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Günter Daniel Rey: E-Learning

Cover Günter Daniel Rey: E-Learning. Theorien, Gestaltungsempfehlungen und Forschung. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2009. 237 Seiten. ISBN 978-3-456-84743-6. 29,95 EUR, CH: 49,90 sFr.
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Thema

Der Autor beschäftigt sich mit den psychologischen Grundlagen des Lehrens und Lernens mittels elektronischer Medien. Dabei zielt er vor allem auf Lernende, Lehrkräfte sowie Praktiker und Forscher. Nach einer fundierten Einführung in das Thema E-Learning stellt der Autor aktuelle Theorien vor, aus denen er zahlreiche Empfehlungen zur Gestaltung elektronischer Lernmaterialien ableitet. Diese Gestaltungsprinzipien sind experimentell auf Lernförderlichkeit überprüft und zeichnen sich durch eine hohe Praxisrelevanz aus. So behandelt der Autor u.a. die Frage, wie (Hyper-)Text, Bilder, Animationen, Computersimulationen und Problemlösungsaufgaben zu gestalten sind.

Weiterhin gibt der Autor Studierenden wertvolle Tipps für die Erstellung von Abschlussarbeiten zum Thema E-Learning unter Einbeziehung empirischer Studien. Abschließend macht er einen Ausblick zu aktuellen E-Learning Themen, wie z.B. adaptive Lernumgebungen, kollaboratives Lernen sowie E-Learning-Spiele.

Zusatzmaterialien für den Einsatz in Lehrveranstaltungen sowie eine Vielzahl von Beispielen auf der Website www.elearning-psychologie.de runden das Fachbuch ab.

AutorIn oder HerausgeberIn

Dr. Günter Daniel Rey ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der Universität Würzburg (Prof. Dr. W. Schneider und Prof. Dr. G. Nieding). Er wurde zum Thema "Lernen mit Multimedia. Die Gestaltung interaktiver Animationen." promoviert.

Entstehungshintergrund

Bei der Gestaltung innovativer Lernprozesse gilt es, den Spagat zwischen exzellenter Forschung und hervorragender Lehre mit Hilfe von E-Learning Lösungen zu meistern. Es bietet sich an, dabei Forschung und Lehre bzw. Lernprozesse der Studierenden zum Thema E-Learning miteinander zu verknüpfen, indem innovative Lernmaterialen entwickelt und empirisch untersucht werden. Erfahrungen in der Lehre können wiederum dazu dienen, Forschungsfragen zu konzipieren und zu präzisieren. Daraus können in einem gemeinsamen Prozess mit den Studierenden neuartige Lernsysteme entwickelt und erprobt werden. E-Learning erfordert dabei einen Paradigmenwechsel hin zu selbstgesteuerten oder gar selbstorganisierten Lernprozessen.

Aufbau und Inhalt

Im einleitenden Kapitel erhält der Leser einen Überblick über die Begriffe E-Learning und Multimedia und deren vier Teilaspekte Multimedialität, Multicodalität, Multimodalität und Interaktivität. Weiterhin werden Untersuchungen zu verschiedenen Medien, Codierungsformen, Sinnesmodalitäten oder Interaktivitätsgrade vorgestellt und kritisch bewertet.

Im zweiten Kapitel „Theorien“ stellt der Autor verschiedene Theorien zum multimedialen Lehren und Lernen dar. Er skizziert die drei Hauptströmungen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus sowie den pragmatischen Lernansatz des Konnektivismus und beleuchtet ausgewählte Theorien zum Thema E-Learning. In besonderem Maße geht er dabei auf die Cognitive Load Theorie von Sweller und die kognitive Theorie multimedialen Lernens von Mayer ein, die von besonderer Bedeutung in der aktuellen Diskussion multimedialer Lernkonzepte sind. Diesen vorherrschenden Theorien stellt er alternative Modell gegenüber, die sich teilweise deutlich davon unterscheiden. Dabei wird deutlich, dass diese komplexen Modelle leider nur wenige Empfehlungen für die Geestaltung von Lernmedien bieten.

Im dritten Kapitel „Gestaltung“ werden ausgewählte Gestaltungsempfehlungen für E-Learning Umgebung entwickelt und theoretisch untermauert, die sehr hilfreich für die Praxis sind. Dem Leser werden eine Vielzahl von Gestaltungsempfehlungen für (Hyper-)texte, Bilder, Animationen, Computersimulationen und Problemlösungsaufgaben vorgestellt. Dabei werden auch unterschiedliche Lernereigenschaften berücksichtigt, die Einfluss auf diese Empfehlungen haben. So wird beispielsweise empfohlen, das visuelle und akustische Arbeitsgedächtnis gleichzeitig zu nutzen. Dagegen sind geschriebene Texte, die parallel mittels Audio vorgetragen werden, für die Lerneffizienz schädlich. Problemlösungsaufgaben werden zunehmend in E-Learning Umgebungen integriert, da Blended Learning Arrangements und kompetenzorientierte Lernziele an Bedeutung gewinnen. Dabei führt eine erhöhte Variabilität in unterschiedlichen Lernübungen zu besseren Transferleistungen.

Das vierte Kapitel „Forschung“ richtet sich in erster Linie an Studierende, während die ersten drei Kapitel vor allem für Entwickler und Umsetzer von E-Learning Systemen nützliche Hinweise liefern. Der Leser erhält wertvolle Hinweise zur Auswahl eines geeigneten Forschungsthemas sowie zur Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Untersuchung. Abgerundet wird dieser Abschnitt mit praktischen Hinweisen zur Gestaltung von Untersuchungsberichten.

Das letzte Kapitel liefert einen Ausblick auf ausgewählte Themen innerhalb der E-Learning Forschung und deren Vernetzung. Dazu gehören adaptive Lernumgebungen, kollaborative Lernumgebungen und digitale Lernspiele.

Diskussion

Das Fachbuch will einerseits Lernenden, Dozierenden, Praktikern und Forschern Grundlagen und Handlungsanleitungen zur Entwicklung und Gestaltung von E-Learning Systemen liefern, andererseits aber auch Studierenden Hinweise zur Gestaltung von Untersuchungen im E-Learning-Bereich bieten. Die Gestaltungshinweise bieten den Entwicklern von E-Learning Systemen eine Vielzahl wertvoller Handlungsanleitungen, die gleichzeitig auch noch theoretisch fundiert werden. Dies ist die große Stärke des Fachbuches, das dem Leser damit eine solide Basis für seine praktische Entwicklungsarbeit liefert, die deutlich über reine Handlungsrezepte hinaus geht.

Insbesondere im 3. und insbesondere auch im 5. Kapitel entsteht der Appetit nach „Mehr“, während das 4. Kapitel „Forschung“ eher als Anhang geeignet erscheint, da es nur einen Teil der Leser anspricht.

Fazit

Insgesamt ist das Fachbuch „E-Learning“ von Günter Daniel Rey eine echte Bereicherung der gängigen E-Learning Literatur, die sowohl den theoretisch als auch praktisch interessierten Leser anspricht und uneingeschränkt empfohlen werden kann. Besonders wertvoll sind die Gestaltungsanleitungen, die direkt in die praktische Umsetzung einfließen können. Man kann nur hoffen, das Günter Daniel Rey dieses Buch als Anfang sieht und bald eine Vertiefung des Werkes folgen lässt, das den Schwerpunkt mehr auf die Unterstützung selbstorganisierten „Lernens“ und weniger der „Lehre“ legt.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 09.07.2010 zu: Günter Daniel Rey: E-Learning. Theorien, Gestaltungsempfehlungen und Forschung. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2009. ISBN 978-3-456-84743-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/8952.php, Datum des Zugriffs 22.11.2017.


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