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Markus Pospeschill, Frank M. Spinath: Psychologische Diagnostik

Cover Markus Pospeschill, Frank M. Spinath: Psychologische Diagnostik. UTB (Stuttgart) 2009. 220 Seiten. ISBN 978-3-8252-3183-5. 24,90 EUR.

Reihe: UTB - 3183.
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Thema und Zielgruppe

Der Band versteht sich als einführendes Lehrbuch in die Grundlagen- und Anwendungsbereiche der Psychologischen Diagnostik. Er richtet sich insbesondere an Studierende der Psychologie und angrenzender Studienfächer, z.B. Pädagogik, Betriebswirtschaftslehre und Medizin, soll aber auch praktisch tätige Psychologen, Pädagogen und Lehrer über zentrale Grundbegriffe und Möglichkeiten der Testanwendung in unterschiedlichen diagnostischen Arbeitsfeldern informieren.

Autoren

Beide Autoren lehren und forschen im Fach Psychologie an der Universität des Saarlandes. Dr. Markus Pospeschill arbeitet u.a. zu den Bereichen Methodenlehre, Forschungsmethoden und Psychologische Diagnostik. Prof. Dr. Frank Spinath ist Inhaber des Lehrstuhls für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik.

Aufbau

Der Band umfasst 8 Kapitel, Literatur- und Sachregister sowie ein Glossar wichtiger Begriffe der Psychologischen Diagnostik. Jedes Kapitel beginnt mit einer knappen Inhaltsübersicht und wird durch Testfragen zur Verständniskontrolle abgerundet. In die Kapitel eingebettet sind Concept Maps, die in vergrößerter Form auch über das WWW verfügbar sind; hier werden die Schlüsselbegriffe ausgewählter Themen und deren Verknüpfungen visualisiert.

Inhalt

Die ersten vier Kapitel des Bandes sind den allgemeinen Grundlagen der Psychologischen Diagnostik gewidmet.

  • Kapitel 1 behandelt Definitionen und Grundbegriffe der Psychologischen Diagnostik und liefert einen knappen Abriss ihrer Historie.
  • In Kapitel 2 werden die Grundlagen psychodiagnostischer Verfahren expliziert. Nach einer Einführung in psychometrische Konzepte der Klassischen und Probabilistischen Testtheorie gehen die Autoren auf Strategien der Test- und Fragebogenkonstruktion und die Vorgehensweise bei der psychometrischen Prüfung von Testverfahren ein und behandeln abschließend die Gütekriterien der Klassischen Testtheorie.
  • Kapitel 3 gibt eine Übersicht verschiedener Klassen psychologischer Testverfahren und stellt exemplarisch einige Instrumente vor. Treffender sollte das Kapitel wohl mit "Erhebungsmethoden" überschrieben werden, da neben Fähigkeits- und Leistungstests, Persönlichkeitstests und Projektiven Verfahren auch Techniken der Verhaltensbeobachtung und Befragung erläutert werden.
  • Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Prozess der diagnostischen Urteilsbildung und Begutachtung. Hier werden auch rechtliche Fragen angesprochen, soweit es um berufsbezogene (Eignungs-)Diagnostik geht.

In den Kapiteln 5 bis 7 werden spezielle Fragen und Probleme der Diagnostik in den drei großen traditionellen Anwendungsfeldern der Psychologie aufgegriffen.

  • Das knapp gehaltene Kapitel 5 "Arbeits- und organisationspsychologische Diagnostik" geht auf Fragen der Diagnostik von Organisationen wie auch von Personen sowie die Arbeits- und Anforderungsanalyse ein.
  • Etwas ausführlicher stellt Kapitel 6 Vorgehensweisen, Probleme und Untersuchungsverfahren der klinisch-psychologischen und klinisch-neuropsychologischen Diagnostik vor.
  • Das wiederum sehr straff geschriebene Kapitel 7 nimmt Bezug auf diagnostische Aufgaben im pädagogisch-psychologischen Kontext, speziell die Diagnostik von Lernleistungen und die Schullaufbahnberatung, spart aber auch die Diagnostik von Kontextfaktoren (Schul- und Unterrichtsklima) nicht aus.

Kapitel 8 schließlich ist überschrieben mit "Probleme, Leistungen und Herausforderungen in der Diagnostik". Hier werden spezielle methodische Themen angesprochen, die sich in die übrigen Kapitel nicht integrieren ließen, jedoch für die Beurteilung psychometrischer Untersuchungsverfahren bedeutsam sind.

Diskussion

Auf dem Lehrbuchmarkt findet sich eine Fülle von Einführungsbänden zur Psychologischen Diagnostik, sodass die kritische Frage aufgeworfen werden muss, in welcher Hinsicht ein weiteres Lehrbuch diesen Markt ergänzt. Ohne Zweifel ist der vorliegende Band flüssig und gut lesbar verfasst. Unter didaktischen Gesichtspunkten hilfreich sind die grafisch vom Text abgesetzten Definitionen, die Schlagwörter am Rand und das Glossar wichtiger Fachbegriffe. Die Concept Maps liefern eine interessante, aber gewöhnungsbedürftige Aufbereitung des Stoffes; sie können eine geeignete Lernhilfe darstellen, wenn sie ausgedruckt und mit individuellen Anmerkungen versehen werden. Leider ist jedoch bei dem Bemühen der Autoren um eine kompakte Darstellung die Anschaulichkeit der Darstellung sehr kurz gekommen. Zwar werden eingebettet in die einzelnen Kapitel zahlreiche Testverfahren beschrieben, doch finden sich keine Beispielitems oder Fallschilderungen, welche die Anwendung der Instrumente illustrieren. Hierzu müssen Leserinnen und Leser weiterhin auf andere vorliegende Lehrbücher zur Psychologischen Diagnostik zurückgreifen.

Fazit

Der Band vermittelt fundiertes methodisches und anwendungsbezogenes Wissen, bleibt jedoch recht abstrakt und wenig anschaulich. Er scheint daher trotz seiner weitgehend verständlichen Sprache nur bedingt geeignet, das Interesse bislang fachfremder Leserinnen und Leser an dem so wichtigen Themengebiet der Psychologischen Diagnostik zu wecken.


Rezension von
Dr. Anne-Kathrin Mayer
Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), Trier
Homepage www.zpid.de/profile/team.php?person=mayer
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Zitiervorschlag
Anne-Kathrin Mayer. Rezension vom 22.01.2010 zu: Markus Pospeschill, Frank M. Spinath: Psychologische Diagnostik. UTB (Stuttgart) 2009. ISBN 978-3-8252-3183-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8927.php, Datum des Zugriffs 19.01.2021.


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