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Achim Schad: Kinder brauchen mehr als Liebe

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 13.04.2010

Cover Achim Schad: Kinder brauchen mehr als Liebe ISBN 978-3-89670-733-8

Achim Schad: Kinder brauchen mehr als Liebe. Klarheit, Grenzen, Konsequenzen. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2010. 140 Seiten. ISBN 978-3-89670-733-8. 14,95 EUR.

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Mehr als Liebe?

Auf den Titel möchte man ja gleich antworten mit Erich Frieds Gedicht: „Es ist was es ist sagt die Liebe“. Was auch immer der Verlag sich bei der Titelung des Buches von Achim Schad gedacht haben mag – da kommt doch eine merkwürdige Vorstellung von „Liebe“ zum Ausdruck. Denn: Hast du die Liebe nicht, bist du ein armer Wicht! Natürlich ist mit dem Titel etwas anderes gemeint; nämlich dem zu widersprechen, was man gelegentlich von Eltern hört: Wir lieben unser Kind, deshalb darf es machen, was es will! Erziehungsratgeber gibt es mittlerweile in Fülle; sie füllen ganze Regale und Büchertische in den Buchhandlungen. Und sie reichen von den Buebschen Forderungen nach Disziplin (Bernhard Bueb, Lob der Disziplin, 2006, siehe Rezension) bis hin zu den seriöseren und ernst zu nehmenderen Titeln wie „Kinder fordern uns heraus. Wie erziehen wir sie zeitgemäß?“ (Rudolf Dreikurs, 2008, siehe Rezension) und „Kinder verstehen“ (Herbert Renz-Polster, 2009, Rezension). Ratgeber können in bestimmten Fällen durchaus hilfreiche Anregungen und notwendige Stützen sein, um das schwierige Geschäft der Erziehung bewältigen zu können. Sie dürfen sich freilich nicht auf eine Rezeptologie beschränken: „Wenn du das tust, dann tritt dies ein…“.

Autor und Anliegen

Der Wuppertaler Sozialpädagoge und Familientherapeut Achim Schad arbeitet seit Jahrzehnten in der Erziehungsberatung. Von „Rezepten“ will er nichts wissen; ihm ist auch bewusst, dass Ratschläge selten die beabsichtigten Wirkungen erzeugen. Deshalb ist er überzeugt, dass es möglich ist, „Eltern aufzuzeigen, wie sie ihre Kinder gewaltfrei erziehen und zugleich von den Kindern als stark, entschlossen und entscheidungsfähig erlebt werden können“. Diese Gewissheit erreicht er mit einem theoretischen Wissen, das als „Systemische Pädagogik“ bezeichnet wird (vgl. dazu auch: Christa Hubrig, Gehirn, Motivation, Beziehung – Ressourcen in der Schule. Systemisches Handeln in Unterricht und Beratung, 2010, siehe Rezension), und mit seinen praktischen Erfahrungen. Die systemische Sichtweise in der Erziehungsberatung geht davon aus, dass Probleme und Konflikte, wie Verhaltensauffälligkeiten, Unkonzentriertheit, Aggressivität…, nur bewältigt werden können, wenn das familiäre und soziale Umfeld des Kindes einbezogen und seine Stellung in diesen Systemen betrachtet werden.

Aufbau und Inhalt

Der Ratgeber ist in drei Teile gegliedert.

Im ersten Teil geht es um „Stolpersteine in der Erziehung“. Dabei werden Gegebenheiten, Einstellungen und (gesellschaftliche) Auffassungen von Gewalt und Zwang in der Erziehung diskutiert und relativiert; es wird danach gefragt, wodurch Erziehungsprobleme entstehen können; welche Vorstellungen Eltern über ihre Rolle und Aufgabe als Erzieher haben (sollten) und „was des Guten zuviel“ sein könnte.

Im zweiten Teil werden Hilfen und Lösungswege bei Erziehungskonflikten angeboten; wie die Frage nach der Macht in der Familienkonstellation, mit Schlagwörtern belegte Anregungen gegeben, wie „Fordern statt verwöhnen“, „Grenzen setzen ohne zu verletzen“, „Konsequenzen statt Drohungen und Strafen“; und es wird vorgeschlagen, im Erziehungsprozess gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln und Verantwortung zu übertragen. Es geht auch darum, die Rolle der Erzieher, des Vaters, der Mutter …, zu reflektieren, und um die in letzter Zeit vielfach in den gesellschaftlichen Problemblick geratene „Jungenerziehung“. Auch Alleinerziehende und Mehrgenerationen-Erzieher werden in den Diskurs einbezogen.

Im dritten Teil werden stichwortartig problematische Familien- und Erziehungsstrukturen, gewissermaßen als Nachdenksätze, genannt. Schließlich kommt die Frage der Fragen, danach nämlich, „was Kinder wirklich brauchen“. Hilfreich ist hier, um das Nachdenken über die Ziele und Praxis der Erziehung beginnen zu lassen, die „Bedürfnisskala“, die als Grundlage einer guten Erziehung angesehen werden kann. Schließlich werden vom Autor ausgewählte Internetseiten genannt, in denen Anregungen und Hilfen zu den vielfältigen Fragen der Erziehung von Kindern gegeben werden.

Fazit

Kinder brauchen Liebe, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Partnerschaft und die Erfahrung, damit Eltern und Erziehungsberechtigte ihnen Verantwortung zutrauen können und Grenzen nicht aus Machtantrieb, sondern aus Verantwortung gezogen werden. Das Zauberwort „Konsequenz“ kommt aus vielen Mündern und Papieren. Achim Schad benutzt es aus seiner beruflichen Erfahrung heraus. Das ist gut und hilfreich. Deshalb kann man sein Buch als einen Ratgeber bezeichnen, der Rat gibt und Wege aufzeigt, sich im Gewirr von individuellen, gesellschaftlichen, schulischen … Erwartungshaltungen und den förderlichen Bedürfnissen der Kinder zurecht zu finden.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1737 Rezensionen von Jos Schnurer.

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ISSN 2190-9245