kinder aufrechterhalten“, dass das aber für Eltern „eine gute Nachricht“ sei, weil dies bedeute, „dass sie, wenn sie sich der Wirkung ihres Verhaltens bewusst werden, auch selbst etwas daran ändern könnten“ (S. 56). Das Kapitel „Woran erkenne ich, dass mein Kind eine Essstörung hat?“ beschäftigt sich dann plastisch und gut beschrieben mit Anzeichen und Symptomen von Essstörungen.

Es folgt ein Teil mit dem Titel „Was kann ich tun? – Allgemeine Grundsätze“, das mit „Grundsätzen für das Verständnis von Essproblemen“ beginnt, die im Wesentlichen vermitteln wollen, dass sich niemand freiwillig für eine Essstörung entscheidet, dass Essstörungen mit einem erheblichen Leidensdruck einhergehen und dass es dennoch für die Betroffenen sehr schwierig ist, gegen die Essstörung anzukämpfen, weil das für Außenstehende oft nicht nachvollziehbare, negative Selbstbild den „Dreh- und Angelpunkt“ der Erkrankung darstellt (S. 76 – 78). Dann folgen „Grundlegende Richtlinien für den Umgang mit Essproblemen“, in denen u.a. geschildert wird, wie wichtig es ist, dem Kind nicht die Schuld an den Essproblemen zuzuschreiben, dass es sehr essentiell ist, nicht die Geduld zu verlieren, so „wütend und verzweifelt“ einen das alles als Eltern machen kann, dass es wichtig ist, als Eltern „konsequent und einig“ aufzutreten, und dass man bei alldem nicht die „positiven Seiten des Kindes“ aus dem Auge verlieren sollte. Beim Lesen fragt man sich, wie dieser Text auf Eltern, deren Kind seit Längerem an Essproblemen leidet, wirken mag.

Im Kapitel „Was kann ich tun? – Konkrete Maßnahmen“ (S. 85 – 113) stellen die Autoren ihre konkreten Tipps und Verhaltensregeln für Eltern, bezogen auf verschiedene Essstörungen und Essprobleme, dar. Es wäre interessant, zu hören, was ehemals von Essstörungen Betroffene selbst davon halten. Dann geht es im Kapitel „Wo bekomme ich welche Hilfe?“ um eine allgemeine Darstellung der aus Sicht der Autoren effektiven Behandlungsschritte bei Essstörungen und Essproblemen. Abschließend werden unter „Was lässt sich über die Zukunft sagen?“ prognostische Aspekte diskutiert und dann folgen noch Fallgeschichten, ein zweieinhalbseitiges Glossar, eine halbe Seite mit – aus Sicht der Autoren – empfehlenswerten Büchern und eine unvollständige Liste mit Adressen, an die sich Betroffene und Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz wenden können.

Fazit

Wenn auch die Darstellung der verschiedenen Essstörungen und Essprobleme ein Stück weit plakativ und sehr verallgemeinernd ist, so kann dieses Buch doch für Eltern von davon betroffenen Kindern und Jugendlichen eine Einstiegslektüre darstellen. Ob die Lektüre dieses Buches für sie tatsächlich – wie im Titel angekündigt – hilfreich ist und ob es ihnen Mut macht, können letztlich nur sie selbst beurteilen. Der ein oder andere gute Rat oder Tipp ist darin schon zu finden. Das Buch entspricht den Standards der gängigen Ratgeberliteratur zum Thema. Gut daran ist, dass nicht nur Magersucht und Bulimie, sondern auch die Themen selektives Essverhalten, restriktives Essverhalten, „Essphobie“ bzw. „funktionelle Dysphagie“ oder „Schluckstörung“, psychogener Appetitverlust und zwanghaftes Überessen besprochen werden.


Rezensentin
Prof. Dr.phil. Dr.rer.nat. Annemarie Rettenwander
Professorin für Psychologie – Organisationspsychologie, Kommunikationspsychologie und Psychologie der Essstörungen an der Hochschule Niederrhein/ Mönchengladbach
Homepage web.hs-niederrhein.de/oecotrophologie/ueber-den-fac ...


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Zitiervorschlag
Annemarie Rettenwander. Rezension vom 28.07.2010 zu: Rachel Bryant-Waugh, Bryan Lask: Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Rat und Hilfe für Eltern. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. ISBN 978-3-456-84516-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8882.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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